Bücherverbrennung im Mai

Mai 6, 2019 admin No comments exist

Heute ist der sechste Mai. In vier Tagen, am 10.5., jährt sich der Tag der Bücherverbrennung.
1933 beschäftigte sich die “Deutsche Studentenschaft” (also jedenfalls der nationalsozialistische Teil dieser Vereinigung, und das war unzweifelhaft der größte) damit, den undeutschen Geist zu bekämpfen.
Es gab eine schwarze Liste, auf der alle bösen und unerwünschten und das-deutsche-Volk-schädigenden Bücher standen.
Die Studenten sortierten ab dem 6. Mai zunächst ihre eigenen Regale aus, dann die Bücherschränke von Verwandten und Bekannten, die sich nicht wehrten (und auch die von denen, die sich wehrten) sowie schließlich Bibliotheken und Buchhandlungen.
Es ging ihrer Ansicht nach um die “Hinrichtung des Ungeistes”.
In 21 Hochschul-Städten wurden Scheiterhaufen aufgeschichtet und die Veranstalter sorgten überall für prachtvolle Fackelzüge.
Da hatten sie gleich etwas, um die Scheiterhaufen und die Bücher anzuzünden. Organisatorisch waren sie zweifellos mordsmäßig auf Draht.
Leider ließ das Wetter sich an diesem Abend nicht so richtig organisieren. Es regnete deutschlandweit. In Hamburg, einer ohnehin regenbegabten Stadt, derartig, dass die Bücherverbrenner resignierten und die Aktion auf den 17. Mai verschoben. (An dem nieselte es dann nur.)
In Berlin begann der Regen sachte, aber mit zunehmender Feierlichkeit der Bücherverbrennung goss es in Strömen. Das war für diesen Anlass ein bisschen ungünstig: der Scheiterhaufen für den guten Zweck ließ sich nicht entzünden. Doch da kam die brave Feuerwehr mit Benzinkanistern … Man muss nur wollen.
Dann wurden die Wagenladungen mit den Büchern von Tucholsky, Heine, Marx, den Mann-Brüdern und eine Menge anderer guter Literatur verbrannt, mit jeweils dazu gejolten Begründungen. Trotz Wolkenbruch beste Stimmung. (Es existieren immer noch akustische Mitschnitte.)
Zum Abschluss und als Höhepunkt erschien Propagandaminister Goebbels persönlich und hielt mit überschnappender Stimme eine Rede. Es hört sich grauenhaft an.

Übrigens stand einer der verbrannten Autoren, Erich Kästner, deutlich sichtbar am Rande und sah zu. Er war einer von denen, die es nicht lassen können, zu beobachten und er blieb auch, im Gegensatz zu den meisten seiner verfehmten und verfolgten Kollegen, bis zum traurigen Schluss in Deutschland.

Ich habe vor ein paar Jahren eine Geschichte über das Ereignis geschrieben, aus der Sicht einer weiteren Beobachterin …

Glücksfaktor: Rechtzeitig zu erkennen, was läuft …

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