Ernst ist ja nur ein Teddybär

Mai 30, 2020 admin No comments exist

Mit Betonung auf nur.

(Teilweise von ihm selbst verfasst.)

Lange Zeit, kürzlich noch, waren alleine weiße Männer was wert. Alles, was nicht weiß war oder nicht männlich, das war doof. Musste gehorchen und durfte nicht wählen und all so was. Das war diskremierend. Das ändern sie gerade, auch in Büchern und rückwärts. Damit keiner mehr lesen kann, wie das mal war. Weil, jetzt hinterher schämen sie sich bisschen.

Hotello ist ein Theaterstück und auch eine Oper, aber das können sie nicht mehr aufführen, weil – nee, geht nicht. Das ist diskremierend. Wenn man Frauen aus dem Auto oder in den Mantel hilft, genauso. Als ob man denkt, die können das nicht alleine! Und ihnen schwere Sachen tragen: bloß nicht!

Und man muss immer so ein Sternchen * machen hinter alles Männliche und Innen hinten dran. Mensch*Innen oder Engel*Innen oder so. Dann freuen die Frauen sich und denken, dass sie bald genauso gut bezahlt werden wie Männer.

Eigentlich darf jeder alles, außer diskremieren. Das auf keinen Fall. Männer dürfen Männer heiraten und Frauen Frauen und wer nicht genau weiß, was er ist, der am meisten. Das ist schön, weil alles voller Liebe und Verstehen ist endlich und ohne Verachtung.

Außer, natürlich, für Teddybären.

Einige Leute machen sich nix draus. Tante Lore hat einen Stuhl für Ernst bestellt im Restaurant, zweimal. Tante Marion möchte ihn auch dabei haben. Aber viele gucken komisch. Sie sprechen leise über Ernst oder sie wackeln mit den Augenbrauen. Diskremierend. Teddys sind nicht für die Öffentlichkeit! Erwachsene, die Teddybären bei sich haben? Geht ja gar nicht.

Möchte Ernst jemand anders sein? Es gab mal einen Sänger, der war anfangs schwarz und wurde dann immer weißer, weil er sich’s leisten konnte. Und es gab einen italienischen Hampelmann mit sehr empfindlicher Nase, der wollte so gern ein kleiner Menschenjunge sein. Hat er dann auch geschafft zum Schluss. Data aus Startreck Necks-Schenereschen ist bisschen grün im Gesicht und ist kein Mensch, möchte aber gern einer sein.

Ernst will am liebsten ganz-er-selbst sein, weil Löwepapi immer sagt, das ist das Größte. Aber außerdem möchte er bitte nicht diskremiert werden. Sondern einfach liebgehabt.

So, das musste mal gesagt werden.

Glücksfaktor: political correctness

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