Am 16. Dezember 1773 fand die Boston-Tea-Party statt

Dezember 16, 2020 admin No comments exist

Hört sich das nicht nett und gemütlich an?  War es aber nicht.

George III., ein englischer König, dem im Lauf seines Lebens der Verstand abhanden kam, hatte 1763 ärgerlicherweise den Krieg gegen Frankreich verloren. So was geht ins Geld. (132 Millionen Pfund Schulden.) Um sich ein bisschen zu sanieren, begann George, seine Kolonien zu melken, indem er alle möglichen Steuern beanspruchte und nach oben schraubte. 

Die Stadt Boston hatte derweil auch ihre Probleme. Ebenfalls Kriege, vor allem gegen die Ureinwohner, die nicht einsehen wollten, dass sie sich zu verpieseln hätten, wenn bessere Leute ihr Land beanspruchten. Dazu kam ein Erdbeben und, als ob das nicht reichte, beutelte ein Großbrand die Stadt. Genau die richtige Verfassung, um das arme Mutterland großzügig und immer großzügiger zu unterstützen! Vor allem die jungen Kolonialisten sahen das überhaupt nicht ein. Sie bildeten eine rebellische Gruppe, die sich Sons of Liberty nannte. Aus englischer Perspektive betrachtet waren diese Söhne der Freiheit ganz, ganz böse. Deshalb ist es auch ein englisches Plakat, das zeigt, wie die sadistischen jungen Männer einen armen englischen Steuereintreiber teerten und federten und ihm werweißwas einflössten – vermutlich hoch besteuerten englischen Tee.

Die hohe Teesteuer, die England verlangte, war nämlich nach Ansicht der Bostoner Bürger eine Unverschämtheit. Und so kostümierten sich etwa fünfzig von ihnen als Indianer, bemalten ihre Gesichter und steckten Federn ins Haar. Teilweise, wurde vermutet, um sich unkenntlich zu machen bei ihrer Missetat. Teilweise jedoch auch, um die wilde, rebellische Stimmung zu umreißen, mit der sie handelten. Sie stürmten gegen Abend drei britische Schiffe, die im Bostoner Hafen lagen und  warfen die gesamte Ladung, 342 Kisten Tee, über Bord ins Hafenbecken. Der schöne Tee!

Daraus ergab sich der Amerikanische Unabhängigkeitskrieg, der fast acht Jahre dauern sollte und, wie wir alle wissen, ein wunderschönes Ende nahm. Zumindest für die Amerikaner.

Ganze Indianerstämme kämpften mit, auf verschiedenen Seiten. Einige für die Rebellen, einige für England. In J.F.Coopers ‚Lederstrumpf‘ (dessen Handlung zwischen 1740 und 1804 angesiedelt ist) taucht das Thema immer wieder auf, zumindest in den Ausgaben, die nicht als ‚Jugendbuch‘ beschnippelt und zu Tode gekürzt worden sind.

Die Franzosen mussten sich einmischen und natürlich der Deutsche Soldat als solcher, zum Exempel Friederich Wilhelm von Steuben, der erstmal Zack in die Sache brachte. Steuben war Preuße, und er erklärte der Amerikanischen Armee, wie man siegt. Er schrieb das erste  ‚Drill-Handbuch‘ über das Prinzip des militärischen Kämpfens. Nebenbei bemerkt darf dieser preußische Offizier sich jedes Jahr am dritten Samstag im September im Jenseits darüber freuen, dass ihm zu Ehren auf der Fifth Avenue in New York die Steuben-Parade abgeht. Obwohl die so militärisch nun wirklich nicht ist, vielmehr erinnert die Sache an ein aus den Fugen geratenes Schützenfest mit Trachtengruppen, treuherziger Blasmusik und Puschelhut-Trägern.

Steuben kam freiwillig und aus Begeisterung. Andere wurden halt nach Übersee abkommandiert, vor allem die Hessen. Auch Landgraf Friedrich II. von Hessen-Kassel nämlich steckte gerade finanziell etwas in der Klemme und schloss einen lukrativ recht günstigen Vertrag mit England. Unterm Strich kam dabei heraus, dass er kassierte, während seine Soldaten in der rebellischen Kolonie für Britannien kämpften.

Davon erzählt das lustige alte Kriegslied:

Juchheissa nach Amerika, dir Deutschland gute Nacht!
Ihr Hessen, präsentiert’s Gewehr, der Landgraf kommt zur Wacht.
Ade, Herr Landgraf Friederich, du zahlst uns Schnaps und Bier!
Schießt Arme man und Bein’ uns ab, so zahlt sie England Dir.
Ihr lausigen Rebellen ihr, gebt vor uns Hessen Acht!
Juchheissa nach Amerika, dir Deutschland gute Nacht.

Geschätzt bis zu 20.000 hessische Soldaten wurden in den Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg geschickt und waren ausgesprochen gefürchtet wegen ihrer unermüdlichen Kampfkraft – unser Volk hat den zweifelhaften Ruf, die besten Soldaten zu liefern. Gesiegt haben sie zum Schluss trotzdem nicht, Amerika wurde unabhängig.

Der widerwillige Respekt vor den Hessen blieb erhalten, der Sammelbegriff  für deutsche  Söldner lautete  ‚Hessian‘. Der Typ taucht etwa auf als kopfloser ‚Hessian‘, das gefährliche galoppierende Gespenst in ‚Sleepy Hollow‘ . Und wenn Bugs Bunny, das unüberwindliche Karnickel, am großen Krieg teilnimmt, dann gegen einen Soldaten mit rotem Schnauzbart – der nach seiner Niederlage seufzt: „I’m a Hessian without no aggression“ …

 

Glücksfaktor, im Prinzip: Unabhängigkeit …

 

 

 

 

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