Adélaïde Labille-Guiard heiratete am 8. Juni 1800 im Alter von 51 Jahren

Juni 8, 2021 admin No comments exist

Und das war ein ziemliches Ding, so ähnlich, als ob sich heutzutage eine berühmte Frau mit Anfang 80 noch mal verheiratet. (Was ja durchaus vorkommt.)

Eine berühmte Frau war Adélaïde auf alle Fälle, eine Malerin nämlich. Sie war die achte und jüngste Tochter ihrer Eltern – und das einzige ihrer Kinder, das die frühe Kindheit überlebt hatte. Vielleicht deshalb legte ihr Vater, Monsieur Labille, der ein Bekleidungsgeschäft namens „La Toilette“ in Paris besaß, ihren etwas ungewöhnlichen Berufswünschen nichts in den Weg.

Als sie vierzehn war, begann Adélaïde eine Ausbildung zur Pastellmalerin. Zufällig war ein Freund ihres Vaters, François-Elie Vincent, Miniaturmaler. Von ihm lernte sie zunächst, winzige Portraits auf Medaillons, Puderdosendeckel oder Schnupftabakdöschen zu pinseln. Ihr eigentlicher Lehrer jedoch war der Sohn Vincents, François-André, nur drei Jahre älter als die kleine Labille, bald auch ihr Vertrauter und bester Freund.

Aber bevor beide richtig begriffen, was sie sich bedeuteten, reiste der junge Künstler zum weiteren Studium nach Rom. Adélaïde sah ihn sechs Jahre lang nicht mehr.

Deshalb beging sie, als sie zwanzig Jahre alt war, den Fehler, einen Steuerbeamten zu heiraten, einen Monsieur Giuard. Von da ab trug sie ihren Doppelnamen – auch ziemlich avantgardistisch.

Die Ehe wurde nicht sehr glücklich und blieb kinderlos. Irgendwie bekam sie jedoch ihren Mann dazu, ihr zu erlauben, sich weiter auszubilden. Sie studierte jetzt die Pastelltechnik für große Gemälde und konnte bald damit einiges zum Lebensunterhalt beitragen.

Um in der Königlichen Akademie Aufnahme zu finden, musste sie jedoch auch lernen, Ölgemälde herzustellen. Das brachte ihr wieder ihr alter Freund François-André Vincent bei, der endlich aus Italien zurückgekommen war. Jetzt, bei ihrer zweiten Begegnung, wurde beiden klar, dass sie füreinander die große Liebe waren.

Das Gesetz erlaubte keine Scheidung, doch es war möglich, sich ‚rechtmäßig zu trennen‘. Das erwirkte Adélaïde im Jahr 1779, nach zehn Jahren Ehe und lebte nun, diskret, sündhaft und sehr glücklich, mit François-André zusammen.

Bald darauf gründete sie die erste Pariser Frauenschule für Maler! Neun begabte Schülerinnen und sie selbst erregten bald große Aufmerksamkeit mit ihren hervorragenden Gemälden. Das war nicht nur eine zusätzliche Einkommensquelle – es machte Adélaïde auch berühmt. Bald malte sie die Portraits von Prinzessinnen, Ministern oder Künstlerkollegen.

Und gerade, als sie begann, den ganz großen Erfolg zu haben, erschien ein anonymes Pamphlet in Paris, das die Malerin der sexuellen und ethischen Unschicklichkeit beschuldigte und behauptete, sie habe Tausende von Affären gehabt. Adélaïde musste alle ihre guten Beziehungen nutzen, um die Sache einigermaßen aus der Welt zu schaffen. Eine komplizierte Angelegenheit, denn tatsächlich lebte sie ja mit einem Mann zusammen, der nicht ihr Gatte war.

Bis 1789 portraitierte die Künstlerin viele Mitglieder der französischen Königsfamilie, wie etwa dieses Bildnis der Madame Louise-Elisabeth de Bourbon mit ihrem Söhnchen – und erfreute sich größter Beliebtheit. Der Erfolg schien ihr treu zu sein.

Doch dann kam – die Revolution. Adélaïdes Beziehungen zum Adel machten sie plötzlich politisch verdächtig. Vermutlich nicht gerade gern musste sie einige ihrer Gemälde zur Verbrennung freigeben. Sie spendete eine größere Summe als ‚patriotische Spende‘ an die Nationalversammlung und sie portraitierte nun eben deren Machthaber, beispielsweise Maximilien Robespierre – und zwar so, dass der alte Giftzwerg geradezu nett aussah …

Weil die Revolution ja auch Gutes bewirkte, konnte Adélaïde sich jetzt endlich scheiden lassen. So kam es, dass sie nach all dieser gemeinsamen Zeit François André Vincent heiratete. Von da ab signierte sie alle ihre Werke nur noch mit ‚ Madame Vincent‘.

Drei Jahre nach der Hochzeit starb Madame Vincent. Ihr Mann musste anschließend dreizehn Jahre warten, bis er wieder bei ihr war …

Glücksfaktor: den richtigen Mann zu heiraten!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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