Die Krise und die Versicherung

August 10, 2021 admin No comments exist

Morgens nach dem Frühstück schau ich mir gern Nachrichten an – was ist nachts, als ich nicht aufgepasst hab, passiert? Manchmal lese ich auch nur Überschriften. Da fassen Menschen zusammen, was los ist. Vor einigen Wochen tauchte oft der Ausdruck ‚Jahrhundertflut‘ auf. Ich halte das im Jahr 2021 für eine sehr optimistische Bezeichnung. Schlimmer soll’s also in diesem Jahrhundert mit den Fluten nicht mehr werden? Das ist beruhigend.

Und heute sah ich verschiedentlich das Wort ‚Klimakrise‘.

Krise? Liebe Leute, eine Krise ist ein temporärer Höhepunkt, meistens, bevor alles wieder gut wird. Es gibt immer noch eine Menge Leserzuschriften, in denen erklärt wird, man solle sich nicht so anstellen, schlechtes Wetter hätte es seit Menschengedenken gegeben und wenn es regnet, wird man halt nass. (Und wenn es heiß und trocken ist, brechen halt Feuer aus.)

Dies ist keine Krise. Es ist der Anfang einer Ungemütlichkeit, die uns aufstört aus unserem zufriedenen Grundgefühl, dass wir ein Recht aufs Glücklichsein besitzen, ein Recht auf Unversehrtheit, perfekte Gesundheit, mehrere Mahlzeiten am Tag einschließlich Grillen auf der Terrasse, Urlaub  plus Urlaubsgeld und natürlich ein zweitägiges Wochenende, genügend Parkplätze, Insektenfreiheit – ausgenommen hübsche Schmetterlinge und genügend Bienen für Honig.

Wenn was nicht stimmt, dann gibt es Hilfe. Man kann zum Arzt gehen, zum Amt, ins Internet. Wir sind gewohnt, dass alles immer wieder ins Gleichgewicht zurück gebracht wird.

Jahrzehntelang, beginnend tief im vergangenen Jahrhundert, ist gewarnt worden und ist abgewinkt worden. Wer hört schon gern im Frieden vom Krieg? Was wollte diese Greta eigentlich, die  Erwachsenen was vom Pferd erzählte, statt brav in die Schule zu gehen und was zu lernen? Irgendwie würde schon alles gut werden, haben wir gedacht, weil wir so gewöhnt dran waren, das alles gut geht. Wir haben uns ja immerhin Mühe gegeben, der eine mehr, der andere  weniger, von Plastikmüll reduzieren bis zu strengem Veganertum. Was sollen wir denn noch alles machen? 

Dazu werden wir auch noch von einer Pandemie drangsaliert und eingeschränkt! Fein, sie ist nicht so gigantisch wie beispielsweise die Pest zu ihrer Zeit, es liegen keine Leichenberge herum, die Menschheit dezemiert sich einstweilen nicht merklich. Aber es ist doch lästig und wir sind allmählich ziemlich beleidigt und finden – wie eine Frau im Supermarkt kürzlich bemerkte – jetzt sollte ‚der Spuk‘ bitte bald ein Ende haben. Damit alles wieder seinen gewohnten Gang gehen kann, fliegen, wohin wir wollen, große Partys, Konzerte und Sport in Arenen, Tausende dicht beieinander, der Mensch kann sich so gut amüsieren, wenn viele andere dabei sind. Und das ist doch wohl unser gutes Recht?

Es ist ein Gewohnheitsrecht und daraus ergibt sich das Gefühl, wir wären gegen alles versichert. Aber vielleicht haben wir das Kleingedruckte nicht gelesen. Irgendwo muss da stehen, dass die Garantie fehlt.

Gott wurde abgeschafft, weil ihn keiner mehr nötig hat, bei dem können wir uns nicht beschweren. Wer ist denn nun zuständig?

Ich las bei diesen Überschriften auch (vor 4 Stunden), das Marburg-Virus sei in Afrika ausgebrochen. Ebola gibt es in derselben Gegend auch. Beides hat ein bisschen mehr Wumms als Corona und  es gibt keine wirkungsvollen Medikamente und keine Impfung bisher. Doch, natürlich kann es passieren, dass wir alle auch damit zu tun bekommen. Die Möglichkeit ist nicht zu gering.

Der Golfstrom kippt womöglich gerade weg. Was daraus entsteht, ahnt niemand genau. Aber es dürfte Nebenwirkungen geben. Und sollte eine Riesenflutwelle kommen und Gegenden überschwemmen, von denen wir das nie gedacht hätten – oder ein plötzlicher, tagelanger Blizzard alles mit Schnee bedecken – dann nützt es wenig, dass wir so was für unmöglich gehalten haben und das auch wissenschaftlich begründen konnten. 

Es gibt immer noch Gegenden auf diesem Planeten, in denen die Menschen nie von Sachen wie Wochenenden oder Urlaubsgeld träumen. Sie wären froh, wenn sie halbwegs genug zu essen hätten und nicht täglich Angst um ihr Leben haben müssten. Ich weiß, das ist nichts Neues und dafür spenden wir ja auch. Aber was mich wundert ist diese sonderbare Überzeugung gutgenährter und rundum versicherter Westler, dass ihnen ein angenehmes Leben ohne besondere Belästigung  zusteht.

Was, wenn ein Weltuntergang  (oder zumindest das Ende unserer Spezies) gerade anfängt?

Glücksfaktor: Ich geh dann mal in den Garten, ein Apfelbäumchen pflanzen …

 

 

 

 

 

 

 

 

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