Am 1. Februar 1899 gründete Lina Hähnle den Bund für Vogelschutz

Februar 1, 2022 admin No comments exist

Inzwischen heißt das NABU und ist eine Rieseninteressengemeinschaft  geworden. Die kümmert sich nicht mehr nur um Vögel, sondern um Naturschutz jeder Art, von Tieren, Pflanzen, Flüssen bis zu Meeren und Wäldern im In- und Ausland. Die Organisation ist nichtstaatlich, unterhält eigene Forschungsinstitute, imformiert Bürger und Medien über alles Wichtige, was in Umwelt- und Naturschutz läuft und muss bei Eingriffen in den Naturhaushalt angehört werden. (Und falls der NABU findet, irgendwas geht gar nicht, dann besitzt er das Recht zur Verbandsklage, was bedeutet, er vertritt damit das Recht der Allgemeinheit.)

Inzwischen hat der Verein rund 760.000 Mitglieder und 50.000 Förderer. Wenn Lina das noch erlebt hätte!

Sie wurde am 3. Februar 1851 am Neckar geboren, eine hübsche schwarzhaarige Schwäbin mit dunklen Augen und großem Mund – in jeder Beziehung. Sie wusste, was sie wollte. So genau wussten das in ihrer Zeit wenige Frauen. Hier haben wir ein Foto von ihr mit ihren fünf Söhnen (eine Tochter hatte sie auch noch), da ist sie etwa vierzig Jahre alt.

 

Lina hatte mit zwanzig Jahren ihren dreizehn Jahre älteren Kusin Hans geheiratet, wodurch sie praktischerweise ihren Nachnahmen behalten konnte. Hans Hähnle war ein sehr erfolgreicher Fabrikanten und später Reichstagsabgeordneter und Lina besaß nicht nur ein Herz für Schwalben. Hühner und den Waldkauz, sondern auch für Menschen. Sie beeinflusste ihren Mann zu sozialen Taten. Er baute unter anderem Arbeiterwohnungen nach modernsten gesundheitlichen Standarts (nach damaliger Auffassung), sie richtete eine Krippe – also eine Art Tages-Kindergarten –  für Arbeiterkinder ein.

Die junge Frau erkannte früh die Zerstörung der Natur durch die Industrie und sie beschloss, etwas dagegen zu unternehmen. Aber es gab noch andere Dinge, die sie ärgerten. Einige Jahre nach der Gründung ihres Vogelschutzbundes, um die Jahrhundertwende herum, kamen zu ihrem Missvergnügen riesige Damenhüte in Mode, die bevorzugt mit Straußen- oder Paradiesvogelfedern geschmückt wurden. Und da man den Vögeln ihre Federn nicht abkaufte, sondern die Tiere schlicht umlegte und rupfte, beschloss Lina, etwas dagegen zu unternehmen.Sie nutzte geschickt und charmant ihre gesellschaftlichen Beziehungen sowie die – durch ihren Mann – geschäftlichen Verbindungen zur Textilindustrie und es lag wirklich besonders an ihren Bemühungen, dass Federhüte dieser Art schnell wieder aus der Mode kamen. Weil das in Deutschland klappte, kämpfte sie ebenso in Frankreich und Amerika darum. Präsident Wilson fand nicht nur ihren Einsatz gegen die Hutmode beachtlich, ihm gefiel der ganze Vogelschutzbund so gut – dass er selbst zum Mitglied wurde!

Das klingt alles großartig und man könnte meinen, der NABU ist zu recht stolz auf seine Gründerin. Sie war tüchtig, sie war originell, sie leitete ihren Verein energisch und liebevoll.

Doch Lina Hähnle, seit 1909 Witwe, erlebte die Machtübernahme der Nazis mit und die Satzungsänderung ihres Verbandes, die nun verlangte, dass nur noch „deutsche Staatsbürger und Menschen artverwandten Blutes“ Mitglieder sein durften – was bedeutete, alle jüdischen Vogelschützer flogen aus dem Verein.

Die Nazis hatten mit Natur eine Menge im Sinn. Der Führer war tierlieb, Nichtraucher und Vegetarier. Gleichwohl ist es, vorsichtig gesagt, ungünstig, ihn als wohlwollenden Förderer des Naturschutzbundes vorzuweisen, denn er hatte schließlich auch einen Haufen ziemlich umweltschädlicher Ideen, die unter anderem immer noch auf dem Grund der Ostsee vor sich hin rosten.

Aus dem Vogelschutz- wurde ein Reichsbund, Lina Mitglied der NS-Frauenschaft – und das ist ein kleines Problem, das der NABU verständlicherweise nicht so gern aufbauschen möchte. 

Aber vielleicht beugte sich Lina Hähnle, selbstverständlich dekoriert mit dem Mutterkreuz, auch nur dem Zwang der Zweckmäßigkeit. Ob sie eine hemmungslos begeisterte Nationalsozialistin war, darf bezweifelt werden, wenn man weiß, dass einer ihrer Söhne als ‚unwertes Leben‘ im Zuge der Euthanasie wegen einer Behinderung die Todesspritze bekam.

Am 1. Februar 1941, ganz genau 42 Jahre nach Gründung des Vogelschutzbundes und zwei Tage vor ihrem 90. Geburtstag, starb Lina Hähnle.

Glücksfaktor, ohne Zweifel: Schutz der Natur …

 

 

 

 

 

 

 

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