Heute

Posted by admin on Juli 13, 2018

Die Waldmaus …

… ist eins der Tiere, die eine Autotomie fertigbringen. Eidechsen, Seesterne und manche Weberknechtarten gehören auch dazu.

Autotomie bedeutet, sie können notfalls einen Körperteil als entbehrlich abwerfen, falls ihn jemand festhält, dem nicht zu trauen ist. Manchmal wächst das Stück nach – manchmal nicht. Eine Methode der lebensrettenden Selbstverstümmelung.

Als Arne, mein Sohn, neun Jahre alt war, sprang ihm eine von einer Katze verfolgte Maus in die Arme. 

Er brachte sie mit nach Hause, wir besorgten ihr einen Käfig und pflegten sie ein paar Tage, bis sie  ihre Verletzungen ausgeheilt hatte. Zwar erholte sie sich ziemlich schnell, doch sie mochte ungern eingesperrt sein. Sie stand meist auf den Hinterfüßen und hielt sich mit ihren winzigen Händen an den Gitterstäben fest. Es sah aus, als ob  sie daran rütteln würde. Das war 1988, und wir tauften die freiheitsdurstige Maus nach dem inhaftierten afrikanischen Aktivisten Mandela: Nelson.

Ich kannte mich einigermaßen mit Mäusen aus, weil eine Albino-Maus namens Pinky (die ich als Baby aus einem Versuchsmäuse-Käfig gerettet hatte) dreieinhalb Jahre lang mein Leben teilte.  Was übrigens ein für ihresgleichen überaus gesegnetes Alter war. Ich wusste also, dass Mäuse gern spielen. Wir bastelten für Nelson einen kleinen Spielpark mit Schaukeln und Laufrad, in dem wir ihn so oft wie möglich frei laufen und turnen ließen. Das ging ganz gut in unserem großen Flur, indem wir alle Türöffnungen mit glatten, hochgestellten Tabletts versperrten. Aber eines Tages gelang es Nelson, mit Anlauf doch eins der Tabletts zu überspringen.

Ich erwischte ihn am Schwänzchen. So hatte ich Pinky immer gefangen, es tat ihr nicht weh. Sie war sogar ganz gern mal auf diese Art ttrasportiert worden. Nicht so Nelson. Zu meinem bleichen Entsetzen hielt ich nur sein Schwänzchen in der Hand, während sein Rest sich unter einer Vitrine versteckte.

Ich heulte ungefähr zwei Stunden lang. Ich hab kein Problem damit, mich mit Menschen zu prügeln, falls es ratsam ist. Aber Tieren weh zu tun ist mir schrecklich. Arne hatte alle Hände voll damit zu tun, mich zu beruhigen.

Später erfuhr ich aus dem Lexikon, dass Nelson eine Gelbhalsmaus war (eine Untergruppe der Waldmaus) und sein Schwänzchen, wenn auch vielleicht nicht in voller Länge, nachwachsen würde. Immerhin hatte er demonstriert, wieviel ihm die Freiheit wert war. Wir brachten ihn mit einem angemessenen Stück Käse als Wegzehrung zu einem Park in der Nähe.

Nelson raschelte sich emsig durch das Laub unter einem großen Baum in das Wurzelwerk und wir wünschten hinter ihm her ein mausemäßig glückliches Leben …

 

 

 

Posted by admin on Juli 13, 2018

Hollywoodlands

Die Hollywood Hills sind Hügel nördlich der Stadt Los Angeles. In den Zwanziger Jahren des zwanzigsten Jahrhunderts war die Gegend ziemlich öde und unbewohnt. Um hier für den Kauf von Grundstücken zu werben, befestigte eine Maklerfirma am 13. Juli 1923 das Wort  HOLLYWOODLAND in großen, etwas hoppeligen Buchstaben, von unten her gut zu erkennen. 

Der Reklametrick kostete immerhin 21.000 Dollar. Viele kleine weiße Metallplatten wurden auf ein Gerüst aus alten Telefonmasten, Holzteilen und Rohren genagelt und die Schrift von viertausend Glühlampen beleuchtet.

Eigentlich war das Ganze als Provisorium für höchstens zwei Jahre geplant. Doch dann geriet der Schriftzug zu einem Symbol für den aufblühenden Filmstandort Hollywood. Insofern störte es niemanden, als die Nachsilbe LAND wegkippte.

