Am 9. September 1868 wurde Mary Hunter Austin geboren

September 9, 2022 admin No comments exist

Und zwar im mittleren Westen Amerikas, in Illinois.

Ihr Vater war aus England nach Amerika eingewandert, ihre Mutter stammte von Iren, Schotten und Franzosen ab. Mary, eins von vier Geschwistern, entwickelte sich früh zu einer schweigsamen Einzelgängerin. Als sie zehn Jahre alt war, (nach dem Tod ihres Vaters und einer geliebten Schwester) fing sie an, Gedichte zu schreiben. Außerdem begann sie früh, etwas davon zu erzählen, dass sie ’spirituelle Wahrnehmungen‘ hätte. Zum Beispiel behauptete sie, ihre schriftstellerische Tätigkeit geschähe in einer Art Trance, die sie empfand, als schreibe sie nach einem inneren Diktat.

Sie studierte Natur- und Geisteswissenschaften, ging nach Kalifornien und unterrichtete Kinder, zog sich jedoch immer wieder (sehr unüblich für eine Lady ihrer Zeit) nachts in die Wüste zurück, um dort zu übernachten. Ihre extrem zurückhaltende Art behielt sie weißhäutigen Menschen gegenüber bei, während sie mit Indianern und chinesischen Eisenbahnarbeitern Freundschaften schloß.

1890, als sie 22 war, verliebte sie sich in den ein Jahr älteren Sohn eines hawaiischen Plantagenbesitzers, Stafford Austin. Sie heirateten ein Jahr später und bekamen eine Tochter. Doch es stellte sich bald heraus, dass dieses kleine Mädchen schwer geistig behindert war und in einem Heim betreut werden musste. Das und verschiedene unglückliche berufliche Umstände (Staffort beteiligte sich an einem Bewässerungsprojekt, das scheiterte und das Ehepaar in Schulden stürzte) sägten an der Ehe. Mary und Stafford trennten sich nach wenigen Jahren, obwohl sie sich erst 1914 wirklich scheiden ließen.

Mary unterrichtete an verschiedenen Schulen Kaliforniens, nahm jedoch auch wieder das Schreiben auf. 1903 wurde ihr erstes Buch veröffentlicht, Essays aus der Wüste und von den Mohave-Indianern, Geschichten auf Leben und Tod: The Land of Little Rain, ein Riesenerfolg und in Amerika ein Klassiker.

Ab 1904 schloss sich Mary einer kalifornischen Künstlerkolonie an, baute sich ein Haus in Carmel, lebte jedoch auch zwischendurch in Los Angeles oder in Greenwich Village, dem Künstlerviertel von New York. Sie war befreundet mit Jack London und Ambrose Bierce und schrieb jetzt pro Jahr ein Buch. Sehr  früh – und ihrer Zeit weit voraus – thematisierte sie den Missbrauch, den amerikanische Siedler mit dem Land und den Ureinwohnern trieben.

Ebenso avantgardistisch befasste sie sich mit Frauenbefreiung und der Frauenunterdrückung der geltenden Gesetze. 

1910 erfuhr Mary Hunter Austin von einem Arzt, dass sie durch fortgeschrittenen Brustkrebs nicht mehr lange zu leben hätte. Sie reiste daraufhin nach Italien, weil sie sich einbildete, sie könne ohne medizinische Behandlung den Krebs durch Gebete heilen. Weil sie immer zu esoterischem Schnickschnack geneigt hatte, ließ sie sich von einem katholischen Geistlichen verschiedene Gebetstechniken zeigen, übte sich täglich darin und schrieb einige plötzlich christliche Werke, zum Beispiel: The Man Jesus – über den Propheten von Nazareth. 

Mary reiste über London zurück und stellte hier erfreut fest, dass beispielsweise so renommierte Kollegen wie H.G. Wells und George Bernhard Shaw zu ihren Lesern gehörten.

Wieder in Amerika, 1911, half sie in New York bei der Inszenierung ihres ersten Theaterstücks The Arrow Maker, das sich um eine indianische Medizinfrau drehte.

Ihr 1912 veröffentlichter Roman A Woman of Genius hatte nach dem Erscheinen großen Erfolg, geriet nach ihrem Tod jedoch schnell in Vergessenheit – bis ihn die Frauenbewegung der 70er-Jahre wieder ausbuddelte und Mary als Wegbereiterin der Emanzipation zu neuem Ruhm verhalf.

1920 schrieb sie einen Roman über eine Ehe zwischen zwei gleichberechtigten Partnern – also Mann und Frau auf Augenhöhe. Das befremdete die Kritiker dermaßen, dass ihr empfohlen wurde, sie möge vielleicht doch lieber wieder über Indianer schreiben.

Zum Ende ihres Lebens lebte Mary Hunter Austin in New Mexico und setzte sich hier immer mehr für die Rechte der amerikanischen Ureinwohner ein. Außerdem sammelte sie nun Volkskunst der Indianer.

1928 entstand Sing in the far West, eine Gedichtsammlung für Kinder, 1932 gab sie ihre Biografie heraus, mit einer ganzen Menge erstaunlicher Theorien über Feminismus. 

1929 begann sie zu fotografieren und schuf einige Bildbände über Indianerkultur. Ihr letztes Buch war eine Sammlung von indianischen Volksmärchen und Sagen. Kurz vor ihrem 66. Geburtstag starb Mary an einem Herzinfarkt, mitten in den Vorbereitungen zu einem neuen Roman, 24 Jahre, nachdem ihr der Arzt versichert hatte, sie habe nur noch ganz kurze Zeit zu leben.

Ihrem Wunsch entsprechend wurde ihre Asche in der Wüste New Mexicos verstreut.

Glücksfaktor: An Gebete zu glauben …

 

 

 

 

 

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