Am 11. Dezember 1829 heiratete der König von Spanien zum vierten Mal

Dezember 11, 2021 admin No comments exist

Dieser König war Fernando VII. Wegen seiner vielen Ehen jedoch keineswegs eine Art Henry VIII., er ließ weder Ehefrau hinrichten (die drei ersten waren selbsttätig gestorben), noch strengte er Scheidungen an. Er heiratete auch nicht aus Lüsternheit oder akuter Verliebtheit, sondern einzig, um endlich einen Erben zu bekommen.

Fernando seinerseits hatte den spanischen Thron von seinem Vater, König Carlos IV., geerbt, obwohl er mit allergrößter Wahrscheinlichkeit gar nicht dessen Sohn war. (Seine Mama, Königin Maria Luise, hatte ihrem Beichtvater auf ihrem Sterbebett anvertraut, kein einziges ihrer vierzehn Kinder stamme von ihrem Gemahl. Und irgendwie entschlüpfte diese rasante Information dem Beichtgeheimnis.)

Carlos IV. selbst war es vielleicht wirklich schnuppe, ob seine Kinder nun von ihm stammten oder nicht. Milde und freundlich veranlagt, sehnte er sich nur nach Frieden und Harmonie. 

Er hatte, noch als Kronprinz, sechzehnjährig – ob zu  seinem Glück oder zu seinem Unglück – seine Kusine Maria Luise geheiratet, als sie dreizehn Jahre alt und noch ziemlich niedlich war.

Das mit der Niedlichkeit gab sich schnell. Maria Luise erwies sich als überaus dominant. Sie hatte zu allem eine Meinung, die sie durchsetzte. Carlos trat gar nicht erst zum Kampf an. Seit er auf den Thron gelangt war, regierte die Königin. Er konnte im Prinzip nur :“Ja, Liebes!“ sagen, falls sie ihn um seine Meinung bat. Was sie eher selten tat.

Da wir häufig im Lauf der Jahre das Gesicht bekommen, das wir verdienen, sah man Maria Luise nach einer Weile an, was für ein Besen sie war. Sie stritt sich von Herzen gern, vor allem mit adeligen Damen bei Hofe.

Vielleicht besaß sie trotzdem eine faszinierende Persönlichkeit, denn sie konnte sich verschiedener ansehnlicher Liebhaber rühmen (wie gesagt, 14 Kinder, keins davon Sohn oder Tochter von Carlos IV.)

Der bekannteste ihrer Lover war Manuel de Godoy, ein ehrgeiziger junger Mann, sechzehn Jahre jünger als die Königin. Er regierte als Minister mit Maria Luise gemeinsam – der gute König konnte so lange beruhigt auf die Jagd gehen, was ihm sehr recht war. Eifersucht war ihm völlig fremd, er mochte de Godoy auch recht gern. Vielleicht war er ihm dankbar, dass er eine Reihe  schwieriger Jobs für den König ausübte, einschließlich den der Intimität mit  der anstrengenden Königin.

Manuel de Godoy heiratete eines Tages selbst, und zwar eine junge Adlige, ein reizendes Geschöpf: María Teresa. Diese Ehe wurde von Königin Maria Luise arrangiert und verlief entsprechend unglücklich; immerhin bekamen Manuel und María Teresa eine Tochter, ohne Zweifel ihr gemeinsames Kind.

Nun hatte dieser Manuel de Godoy zwar ein karrierefördernde Verhältnis mit dem Drachen von Königin und eine Ehe mit einer Frau, die ihm auf die Nerven ging (wie er der Königin wiederholt in Briefen versicherte.) Aber ein Mann braucht schließlich auch was fürs Herz. Das war für ihn die schöne Pepita Tudó, von der die Wissenschaft inzwischen ziemlich sicher glaubt, sie sei das Vorbild für Francisco de Goyas nackte und bekleidete Maja gewesen – nachdem man lange Zeit die Herzogin von Alba verdächtigt hatte, hier Modell gelegen zu haben. Von Pepita bekam der tüchtige Manuel zwei Söhne.

Godoy, nebenbei auch noch damit beschäftigt, Spanien zu regieren, soweit Königin Maria Luise ihn ans Ruder ließ, hatte also alle Hände voll zu tun. 

Nun aber zurück zu Fernando! Er war der älteste überlebende Sohn der Königin und damit Thronerbe. Auf diesem schönen Familienbild des spanischen Königspaars mit einem Teil ihrer vierzehn Sprösslinge (das immerhin der große Goya gemalt hat und von dem ein Zeitgenosse anmerkte, hier wirke die königliche Familie „wie ein Bäcker und seine Gemahlin nach einem Lotteriegewinn“) sehen wir den Infanten Fernando vorn links. Das skeptische Antlitz beleuchtet, das Haar leicht gepudert, in blauen Kniehosen und weißen Strümpfen.

