Heute

Posted by admin on Mai 20, 2018

Am 20. Mai 1969 endete die zehntägige Schlacht am Hamburger Hill

Das war die letzte große Bodenoffensive der US-Army im Vietnam-Krieg. Zehn Tage lang hatte das Morden um einen strategisch wenig wichtigen Hügel getobt, der auf den Militärkarten mit der Nummer 937 verzeichnet war. Die Vietnamesische Volksarmee sollte hier ‚beseitigt‘ werden.

Die militärischen Planer rechneten mit wenig Gegenwehr: Mörserbeschuss und ein bisschen Infanterie, mehr würde es nicht sein. Der Feind besaß erwiesenermaßen weder Laster noch Bulldozer noch Helikopter, um schwere Waffen in Stellung zu bringen. Dass die nordvietnamesische Armee es schaffen könnte, ihre Artellerie durch den Dschungel aus dem Tal mit reiner Muskelkraft nach oben zu schleppen, kam den Planern nicht in den Sinn.

Leider fehlte jede Koordination. Bei der Erstürmung des Hügels riss die Befehlskette völlig ab, keiner wusste genau, was der andere tat. Allen wurde jedoch befohlen, rücksichtslos  vorzurücken. Dabei hagelte es unterschiedliche und sich widersprechende Meldungen. Das erforderte allein durch ‚friendly  fire‘ aus Kampfhubschraubern 7 tote und 53 verwundete junge Amerikaner.

Dabei wäre das überhaupt nicht nötig gewesen: Der Mörserbeschuss der Vietnamesen machte sowieso ‚Hackfleisch‘ aus ihnen und verursachte 70 Gefallene und 372 Schwerverwundete (Deshalb tauften die GIs die Kampfstätte nachträglich ‚Hamburger Hill‘.)

Trotz der gewaltigen Verluste gewann die US-Army schließlich die Schlacht. Der Hügel wurde tatsächlich erobert – und dann, kaum eine Woche später, wieder aufgegeben.

Und doch bewirkte dieser teuer erkaufte Sieg etwas. Nämlich in der amerikanischen Öffentlichkeit ein maßgebliches Umdenken über den Vietnamkrieg und seine Sinnhaftigkeit  …

Posted by admin on Mai 19, 2018

Also der Herzog und die Herzogin von Sussex hatten auch eine ganz nette kleine Hochzeit …

… unsere wird vielleicht ein Spürchen schlichter. Dafür müssen wir nicht fortgesetzt winken.

EINS jedoch hätte ich auch gern: dasselbe Wetter für den großen Tag!

Posted by admin on Mai 18, 2018

Am 18. Mai 1897 erblickte in London Graf Dracula das Licht der Welt

Jedenfalls hielt der irischen Schriftsteller Bram Stoker an diesem Datum die erste Lesung aus seinem Vampir-Roman, der einige Tage später erschien.

Leider dauerte es lange, bis der böse Blutsauger zum Begriff wurde. Bram Stoker starb 1912 in finanziell äußerst bescheidenen Verhältnissen und ohne zu ahnen, wie sprichwörtlich Dracula eines Tages sein sollte.

Die Witwe des Autors, die schöne Florence (die er übrigens seinem Kollegen Oscar Wilde weggeschnappt hatte) kämpfte später verbissen um die Rechte, als Friedrich Wilhelm Murnau den Roman ihres Mannes, ein wenig verändert, zu seinem Stummfilm ‚Nosferatu – Eine Symphonie des Grauens‘ verarbeitet hatte. Es gelang ihr immerhin, das Werk – beziehungsweise seine Aufführung – verbieten zu lassen.

Doch der Film konnte durch übriggebliebene Kopien bald wieder vollständig rekonstruiert werden …

 

Posted by admin on Mai 17, 2018

Ist Selbstgerechtigkeit eine typisch deutsche Eigenschaft?

Zumindest der heilige Ernst ist es, mit dem wir an viele Dinge herangehen. Oh, wir lachen gern. Also da, wo es hingehört. Aber es gibt eben Sachen, die sind sakral. Da hat der Humor gefälligst zu schweigen.

