Heute

Posted by admin on Mai 15, 2018

Am 15. Mai 1940 war N-Day

In ausgewählten amerikanischen Geschäften wurden zum ersten Mal Nylonstrümpfe angeboten! Die Käuferinnen rauften sich um die Ware: Fünf Millionen Paar der zarten, glänzenden Strümpfe wurden am selben Tag verkauft. Viele Kundinnen gingen leer aus, büßten sogar Haarbüschel ein oder erhielten blaue Flecken.

Die begehrten Strümpfe reichten bis ungefähr zur Mitte der Oberschenkel und besaßen eine rückwärtige Naht. denn es gab noch keine Wirkmaschinen, die rundherum arbeiteten. Diese Naht sollte gerade sitzen und erforderte einen Blick über die Schulter, in den Spiegel, oder die Frage an einen Betrachter: „Sind meine Nähte gerade?“

Gehalten wurden Nylons selten durch Strumpfbänder, meistens durch Strapse, zwei für jedes Bein. Das waren zehn bis fünfzehn Zentimeter lange elastische Bänder mit einer Gumminoppe, über die man links und rechts ein Stück Strumpf zog und dann festhakte. Die vier Strapse hingen entweder am Korsett oder an einem Strumpfhalter, um die Hüften geschnallt, tunlichst unter dem Höschen.

Nylonstrümpfe machten auch weniger perfekte Beine attraktiv durch die schimmernde Optik, nicht ganz blickdicht, aber keineswegs durchsichtig. Durch die Nähte sahen alle Proportionen schlanker aus.

Mit dem Anfang der sechziger Jahre verbesserte sich die Wirktechnik.  Nun konnte rundherum gestrickt werden. Zuerst entfernte das die Naht aus dem Strumpf. Einige Jahre später bastelten die Hersteller alles zu einem Stück zusammen, zur Strumpfhose.

Das war viel praktischer, doch nicht so reizvoll. Immerhin kam es ganz genau zur richtigen Zeit, denn kurz darauf begann  die Minirock-Mode, die sich mit hervorguckenden Strapsen nicht besonders gut vertragen hätte.

Seit ungefähr fünfzehn Jahren gelten die Strümpfe unter sehr modebewussten Damen als altmodisch. Zu Galas und besonderen Veranstaltungen geht eine superschicke Frau mit nackten Beinen in Pumps. Und wenn der Schneesturm des Jahrhunderts tobt und ihre Besenreiser oder vorstehenden Venen auf  den Fußrücken sich gern unter einer glänzenden Fassade verstecken würden: nacktes Bein ist Pflicht, notfalls unter einer Schicht Makeup.

Die Mode ist eine tyrannische  Herrscherin …

Posted by admin on Mai 14, 2018

Ingwer ist schrecklich gesund!

Seit ich morgens etwas Ingwer in meinem Tee trinke, fühle ich mich um Jahrhunderte jünger. Na, aber um Jahrzehnte.

Übrigens packe ich ihn keineswegs scheibchenweise in die Tasse oder die Kanne oder eben kochendes Wasser. Stattdessen schneide ich etwas  Ingwer ab und drücke das Stück durch meine Ingwerpresse, die ich dann schräg halte, um die Portion Saft herauslaufen zu lassen.

Geboren wurde das Instrument mal als Knoblauchpresse. Doch ich habe gelesen, dass Knoblauch es nicht schätzt, gequetscht zu werden: er soll dadurch einen etwas bitteren Geschmack annehmen. Also schneide ich ihn in aller Ruhe klein. Notfalls, wenn ich ihn zu einer Paste verarbeiten möchte, drücke ich ihn rücksichtsvoll mit einem breiten Messer platt.

Auf jeden Fall hat meine Ingwerpresse in ihrem Leben noch keinen Knoblauch gesehen, höchstens von weitem.

Wobei unbedingt gesagt werden sollte: auch Knoblauch ist schrecklich gesund!

 

Posted by admin on Mai 13, 2018

Am 13. Mai 1917 bekamen drei Hirtenkinder

in dem kleinen portugiesischen Ort Fátima einen heiligen Schrecken. Die Jungfrau Maria erschien ihnen auf einem Feld. Dem arabischen Namen zum Trotz ist diese Gegend außerordentlich katholisch. Die drei Kleinen, Bruder Francisco, Schwester Jacinta und ihre Kusine Lúcia, wussten auf der Stelle, wen sie vor sich hatten.

Von da ab erschien die Gottesmutter pünktlich an jedem Dreizehnten (völlig ungerührt von der Tatsache, dass  die Kirche diese Zahl an sich nicht besonders schätzt).

Eigentlich hatten die Kinder untereinander vereinbart, niemandem  von ihrem Erlebnis zu verraten. Doch die siebenjähre Jacinta konnte den Mund nicht halten. So kam es, dass mit jedem 13. mehr Neugierige auf dem Feld standen, um die Wiederkehr Marias mitzuerleben. Ob noch jemand außer den drei Kindern sie sah, ist sehr umstritten.

Für den 13. Oktober allerdings hatte Maria ein handfestes Wunder angekündigt. Inzwischen standen an die 10.000 Personen auf dem Feld herum, und ihnen wurde etwas geboten: die Sonne persönlich verwandelte sich für einige Augenblicke in eine silberne / orangefarbene / flammende / routierende Scheibe und wirkte, als wollte sie auf die Erde stürzen!