Im Jahr 1808, im Alter von 24 Jahren, inszenierte er einen kleinen Staatsstreich gegen seine Eltern. Vermutlich hatte er etwas gegen die Art einzuwenden, auf die seine Mutter und sein Vater – wer auch immer das war – das Land regierte. Seine Eltern, alle drei, ergriffen die Flucht und Fernando wurde König. Allerdings nur für ein paar Monate. Er hatte beherzt Kontakt mit Napoleon aufgenommen und angeboten, dessen Nichte zu heiraten. Daraus wurde jedoch nichts. Der Kaiser der Franzosen, der dazu neigte, die Throne Europas mit den Hintern seiner zahlreichen engsten Verwandten zu bepflanzen, machte erst mal seinen Bruder Joseph zum König von Spanien.

Das regte die Spanier allesamt derart auf, dass sie ihren neuen König, diesen Franzosen, durch allerlei kriegerische Handlungen zwangen, das Land fluchtartig zu verlassen. Erst fünf Jahre später, im März 1814, kam König Fernando VII. zurück. Das Volk jubelte ihm zu und war ein kleines Weilchen glücklich. Bis sie begriffen, wer da über sie herrschte. 

Fernando war ein schrecklicher König und ein unangenehmer Mensch. Er regierte völlig despotisch und mitleidslos. Unter ihm gab es plötzlich wieder Folter und Inquisition. Er hielt eine Menge vom Absolutismus, die alleinige Macht des Herrschenden ohne jede demokratische Mitentscheidung anderer. Wer auch immer sein Vater gewesen war – er gab sich ganz als Kind seiner Mutter.

Was ihm weniger gelang, war die Produktion eines Nachfolgers. Seine ersten drei Frauen starben in alarmierender Geschwindigkeit. Die erste, Maria Antonia von Neapel, nach zwei Jahren Ehe. Sie erlitt zwei Fehlgeburten und schwand an Tuberkulose dahin. 

Fernandos zweite Gattin war seine Nichte Maria Isabella. Sie wurde innerhalb von  drei Jahren dreimal schwanger, bekam ein Mädchen, das kaum sechs Monate lebte und eine totgeborene Tochter. Bei der Geburt des dritten Kindes gab es furchtbare Komplikationen – die Ärzte gingen davon aus, dass Maria Isabella nicht mehr lebte und schnitten ihren Leib auf, um das Kind zu retten – wobei die arme Königin aus ihrer Ohnmacht erwachte und schreiend verblutete. Das Kind übrigens war bereits tot gewesen.

Fernando heiratete unverdrossen zum dritten Mal, diesmal eine Deutsche: die sechzehnjährige Maria Josepha Amalia. Sie war sanft und lieblich, König Fernando verliebte sich zum ersten Mal persönlich in eine Gattin.

Unglücklicherweise war sie jedoch in einem Kloster erzogen worden und entsprechend fromm und keusch. Ihr leuchtete nicht ein, dass sie so unanständige Sachen mit dem König machen sollte, wie der verlangte. Erst der Papst persönlich überzeugte die junge Königin, dass sowas nun mal im Sinne der Erbfolge und überhaupt zwischen Eheleuten akzeptabel sei. Gleichwohl wurde sie nie schwanger, litt an häufigen Fieberanfällen, wurde von etlichen Ärzten ‚behandelt‘, um doch noch den Thronerben zu bekommen und starb entkräftet nach zehn Jahren Ehe an einer Gallenkolik.

Was tat der tapfere Fernando? Er ließ sich nicht entmutigen und heiratete, wir wissen es, am 11. Dezember 1829 zum vierten Mal. Wieder eine Maria. Wahrscheinlich hatte er sich daran gewöhnt, seine jeweilige Frau so zu rufen. Diesmal handelte es sich um Maria Christina von Neapel, noch mal eine Nichte. Sie war 23, der König inzwischen 45, reichlich füllig und gichtkrank. Egal, ein Erbe musste her!

Die junge Königin wurde tatsächlich bald schwanger und überzeugte ihren Gemahl davon, ein Gesetz zu ändern und damit die Thronfolge von Mädchen anzuerkennen. Das war klug von ihr, denn auch sie bekam – zwei Töchter. Die Ältere, Isabella, galt nun als künftige Königin von Spanien.

Kaum fünf Jahre nach seiner letzten Hochzeit starb Fernando VII., der dicke absolutistische Herrscher Spaniens. Er hinterließ eine dreijährige Thronerbin, seine junge Frau als deren Regentin, seinen Halbbruder Carlos (von einem anderen Geliebten seiner Mutter), der sich Mal um Mal gefreut hatte, wenn er wieder eine Nichte statt eines Neffen bekam – denn er glaubte nicht an weibliche Thronfolge. Insofern war er seinerseits nach dem Tod des Königs  dran – fand er. Und fanden viele seiner Anhänger, die ‚Carlisten‘. Daraus ergab sich der spanische Erbfolgekrieg …

Glücksfaktor: Zwanglose Kinderwünsche.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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