Geschichte zum Valentinstag

Februar 13, 2017 admin No comments exist

Portulak stolzierte über die nasse Wiese und schaute sich aufmerksam um. Er hatte zufriedenstellend gekräht, genau zur richtigen Zeit, die Sonne hatte, wie immer, gehorcht und war aufgegangen. Jetzt gönnte er sich eine kleine Vormittagspause, naschte einen fetten rosa Regenwurm und hing seinen Gedanken nach.

Da bemerkte er etwas Leuchtendes am Rand der Wiese. Er blieb vorsichtig stehen und ruckte zweimal mit dem Kopf. “Habt Ihr gefrühstückt, Robin Rotbusch?”

Der nickte beruhigend: “Keine Sorge, Meister Portulak, mein Bauch ist voll. Vier saftige junge Feldmäuse. Der Tisch ist mehr als gedeckt dieser Tage. Sie, deren Namen wir nicht aussprechen wollen, haben unsereinen ganz übertrieben gejagt. Jetzt sprechen sie von einer ‘Feldmausplage’ …”

Der Hahn und der Fuchs murmelten gemeinsam automatisch: “Sie sind so dumm …”

“Aber das ist ja nichts Neues. Was gibt es denn sonst so?”, fragte Portulak und schnappte sich einen Käfer.

“Hmmm. Habt Ihr von König Rabbits Töchtern gehört?”

“Die Schönen? Ich sah sie nicht, aber mir wurde berichtet, das ihr Anblick das Herz erfreut.”

“Nicht allein ihr Anblick, Meister Portulak. Die Amseln singen Lieder über die beiden. Sie heißen Anmut und Grazie, beide mit sanften Augen und weichen Pfoten, klug, gebildet, sittsam und doch voll Themperament. Rasseweiber!” knurrte Robin Rotbusch.

“Na – spricht da der Feinschmecker?”

Robin kicherte. “Nur der Frauenfreund. So was Reizendes frisst man doch nicht!”

“Und wie geht nun die Geschichte?”

“Ah, wie Ihr Euch denken könnt, war König Rabbit ungemein stolz auf die beiden. Sie waren auch die Einzigen, die sie, deren Namen wir nicht aussprechen wollen, ihm gelassen haben.”

“Was war mit den Übrigen? Erschossen? In Fallen gefangen?”

“Ihre merkwürdigen Maschinen haben sie niedergewalzt. Ihr Gift ist ihnen nicht bekommen.”

“Gift?!”

“Ach, sie, deren Namen wir nicht und so weiter, sie wollen doch immer überall Ordnung schaffen. Sie mögen die Heilkräuter nicht, die um ihre Felder stehen. Sie mögen keine Insekten. Sie müssen vernichten, vernichten, vernichten.”

Portulak und Robin leierten gemeinsam: “Sie sind so dumm …”

Der Fuchs fuhr fort: “Also, König Rabbit, der alte Zausel, wollte natürlich

wackere Männer für seine beiden letzten Mädels. Ließ die Angelegenheit ausrufen, vom Kuckuck. Das war im letzten Frühsommer.”

“Und dann kamen die Freier, vermute ich?”

“Im Wesentlichen einer, Sir Donnerbein. Ein junger Mann mit Aussichten.”

“Und war er dem König genehm?”

“Zuerst nicht. Er hatte auf etwas anderes gehofft als auf einen armen Schlucker. Sir Donnerbein hatte eben nichts als Aussichten. Er warf sich dem König zu Pfoten, den Puschelschwanz in Trauer gesenkt, und schwor, er würde vor einen Jäger laufen, wenn Anmut nicht die Seine würde. Er hatte sich in die Ältere verguckt, wisst Ihr.”

“Warf sich also zu Pfoten. Und dann?”

“König Rabbit war noch mit seiner abschlägigen Antwort beschäftigt – da wurde ihm gemeldet, dass Prinzessin Grazie entführt worden war. Und zwar von Herrn Aquilacalva!”

“Ach nee?”

“Dazu muss man wissen, er hatte bereits mit der Kleinen angebandelt. Und Rabbit seiner Tochter diesen Mann strickt verboten. Ich war zufällig anwesend, im nächsten Gebüsch, und hörte die Predigt. Er meinte, es schickt sich nicht.”

“Konservativ, der alte König. Man muss doch mit der Zeit gehen!”

“Das hat Grazie auch gesagt. Sie wollte ihre Pfote für Aquilacalva ins Feuer legen. Er würde sie höchstens vor lauter Liebe fressen. Ihr Vater hat gebrüllt, ihm ist der Grund egal, fressen ist fressen. Da hat das Mädchen sich natürlich vertrotzt. Sie sagte, dieser oder keiner. Dann lieber bei denen, deren Namen wir nicht nennen wollen, in einem Stall mit Maschendraht.”

“Das ist drastisch.”

“Nicht wahr? König Rabbit war beleidigt. Das war sehr praktisch für den guten Sir Donnerbein: Er bekam plötzlich seine Prinzessin Anmut. Konnte

sein Glück kaum fassen. Große Hochzeitsfeier, alle happy. Ich war leider nicht eingeladen … “

“Nun, Robin Rotbusch, sie fürchteten sicher, sie hätten euch Hasenbraten vorsetzen müssen, hahaha.”

“Hahaha. Und die beiden sind immer noch glücklich, haben reizende Kinder bekommen.”

“Gut, und Prinzessin Grazie wurde also entführt? Von Aquilacalva?”

“In der Tat. Rauschende Flügel, Schwapp – und weg war sie!”

“Hätte ich ihm nicht unbedingt zugetraut. Ein edler Mann. Natürlich, jeder

von uns muss sehen, was er in den Schnabel bekommt … und doch. Wenn er ihr vorher Liebe vorgegaukelt hat und ihr Herz erobert und sie dadurch gefügig gemacht – das war nicht nobel. Das war geradezu menschlich. Also hat König Rabbit Recht behalten. “

“So dachte ich auch. Bis mir heute Frau von Donnerbein begegnete. Sie erhielt Post von ihrer Schwester. Und denkt Euch, die ist nicht nur am Leben, sondern es geht ihr großartig! Sie hat ebenfalls niedlichen Nachwuchs, wohnt in einem großen Nest ganz oben auf einem Felsen und wird von ihrem Mann geflogen, wohin immer sie will. Das beweist wieder mal, was ich immer zu sagen pflege!”

“Was pflegt Ihr denn immer zu sagen, Rotbusch?”

Der Fuchs drehte sich zum Gehen und meinte über die Schulter: “Wenn es wirklich Liebe ist, dann schafft es jede Hürde.”

Glücksfaktor: Dem ist nichts hinzuzufügen …

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