Der 6. Oktober ist der Tag der Badewanne

Oktober 6, 2020 admin No comments exist

 

auf jeden Fall in Amerika. Aber ich fürchte, da ist sie ebenso aus der Mode wie bei uns.

Es ist eine betrübliche und mysteriöse Tatsache, dass alles, was ich wirklich liebe und wichtig finde, verschwindet. Vielleicht sollte ich mich, zum Wohle der Menscheit, dazu überwinden, Corona, Klimawandel und manche Politiker heftig zu lieben und dringend zu benötigen. Und vielleicht sollte ich vorsichtshalber meine positiven Emotionen auf anderen Gebieten etwas zügeln – wie macht man das?

Die Wonne der Wanne wird allgemein nicht mehr geschätzt. Baden ist altmodisch, vermutlich, weil zeitraubend. Junge Menschen duschen. Alte erst recht: Den Senioren werden die gefährlichen Badewannen ausgebaut – über deren Rand sie stolpern könnten und aus denen sie allein nicht wieder rausfinden – und durch stufenlose Kachelböden mit Abflussloch ersetzt. Ungemein praktisch, völlig ungefährlich. Es geht ja immer mehr und überall um Sicherheit. (Ich frage mich, wann Säuglinge im Kinderwagen einen kleidsamen Helm tragen, weil ihnen unterwegs schließlich jederzeit was auf den Kopf fallen könnte. Und es ist zu erwarten, dass besagten Senioren, ständig in Gefahr, auszurutschen, demnächst beim Duschen der praktische Helm mit Löchern verordnet wird.)

In Romanen aus dem vorigen Jahrhundert kommen Badewannen noch vor. In ‘Heut heiratet mein Mann’ von Annemarie Selinko (1940 erschienen) liegt die Heldin stundenlang in der Wanne, um nachzudenken. In ‘Rebecca’ von Daphne du Maurier (1938) badet die Protagonistin gewohnheitsmäßig morgens und abends! Und das war keine persönliche Marotte, das machte ein reinlicher Mensch damals so, falls er eine eigene Wanne besaß. Was natürlich alles verheerend ist für’s Bindegewebe. Dafür ist es sinnvoller, Zack! unter die Dusche zu springen, sich eben schnell warm abzubrausen und dann eiskalt. Weshalb man heutzutage überall nur noch prachtvolles Bindegewebe erblickt …

Ich muss mich damit abfinden, dass meine Daseinsberechtigung in diesem Jahrhundert fadenscheinig wird.

Glücksfaktor: NOCH gibt es hier und da eine Wanne. Oder zumindest so was Ähnliches …

 

 

 

 

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