Ernst kann überhaupt nicht schlafen!

August 15, 2022 admin No comments exist

„Mami, darf ich bitte ein Glas Wasser haben?“

„Ach, Schätzchen, ich denke, du schläfst längst! Warte, ich hol dir Wasser – hier!“

„Danke. Wie soll ich denn schlafen, wenn ich so schwitze? Mein ganzer Pelz ist verklebt.“

„Armer Ernst! Ich hatte dich doch extra auf Handtücher gelegt – hilft das auch nichts? Komm, ich rubbel dich noch mal ab!“

„Es ist viiiiiiiiiel zu heiß, Mami!“

„Tja. Das ist die Klimakatastrophe. Aber manche Leute sagen, das ist keine Katastrophe, das ist einfach nur Wetter.“

„Ich will wo sein, wo es kälter ist. Wo ist es kälter?“

„Nirgends so richtig. Da, wo es eigentlich kalt sein sollte, schmilzt und taut alles. Und es geht noch viel schlimmer. Überall brennen Wälder. An allen Ecken entsteht immer mehr Kriegsgefahr. Frieden ist irgendwie uncool geworden, altmodisch. Man darf sich nichts gefallen lassen, man darf sich nicht einschüchtern lassen und verhandeln bringt ja doch nichts. Das ist insofern besonders doof, als Krieg nicht gerade der Umwelt dient. Aber darüber sollten wir nicht reden. Sonst kannst du noch schlechter schlafen.“

 

„Wollen wir über die vielen toten Fischlis in som Fluss reden?“

„In der Oder? Woher weißt du denn das? Nein, das ist ebenfalls kein gutes Thema zum Einschlafen.“

„Ich möchte bitte gern im Kühlschrank schlafen.“

„Auch gerade ungünstig. Da wohnt im Moment der Fondant-Löwe von der Geburtstagstorte. Und überhaupt sind da noch ganz viele Sachen von Löwepappis Geburtstag. Der Kühlschrank ist so voll, da passt kein Ernst mehr rein.“

„Och Menno. Oh, ich hab eine Idee: Ich kann den Fondant-Löwen aufessen!“

„Genau das hat er befürchtet. Nein, lass man. Du hast doch schon Zähne geputzt.“

„Kann ich ja hinterher noch mal putzen?“

„Das ist Zahnpastaverschwendung. Wir wollen schließlich alle sparen.“

„Warum eintlich?“

„Na, du weißt doch – Corona hat schon so viel gekostet. Kleine Betriebe und Restaurants sind pleite gegangen und Leute haben ihre Jobs verloren wegen dieser ganzen Regeln.“

„Mussten denn diese ganzen Regeln eintlich sein?“

„Natürlich. Da mussten wir solidarisch sein. Sonst wären ja noch viel mehr Leute gestorben. Ja, und jetzt kostet uns der Krieg auch wieder viel.“

„Weil die Waffen so teuer sind?“

„Wohl eher wegen der Sanktionen.“

„Sang – was?“

„Das sind Strafmaßnahmen. Du  weißt doch, wer Putin ist?“

„Der Böse.“

„Genau. Den haben wir dadurch bestraft, dass wir seiner Wirtschaft was antun. Das ist schlimm für ihn und dann verzweifelt er. Na, nicht sofort, aber das kommt noch.“

„Wie denn so?“

„Also beispielsweise verkaufen wir ihm nichts mehr, was er braucht. Er kriegt keine Würstchen mehr und keine Margarine und so. Und wir kaufen auch nichts mehr von ihm, was wir brauchen.“

„Zun Beispiel Gas?“

„Ja, zum Beispiel. Jedenfalls kaufen wir viel weniger Gas von ihm.“

„Und deshalb müssen wir sparen?“

„Ja, so ähnlich. Das ist Solidarität. Das verstehst du noch nicht, Liebchen. Aber es ist  schon richtig so. Kannst du in jedem Radio hören und in jeder Zeitung lesen. So, wie kriegen wir dich denn jetzt  dazu, doch zu schlafen?“

„Weiß ich auch nicht.“

„Ich werde dir den kleinen Ventilator hier hinstellen, okay?“

„Kostet das denn kein Gas?“

„Nein, kein bisschen. Nur Elektrizität.“

„Oh ja, das ist toll!“

„Nun schlaf gut, kleiner Bär …“

Glücksfaktor: Kühle Gespräche in heißen Nächten.

 

 

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