19. August: Tag der Haarschleife!

August 19, 2020 admin No comments exist

Was wären beispielsweise Minnie Maus oder Daisy Duck ohne den Propeller auf dem Kopf? Man könnte sie (abgesehen von den langen Wimpern) kaum von Donald und Micky unterscheiden.

Insofern hat die Haarschleife gefährliches Potenzial. Sie ist nicht wirklich gender-neutral.

Ich erinnere mich mit großem Vergnügen an einen der seltenen Schultage, die mir mal Freude bereiteten. Ich hatte ein halbes Jahr lang meine Mutter bekniet, mir die Haare wachsen zu lassen und an diesem Morgen, da war ich sieben-ein-bisschen, reichte die Pracht für geflochtene Zöpfe! Ziemlich kurze Zöpfe, aber immerhin. Einer links hinter dem Ohr, einer rechts hinter dem Ohr. Und weil die Angelegenheit meiner Mutter wohl etwas mickrig vorkam, spendierte sie mir aus einer Schublade zwei breite, kirschrote Schleifen, die sie um die Zopfenden band. So marschierte ich zur Schule, wie von zwei Schmetterlingen eingerahmt. In der ersten Stunde hatten wir – tja, keine Ahnung. Denn in meine Klasse gingen männliche Zwillinge, die Söhne einer Schlachterei, Michael und Andreas. (Damals hießen die Jungens gern wie Erzengel.) Sie waren zweieiig, also einander unähnlich, Michael klein und dünn, Andreas groß und dick. Und es war Andreas, der meine Zöpfe samt roter Schleifen entdeckte!

Ich glaube, dass er auch nicht wusste, was für Unterricht wir eigentlich gerade hatten. Denn er beobachtete nur, wie ich meine Zopfschleifen nach vorn und nach hinten warf oder über eine Schleife hinweg zufällig zum Fenster schaute (Andreas saß in Fensterrichtung.) Ich lernte schnell, dass ich mit etwas angehobenen Schultern die Schleifen nach oben bewegen konnte, um mein Gesicht (und mein Lächeln) ein bisschen dahinter zu verstecken. Es war eine der nettesten Schulstunden meines Lebens.

In der Pause kam Andreas zu mir, das Gesicht so rot wie eine meiner Schleifen, und fragte: “An oder ab?” (Das war die damals gängige Liebeserklärung zwischen Siebenjährigen.) Ich wusste nicht so recht, was ich dazu sagen sollte und kicherte nur in meine linke Zopfschleife.

Glücksfaktor: Die Liebe. In allen ihren Variationen.

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