Heute ist also Freitag, der 13.

Mai 13, 2022 admin No comments exist

Das ist der Tag der bösen Weiber.

Heute früh hab ich den Löwen zum Bahnhof nach Hamburg gebracht, wir sind dafür beide um fünf Uhr aufgestanden. (Ernst hat sich geweigert, um so eine Zeit aufzustehen. Er sagt, das kann ihm schaden, er ist noch im Wachstum. Deshalb hat er dem lieben Löwepapi schon gestern Abend „Aufwiedersehn und gute Reise“ gewünscht. Und ‚Bring mir was Schönes mit, ja?“)

Wir hätten übrigens auch eine Stunde länger schlafen können, wenn wir bedacht hätten, was für ein Datum wir haben. Als ich wieder Zuhause ankam, hat der Löwe mir auf WhatsApp geklagt, der Zug sei eine runde Stunde zu spät gekommen, weil es in einem Stellwerk gebrannt hat.

Wer hat das Stellwerk angefackelt? Die bösen Weiber.

Was ist am Freitag so verhängnisvoll?  Was schadet an der 13? Die bösen Weiber.

Das ist aus christlicher Sicht einfach zu erklären. Jesus saß beim Abendmahl (an einem Donnerstag) mit zwölf Jüngern am Tisch, zusammen waren sie also 13. Inzwischen weiß jede Hausfrau, dass darin der Wurm sitzt. Der damalige Wurm war natürlich Judas, eindeutig der Dreizehnte. Und was drohte am kommenden Tag? Der KarFREITAG. Ganz mies.

Aus VORchristlicher Sicht betrachtet ist Freitag der Dreizehnte der Tag der Großen Mutter, der Göttin nämlich. Also nicht der Gattin eines Gottes oder so. Auch nicht Gleichstellung oder Darf ich auch mal was sagen. Sondern selbst Gipfel des Herrschens, oberste Gottheit an sich. Dreizehn war ihre Zahl (weil das Weib, dem Mond verwandt, etwa alle 28 Tage menstruiert. Das Jahr der Göttin besaß deshalb dreizehn Monate.)

Freitag ist der Tag der Großen Mutter seit altersher. Deshalb heißt er nach der Göttin Freya – hier sehr hübsch abgebildet in einem von Katzen gezogenen Wagen. Katzen, natürlich, sind ihre Tiere. Wie man weiß, sind die falsch, geheimnisvoll, ungehorsam und raffiniert – also weiblich.

Freyja, Katzen und Engel, Gemälde von Nils Blommer

Jeder anständigen – oder vielmehr, jeder unanständigen – Hexe sitzt eine Katze auf der Schulter. Zur Zeit der Hexenverfolgung brannten beide auf den Scheiterhaufen, denn aus der Muttergöttin wurde, in Zeiten des Patriarchats, die Hexe. Sie war mächtig, weil sie zaubern konnte. Das Wort Magie bedeutet Macht. Frauen und Macht: Eine Frechheit. Ganz böse.

Goethe, natürlich, hat davon gewusst. (Ich war auf einem anthroposophischen Internat, deshalb ist mir klar: Goethe wusste alles.) Er hat die ehemalige Macht dieser Mütter, die relativ schmollend in der Unterwelt hocken, nachdem sie abgesetzt wurden, in seinem Faust verbacken:

Mephistopheles:
Göttinnen thronen hehr in Einsamkeit,
Um sie kein Ort, noch weniger eine Zeit;
Von ihnen sprechen ist Verlegenheit.
Die Mütter sind es!
 
Faust: (aufgeschreckt)
Mütter!
 
Mephistopheles:
Schaudert’s dich?
 
Faust:
Die Mütter! Mütter! – ’s klingt so wunderlich!
 
Mephistopheles:
Das ist es auch. Göttinnen, ungekannt
Euch Sterblichen, von uns nicht gern genannt.
Nach ihrer Wohnung magst in’s Tiefste schürfen

Geschürft haben eine Reihe von Wissenschaftlern, Ethnologen, Anthropologen und Archäologen, etwa Johann Jakob Bachofen, Marija Gimbutas, James George Frazer. Der Schriftsteller Robert von Ranke-Graves schrieb über die Weiße Göttin, die er in der Mythologie Griechenlands entdeckt hatte und der Psychiater C.G Jung filterte den Mutterarchetyp heraus. Alle miteinander meinten, es habe in grauer Vorzeit ein Matriarchat gegeben und einen Mutterkult – die Große, aus sich selbst heraus Leben spendende Göttin. Und die sei im Lauf der Jahrtausende vom Patriarchat plattgewalzt worden.
 
Es gibt, andererseits, nicht wenige Wissenschaftler, die das leidenschaftlich bestreiten und erklären, es sei nur ein Mythos.

Freya von James Doyle Penrose

Eigentlich ist es ja egal. Da sowieso niemand mehr glaubt, ist auch keiner mehr abergläubisch. Und dass dieses Stellwerk heute Morgen brannte, hat nichts mit Freitag dem 13. zu tun. Die Bahn ist ständig in irgendwelche unangenehmen Zufälle verwickelt.

Glücksfaktor: Eine recht schöne Reise, mein Löwe, gesegnet von allen guten Geistern!

 

 

 

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