Heute

Posted by admin on 23. Januar 2022

23. Januar: Tag der Handschrift

Handschrift ist, wenn man keine Tastatur hat.

Manchmal braucht man Handschrift zum Unterschreiben. Ziemlich häufig in letzter Zeit auf einem winzigen Display mit einem derben Stift – das Ergebnis sieht aus, als hätte es mein Dackel nach Genuß von acht Cognacbohnen signiert. Gilt aber als seriös und glaubwürdig.

Andererseits muss gesagt werden, dass der Paketbote, vermutlich unter dem Eindruck der Seuche,  bereits im vergangenen Jahr keine Unterschrift dieser Art mehr begehrte. Er warf einem das Paket aus einiger Entfernung zu, (sofern er es nicht überhaupt an seltsamen Plätzen im Garten versteckte) und sah zu, dass er Land gewann.

Handschrift ist auf jeden Fall noch notwendig für ein Testament. Das MUSS handgeschrieben sein, nicht nur die Unterschrift. Man sollte dringend eins machen, solange man noch in der Lage ist, so viel Zeug mit der Hand zu schreiben. 

Handschrift gibt es schon ganz schön lange. 

Dieser Teeny aus dem in Vulkanasche versunkenen Herkulaneum kratzte seine Gedanken in Wachstäfelchen.

Mittelalterliche Mönche pinselten auf Pergament und gaben sich riesig Mühe, wirklich was draus zu machen.

Die Chinesen nahmen es noch ernster und machten daraus die Kalligraphie der Acht Prinzipien des Schriftzeichens Yǒng – und dieses Wort – ein kleines j, ein großes J und ein drangebastelter K-Winkel, alles von einem Flügelchen überdacht – bedeutet Ewigkeit. Man kann sich also ungefähr vorstellen, wie lange es dauerte, so einen Text zu malen.

Früher hatten die Leute eben, weil es keine zeitsparenden Maschinen gab und weil sie weniger lange lebten als unsereiner, mehr Zeit.

Gelehrte und Geisteswissenschaftler hielten ihre Erkenntnisse oder Lebensweisheiten mit Federkielen fest, die immer wieder in Tinte getunkt werden mussten. Wollte man eine dieser Schriften verbreiten, dann musste sich Irgendwer hinsetzen und sie kopieren – mit Federkiel, in Tinte getunkt.

Trotzdem schrieben die Menschen, sofern sie schreiben konnten, häufig lange, lange Briefe. Sie hatten nun mal kein Telefon. Sie bedeckten jedoch auch in diversen Tagebüchern Seite um Seite, sie führten ihre Geschäftsbücher von Hand geschrieben.

Alle Romane der Menschheit entstanden jahrhundertelang durch diese mühsame Art, obwohl sie anschließend natürlich – dank Gutenberg – gedruckt werden konnten. Und weil in dieser Zeit zwischen den gebildeteren Leuten so viele Briefe gewechselt wurden, bekam der neugierige Leser den Stoff oft in Briefform serviert. Die handelnden Personen – ich scheue das schöne, ernste Wort ‚Protagonist‘ – schrieben sich gegenseitig und trieben die Handlung, jeder aus seiner Sicht, dadurch voran, bevor es den unsichtbaren ‚Erzähler‘ gab. Ich erinnere mich, wie es mich geradezu schmerzlich berührte, wenn ich in solchen Romanen las: „Lieber Freund, ich kopiere dir eben, was sie mir gestern geschrieben hat …‘ und dann folgte ein seitenlanger Text! Ich bekam beim Lesen einen Schreibkrampf.

Noch im letzten Jahrhundert legten Lehrer und Erzieher viel Wert darauf, dass ein Kind es lernte, ’schön‘ zu schreiben. Und zwar bitte mit dem ‚guten‘, dem rechten Händchen. Lehrer, rücksichtsvoll, wie sie sind, achteten darauf, ihrerseits kein charaktervolles eigenes Schriftbild zu entwickeln. Sie blieben im 2.-Klasse-Status, naiv, korrekt und sauber, damit die Kleinen begriffen, was in Kreide an der Tafel stand oder mit roter Tinte unter dem Diktat.

Normalerweise jedoch verändert sich eine Handschrift im Lauf des Lebens und wird persönlich. Graphologen können sagen, wieso. Graphologen sind aber nicht wissenschaftlich erwiesen (waren sie mal; hat sich erledigt) und sollten lieber gar nichts sagen.

Die Kriminialpolizei zeigt jedoch ein gewisses Interesse daran, ob eine Unterschrift oder vielleicht sogar ein ganzes Schriftstück wirklich von Sowieso stammt – und wer bei der anonymen Nachricht seine Handschrift verstellt hat. Dafür brauchen sie keinen Graphologen; das macht der Computer.

