Heute

Posted by admin on Mai 25, 2018

Am 25. Mai 1895 wurde der Schriftsteller Oscar Wilde wegen Unzucht zu zwei Jahren Zuchthaus verurteilt

Während der Haft musste er schwere Zwangsarbeit leisten – das ruinierte die körperliche und seelische Gesundheit des sensiblen Dandys.

Wilde hätte sich, als er wieder frei war, gern in ein Jesuitenkolleg zurückgezogen, um sich zu erholen. Aber der Leiter des Kollegs wies das empört von sich: ein ‚Sodomist‘ hatte dort nichts zu suchen!

Also emigrierte er für die letzten drei Jahre seines Lebens nach Paris. Dort lebte er recht bescheiden, vor allem, wenn man bedenkt, dass seine Devise war: Man umgebe mich mit Luxus. Auf alles Notwendige kann ich verzichten. Er schnorrte und pumpte ein wenig Geld von alten Freunden und lebte traurig und einsam in einem mittelmäßigen Hotel. Das entsprach bestimmt nicht seinen hohen ästhetischen Ansprüchen.

Wildes letzten Worte lauteten: „Entweder geht diese scheußliche Tapete – oder ich.“

 

 

Posted by admin on Mai 24, 2018

Es sollte auf keinen Fall unerwähnt bleiben…

…dass Ernst gestern ebenfalls Geburtstag hatte! (Er reagiert leicht etwas gekränkt, wenn man das nicht gebührend würdigt.)

Teddyjahre zählen anders als Menschenjahre. Manchmal zählen sie sogar rückwärts. Ein Teddybär wird an seinem Geburtstag nicht unbedingt älter. Trotzdem möchte er verständlicherweise, dass es einmal im Jahr für ihn eine kleine Buttercremetorte gibt, in der eine brennende Kerze steckt und auf der mit Zuckerguss geschrieben steht: Unser Ernst.

Es kann nichts schaden, sich an diesem Tag den Nachtisch selbst aussuchen zu dürfen, ein bisschen angesungen zu werden und zu hören, wie sie sagen: sei mal besonders lieb zu Ernst, der hat heute Geburtstag!

Ach, und Geschenke. Diesmal gab es drei Gläser mit Honig (verschiedene Sorten), zwei Gläser mit Orangenmarmelade + Ingwer, einen Carrera Jeep, eine Parkgarage, ein witziges Malbuch, einen Öko-Laubsägeschrank und zwei Filme: Glücksbärchi und Findet Dorie…

Außerdem viele Glückwunschkarten von Fans. Die liest Mami vor. 

Eigentlich war es ein schöner Geburtstag, gestern …

 

 

Posted by admin on Mai 23, 2018

Am 23. Mai

starb beispielsweise das Deutsche Reich. Es wurde von den Alliierten Siegern für beendet erklärt.

Noch einer starb kurz darauf, der ehemalige Reichsführer SS Heinrich Himmler. Während eines Verhörs der britischen Sieger kramte er eine Zyankalikapsel aus seiner Zahnlücke, biss  darauf – und entzog sich so weiteren Verhören.

Andererseits wurde an diesem Datum auch vieles geboren. Etwa die Bundesrepublik Deutschland, Lena Meyer-Landrut, Wotan Wilke Möhring, Tom Tykwer, Joan Collins, Artie Shaw und Dieter Hildebrand.
Und ich …

 

 

 

 

Artie Shaw
Dieter Hildebrandt
Und ich.

 

Posted by admin on Mai 22, 2018

Die Haseldorfer Binnenelbe und der plattdeutsche Kormoran

Gestern habe ich eine Menge über die Elbmarsch gelernt. Von jemandem, der hier wohnt, seit ungefähr drei Wochen. (Ich wohne hier seit ungefähr 25 Jahren.)

Natürlich bin ich  schon öfter auf dem Elbedeich spazieren gegangen. Aber ich wusste nicht, dass es  sich bei dem idyllischen Gewässer neben dem Deich  um die ‚Binnenelbe‘ handelt! Wer ahnt denn so was?

