Heute vor 384 Jahren verbrannte Urbain Grandier auf dem Scheiterhaufen

August 18, 2018 admin No comments exist

Zu seinem Pech war er einfach zu sexy.

Grandier, Priester in der Kirche Sainte Croix in Loudun, war ein stattliches, vitales Mannsbild. Nicht unüblich zur damaligen Zeit, erlaubte er sich (Zölibat hin oder her) ein reges Liebesleben mit wechselnden Damen, ohne das besonders zu vertuschen.

Jeanne des Anges, Äbtissin im nahegelegenen Konvent der Ursulinen, kam dies zu Ohren. Nachdem sie dem attraktiven Mann auch noch kurz begegnet war, kriegte sie ihre Phantasie nicht mehr in den Griff. Sie bot ihm 1632 an, geistlicher Leiter ihres Klosters zu werden. (Übrigens waren damals beide im selben Alter, etwa Anfang Vierzig.)

Grandier lehnte ab, ohne auch nur ein zweites Mal hinzusehen. Weder interessierte ihn der Job noch die Frau: Jeanne, obwohl sie ein hübsches Gesicht besaß, war seit ihrer Geburt an der Schulter verwachsen und schief.

Nichts  ist gefährlicher als eine verschmähte Frau. Die Verliebtheit der Mutter Oberin schlug um. Sie klagte den Priester nun an, mit ihren Nonnen und ihr selber wüste Ferkeleien getrieben zu haben, und zwar unter Assistenz des Teufels und seiner Crew. Offenbar war es nicht schwer, die Klosterbesatzung in diesem Sinne mitzureißen. Es entstand eine Art Massenhysterie unter den Schwestern. Das kirchliche Tribunal hörte mit gesträubten Haaren, was für schamlose Einzelheiten die frommen Damen zu berichten wussten.

Vielleicht wäre die Sache noch im Sande verlaufen, wenn der intelligente und ehrgeizige Grandier sich nicht auch politisch betätigt hätte. Sein schlimmster Feind war ausgerechnet der mächtige Kardinal Richelieu. Der vernahm erfreut von den Anklagen gegen den unbequemen Priester und bestand darauf, der Sache gründlich nachzugehen. Da fanden sich plötzlich belastende Dokumente bei Grandier, von ihm und Satan selber unterschrieben.

Auch unter der Folter gestand der tapfere Mann nichts von dem Unsinn, der ihm vorgeworfen wurde. Gleichwohl schleppten sie ihn  – da er seine Beine nicht mehr brauchen konnte – am 18. August 1634  auf den Scheiterhaufen …

 

 

 

 

 

 

Grandier wurde schuldig gesprochen und zum Tode verurteilt. Die Richter ordneten an, dass er der „außergewöhnlichen Befragung“ unterworfen werden sollte, einer Form der Wasserfolter, die normalerweise mit Verzögerung zum Tode führte, und die nur bei solchen Opfern angewandt wurde, die ohnehin unmittelbar danach hingerichtet wurden. Auch unter dieser Folter gestand Grandier nicht. Er wurde 1634 lebend auf dem Scheiterhaufen verbrannt.

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