Der hängende Ernst

Juli 15, 2022 admin No comments exist

Wenn es sommerlich heiß wird, dann naht ein besonderes Ereignis.

Es wird einige Tage lang ganz nebenbei, in freundlich/leichtem Ton angekündigt, als sei es eigentlich nicht der Rede wert. Ernst sollte jetzt bald mal wieder gebadet werden. Baden ist schön. Viele Leute, die nicht können oder dürfen, würden schrecklich gern baden …

Ernst will tauschen. Die dürfen gerne. Er ist eigentlich noch ganz sauber.

Haben wir uns zu dem Punkt vorgearbeitet, an dem es sich eigentlich nicht mehr vermeiden lässt, dann kommen spezielle Bedenken: Wer kann ihn sehen? Wer darf ihn sehen?

Stine schon mal nicht, das steht fest.

Die kichert. Doch, die kichert!

Durchaus nicht. Stine ist die letzte, die kichert. Sie ist ein eher schlichtes Gemüt und empfindet eine bodenlose Bewunderung für Ernst, egal, was er anstellt.

Außerdem, Ernst, wenn ich das mal sagen darf: Niemand kann dir was weggucken. Du besitzt Fell. Insofern bist du nie wirklich nackedei.

Oh? Stümmt. Also dann …

Nein, du musst schon richtig ins Wasser. Wir wollen dich überall einseifen. Du musst auch hinter den Öhrchen gewaschen werden!

Entspann dich bitte und genieße es, ja? Du verbiegst dir ja die Füllwolle! Lehn dich zurück … Freu dich über die angenehme Temperatur und den duftenden Schaum …

Na also. Das kennen wir schon: Erst will er nicht rein in die Wanne und dann überhaupt nicht mehr raus.

Aber irgendwann ist Schluss.

Nun kannst du auf der Terrasse liegen und abtropfen. Willst du ein bisschen schlafen dabei? Oder unterhalt dich mit Stine! Ich hab jetzt zu tun. In zwei Stunden guck ich mal, wie weit du trocken bist …

Nach einer halben Stunde kommt die kleine Stine die Treppe hochgekeucht: Mami, Ernst sagr, du sollst SOFORT mal runter kommen!

Bitte? Ich soll sofort mal -??!

Äh nein… Also Ernst bittet dich höflich darum, ob du vielleicht eventuell mal runterkommen magst?

Was da wohl der Original-Ton war?

Also gut, runter zum tropfenden Ernst.

Mami, ich hab eine tolle Idee! Ich lieg jetzt nicht mehr hier rum, sondern ich tropfe ab wie ein Indianer!

???

Ja, also, das hab ich so in eim Film gesehen. Da haben sie einen Indianer aufgehängt – also nicht, weil sie böse sind. Sondern, damit er ein richtiger Mann wird. Der wollte das. So mit eim Band durch die Brustmuskeln gepiekt, weißt du? Da musste er dann baumeln, bis er ein Mann war. Aber nass war er nicht. Aber egal. Du hängst mich jetzt bitte auf die Wäscheleine, ja?

Also ein Mannbarkeitsritus, etwas abgewandelt? Das willst du wirklich aushalten, bis du trocken bist? Das wird wahrscheinlich weh tun, Schätzchen.

Ernst nickt tapfer: Ja klar. Sonst bringt es ja nix.

Nun gut. Wenn der Indianer es selber will … Links eine Wäscheklammer und rechts eine Wäscheklammer. Weil wir nicht unbedingt die Brustmuskeln durchpieksen wollen.

Aber ruf mich, wenn es zu schlimm wird, okay? Oder schick Stinchen!

Ernst tropft schweigend, nickt aber.

Stine kriegt vor Bewunderung das Schnäuzchen nicht mehr zu. Was der sich traut! (Sie ist sehr unzureichend emanzipiert.)

Gegen Abend ist er nur noch ein wenig feucht und kann abgenommen werden …

Ernst, wie du duftest! Du bist so schön sauber geworden, ein blütenweißes Schnäuzchen. Und ein tapferer Indianer bist du auf jeden Fall!

Schließlich hat er so gute Laune, dass er sich Zeit für Stine nimmt. Ja, gut, er wird ihr auch eine schöne Geschichte erzählen. Stine schwimmt in Seligkeit. (Vielleicht sollte ich mit ihr mal ein wenig über Feminismus reden.)

Ich lausche. Kommt jetzt was mit Indianern? (Vielleicht sollte ich Ernst beibringen, ‚Indigene Bevölkerung‘ zu sagen.)

Aber ich höre nur: Der Prinz hatte ein ganz cooles Schloss mit eim Swimminkpuhl, der war voll mit Sossoladenpuddling! Und immer, wenn er da drinne gebadet hat, dann musste er hinterher in ein schönes warmes Schaumbad. Und wenner denn nass war, dann ist er in den großen elekterischen Trockner gestiegen, der dreht sich drinne, so wrumm – wrumm!

Glücksfaktor: Ein sauberer, trockener Ernst!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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