Ernst schreibt eine Rezension

April 18, 2020 admin No comments exist

Der Löwe-Papi bespricht dauernd Bücher und Mami sowieso.

Ernst jetzt auch mal! Vielleicht hilft Irgendwer ein ganz kleines bisschen – weil es doch das erste Mal ist?

»Gerne, Schätzchen. Welches Buch möchtest du besprechen?«

Jetzt rumpelt er eine Weile in seinem Zimmer auf dem Bücherregal. Und kommt wieder mit dem Kleinen Häwelmann. »Das ist von Sturm. Nee, Storm. Also, wie schreibt man eine Rezension?«

»Was möchtest du denn über das Buch gerne sagen? Hast du es gelesen? Hat es dir gefallen?«

»Ja. Es ist alt, aber das ist gerade das neißeste daran.«

»Du solltest zuerst ein bisschen erzählen, was darin passiert. Nicht zuviel, die Leute sollen ja selbst noch was lesen. Wenn du schon alles verrätst, was drin steht, brauchen sie das nicht mehr. Das ist dann ein Spoiler.«

»Zu.«

«Bitte?«

»Zu mit brauchen.«

»Ah. Dann brauchen sie das nicht mehr zu lesen. Ja, und dann möchten Leser meistens gern wissen, was der Hintergrund eines Buches ist.«

»Wie Hintergrund?”

»Ob so was Ähnliches wirklich passiert ist. Ob es die beschriebenen Personen wirklich gegeben hat.«

»Den kleinen Häwelmann?«

»Na ja.«

»Und, hat’s ihn gegeben? Ist das so ein Name wie Herr-mann oder so?«

»Das musst du rausfinden. Dann kannst du den Lesern was Neues erzählen.«

“Wie denn? Die sind doch alle längst mausetot?«

»Die Leser?«

»Neien! Theodor Storm und so. Kann man nicht mehr fragen.«

»Früher hat ein Journalist oder Rezensent dazu in Büchern rumgestöbert, in Bibliotheken. Inzwischen gibt es ja Herrn Google. Du machst deinen Labtop an und gehst ins Internet und dann fragst du Herrn Google: ‘Hat es den kleinen Häwelmann wirklich gegeben?’ – Und was sagt er? Guck, hier: Das Märchen hat Theodor Storm für seinen ältesten Sohn Hans geschrieben. Da war der kleine Hans ungefähr ein Jahr alt.«

»Oh, guck! Hier ist ein Gedicht! Das hat der Herr Storm auch für seinen Sohn Hans geschrieben!«

»Das kannst du dann, wenn du den Lesern davon erzählst, dazusetzen.«

Auf meinem Schoße sitzet nun
Und ruht der kleine Mann;
Mich schauen aus der Dämmerung
Die zarten Augen an.

Er spielt nicht mehr, er ist bei mir,
Will nirgend anders sein;
Die kleine Seele tritt heraus
Und will zu mir herein.

Mein Häwelmann, mein Bursche klein,
Du bist des Hauses Sonnenschein,
Die Vögel singen, die Kinder lachen.
Wenn deine strahlenden Augen wachen.

»Das ist aber schön! Der hat den kleinen Hans wohl sehr lieb gehabt. So wie meine Papis mich? Aber wieso heißt das Buch dann nicht Der kleine Hans?«

»Das musst du rausfinden. Frag Herrn Google, was Häwelmann bedeutet.«

— — — (Ernst tippelt)

»Auweia, Mami – Häwelmann ist Plattdeutsch und heißt Nervensäge! Vielleicht hat er ihn doch nicht so lieb gehabt?«

»Man kann auch Nervensägen lieb haben. Ich will jetzt auf kein besonderes Beispiel hinweisen … Aber du kannst ja mal weiter recherchieren, ob Theodor Storm und sein ältester Sohn Hans sich gut verstanden haben oder nicht. Ich muss jetzt auch an den Seuchen arbeiten, mein Ernst. Wenn du Hilfe brauchst, melde dich, okay?«

»Okay. Mami? Ich kann so schlecht auf Tasten schreiben mit meinen Pfoten.«

»Deshalb hab ich dir doch das japanische Essstäbchen geschenkt. Damit kannst du jede Taste drücken. Hast du’s verloren? Ich geb dir noch eins. Und jetzt muss ich …«

»Mami? Auf meinem Labtop fehlt eine Taste.«

»Deshalb ist es ja dein Labtop. Das Komma fehlt. Das erwischst du aber auch mit dem Essstäbchen. Jetzt will ich an meinen Computer!«

»Mami? Ich glaube, ich brauch eine Zigarette!«

»Herr des Himmels, wozu denn das?!«

»Ich hab neulichst ein Bild gesehen von so einem Schornalisten am Computer, und der …«

»Ernst! Keiner von deinen Papis raucht und ich auch nicht. Nimm Lakritze!«

Nach zwei Stunden und sehr viel Lakritze fragt Ernst, ob ich mal gucken mag.

Resension. Über das Buch Der kleine Häwelmann. Von Th. Storm. Von Ernst Schulz.

Da ist ein kleiner Junge, der liegt in einem Bollerwagen. Also nachts. Seine Mami fährt ihn sonst immer hin und her, aber nu schläft sie. Aber er ist wach, sowasvon. Und er heißt Häwelmann. Also sein Papi nennt ihn nur so. Eigentlich hieß er mal Hans. Aber das weiß man nicht. Häwelmann bedeutet Nervi. Und wenn man das Buch liest, dann weiß man, wieso. Der ist nemlich ganz schön ungezogen. Er nervt den Mond, der soll immer leuchten, weil er mit seinem Bollerwagen rumfahren will. Durch die Stadt, die ist neiß und ganz alt und guckt so mit den dunklen Fenstern wie Augen. Und dann durch den Wald. War scheinlich frirt er ganz schön und holt sich eine Erkältung, weil er sich nicht richtig zudeckt und sein Hemd hat er auch ausgezogen, weil das ist sein Segel. Da pustet er rein, um damit er rollt. Also wenn ich soviel puste, wird mir schawindelig. Wie es ausgeht sage ich nicht, weil das ein Speuler ist. Aber den Hans oder Häwelmann hat es wirklich gegeben. Sein Papi hat das nemlich für ihn geschrieben. Er hat ihm auch ein schönes Gedicht gemacht. Da könnte man denken, er hat ihn lieb gehabt. Trotzdem, wenn, warum nennt er ihn dann Nervi? Und das kommt raus, wenn man so im Internet rumliest. Dann erfert man, das Theodor und Hans Storm, die hatten so Probleme. Der Papi hat immer was an Hans zu meckern gehabt und dann hat Hans sich nichs mehr richtig getraut. Dann hat er nicht so Karjere gemacht, überhaupt nicht, sondern ist anstelle davon gestorben. Das hat ja noch keiner gewusst, als er im Bollerwagen gelegen hat. Außer, das er da schon genervt hat. Sonst hätten sie ihn ja nicht so genant. Also ich kann das Buch nur sehr emfehlen.

Glücksfaktor: Schriftstellerisches Talent in der Familie!

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