Die Loreley

September 2, 2018 admin No comments exist

gibt es gar nicht.

Das ist enttäuschend.

Ich dachte bis vor Kurzem wirklich, es handele sich bei dieser gemeingefährlichen Blondine um eine echte Sagengestalt. Nö. Sie wurde in der Romantik erfunden, im 19. Jahrhundert. Clemens Brentano und Heinrich Heine haben ihre Phantasie an einigen Fakten gewetzt. 

Der Schieferfelsen am rechten Rheinufer wurde allerdings schon immer als einer der gefährlichsten Punkte für die Schifffahrt auf diesem Fluss betrachtet. Starke Strudel, Riffe, unregelmäßige Tiefen  und Untiefen verursachten jede Menge Schiffsunglücke. Noch bis Anfang der Zwanziger-Jahre war es Sitte, dass vor der Durchfahrt eine Glocke mit drei ernsten Schlägen die Mannschaft zum Gebet aufforderte. Hat auch nicht immer geholfen.

Im vergangenen Jahrhundert sprengte man die meisten Riffe. Was  nicht verhinderte, dass noch im September 2003 ein Fahrgastschiff manövrierunfähig wurde und auf das linke Rheinufer knallte, wobei sich vierzig  Personen verletzten. Und im November 2011 machte ein Tankmotorschiff seinen Knicks vor der Loreley, ganz nebenbei mit 2400 Tonnen konzentrierter Schwefelsäure beladen. Zwei der vier Besatzungsmitglieder starben, das Schiff blieb, kieloben, am Rand der Fahrrinne hängen und die Säure wurde, wie beruhigend, ‘kontrolliert’ in den Rhein gepumpt.

 

Gefährlich also war diese Stelle schon immer und scheint es auch zu bleiben. Ein siebenfaches Echo gibt es dort, früher Zwergen in die Schühchen geschoben. Seit Brentano und Heine weiß man, wer  da wirklich mit der Stimme spielt.

Inzwischen ist die Loreley enorm gealtert, wünschenswert für ein Gebilde dieser Art. Sie wurde gemalt, gebildhauert, vielfach aufs Unterschiedlichste besungen und fühlt sich inzwischen tatsächlich als betagte Volkssage und Deutsches Kulturgut.

Ich war guten Willens, sie zu bestaunen. Doch da stellte sich heraus: Loreley ist augenblicklich nicht zugegen. Zwar hat ihr der Rotary-Club in seiner großzügigen Art einen Stuhl mit glatter Sitzfläche für ihr Kämmen-singen-und-Schiffe-ins-Verderben-locken spendiert. Doch nun wird alles umgebaut, Weder die gefährliche Schönheit selber noch ihr Sitz noch auch nur der Aussichtspunkt können derzeit bewundert werden.

Die Loreley, wie gesagt, gibt es gerade nicht.

Vermutlich entgleisen also augenblicklich keine Schiffe vor dem gefährlichen Felsen …

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.