Die Sache mit dem Wäschewaschen zwischen den Jahren …

Dezember 21, 2020 admin No comments exist

Also dieser 21. Dezember ist ein Superwunschtag diesmal – mit der Power von Jupiter und Saturn, die sich mit verklärtem Lächeln in den Armen liegen und gemeinsam in den Wassermann tanzen. Alles wird neu, alles wird gut. Oder jedenfalls wird nichts so schlimm, wie es gerade aussieht.

Allerdings sollten wir uns alle zu Herzen nehmen, dass schmutzige Wäsche bis zum Abend des 24. 12. gewaschen sein und von der Leine genommen werden muss. Es sei denn, man ist nicht abergläubisch. Dann kann man natürlich Wäsche  waschen, was das Zeug hält (buchstäblich).

Erstaunlich viele Menschen  – sogar männliche solche – kennen diese Regel; meistens „von meiner Oma‘. Hängt zwischen Heiligabend und Neujahr etwas auf der Leine, dann stirbt jemand aus der Familie.

Ich bin damit aufgewachsen. Meine Mutter war Halbzigeunerin und barg in ihrem Herzen eine gut gerührte Mischung aus starkem Glauben und wüstem Aberglauben. Ich erinnere mich, wie sie kurz vor Weihnachten die Wäsche sortierte nach Sachen, die noch zwei Wochen warten konnten – und Dringlichem, das jetzt sofort ins Seifenwasser gehörte.

Geht nicht? Oh doch. Sogar als Babymutter hab ich das eisern hinbekommen. Nein, auch kein Taschentuch. Nein, auch nicht der knallrote Schlüpfer, den man Silvester anziehen sollte, damit das kommende Jahr lukrativ wird. Und dann hatte ich ja immer das Beispiel von Frau Germann vor Augen. Frau Germann wusste nichts von der Wäsche-Regel.

Wir kannten sie, weil ihre Schäferhündin Vita auf der Wiese mit unserem Terrier Bimbo spielte. Da kommt man ins Plaudern und wir erzählten vom Waschverbot zwischen den Jahren.

„Ach!“, sagte Frau Germann  interessiert.

Sie besaß nämlich eine uralte Tante, die eigentlich überfällig und auch krank genug war, und  trotzdem nicht sterben wollte. Da gab es Einiges zu erben, was Frau Germann gerade besonders gut hätte brauchen können.

„Tun Sie das nicht!“, warnte meine Mutter. „Man weiß doch nie, wen es trifft.“

Aber Frau Germann meinte, da sei keine Gefahr – sie hätte keine weiteren Verwandten. Hihi. Aber im Übrigen sei sie auch überhaupt nicht abergläubisch.

Wir begegneten Frau Germann irgendwann im Januar beim Einkaufen, da war sie recht verheult. Und sie patzte meiner Mutter sofort anklagend ins Gesicht: „Das hätten Sie auch ruhig sagen können, dass diese Sache mit dem Wäschewaschen STIMMT!“

Ach je. „Die Tante?“

Nein, die erfreute sich nach wie vor ihres Lebens, es ging ihr sogar besser. Aber die schöne Vita, knapp zwei Jahre  alt, war vor ein Auto gelaufen …

Glücksfaktor: Respekt vor dem Leben und vor Ritualen.

 

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