Das bezeugten viele, viele Menschen – obwohl ihre jeweilige Schilderung der Ereignisse ziemlich differierte. (Und dreizehn Jahre später wurde die Sache als Wunder anerkannt.)

Jacinta und Francisco übrigens starben früh. Der kleine Junge wurde zehn Jahre alt, seine Schwester nur neun. Beide waren Opfer der verheerenden Spanischen Grippe, die nach dem ersten Weltkrieg überall tobte. Inzwischen hat der Klerus die Geschwister zu Heiligen gemacht.

Ihre Kusine Lúcia dagegen starb erst in ihrem 98sten Lebensjahr, übrigens als Nonne. Ihre Heiligsprechung ist in Arbeit.

Und Fátima wurde zu einem der bedeutensten Wallfahrtsorte der katholischen Kirche …

Posted by admin on Mai 12, 2018

‚Händeringend suchten wir nach einer Lösung…‘

… das wird immer noch so formuliert.

Aber wer ringt eigentlich noch die Hände und wie geht das überhaupt? Das wollte kürzlich in einem Frage- und Antwort-Forum jemand wissen. Eine Vermutung lautete, sicher sei die Bewegung identisch mit der von trauernden und jammernden moslemischen Frauen, wenn ein Verwandter gestorben ist: ein schnelles Schütteln beider Hände neben  dem Kopf …

Nö. Hände rang man früher, indem man sie ineinander flocht und hin und her drehte. Das geschah zu einer bestimmten Zeit der Menschheit im Zustand der Bedrängnis. Jeder machte das. Eine allgemein anerkannte Geste. Inzwischen kratzt man sich vielleicht eher den Kopf oder stützt ihn in die Hand. Beides galt damals als unerzogen.

Alles ändert sich. Auch Gesten. In älteren Schriften (bis etwa in die 50er Jahre des vergangenen Jahrhunderts) findet man häufig die Formulierung, jemand ‚hielt sich die Seiten vor Lachen‘. Hielt  sich was? Und warum? Damit er nicht auseinander platzte? In welcher Höhe? Taille? Inzwischen biegt man sich oder man schmeißt sich weg.

Gegenstände, die bestimmte Bewegungen erfordern, verschwinden oder tauchen neu auf. Bevor es Filterzigaretten gab, klopfte jeder Raucher (was bedeutete, nahezu jeder Durchschnittsmensch –  wer nicht rauchte, war totkrank oder hatte irgendeine Macke) die Zigarette ein paarmal auf eine glatte Fläche, bevor er sie in den Mund steckte. Sonst gab es nämlich Tabakkrümel auf der Zunge.

Hätte man den Menschen damals einen Film gezeigt, in dem eine Person über die Straße lief, einen Plastik- oder Pappbecher in der Hand, aus dessen Deckelschlitz er hin und wieder ein Schlückchen trank, hätten sie sich ziemlich gewundert …

Erst recht natürlich über all die Passanten, die vor sich hin reden, murmeln, schimpfen, lachen, während sie sich ein kleines flaches Rechteck ans Ohr halten. Reden die mit ihrer Zigarettenschachtel?

Und auch diese Geste ist bereits Vergangenheit. Jemand unter 25 hält das Handy nicht mehr ans Ohr. Er trägt es vielmehr flach unter dem Kinn beim Plaudern.

Frag ich den Löwen: Wie können die denn hören, was der am anderen Ende  sagt?!

Vermutet der Löwe: Vielleicht wollen sie gar nichts hören. Nur reden …

 

 

 

Posted by admin on Mai 11, 2018

Der 11. Mai des Jahres 330 ist der Geburtstag einer wunderschönen Stadt

Natürlich gab es sie schon vorher – Städte werden selten bis nie aus dem Nichts erschaffen.

Aber an diesem Datum machte ein römischer Kaiser, nämlich Konstantin der Große, den Ort Byzantion am Marmarameer zu seiner Hauptresidenz. Er ließ die Stadt sehr großzügig ausbauen und gab ihr den Namen Nova Roma, also neues Rom.

Kurze Zeit später hieß sie dann  bereits  Constantinopolis.

Kaiser Konstantin plante tatsächlich, nach und nach durch diese neue Metropole die alte Hauptstadt Rom zu ersetzen.

Christentum war damals Staatsreligion und das Bild der Stadt wurde von Anfang an christlich geprägt. Im 6. Jahrhundert entstand hier die Hagia Sophia, die Hauptkirche des Byzantinischen Reiches und für Jahrhunderte das größte Gotteshaus der Welt.

Fast neunhundert Jahre später, nach der Eroberung Konstantinopels durch die Türken, wurden rund um die Sophienkirche herum vier Minarette gepflanzt. Nachdem man eine Menge der Mosaike abgeklopft hatte, benutzt man sie als Moschee.

Inzwischen heißt Konstantinopel Istanbul und die Hagia Sophia ist ein Museum. Es gibt jedoch etliche Interessengruppen, die sich immer wieder dafür einsetzen, die schöne alte Dame entweder erneut zu einer christlichen Kirche – oder endgültig zu einer Moschee zu machen …