Na gut, mir war schon mehr oder weniger bekannt, dass die großen Vögel, die so geschäftig jeweils im Einzelflug über dem Deich unterwegs sind, Kormorane heißen. Doch der neue Einwohner unserer Gegend zeigte mir auch gleich die Bäume, in denen sie alle nisten und die sie  weiß überkleckert haben. Übrigens kann man ihre lebhafte Unterhaltung aus größerer Entfernung hören: klingt ein bisschen wie Fußballfans vor dem Spiel. Und außerdem, was ja nicht weiter verwundert, irgendwie plattdeutsch.

Auf dem Deich laufen die Schafe rum. Fast jede Schafsmama hat ein oder zwei Lämmchen, die keine Babys mehr sind und Gras kauen, sich aber trotzdem teilweise noch an der Milch bedienen.

Wir begegneten einem sehr selbstbewussten Fräulein Lamm, das alleine graste, Halme in den Mundwinkeln, und sich auf ein Schwätzchen mit uns einließ – bis Mama aus einiger Entfernung ihre Missbilligung äußerte: „Kind, das sind wildfremde Leute! Grasen sollst du und nicht reden! Komm sofort da weg!“

Tat das Lämmchen zwar nicht, brach jedoch die Unterhaltung mit uns ab und widmete sich wieder seiner Aufgabe.

Ein Aussichtsturm steht da auch. Der hat eine schöne Aussicht. Vor allem  aber hat er relativ bequeme Stufen, auf denen eine im Wandern wenig geübte Katze sich etwas ausruhen kann.

Wenn man das Glück hat, mit neuen Einwohnern einer Gegend unterwegs zu sein, die voll Wissbegier und Begeisterung auf die Landschaft losgehen, dann sieht man die Heimat mit ganz anderen Augen …

Posted by admin on Mai 21, 2018

Ein Arboretum ist eine Art Baum-Museum

So was wie ein botanischer Garten mit mehr Bäumen und Sträuchern als Blumen.

So furchtbar viele gibt es gar nicht davon. In Kroatien etwa befindet sich ein mehr als sechshundert Jahre altes Arboretum, das älteste der Welt.

Ja, und in Ellerhoop, bei uns um die Ecke im südlichen Schleswig-Holstein, liegt eins mit über 4000 Baum- und Pflanzenarten auf 17,3 Hektar. Für das Eintrittsgeld in diesen Riesenpark muss eine alte Frau enorm lange häkeln – aber vermutlich ist es angemessen.

Da gibt es versteinerte Bäume und nachgemachte Bäume und lebendige Bäume, einige mit den Füßen in Wasser – denn Teiche gibt es auch.

Dazwischen wachsen Blüten, teilweise ebenfalls auf Bäumen. Beispielsweise prunken und duften ganze Blauregenplantagen vor sich hin. 

Rund um die Beete stehen aparte Sitzgruppen oder Bänke oder Sitzkörbe, plätschern verschiedenste Springbrunnen und laufen fotografierende Menschen umher. Sie fotografieren die Gewächse und sich selbst vor den Gewächsen und sich gegenseitig, von ganz nahe oder ganz weit weg. Und die meisten sehen sehr entspannt aus und lächeln.

Ein molliger alter Herr fotografierte nicht. Er zeigte indessen jedem, der sie sehen wollte, Fotos, die er vergangenes Jahr von den Lotosblüten auf einem der Teiche gemacht hat.

Die Vögel sangen immer noch Frühlingslieder, obwohl sich alles anfühlte wie tiefer Sommer. Ich freute mich, in der Nähe ein offenbar größeres Insekt zu hören (nach allem, was über das Insektensterben gesagt wird), aber der Löwe machte mich darauf aufmerksam, das sei kein Insekt gewesen; vielmehr hätte der mollige alte Herr mit  den Lotosfotos sich nur ausführlich die Nase geschnäuzt …