Der Löwe versteht ziemlich viel von Handschriften und interessiert sich auch sehr dafür. Bevor wir uns zum ersten Mal begegneten, so um Weihnachten, schickte ich ihm eins meiner Bücher und malte eine persönliche Widmung auf die erste Seite, ihn und mich selbst, dazu vier kleine Worte:

von mir – für dich

Zufällig telefonierten wir gerade, als der Postbote ihm das Päckchen brachte. (Wir telefonierten damals ziemlich oft.) Ich wartete gespannt, bis er es ausgepackt hatte – so, nun musste er das schöne Bild sehen! Was würde er dazu sagen? Und er brüllte ganz begeistert in mein Ohr: „Oh, was hast du für ’ne schöne SCHRIFT!“

Glücksfaktor: Dass die Menschen ganz unterschiedliche Interessen haben …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posted by admin on 21. Januar 2022

Die Wassermann-Frau und die Liebe

Woran erkennt man sie? Wahrscheinlich am lauten, herzlichen Lachen. Sie ist die Frau, die das Treppengeländer runterrutscht oder auf einen Baum klettert oder dem Drummer das Werkzeug aus der Hand nimmt, um selbst auf die Pauke zu hauen: Wo ist der Deinhard?

Sie ist eigentlich immer originell, die typische Wassermann-Frau. Ihr Freundes- und Freundinnenkreis ist gigantisch und setzt sich aus den unterschiedlichsten Personen zusammen, die teilweise bestimmt nichts miteinander zu tun haben möchten. Das Wassermädchen mag sie alle, akzeptiert sie, wie sie sind und findet an jedem etwas Liebenswertes oder Spannendes. Sie ist auch jederzeit für jeden da – es sei denn, sie hat gerade miese Laune. Dann sollte man ein wenig warten, bis sich das ändert, was sicher schnell geht. Zwar ist sie im Januar oder Februar geboren, doch ihr Gemüt wird  bestimmt von einer Art April-Charme; manchmal jede Art von Wetter an einem Nachmittag.

Eine ihrer ausgeprägtesten Eigenschaften ist Trotz (sie selbst würde es wahrscheinlich Stolz nennen), mit dem sie leider häufig anderen oder sich selbst schadet. Dieses eigentlich sehr jugendliche Gefühl bewahrt sie sich bis ins Grab. Und obwohl sie viel und gern redet, hindert eine  trotzige Regung sie manchmal daran, im richtigen (wichtigen) Moment zu sprechen.

Die typische Wassermännin ist lieber selbstständig, als einer Chefin oder einem Chef zu gehorchen. Mit dem Gehorchen hat sie es nämlich nicht so. Woraus wir schließen können: Einen Herrn und Meister, der Bewunderung und Fügsamkeit erwartet, kann sie überhaupt nicht brauchen.

Wie die beiden Winterzeichen vor ihr, die Schützin und die Steinböckin, ist auch die Wassermann-Frau auf keinen Kerl angewiesen. Sie kommt ausgezeichnet alleine klar.

Zumindest wirkt sie oft so, strahlend, selbstbewusst, mit diesen herrlichen lauten Lachanfällen, offensichtlich völlig autark. Sie ist erfolgreich, eigensinnig, unendlich selbstbewusst. Bis ihre Stimmung plötzlich zusammenbricht und sie wie ein zaghaftes kleines Mädchen wirkt. Jetzt ist die Frage: Benötigt sie eine starke Schulter – oder nicht?

Mia Farrow, * 9. Februar

 

Mary Quant, *11. Februar

Foto: Jac. de Nijs / Anefo

 Nastassja Kinski, *24. Januar

 

Foto: 9EkieraM1

Die Antwort dürfte lauten: Manchmal. Streckenweise. Und übrigens nicht immer dieselbe starke Schulter. Wassermänninen lieben in jeder Beziehung die Abwechslung. Auch in Beziehungen. Falls also jemand gern ein für alle Mal mit ihr zusammenbleiben möchte, sollte er wandelbar sein.

Diese Frau ist niemals spießig oder verklemmt, sie kann Langeweile, Langweiler und den Alltagstrott, das Normale, das Gewöhnliche, das, was ‚man macht‘ nicht leiden. Sie ist enorm begeisterungsfähig und gibt dem laut und offen Ausdruck. Also darf man gern Komplimente von ihr erwarten – und sich nicht wundern, wenn gleich darauf eine harsche Kritik folgt. Beides meint sie ehrlich.

Sie kann treu sein, wenn sie will. Aber eben nur dann – nicht etwa aus dem Gefühl der Verpflichtung heraus.

Es ist nicht einfach, dieses schillernde Knäuel von einer Frau zu erobern und festzuhalten. Zumal sie eine Aversion dagegen hat, festgehalten zu werden. Sie hasst jede Art von Kontrolle. Sie braucht eine kilometerlange Leine. Geduld ist angebracht und die Fähigkeit, sie zu lieben, wie sie ist. Denn sie zu ändern ist unmöglich.

Wer bekommt so etwas am besten hin?

Ein unerschrockener Widder, der es schafft, Nachsicht mit ihr zu haben: Das könnte klappen. Ein toleranter Schütze natürlich sowieso. Dem Löwen kann sie manchmal etwas zu ehrlich werden, das hat er nicht so gern …

Ein Stier-Mann fühlt sich zunächst angezogen durch diese kapriziöse Dame. Aber er merkt schnell, dass sie ihm nicht die ruhige, stetige Zuneigung entgegenbringt, nach der sein Herz letztendlich verlangt. Ein Jungfräuling hat schon bessere Chancen, da beide furchtbar gern stundenlang miteinander quatschen werden. Er klärt am liebsten alles durch Worte, auch seine Gefühle, und die Wassermann-Frau folgt ihm da gern. 

