Anna Leonowens hatte am 5. November 1831 Geburtstag

November 5, 2021 admin No comments exist

Jedenfalls wahrscheinlich – in anderen Quellen heißt es, das sei der 6. November gewesen. Sie gab an, sie sei in Wales zur Welt gekommen, was nicht der Wahrheit entspricht. Vielmehr wurde sie in Indien geboren und zwar unter dem Namen Ann Edwards. Allerdings schrieb sie später, ihr Mädchenname sei Crawford gewesen. 

Anna behauptete, sie habe bis zum fünfzehnten Lebensjahr auf einer Internatsschule in Wales gelebt, um dann zum ersten Mal im Leben nach Indien zu kommen, für sie bis dahin ein völlig fremdes Land. Tatsächlich besuchte sie eine Mädchenschule in Bombay, in der sogenannte „gemischtrassige“ Kinder britischer Soldaten unterrichtet wurden. Denn ihre Mutter war halb-Inderin, was damals als minderwertig galt.

Mit ungefähr vierzehn Jahren lernte Anna einen britischen, in Indien stationierten Soldaten namens Thomas Leon Owens kennen. Als sie achtzehn war, 1849, heiraten die beiden. In der Heiratsurkunde wird der Name ihres Mannes bereits zu Leonowens zusammengezogen.

Anne erzählte jedoch, sie habe erst 1851 geheiratet und sei vorher mit einem Wissenschaftler und seiner Frau durch Ägypten und den nahen Osten gereist. Sie flunkerte, ihr Mann sei erfolgreicher Soldat gewesen und später Major geworden, was definitiv nicht stimmte. Vielmehr hatte Thomas Owens Probleme damit, seine Familie zu ernähren, zu der außer Anna bald ein Sohn und eine Tochter gehörten. Von 1852 bis 1857 lebten die Leonowens in Australien. Hier eröffnete Anna eine ‚School for Young Ladys‘, eine der wenigen Möglichkeiten, die Weibspersonen offenstanden, um Geld zu verdienen. Später zog die kleine Familie nach Singapur und nach Malaysia. Hier versuchte Thomas Leonowens, ein Hotel zu betreiben. 1859 starb er unerwartet, noch recht jung, an einem Schlaganfall.

Anna Leonowens ging mit ihren Kindern zurück nach Indien, bastelte vermutlich hier ihre Identität als Waliserin und Majorswitwe zusammen und gründete eine weitere Schule.

1862, als Anna 31 Jahre alt war, bekam sie ein Jobangebot vom siamesischen König Mongkut. Sie sollte seinen Kindern die englische Sprache beibringen. Das hörte sich gut an! Anna schickte, was damals völlig üblich war, ihre siebenjährige Tochter allein nach England in ein Internat und nahm Louis, den fünfjährigen Sohn, mit nach Bangkok. Sicherlich erwartete sie, eine Handvoll kleiner Prinzen und Prinzessinnen zu unterrichten.

Doch der König von Siam besaß zu diesem Zeitpunkt – von seiner Gemahlin und 32 Nebenfrauen – 58  leibliche Kinder. (Als er im Alter von 64 Jahren starb, hatte der tüchtige Mann 82 Sprößlinge.) 

Anna blieb fünf Jahre in Siam, gab der Schar königlicher Nachkommen Unterricht und half dem König bei Bedarf, wenn er ein bisschen Schwierigkeiten damit hatte, seine Korrespondenz in Englisch zu erledigen.

Es ist jedoch eher zu bezweifeln, dass sie in seinem Leben eine besonders große Rolle spielte – wie sie es später in ihren Lebenserinnerungen andeutete. Schon gar nicht dürften zwischen den beiden erotische Funken geflogen sein. Wir sehen den König oben rechts, wie er mit etwas grämlichem Blick einen kleinen Teil seiner Nachkommen betrachtet. Links sitzt seine Gemahlin, Königin Debsirindra, die auch seine Nichte war und ungefähr dreißig Jahre jünger als der König. Ungefähr dreißig Jahre jünger war übrigens auch Anna …

So sahen die Fakten aus. Doch daraus entstand, in der Phantasie zweier Frauen, eine entzückende, romantische Geschichte!

Die erste Frau war Anna selbst, von der wir bereits den Eindruck gewonnen haben, dass sie mit einer großen Erfindungsgabe gesegnet war. Sie schrieb einige Bücher über ihre zweifellos sehr interessanten Erfahrungen in exotischen Ländern und mit diesem König, der haufenweise Frauen und noch mehr Kinder besaß – und es wirkte in ihren Beschreibungen so, als hätten sie und der King etliche tiefgehende Gespräche geführt, als hätte sie ihm eine Menge europäischer Kultur beigepult und ihm damit nicht wenig genützt. (Sie war, für ihre Zeit, eine begeisterte Feministin und hielt nicht so sonderlich viel vom männlichen Verstand.)

Richtig auf den Pudding haute später die amerikanische Schriftstellerin Margaret Landon, als sie Annas Bücher in die Hände bekam. (Da war Anna längst tot.) Landon knetete 1944 eine verhaltene Liebesgeschichte aus dem Stoff. Zwischen ihrem König von Siam und ihrer Anna brizzelt es mal leise und mal lauter – mit dem Erfolgsrezept jeder Sehnsuchtsgeschichte, dass es keine rechte Erfüllung gibt. Der Roman wurde auf der Stelle ein Bestseller und der Stoff ist seitdem auf die Bühne gekommen als Theaterstück und wunderschönes Musical, wurde viermal verfilmt sowie zu einer Fernsehserie verarbeitet.

Der berühmteste König Mongkut, zunächst am Broadway und später auf  der Leinwand, war sicherlich Yul Brynner – der sich überhaupt aus diesem Anlass den Schädel rasieren ließ, wobei er später blieb, weil’s nun sein Markenzeichen war. 

Es gibt eine Szene, die in keiner der verschiedenen Adaptionen ausgelassen wird: wie Anna, in einem wogenden Ballkleid der victorianischen Mode mit dem König, (der immer schrecklich sexy ist, er ähnelt vermutlich dem wirklichen King Mongkut wie ein Porsche-Cabrio einem VW-Transporter) Walzer tanzt …

Die Siamesen übrigens, die heute Thailänder heißen, sind überhaupt nicht glücklich mit der Geschichte. Für sie ist die getürkte Romanze schlicht Majestätsbeleidigung. Bereits der Nachfolger auf Mongkuts Thron, sein Sohn Chulalongkorn, war der Ansicht, Anna mache in ihren Erinnerungen seinen Vater zum Deppen.

Deshalb durfte bisher nie eine der schönen bunten Geschichten über Anna und wie sie den König belehrt und wie sich die beiden ineinander vergucken, in Thailand gedreht werden – und gezeigt werden auch nicht.

Glücksfaktor, trotz allem: Fantasie!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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