In den vergangenen Jahrzehnten wurde das Hollywood Sign immer mal wieder restauriert, erneuert, solider und perfekter installiert. Inzwischen, nachdem Souvenirjäger, Graffitty-Bestrebte und Selbstmordkandidaten darin herumkraxelten, beschützen Elektroniküberwachung und Bewegungsmelder das berühmte Sign …

 

 

Posted by admin on Juli 12, 2018

Am 12. Juli hat England Geburtstag

An diesem Tag nämlich – im Jahr 927 – wurde König Aethelstan von Konstantin II., Eógan I., Howell dem Guten und Ealdred I. als Oberherrscher über die grüne Insel anerkannt. Und das gilt offiziell als Gründungstag Britanniens.

Herzlichen Glückwunsch!

 

Posted by admin on Juli 11, 2018

Orson Welles und der Krieg der Welten

Zunächst war er Schauspieler, doch sein Naturell drängte nicht nur zum Darstellen, sondern mindestens ebenso zum Machen, Schreiben und Regieren. Er inszenierte für’s Theater und für das neue Medium Radio, anfangs vor allem Shakespeare. Mit kaum Zwanzig gründete er seine eigene Theatergruppe und wurde bald als herausragendes Genie bezeichnet.
Am 11. Juli 1938 begann er mit seiner Truppe eine neue, dreizehnteilige Hörspielreihe: Literaturklassiker in moderner Auffassung. Dazu gehörte auch der Science-Fiction-Roman Der Krieg der Welten von H. G. Wells von 1898. Der wurde passenderweise am Vorabend von Halloween ausgestrahlt.
Welles machte daraus eine fiktive Reportage und verlegte die Geschehnisse in die Gegenwart und von England nach New Jersey. Ein Radioreporter berichtete in äußerst realistischem Ton von der Invasion Außerirdischer.
Dazu kam Orson Welles ein spezieller Einfall. 
Am selben Abend wurde auf einem anderen Sender ein sehr beliebtes Comedy-Programm gesendet. Und exakt, als es in diesem Programm die erste Werbepause gab (was viele Hörer dazu brachte, am Senderknopf zu drehen und kurzzeitig zu lauschen, was sonst so lief) gerieten sie ohne Vorwarnung und Ankündigung an einen atemlosen Bericht, in dem behauptet wurde, Aliens griffen mit Giftgas, Lichtblitzen und klebrigen Tentakeln die amerikanische Ostküste an. 
Genau in diesem Augenblick fiel – tatsächlich zufällig – in  dem Ort Concrete im Bundesstaat Washington der Strom aus. Das Städtchen lag im Dunkeln, die Telefonleitungen versagten. Über einer Fabrik in der Nähe flammte kurz ein Lichtblitz auf.
Das Ergebnis war verständlicherweise eine gewisse Panik. Menschen stürzten sich in ihre Wagen und verknäuelten sich, im Bemühen, sich zu retten. 
Vielleicht war die ‚Massenpanik‘ nicht ganz so groß wie später oft behauptet. Vielleicht rannte sich nicht ganz New Jersey gegenseitig über den Haufen. Aber das Ergebnis  reichte, um den 23jährigen Orson Welles schlagartig  weltberühmt zu machen …

 

 

 

Posted by admin on Juli 10, 2018

Am 10. Juli 1709 gab es ein Dreikönigstreffen

 

 

Und das hatte nicht das geringste mit Weihnachten zu tun.

Mehrere Tage lang besprachen der Gastgeber, der preußische König Friedrich I., und seine königlichen Gäste Friedrich IV. von Dänemark sowie Kurfürst August der Starke von Sachsen (der gleichzeitig König von Polen war) ein dringendes politisches Thema. Übrigens hießen nicht nur der von Preußen und der von Dänemark Friedrich – das war auch einer der Vornamen von August und halt damals ein höchst beliebter Name.

Der von Sachsen und der von Dänemark bemühten sich aus Leibeskräften, den von Preußen als Verbündeten gegen die Schweden zu gewinnen und ihm einen netten kleinen Krieg schmackhaft zu machen. 

Der preußische Friedrich wusste nicht so recht. Zunächst mal glänzte er vor allem als perfekter Repräsentant. Der Berliner Hof zeigte so glanzvolle Festlichkeiten, dass Preußen dafür einen größeren Kredit bei einem Bankier aufnehmen musste.

In der ‚Weltpresse‘ wurde viel um die ungewöhnliche Kulmination so vieler Könige drumher gemacht, es entstanden sogar beeindruckende Gemälde, auf denen die gekrönten Häupter wirkten wie Kartenkönige.

Davon abgesehen kam nicht viel beim Dreikönigstreffen heraus: Preußen hatte Schweden verschiedentlich Neutralität zugesichert und hielt sich daran. Sachsen und Dänemark mussten sich damit begnügen, dass Friedrich I. Schweden jedenfalls keinen Durchzug gewähren wollte …