Die traurigen Schahbunas von Persien

März 16, 2021 admin No comments exist

Am 16. März 1939 heiratete der Schah von Persien zum ersten Mal. Er selbst war erst neunzehn, seine Braut siebzehn Jahre alt. Diese Ehe wurde beinah nur aus politischen Gründen geschlossen. Es handelte sich bei der Braut um eine ägyptische Königstochter, Fausia, eine Schönheit mit erstaunlich heller Haut und blauen Augen.

Fausia wurde als Königin von Persien überhaupt nicht glücklich. Erstens plagte sie das Heimweh nach Ägypten. Zweitens waren die maßgeblichen Frauen am Hof, die Mutter und die Schwestern des Schah, gemein zu ihr. Die junge Königin wurde gemobbt und drangsaliert.

Zwar hatte man sie, um der Verfassung zu entsprechen, nachträglich zu einer ‘echten  Perserin’ gemacht – doch das glaubte sowieso niemand, am wenigsten Fausia selbst. Sie weigerte sich dann auch, überhaupt persisch zu lernen. Das Volk wusste nicht so recht, was es mit der schweigsamen, melancholischen Schönheit anfangen sollte. Einen Thronfolger lieferte sie auch nicht; ein Jahr nach der Hochzeit hatte sie die Tochter Shahnaz bekommen – und dabei blieb es. Allerdings benötigte der Thron einen männlichen Erben. Der junge Schah war traurig über das Ausbleiben eines solchen. Das machte seine Frau noch trauriger. Sie verlor jeglichen Appetit und nahm rapide ab. Ein Diplomat, der sie nun sah, beschrieb sie als derart mager, dass ihr die Schulterblätter wie Rückenflossen herausstanden.

Bevor das alles noch trauriger werden konnte, rückt die Königin von Persien ganz einfach aus und fuhr nach Ägypten zurück. Diplomaten bastelten hastig etwas wie eine Hepatitis zusammen, an der sie litt und die sie zu Hause auskurieren sollte. Und nachdem man sie lange genug nicht mehr gesehen hatte, vermisste sie auch beinah niemand. Drei Jahre nach ihrer Flucht wurde die Ehe, 1948, ohne besonderen Pomp geschieden. (Und danach, um das auch noch zu erzählen, wurde Fausia umgehend doch noch glücklich. Sie heiratete sofort wieder, einen sehr attraktiven ägyptischen Politiker, bekam mit ihm zwei Kinder – ja, auch einen Jungen! – legte ein wenig an Gewicht zu und begann, zu lächeln. Sie wurde 91 Jahre alt und starb zufrieden in ihrer Heimat.)

Der Schah jedoch, dem ein jüngerer Bruder und sozusagen Aushilfserbe bei einem Unfall verstorben war, brauchte inzwischen wirklich dringend einen Thronfolger. Aber anstatt nun eine urpersische Frau zu wählen, verknallte er sich schon wieder in etwas viel Aparteres. Zwar hatte die bildhübsche Studentin Soraya mit den smaragdgrünen Augen einen persischen Vater – ihre Mutter allerdings war Deutsche!

Die Regenbogenpresse in Germania lag sich vor Entzücken glucksend in den Armen und textete mehrere Jahre lang unermüdlich was von der melancholischen Deutschen auf dem Pfauenthron. Darauf saß sie zwar nicht – das legendäre Möbel war bereits verschollen – aber mit der Melancholie konnte sie absolut  dienen. Sie hatte wirklich hin und wieder öffentlich Tränen in den Augen. Soraya erzählte später in Interviews, sie hätte keinen Schimmer gehabt, worauf sie sich eigentlich einließ. Das wurde ihr dann nach und nach klar, einschließlich der schwierigen weiblichen Verwandtschaft und dem ständigen Druck, endlich zu brüten. Bei der Hochzeit war sie 18 gewesen, bei der Scheidung 25. Hinterher gehörte sie ein bisschen zum Jetset und wurde  ein bisschen Filmstar und blieb im wesentlichen traurig, vor allem, weil der Regisseur Franco Induvina, der ihr offenbar ein wirklicher  Trost gewesen war, nach wenigen glücklichen Jahren bei einem Flugzeugunglück ums Leben kam. 

Der Schah jedoch, inzwischen 40, kümmerte sich nun ernsthaft um den Thronfolger. Diesmal war die Braut von oben bis unten persisch: die Architekturstudentin Farah Diba.

In Deutschland barmte man sich immer noch um die arme Soraya und sang nach der Melodie von ‘Marina, Marina, Marina’:

Oh Farah, Oh Farah, oh Diba

Du bist doch die Schönste der Welt

Oh Farah, Oh Farah, oh Diba

Was nützt dir der Schah und sein Geld?

Schenkst du ihm kein Söhnchen

Schubst er dich vom Thrönchen

Genau so wie Soraya

Oh ja ja ja ja ja!

Farah Diba jedoch schien endlich die perfekte Gemahlin für den Schah zu sein. Sie war in jeder Beziehung persischer als persisch, das Volk liebte sie, die weibliche Verwandschaft hasste sie etwas weniger und sie bekam so schnell wie möglich und kurz aufeinander vier wunderbare, formschöne Kinder, zwei Jungen und zwei Mädchen.

War nun alles gut?

Leider nicht. Zwar erlebte Farah noch die Krönung zur Kaiserin – doch dann kamen Ajatollah Chomeini, die Revolution und die Flucht nach Amerika 1979. (Und darüber ließe sich jetzt  viel sagen, aber das ist ein Thema für  sich und zwar ein anderes.) Ein Jahr darauf starb der Schah, und seine Witwe musste später auch noch erleben, dass zwei ihrer Kinder sich das Leben nahmen.

Der Thron der Schahbuna, ob nun Pfau oder nicht Pfau, brachte wenig Segen …

Glücksfaktor: Außerhalb des Scheinwerferkegels zu stehen.

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