Am 25. Dezember 1995 starb Dino Crocetti

Dezember 25, 2020 admin No comments exist

weltweit bekannt als Dean Martin, Entertainer, Lieblingssänger meiner Mutter und vieler Mädels ihrer Generation. Er wurde 78 Jahre alt, was gar nicht mal so schlecht ist für einen Kettenraucher.

Dino war das Kind italienischer Einwanderer. Es heißt, alle Italiener können singen, weil sie bereits singen, wenn sie sprechen. Martin imitierte so haargenau wie möglich Bing Crosby und entwickelte später daraus seine eigene Note. Seine Stimmlage war Bariton. Genau wie Crosby oder Frank  Sinatra galt Dean Martin als ‚Crooner‘. Crooning ist ein Gesangstil, der ohne Mikrofon nicht möglich wäre (außer vielleicht mit einer einzigen Zuhörerin), denn er verzichtet auf Lautstärke. Stattdessen schnurrt und gurrt er und vermittelt das Gefühl großer Intimität. Man könnte auch schlicht  sagen, Crooner klingen besonders sexy: sie singen nicht ins Ohr, sondern im Ohr.

Zehn Jahre lang, zwischen 1946 und 1956, war Dean Martin Teil eines Comedy-Duos, Martin& Lewis. Er stellte dabei den erwachsenen, hübschen, zurückhaltenden (und immer mal wieder singenden) Mann dar – sein Partner, der neun Jahre jüngere Jerry Lewis, das überdrehte Kind (oder, wie manche Leute meinten, die Weibchen-Rolle) mit einem ständig derart zerknautschtem Gesicht, dass kaum je auszumachen war, wie es in Ruhestellung aussehen mochte. Damals wurde den beiden hinter vorgehaltener Hand ein homoerotischer Touch nachgesagt und das war sehr gewagt. Inzwischen ist es langweilig. Selbst wenn – na und?

Als sich die beiden trennten, sprachen sie jedenfalls nicht mehr miteinander. Später dann wieder ganz positiv ÜBEReinander; zumindest Jerry Lewis über Dean.

Dino sprach eigentlich sowieso eher wenig. In seiner Bühnenpräsenz wirkte er heiter, aber unendlich entspannt, manchmal eher uninteressiert. Elvis Presley, der seinen Gesangstil sehr schätzte, nannte ihn – wie viele andere Kollegen – ‚King of Cool‘. Martin pflegte dieses Image, er sang mit einer Hand in der Hosentasche oder indem er ein Whiskeyglas hielt. Letzteres wurde auf die Spitze getrieben durch den Drunk Act, mit dem er in Las Vegas auftrat. Angekündigt mit den Worten: „Direkt von der Bar – Dean Martin!“ kam er etwas stelzbeinig und wackelig auf die Bühne, schien nicht zu wissen, was eigentlich lief und warum, suchte vergeblich das Publikum, indem er mit dem Rücken zu ihm stand und verwechselte seine Songtexte. Allerdings war das reine Show – wie er selbst erklärte: „Sie zahlen einem nicht ein hohes Honorar, wenn man nicht weiß, was man tut.“

Und doch enthielt seine gelangweilte Attitüde einige Wahrheit. Dean Martin hatte keine besondere Lust, Dean Martin zu sein. Nahezu regelmäßig begann er auf der Bühne einen Song und brach ihn vor dem Ende mit einem Witz ab, demonstrierend, dass ihm nichts daran lag. 

Kaum jemand kam ihm wirklich nahe. Er gehörte zum ‚Rat Pack‘ um Frank Sinatra und trat auch gemeinsam mit ihm auf. Trotzdem war es immer wieder Sinatra, der sich bei Dino melden und den Kontakt aufrecht erhalten musste, was ihn am Ende, verständlicherweise, beleidigte. Zur Riesenfeier von Frank Sinatras 80. Geburtstag wurde Dean Martin nicht mehr eingeladen.

Einem Filmproduzenten, der ihn bei einem gemeinsamen Essen ‚kennenlernen‘ wollte, ließ er ausrichten: „Mich lernt man nicht kennen.“ Er hatte keine wirklichen Freunde und war am liebsten allein.

Tatsächlich sagte bereits sein Familie, er sei als Kind völlig verschlossen gewesen, nahezu unfähig zur Kommunikation.

Martin war dreimal verheiratet und hatte acht Kinder, ein adoptiertes und  sieben selbstgemachte – die ihn auch nicht so richtig kannten. (Trotzdem litt er jahrelang unter Depressionen, als sein Sohn Dino durch einen Unfall starb.) Seine zweite Frau Jeanne war vermutlich für ihn das, was bei anderen Leuten unter ‚große Liebe meines Lebens‘ läuft. Sie waren 24 Jahre lang verheiratet und lebten nach der Scheidung und seiner kurzen Ehe mit einer anderen Frau noch einmal 15 Jahre zusammen, bis zu seinem Tod. Trotzdem meinte Jeanne hinterher, sie hätte ihn eigentlich nie kennengelernt.

Glücksfaktor für manche Menschen: Distanz. 

 

 

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