‘Fräulein Julie’ von August Strindberg hatte am 14. März 1889 in Kopenhagen Uraufführung

März 14, 2021 admin No comments exist

Es handelt sich dabei um ein Trauerspiel und es geht, wie häufig bei dem schwedischen Schriftsteller, um den Geschlechterkampf.

Seine erste Ehefrau, Siri von Essen, spielte die Hauptrolle, Fräulein Julie, die sich in der Johannisnacht in ihrem Diener Jean verheddert und am Ende des Stückes von ihm in die Scheune geschickt wird, um sich selbst den Hals durchzuschneiden.

August Strindberg, einer der genialsten Autoren seiner Zeit, war, gelinde gesagt, kein Frauenverehrer. Er traute dem Weiberpack keinen Zentimeter über den Weg, davon handeln viele seiner Werke und davon erzählt seine eigene Lebensgeschichte.

Trotzdem konnte er nicht so recht die Finger von ihnen lassen. Und weil er sich nunmal von ihnen angezogen fühlte, bekriegte er sie. Die einzige Frage, die Strindberg bei der Partnerschaft von Mann und Frau wirklich zu beschäftigen schien, war offenbar, wer von beiden den anderen klein bekam, demütigte, vernichtete. Immerhin schien er am Anfang einer Beziehung immer genug Charme aufzubringen, um die künftige Gegnerin zu fesseln.

Er heiratete insgesamt dreimal; zunächst die Schauspielerin Siri, ein halbes Jahr jünger als er selbst, da waren beide 27. Die tapfere Frau hielt es vierzehn Jahre mit dem Künstler aus, schenkte ihm drei Kinder, musste jedoch immer häufiger zur Kenntnis nehmen, dass er sie in seinen Werken portraitierte und dass sich diese Darstellungen ständig grausiger ausnahmen. In die Zeit dieser ersten Ehe  fiel sein Briefwechsel mit Friedrich Nietzsche, mit dem er sicherlich in Bezug auf Frauen übereingestimmt haben dürfte. (Seine Briefe an den Philosophen unterschrieb Strindberg mit ‘Deus, optimus maximus’: bestmöglicher Gott.) 1891 war dann die erste Scheidung von Siri.

Zwei Jahre später begegnete der inzwischen 44jährige Strindberg die zwanzigjährige Journalistin und Schriftstellerin Frida Uhl, einer Österreicherin. Sie heirateten wenige Monate später.

Frida war zwar jung, aber wehrhaft. Diesmal hatte der Dichter eine Widder-Frau erwischt und die Fetzen flogen ihm praktisch sofort um die Ohren. Geschieden wurden sie erst 1897, doch die Ehe dauerte kaum ein Jahr.

Zwischen 1895 und 1897 erlebte August Strindberg (wie seine Biografen und er selbst meinten, nicht zuletzt durch die gescheiterte Ehe mit Frida) seine sogenannte Inferno-Krise, eine Zeit entsetzlicher seelischer Qual voller Depressionen und Wahnvorstellungen.

Was machte er mit der Krise? Er konnte sie erfolgreich dazu benutzen, kreativen Nektar daraus zu pressen und verfasst in den darauf folgenden sechs Jahren 25 Stücke und mehrere Romane.

Im Jahr 1900 lernte er die norwegische Schauspielerin Harriet Bosse kennen, 29 Jahre jünger als er, und heiratete sie im Jahr darauf. Sie bekamen eine Tochter und zerrten aneinander herum bis zur Scheidung 1904. Die dritte Frau Strindberg beklagte sich, eingesperrt und kontrolliert worden zu sein: Ach ja, übermäßig eifersüchtig war Strindberg auch. Er stalkte sie noch ein paar Jahre lang heftig und bombardierte sie mit Briefen, litt unter der Trennung sowie unter nagelneuen Wahnvorstellungen und Halluzinationen. Nachdem Harriet 1908 einen Schauspieler heiratete, war dann endlich Ruhe.

Und was machte Strindberg daraus? Er schrieb sich alles von der Seele in einem Mittelding aus Roman und Biografie, nannte es Okkultes Tagebuch und hatte großen Erfolg damit.

Vielleicht, weil er sich in seinem Leben so ungewöhnlich viel geärgert hat, litt er immer wieder an Magenbeschwerden und starb schließlich, 1912, an Magenkrebs – übrigens ziemlich genau drei Wochen nach seiner ersten Frau, Siri von Essen.

Thomas  Mann schrieb über Strindberg:

„Wie stark sich in seinen verzweifelten Kampf gegen die bürgerliche Gesellschaft ( … ) ein Elementares und Dämonisches mischt, dafür ist das stärkste Beispiel sein Verhältnis zum Weibe, worin die Polemik gegen moderne Emanzipationsideen die geringste Rolle spielt und eine desto größere der ewige mythische Todhaß der Geschlechter. Es gibt in keiner Literatur eine teuflischere Komödie als seine Eheerfahrungen, als seine Verfallenheit an das Weib und sein Grauen vor ihm, seine heilig monogame Verehrung und Verklärung der Ehe und sein völliges Unvermögen, es darin auszuhalten.“

Glücksfaktor: wenn ein Quadratekel sich damit rausreden kann, genial zu sein.

 

 

 

 

 

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.