Die Kolumnistin Sibylle Berg hat die Selbstgerechten in SPIEGEL ONLINE so beschrieben: … nichts reizt die Wut der Rechtschaffenen so sehr wie Oberflächlichkeit, denn sie sind ernsthafte Menschen, immer offen für eine Diskussion, solange sie recht bekommen …

Die Selbstgerechten wollen gar nichts besonderes darstellen, im Gegenteil. Ihr Stolz liegt darin, ein ‚ganz normaler Mensch‘ zu sein. Sie haben sich eigentlich – bei aller Bescheidenheit – nichts vorzuwerfen. Also werfen sie es dem Mitmenschen vor. An Irgendwas muss man ja rumnörgeln. Stimmt ihnen niemand zu, vermurmeln sie und kümmern sich um etwas anderes. Gibt es jedoch ein zustimmendes Echo um die Rechtschaffenden herum, dann können sie zu blutgierigen Hyänen werden. Und meinen es dabei die ganze Zeit nur gut …

Posted by admin on Mai 16, 2018

Ich hab eine Waschmaschine

Sie ist schmal und zierlich und passt hervorragend in mein kleines Badezimmer – ich selbst bin ja auch nicht  riesig.

Als der türkische Elektrohändler sie mir im letzten Sommer verkaufte, war ich richtig glücklich. Er schleppte sie mit seinem Gehilfen die Treppen hoch (ich hatte ihm am Telefon beteuert, ich sei ein schwaches Weib ohne männlichen Beistand und wenn er die Maschine im Erdgeschoss abstellte, wie angekündigt, müsste ich im Erdgeschoss waschen. Ich wohne allerdings im zweiten Stock.)

Oben angekommen, konnte der Händler nicht mehr viel sagen, nur mit den Augen kullern. Wenn die Maschine auch zierlich ist, wiegt sie doch so dies und das. Immerhin hatte er mir bereits am Telefon vermittelt, das Gerät sei auf dem neuesten Stand: sie könne Fehler selber entdecken und anzeigen.

Ich halte das inzwischen für wenig wünschenswert. Waschmaschine ist viel zu sensibel. Sie vermutet Fehler in sich, wenn sie nur ein bisschen schlecht geschlafen hat oder das Wetter wechselt. So was fühlt unsereiner auch, ohne viel drum her zu machen. Waschmaschine muss drüber reden.

Ich möchte eine kleine Ladung Buntwäsche zu 30° gewaschen haben und das bitte in kürzester Zeit. Anstatt dem nachzukommen, beginnt Waschmaschine, zu blinken. Ich kann ihr ansehen, dass sie sich selber beobachtet, misstrauisch und sorgenvoll. Dann vertraut sie mir an, sie fürchte, ein wenig an Fehler 40 zu leiden. 

Ich sage: „Liebes Kind, Fehler 40 hattest du vielleicht mal und deine Elektronik erinnert sich daran. Augenblicklich hast du keinen Fehler. Es geht dir großartig. Du hast selten so gut ausgesehen!“

Darauf ist sie beleidigt und geht aus. Ich stelle sie wieder an, um zu erfahren, jetzt könne sie unmöglich waschen. Aller Wahrscheinlichkeit nach sei sie ein Opfer von Fehler 91. Es wäre furchtbar gefährlich, in diesem Zustand zu waschen.

Laufe ich deshalb in schmutzigen Sachen herum und serviere auf fleckigen Tischtüchern? Nein. Meistens besinnt sie sich nämlich. Sie braucht einfach dieses Anfangs-Geplänkel. Spätestens, wenn ich damit drohe, die Wäsche wieder aus ihrem Bauch zu holen und  bei einem Freund zu waschen – oder wenn ich das Gespräch abbreche und sie alleine lasse – höre ich nach einer Weile leises Dröhnen und Wassergeriesel. Jetzt wäscht sie, und zwar tadellos.

 

Übrigens besitzt mein Auto ein ähnlich delikates Seelenleben. Er (es handelt sich um ein Männchen) quasselt auch ständig von irgendwelchen Fehlern, die er in sich zu spüren glaubt. Dazu piepst er nervenaufreibend. Neulich war er zwei Wochen lang unbelehrbar überzeugt davon, sein Reifendruck sei etwas unregelmäßig. Davon konnten ihn auch wiederholte Überprüfungen des Reifendrucks (ohne Ergebnis) nicht abbringen. 

Ich las kürzlich einen Artikel, in dem davor gewarnt wird, dass die  Elektronik zuviel weiß. Dem kann ich nur zustimmen. Vor allem macht sie sich zuviel Gedanken …