Das Withman-Massaker

November 29, 2020 admin No comments exist

wurde am 29. November 1847 verübt. Eine Horde der Ureinwohner brachte dreizehn fromme Siedler um. Diese Siedler waren von den besten Absichten durchdrungen: Sie hatten sich in die unerschlossene Wildnis des nordwestlichen Amerika in Oregon begeben, um die Eingeborenen zu retten. Also ihre Seelen, die nichts von christlicher Religion wussten.

Die weißen Siedler waren natürlich gut. Die Ureinwohner waren böse. Und dann gab es noch einen Erzbösen, das war Joe Lewis. Bei ihm handelte es sich um einen (was man heute nicht mehr sagen darf) Mischling. In Amerika nannten sie das Half-breed und es hatte keinen guten Klang. Weder die  Ureinwohner noch die Siedler empfanden Sympathie für so ein Wesen. 

Joe Lewis lebte bis zum Alter von vier Jahren bei einem Stamm im Osten der USA, bevor Weiße ihn retteten und einen frommen Katholiken aus ihm machten. Es wird berichtet, dass er ein Kreuz um den Hals trug und häufig den Rosenkranz betete. Abgesehen von seiner Frömmigkeit konnte er allerdings die Weißen nicht leiden. Er behauptete, sie hätten ihn schlecht behandelt.

Marcus Withman, Arzt und Missionar, kam 1836 mit seiner Frau Narcissa sowie dem Geistlichen Henry Spalding und dessen Frau Eliza über die Rocky Mountains nach Oregon. Narcissa und Eliza waren die allererste weißen Frauen, die in diesen Landstrich gelangten. Die beiden Ehepaare gründeten nicht weit vom Fort Walla Walla ihre Mission und nahmen Kontakt auf zu den in der Nähe lebenden Stämmen der Cayuse und Umatilla, um ihnen die Botschaft des Heils zu verkünden.

Vor allem Narcissa Withman, eine zarte rotblonde Schönheit mit großen blauen Augen, war ganz beseelt von dieser Aufgabe. Sie war überaus fromm, seit sie in ihrer Jugend bei einer der riesigen, damals in Amerika herumreisenden Erweckungsbewegungen den Aufruf verspürt hatte, die Heiden zu bekehren.

Zuerst konnte die neue Mission Erfolge verzeichnen. Die Eingeborenen, die erfuhren, dass sie bisher in der völlig falschen Spiritualität gelebt hatten und nur von Sünde und Verdammnis befreit werden konnten, wenn sie Christen wurden, reagierten betroffen und nicht abgeneigt. Und die Mission wurde im Lauf weniger Jahre zu einer kleinen Stadt, weil immer mehr weiße Siedler aus dem Osten anreisten.

1847 jedoch kam zweierlei hinzu, auf das man gern verzichtet hätte. Das eine waren die Masern, das andere Joe Lewis, das böse Halbblut. Aus den Masern, die einige Neusiedler-Kinder mitgebracht und gut überstanden hatten, wurde bei den Cayuse eine Epidemie, an der etliche Menschen starben; sie hatten keine Abwehrkräfte gegen diese neue Krankheit.

Nachdem Joe in der Withman-Mission aufgetaucht war, versuchte er, sich bei Narcissa einzuschmeicheln, indem er freundlich war und lächelte und Hilfe anbot. Sie durchschaute das schnell und gab sich kühl und abweisend. Das machte ihn wohl sehr wütend.

Dr. Withman bemühte sich ohne viel Erfolg, die Kranken zu behandeln. Joe Lewis erklärte den Patienten und den Hinterbliebenen, der Arzt würde sie nicht heilen, sondern hätte sie, im Gegenteil, vergiftet und die Krankheit unter ihnen ausgesät. Joe erfand schreckliche Verschwörungsgeschichten von der Art: Zuerst wollen die Weißen uns missionieren, aber dann sind sie nur gierig auf unser Land und es werden immer mehr und mehr und sie verdrängen uns …

Nach ein paar Wochen hatte er es geschafft, die Ureinwohner glaubten ihm. Zu allem Unglück gab es auch noch seit einiger Zeit ein paar französische, katholische Priester, die den Withmans die Mission abkaufen wollten und, als die nicht darauf eingingen, ihrerseits den Cayuse und Umatilla bestätigten, es sei der Doktor, der sie krank mache. Zumindest behauptete das einer der Überlebenden des Massakers.

Fünf Unterhäuptlinge mit ihren Kriegern ermordeten mit Kriegsbeilen, Messern und Gewehren zwölf Männer – und eine Frau, Narcissa. Sie allerdings wurde, da waren sich alle Zeugen einig, von Joe Lewis durch einen Gewehrschuss in die Brust getötet.

Das Massaker löste eine ganze Reihe kriegerischer Verwicklungen aus sowie eine Gerichtsverhandlung, in der die fünf Unterhäuptlinge angeklagt und verurteilt wurden. 1850 erhängte man alle fünf öffentlich.

Joe Lewis konnte man nicht anklagen, weil er verschwunden war. Es wurde gemunkelt, er sei zu den Mormonen gegangen.

 

Glücksfaktor: der jeweilige Blickwinkel.

 

 

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