Feiertag der Armen Ritter: 28. November!

November 28, 2021 admin No comments exist

Zumindest in Amerika. Dort nennt man die bescheidene, doch leckere Speise ‚French Toast‘. (Charly Browns Hund Snoopy liebt French Toast zum Frühstück.)

Es handelt sich dabei um ein Reste-Essen, das offenbar unter verschiedenen Namen und in Variationen rund um den Erdball anzutreffen ist. Man tunkt die Reste  von Gebackenem in was Feuchtes, vorzugsweise Milch, geschlagene Eier und Zucker, und brät sie in der Pfanne in etwas Fett.

Aber was hat das mit Rittern, speziell armen, zu tun? Erstens natürlich deutet die Bezeichnung an, dass es sich hier um kein Luxusfutter dreht. Wer vor Knete kaum aus den Augen gucken kann, müsste doch schon sehr vom Geiz gekniffen sein, um alte Brotstücke zu braten – oder?

Zweitens erklärt der Begriff, dass die Mahlzeit nicht nur preiswert, sondern ziemlich alt ist. Um ehrlich zu sein: Etwas Deratiges gab sogar schon im alten Rom! Da hieß es bloß anders, weil’s zwar bereits berittene Kämpfer, doch noch keine Ritter gab.

Es existiert ein ur- uraltes Kochbuch aus der römischen Antike in lateinischer Sprache: Über die Kochkunst – De re coquinaria, (ein Werk mit 100 Saucenrezepten) und da steht es drin: ‚Man zerbricht abgeschabtes Winterweizengebäck in größere Stücke, taucht sie in Milch und röstet sie in Öl. Dann gießt man Honig  darüber.‘

Merkwürdigerweise war der alte Römer, dem dieses Kochbuch zugeschrieben wird, alles andere als ein armes Kerlchen, sondern vielmehr ein (auf damalige Verhältnisse übertragen) Multimillionär und bekannter Feinschmecker. Er hieß Marcus Gavius Apicius und wohnte um Christi Geburt herum, unter Kaiser Tiberius, in Colonia Claudia Ara Agrippinensium – ähm, na ja, in Köln. Oder vielmehr, er besaß in der Nähe der knospenden Garnisonsstadt ein elegantes Landhaus.

Er weilte jedoch auch gern in seinem anderen Haus in Minturno, ungefähr da, wo der italienische Stiefel sein Schienbein hat, direkt am Mittelmeer zwischen Sardinien, Korsika und Sizilien. Dort hielt er sich vor allem deswegen häufig auf, weil es in der Gegend die größten und leckersten Krebse gab! (Die im Übrigen schrecklich teuer waren.)

Marcus hatte nämlich den Ruf eines raffinierten Feinschmeckers. Plinius der Ältere schrieb über ihn, er sei der größte Prasser aller Zeiten. Apicius liebte Flamingozungen und entwickelte eine Idee, Schweine mit Feigen zu mästen, weil das deren Leber besonders wohlschmeckend machte. Auch wurde ein Käsekuchen respektvoll nach ihm benannt.

Was die Krebse angeht – vielleicht  waren sie ihm noch nicht groß genug. Denn als er eines Tages davon hörte, dass es in Afrika mächtigere gäbe, ließ er sich zur afrikanischen Küste segeln und zwar unter schlechten Bedingungen, so dass er unterwegs dauernd an Seekrankheit litt. Also landete er vermutlich schon nicht in bester Laune am Strand des anderen Kontinents und ließ sich hier von den Fischern Krebse zeigen. Er erkundigte sich, ob es denn keine größeren gäbe? Als die Fischer ihm versicherten, die vorgezeigten Exemplare seien die umfangreichsten, die sie ihm zeigen könnten, ließ er sich beleidigt auf der Stelle zurück nach Hause bringen, ohne auch nur einen Zeh an Land gesetzt zu haben.

Dieser Mensch machte, ungefähr sechzigjährig, seinem Leben mit Gift ein Ende, nachdem sein Finanzberater ihm erklärte, ihm seien von seinem Vermögen nur noch 10 Millionen Sesterzen übrig geblieben. Ursprünglich hatte es sich um weit über 100 Millionen gehandelt. Dazu wäre zu sagen, dass dieser Rest, in heutiger Währung, mehr als 20 Millionen Euro betragen würde. Kaiser Tuberius beispielsweise musste 10.000 000 Sesterzen ausgeben, um den Sold von 12500 Legionären für ein Jahr zu bezahlen. Aber Marcus Gavius Apicius verfiel über seine Finanzknappheit in Schwermut, kam zu dem Schluss, ein akzeptables Leben sei ihm mit derart begrenzten Mitteln nicht mehr möglich und gab sich selbst den ewigen Schlaf.

Und im Kochbuch dieses Mannes steht das Rezept für arme Ritter!

Daran kann man merken, dass es sich eigentlich um ein Luxusgericht handelt. Der Löwe und ich essen es jedenfalls ganz gern, vor allem mit ein paar Blaubeeren besprenkelt …

Glücksfaktor, da stimme ich im Prinzip mit Apicius überein: feines Fresschen.

 

 

 

 

 

 

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