Der 15. Mai ist der internationale Tag der Familie

Mai 15, 2021 admin No comments exist

Es gab übrigens 1994 auch ein internationales JAHR der Familie. Hier ist eine Briefmarke aus diesem Jahr, die deutlich zeigt, wie positiv das Thema besetzt ist:

Wenn man der Illustration glauben darf, dann ist Familie etwas Gutes. Liebe, Miteinander, Vertrautheit, Geborgenheit, Familie an sich bereits ein Glücksfaktor. Falls also das Jugendamt oder das Familiengericht meint, eingreifen zu müssen, dann dürfte es sich um Einzelfälle handeln, Ausnahmen, die eine Regel bestätigen.

Die Definition einer Familie hat natürlich damit zu tun, wer sie beurteilt. Für Juristen etwa ist das eine Ansammlung von Leuten, die erbberechtigt sind oder die vor Gericht eine Aussage verweigern dürfen. Was schon manchen Verbrecher dazu gebracht hat, schleunigst  – nämlich vor dem Prozessbeginn – zu heiraten, damit das Weib an seiner Seite den Mund halten durfte.

Um der Genderneutralität zu entsprechen schnell dasselbe nochmal andersherum: Falls es sich um eine Verbrecherin handelt, dann kann natürlich auch sie ihren Partner heiraten, um ihm zu ermöglichen, die Aussage zu verweigern. 

Und ich weiß es zwar nicht genau, aber ich denke mir, dass genauso – um der Gerechtigkeit willen und damit alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind – ein männlicher Verbrecher seinen männlichen Partner oder eine weibliche Verbrecherin ihre weibliche Partnerin heiraten kann, auf dass auch hier das Recht der Aussageverweigerung greift.

Aber da verfangen wir uns jetzt in Gesetzen und verlieren die Idylle aus den Augen. Obwohl festgestellt werden sollte, dass der lateinische Begriff familia sehr wenig mit Kuscheligkeit und Blutsverwandtschaft und sehr viel mit Machtverhältnissen zu tun hat. Das Wort bezog sich auf den Besitz des Paters – und das war nicht der Erzeuger, sondern der Machthaber. Seine Familie waren Sklaven, Hausgesinde, alle Personen und Sachen, die zum Haushalt gehörten, auch Viehbestand und Vermögen, also Sachwerte. (Nach diesem Prinzip sortiert funktionieren etwa die Mafia-Familien in Amerika, und sie funktionieren nicht schlecht.)

Im Mittelalter galt die familia als Bezeichnung eines Rahmen-Haushaltes; er gehörte dem Herrscher und umfasste unter Umständen Hunderte von Personen in verschiedenen Hausgemeinschaften, alle unter der Oberherrschaft eines einzigen (männlichen) Oberhauptes.

Falls jetzt jemand wissen möchte, ob es irgendwo irgendwann weibliche Familienoberhäupter gibt oder gab: Ja. Vereinzelt. Bei einigen nordamerikanischen Indianerstämmen, den Irokesen beispielsweise, oder auf Sumatra, hier und da in China oder Indien. 

Und obwohl es heißt, dass Martin Luther, indem er das Zölibat beiseite packte und mit einer Nonne sechs Kinder bekam, die bürgerliche Urfamilie gründete, so kam doch eigentlich erst mit dem Ende des 19. Jahrhunderts die Familie auf, die uns unter diesem Namen immer noch vorschwebt – die Kernfamilie: Vater, Mutter, etliche Kinder, Omi und Opi lächelnd zumindest an den größeren Festtagen dabei. Eventuell Onkel und Tanten zu besonderen Ereignissen.

Das ist Biedermeier und Behaglichkeit, das ist ein Hafen in der unruhigen und gefährlichen Welt. Und es ist Vergangenheit. Es hing mit dem Bürgertum zusammen, und das Bürgertum ist inzwischen recht zerfranst. Damals durfte man noch nach Herzenslust alles diskriminieren, war sich nicht dieser Form unterwarf. Dadurch, dass ‚die anderen‘ nicht dazugehörten, wurde ‚unserer Familie‘ bewusst, wo Sicherheit herrschte.

Inzwischen ist es nicht gerade unnormal, sich scheiden zu lassen und wieder zu heiraten, womöglich mehrfach. Es gibt Patchwork-Familien und Regenbogen-Familien und freie Partnerschaften mit verschiedenen Kindern. Wie immer, wenn eine Lebensform sich ändert, machen die Menschen sich große Sorgen, ob jetzt nicht alles in die Binsen geht, vor allem die Seelenruhe der Beteiligten.

Und immer noch verspüren wir Sehnsucht nach dieser Idylle, nach der Geborgenheit in der Liebe der nächsten Verwandten, die uns so ähnlich sind, die unser Blut teilen.

Paul Young hat das so schön in Worte gefasst:

Somehow you’d better go home
Where it’s warm
Where you can live in
The love of the common people
Smile from the heart
Of a family man
Daddy’s gonna buy you
A dream to cling to
Mama’s gonna love you
Just as much as she can
And she can …

(Irgendwie solltest du nach Haus gehen, wo es warm ist,  wo du in der Liebe der einfachen Leute leben kannst, aus dem Herzen eines Familienmenschen lächeln. Papa kauft dir einen Traum, an dem du  dich festhalten kannst, Mama wird  dich lieben, so sehr  sie kann – und wie sie kann!)

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Glücksfaktor. mit der eigenen Form des Familienlebens – oder Nichtfamilienlebens – zufrieden zu sein.

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