Geheimnisvoll

Januar 31, 2019 admin No comments exist

Am Wochenende waren wir zu Hause, der Löwe und ich. Vier gesunde Ohren am Samstag und am Sonntag. Unsere Türklingel ist robust und durchdringend. Und obwohl wir es hätten hören müssen, hat der Postbote offenbar vergeblich immer wieder geläutet, bis er seufzend einen gelben Zettel in unseren Briefkasten steckte. Darauf stand, wir sollten am Mittwoch, nicht vor elf, an der Poststation unser Paket abholen.

Am Mittwoch? Nicht am Montag?

Ich fuhr am Mittwoch, nicht vor elf, zum Postamt. Es ist ja eigentlich kein ‘Amt’ mehr, aber das wissen die Mitarbeiter noch nicht. Sie benehmen sich immer noch wie Bundespost. Nein – eigentlich mehr wie Reichspost.

Nachdem ich lange genug brav in der Schlange gewartet und die Postleute einige Scherze getauscht und herzlich gelacht hatten, wurde ich herangewinkt.

Paketkarte und Ausweis. Bin ich es? Ich bin es. Ich dürfte Theoretisch mein Paket bekommen – wenn es da wäre. Ist es jedoch nicht. Die Postin, nach scharfem Blick in ihren Computer: “Das ist gestern, am Dienstag, erfolgreich abgeliefert worden!”

Ach was.

Erfolgreich abgeliefert bedeutet, die Post ist es los und hat keine Verantwortung mehr. Wo aber befindet sich mein Paket? Schulterzucken.

“Sie müssen den Absender kontakten!” empfiehlt die Postin.

Wenn ich doch aber nicht weiß, wer der Absender ist? Die Postin wüsste das. Es steht in ihrem Computer. Sie darf es mir jedoch nicht mitteilen, weil wir ja alle sehr datengeschützt sind.

Übrigens wundert sie sich, dass ich das Paket nicht am Montag abgeholt hatte? Ich halte ihr die gelbe Karte noch einmal unter die Nase: “Da steht Mittwoch!”

Die Postin, kopfschüttelnd: “Da muss der Kollege sich verschrieben haben. Der meinte Montag. Na, Irren ist menschlich.”

Durch diese Worte getröstet und versöhnt versuche ich es am nächsten Tag – also heute – mit dem Kundenservice der Post. Dabei bemerke ich, dass innerhalb der Institution jedenfalls keine Ausländerfeindlichkeit herrscht. Die erste Mitarbeiterin kommt deutlich aus Polen, stellt sich mit ‘Maria’ vor – vermutlich, weil sie zu Recht annimmt, ich könnte mir ihren Nachnamen sowieso nicht merken – und will wissen, woher mein Paket kommt.

Das weiß ich nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht!

Maria stellt mich durch zu einer (russischen?) Kollegin, mit der die Kommunikation sich schwieriger gestaltet. Immerhin verstehe ich, dass mein Paket gestern erfolgreich abgeliefert wurde. Wem auch immer. Und ich soll eine Nachforschung beantragen.

Das will ich ja gerne tun.

Lydia, falls jemand fragen sollte, hat mein Paket leider nicht erfolgreich angenommen. Aber sie kann mir erklären, wie das alles zusammenhängt.

Zunächst mal, sagt sie, bestellen immer mehr Menschen Online, das hagelt Pakete. Die Paketboten sind heillos überfordert. Dazu kommt, dass sie meist mies bezahlt werden und nicht immer Deutsch verstehen.

Ich hab’s gegoogelt: rund 3,5 Milliarden Sendungen waren das 2018, und die Tendenz ist steigend. Die DHL, Hermes und so weiter sind überfordert.

Würden sie mehr ausgebildete und kompetente Kräfte einstellen und die alle anständig bezahlen, dann würden wir über die neuen Portosätze schimpfen.

So ist das.

Wem soll ich nun böse sein? Und wo ist mein Paket? Es ist sehr geheimnisvoll.

Glücksfaktor: Wenn ich keine anderen Sorgen hab …



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.