Der 1. März ist ‚Plane-alleine-zu-verreisen‘-Tag!


Viele Leute reisen nicht so gern allein – manchmal bis zu dem Punkt, dass sie eher zu Hause bleiben, als ohne Reisegefährten loszufahren.

Ich bin mein Leben lang sehr gern allein verreist. Es hat viel für sich! Man kann jederzeit planen, was man will – und die Pläne wieder umwerfen. Dort verweilen, wo es einem gefällt – und auf der Stelle abhauen, sobald es langweilig wird. Alles entspannt und ungestört aufnehmen. Ich bin überhaupt ganz gern mit mir allein. Man kann gut mit mir reden. Ich bin witzig …

Toskana

Vor langer, langer Zeit – vor ungefähr 45 Jahren – sind der Löwe und ich nach Italien gefahren, genauer: in die Toskana und nach Umbrien. Im Spätsommer. Wir lieben beide diese Gegend. Wir haben die Landschaft bewundert und uns mit den sympathischen Italienern unterhalten.

Lago di Trasimeno

Der Löwe speziell hatte gerade ein Buch von Hermann Hesse gelesen, ‚Bilder aus der Toskana‘, das ihn begeisterte und Lust machte, selbst dort zu wandern. Wir sind ziemlich genau zwei Wochen herumgestrolcht, ohne Auto, höchstens mit der jeweiligen Regionalbahn. Wir haben Pizza gegessen oder Spaghetti und Rotwein getrunken und all die Geschichte und Kultur aufgesaugt, die es in Italien so verschwenderisch an jeder Ecke gibt. Es war wunderschön und hat in uns eine unverwüstliche Liebe zu diesem Land entfacht.

Mehrere Italiener haben dem Löwen wegen seiner langen Haare gesagt, er sei ja wohl Jesus – „Gesù“- und dann haben alle sehr gelacht.

Florenz

Also der Löwe und ich befanden uns vor ungefähr 45 Jahren beide in Italien? Obwohl wir uns bekanntlich erst vor einigen Jahren kennengelernt haben?

Doch, das ist wirklich so. Wir reisten an denselben Orten herum, auf nahezu dieselbe Art, im selben Monat.

Nur nicht im selben Jahr. Wir waren nicht gemeinsam unterwegs. Fast hätten wir uns treffen können. Aber leider war ich 1978 dort – und der Löwe ein Jahr später. Was wäre gewesen, falls wir in derselben Zeit in der Toscana herumreisten und uns womöglich begegnet wären?

Schwer zu sagen.

Wären wir uns aufgefallen? Sicherlich. Wir waren ja, gegenseitig, unser ‚Typ‘. Aber wären wir auch ins Gespräch gekommen? Hätten wir überhaupt etwas miteinander anfangen können?

Er hatte damals eine Freundin.

Und ich war ja seit einer Weile verheiratet. Ursprünglich wollten mein Mann und ich in diesem Sommer  nach Italien und dann wahrscheinlich mit dem Auto. Aber er hatte zuviel zu tun, plötzlich ging das nicht. Das machte mich ziemlich wütend, also fuhr ich eben alleine. Und das hat ja, wie gesagt, auch viel für sich. Ich kam unter anderem mal in Ruhe zum Nachdenken und ich dachte darüber nach, ob ich wirklich mit meinem Mann zusammen bleiben wollte. Da war ich mir gar nicht sicher. Die Sache mit dem Geld machte mir zu schaffen. Natürlich kann man zuwenig haben. Aber man kann, meiner Ansicht nach, auch zuviel haben und es zu wichtig nehmen. Es hatte begonnen, uns zu entzweien.

Doch als ich nach Hause kam, da war die ganze Wohnung voller Rosen – sogar auf dem Gästeklo standen welche. Mein Mann hatte auch nachgedacht und sich dafür entschieden, einen neuen Anlauf zu nehmen. Im Jahr darauf bekam ich ein Baby und dann war ja auch alles noch viele Jahre ausgesprochen nett.

Insofern war es vielleicht günstig, dass der Löwe erst um einen Sommer verschoben in die Toskana reiste. Wer weiß das? Jedenfalls mussten wir es noch vierzig Jahre ohneeinander aushalten. Obwohl wir im Jahr 2008 gleichzeitig auf der Buchmesse in Leipzig waren. Und obwohl ich mich dreimal ein paar Tage oder sogar Wochen lang in Köln befand, als er da wohnte. Sogar relativ in seiner Gegend der Stadt. Keine Chance. Das Schicksal wird schon wissen, was es sich dabei gedacht hat. Damals waren wir zwar beide ganz charmant, aber nicht gerade einfach. Inzwischen sind wir altersmilde,  duldsam und engelsgut.

 

In jedem Fall wird das Alleine-Reisen meistens unterschätzt. Lasst es uns heute feiern!

1. Glücksfaktor: Italien.

2. Glücksfaktor: Dass der Löwe und ich uns überhaupt irgendwo begegnet sind! Und dann auch noch beide als Singles …

Und mit diesem Text (die ‚persönlichen‘ wurden immer besonders gern gelesen), verabschiede ich mich erst mal. Der Blog, vor sieben Jahren begonnen, ist mein Lieblingskind geworden – und wurde nun gehacked. Er muss erstmal vom Netz genommen werden. 

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