Getuschte Wimpern

November 23, 2017 admin No comments exist

Zweieinhalb Jahrtausende vor Christi Geburt schminkten sich die Ägypter vor allem ihre Augen sehr betont. Das hing auch damit zusammen, dass ihr Sonnengott, Ra, als Auge symbolisiert wurde. Darüber hinaus sollte die Farbe vor Insekten schützen, die sich am Auge andocken wollten.

Aber mal abgesehen von religiösen und hygienischen Aspekten sieht es einfach nett aus, wenn in einem Gesicht die Augen betont werden.

Damals stellten oft Priester die grüne und schwarze Farbe her. Sie wurde, wie Kajal, in einer Linie um das Auge herum sowie im inneren Lidrand aufgetragen.

Die Damen im alten Rom tuschten ihre Wimpern mit einem Brei aus Honig und gebranntem Kork.

Nach der Antike dauerte es eine Weile, bis die Wimpern kosmetisch wieder betont wurden. Es schien, als wären sie nicht wichtig. Sie waren sogar mal unerwünscht.

In der Rainessance beispielsweise galt es eine Weile als totschick, sich den Haaransatz fast bis zur Schädelmitte hoch zu rasieren, um eine möglichst ‘hohe’ Stirn zu zeigen. Außerdem entfernte man die Augenbrauen und – tatsächlich’ – zupfte sogar die Wimpern aus!

Dazu musste der Teint so bleich wie irgend möglich sein. Um das zu erreichen strichen die modebewusste Dame gern Bleiweiß auf ihr Gesicht. Das war derartig giftig, dass sich andere erstrebte Effekte gern von selber einstellten: Augenbrauen und Wimpern konnten durch die toxische Wirkung ausfallen und verschwunden bleiben. 

Im neunzehnten Jahrhundert erhielten die Augen wieder kosmetische Aufmerksamkeit. Eine gepflegte englische Lady des viktorianischen Zeitalters rührte klebrigen Holundersaft mit schwarzer Asche zusammen und bürstete sich die Pampe auf ihre Wimpern, um verführerisch darunter hervor zu blinzeln.

Schließlich entwickelten hilfsbreite Herren wie Rimmel oder Williams eine Wimperntusche aus Kohle und Vaseline. Die Konsistenz blieb ein Problem, deshalb kam später Seife hinzu. Diese Tusche wurde als kleiner schwarzer Block verkauft, an dem man mit einem nass gemachten Bürstchen schrubbte, um die hergestellte Substanz vorsichtig in die Wimpern zu bürsten.

Weinen war verboten. Seife im Auge tut nicht wohl…

Seit Helena Rubinstein 1957 Mascara in einem Fläschchen mit Bürste verkaufte, hat sich an der Form der Wimperntusche nicht mehr sehr viel geändert. Am Inhalt wird immer noch herumerfunden. Mascara brennt nicht mehr, falls es aus Versehen ins Auge gerät. Es ist manchmal mit kleinen Haaren angereichert, um die eigenen Wimpern zu verlängern und es enthält fast immer, zumindest bei den kostspieligeren Sorten, viele pflegende Öle. Dadurch werden die Wimpern geschmeidig gehalten.

Es stimmt nämlich schon lange nicht mehr, dass Tusche  die Wimpern brüchig macht…

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