Heute ist der Welttag des Stotterns!

Oktober 22, 2020 admin No comments exist

Es gibt nicht wenige Schauspieler oder Sänger, ursprünglich stottergestört, die sich die Tatsache zunutze gemacht haben: Wenn jemand auf der Bühne steht, möglichst geschminkt und kostümiert, dann ist er nicht mehr er selbst und kann das nervöse, verlegene Sprechen bleiben lassen. Außerdem, das ist ein Seitenzweig dieser Möglichkeit, die Nerven und die Zunge zu entspannen: Es lässt sich gut in einem Stück heraussingen, was beim Sprechen ständig steckenbleibt.

So gelangten einige Stotter*Innen auf die Bühne oder vor die Kamera und sogar zu Ruhm und Reichtum. Sie verdankten gewissermaßen dem ursprünglichen Hemmnis ihren Erfolg.

Im Prinzip kann man allerdings davon ausgehen, dass mit dem gehemmten Sprechen eine Persönlichkeit einhergeht, die nicht übertrieben scharf drauf ist, auf dem Präsentierteller zu landen – wenn wir mal von Marilyn Monroe absehen. Die zwar auch von Zeit zu Zeit gestottert hat, sich jedoch auf dem Präsentierteller ausgesprochen behaglich fühlte.

Moses, der mit dem Wandertempel aus der Bibel, Moses hatte sicher viele feine Talente und war gewiss auch eine Führungspersönlichkeit. Aber, wie er dem Herrn klagte, empfand er seine Zunge als etwas gebremst. Während er doch auf das Volk Israel sowie auf den vernagelten Pharao los sollte, um sie alle zu überzeugen! Da traf es sich hervorragend, dass er über einen Bruder mit geschmeidigem Sprechwerkzeug verfügte. So konnte Moses sich darauf beschränken, Wunder zu tun, die Gebote in Steinplatten zu hauen, mit den Augen zu kullern und die Fäuste zum Himmel zu recken – während Aaron den passenden Text lieferte.

Auch Bertie Windsor, schüchterner Königssohn, freute sich, dass er einen Bruder hatte, noch dazu und besonders wichtig: einen älteren. Der durfte gern Thronfolger sein, Bertie gönnte es ihm von Herzen. Edward trat charmant und selbstbewusst auf und würde ein prima König werden. Bertie blieb lieber im Schatten. Seit energische königliche Kindermädchen ihn vom Links- zum Rechtshänder umdressiert hatten. stotterte er, sobald er den Mund aufmachte.

Und dann stellte sich zu seinem Entsetzen heraus, dass Edward sich derart in eine doppelt geschiedene Amerikannerin verknallte, dass er ihretwegen sogar auf den Thron verzichtete! Nach nur elf Monaten Regierungszeit räumte er das Möbel für seinen kleinen Bruder und verschwand mit der großen Liebe im Exil.

Bertie fühlte sich vermutlich wie jemand, dem man öffentlich das Handtuch wegrupft und der nichts drunter an hat. Er war Pflichtmensch und drückte sich nicht (sonst hätte England ein Problem bekommen mit zwei Prinzen, die keinen Wert darauf legten, König zu sein), er ließ sich krönen und nahm den Namen George an, George VI.

Wären andere Zeiten gewesen, friedliche, freundliche, dann hatte der neue König George sich vielleicht darauf beschränken können, zu lächeln und zu winken wie die Pinguine aus Madagaskar. Doch die Zeiten waren beängstigend: Dieser Herr Hitler in Deutschland steuerte auf eine Krieg zu und schien England ganz besonders hungrig anzustarren.

Was die Bevölkerung der tapferen Insel brauchte, war ein Daddy, der sie beruhigte, der die richtigen Worte fand. Das hatten sie zwar seit Kurzem in Churchill, doch vom König erwarteten sie naturgemäß noch eine dickere Portion Trost.

George VI hatte bisher einmal eine große Rede gehalten – das war eine Katastrophe geworden. Die edelsten, wunderbar formulierten Worte gingen unter in der Häckselmaschine eines Stotterers.

Seine Frau riet dem König, sich einen bestimmten, unkonventionellen australischen Sprachtherapeuten zu nehmen, und das Unternehmen zeigte Erfolg. (Das ist wunderschön dargestellt in dem Film The King’s Speech mit Colin Firth als britischem König mit Sprachstörungen.) George VI. lernte zunächst mal einige Rollen aus Shakespeares Stücken, nach dem klugen Rezept, dass ein Stotterer nur stottert, solange er ganz er selbst ist. Holt man ihn jedoch in eine fremde Persönlichkeit, dann gehen ihm die Worte oft glatt über die Lippen. In Zukunft quälte Bertie sich nicht mehr damit ab, König sein sein zu müssen; er spielte den König, ganz dezent und sehr sympathisch. Und hielt zum Kriegsbeginn eine wunderbare, bewegende Rede, glatt und in einem Stück …

Glücksfaktor: kluge Ehefrauen!

 

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