Das dritte Erdzeichen, der Steinbock, ist dem Wassermädchen meistens zu korrekt. Er kann, wenn er nicht aufpasst, zum Jedermann werden: Es gibt kaum etwas, das sie mehr verabscheut.

Wassermann und Wasserfrau? Viel Gemeinsamkeit natürlich, aber da keiner von beiden festhält, gibt es wenig Chancen für eine längere Beziehung, außer einer tiefen Freundschaft. Auch ein Zwillinge-Mann braucht deutlich eine Handvoll wärmerer Aspekte, etwa Mars im Löwen, Venus im Skorpion oder sowas, damit die leichte, flüchtige Flamme ihrer Zuneigung zu einem wärmenden, dauerhaften Feuer gedeiht. Das Problem für den Waage-Mann, der zwar zu den kühleren Luftzeichen gehört, ist sein Bedürfnis nach Romantik. Die Wassermännin lacht ihn unter Umständen aus, wenn er lyrisch wird …

Und die Wasserzeichen? (Denn, um es noch mal zu betonen, Wassermann/Wassermädel sind keine Wasser- sondern Luftzeichen, ihrem Namen zum Trotz.) 

Also der Skorpion-Mann interessiert die Wassermann-Frau zunächst mal sehr. Sie ist zu neugierig und verspielt, um so einen faszinierenden Kerl nicht zu beachten. Der Haken: Er ist besitzergreifend wie eine Bärenfalle. Sie erträgt weder Fessel noch Käfig. Wenn er meint, er hat sie fest in der Hand – löst sie sich in Luft auf und ist verschwunden. 

Ein Krebs-Mann, ganz Herz und Kuschelbedürfnis, und eine Wassermännin, Geist, Intellekt und Abstands-Notwendigkeit, müssten viele andere Aspekte im persönlichen Horoskop besitzen, um auf einen Nenner zu kommen.

Bleibt der Fische-Mann. Hier ergibt sich der sonderbare Umstand, dass eine Partnerschaft mit dem Wassermädchen für ihn meistens schmerzlich ist – und für sie recht erfüllend. Sie fühlt sich von ihm nicht bedroht, (denn er hält sie mit leichter Hand), jedoch sehr geliebt, bewundert, angeschwärmt. Da sie kaum eifersüchtig ist, nimmt sie seine Seiten-Flirts nicht besonders wichtig. Er seinerseits leidet daran, dass sie oft, innerlich oder ganz real, eigene Wege geht und ihm nie soviel von sich selbst gibt, wie er gern hätte. Dadurch lebt er mit ihr in einem ständigern Zustand der unerfüllten Sehnsucht. Andererseits mag er – und das kann nur ein Fische-Geborener – dieses ewige süße Leiden gar nicht ungern. Unter Umständen kann sie ihn dadurch länger fesseln als jede andere Frau …

 

 

 

 

Posted by admin on 21. Januar 2022

Neue Gedanken über ein altes Gefühl: Eifersucht!

Eifersucht erfordert für gewöhnlich drei Personen. Notfalls zwei und ein Haustier.

Manchmal zwei Personen und eine Tätigkeit oder einen Gegenstand, der oder dem zuviel Aufmerksamkeit entgegengebracht wird.

Von unbeteiligten Besserwissern wird gern behauptet, Eifersucht beruhe auf einem Selbstwert-Defizit. Das klingt zwar logisch, ist jedoch sehr theoretisch und eine Versimplung der Gefühle.

 

Ich kenne sehr reife und starke Menschen, die durchaus zu Eifersucht fähig sind, und schüchterne kleine Würstchen, die von allen möglichen Emotionen gebeutelt werden – nur von dieser nicht. Der Irrtum beginnt bereits da, wo vorausgesetzt wird, ein selbstbewusster Charakter sei auch in jeder anderen Beziehung Herr und Meister über sein Seelenleben, hätte niemals Verletzungen erlitten (oder sie vollständig ausgeheilt) und könne sich vor psychischer Gesundheit gar nicht lassen.

So was ist albern. Das Reizvolle an den Bewohnern dieses Planeten ist ja gerade ihre Unvollkommenheit. Wer eine perfekt heile Seele besitzt, der wandelt nicht mehr auf Erden, sondern ist ein Erzengel. Ach, und womöglich befreit ihn nicht einmal das von missgünstigen Gefühlen, man denke an Luzifer! (Allerdings sollte Eifersucht nicht mit Neid verwechselt werden; der ist zwar ein naher Verwandter, aber eben doch etwas anderes.)

Und wer immer noch nicht davon überzeugt ist, dass ein eifersüchtiges Gemüt nichts mit dem wenig ausgeprägten Selbstbewusstsein zu tun hat: Der Boss selber hat sich schuldig bekannt. Im Alten Thestament, 2 Mose, 20,5, sagte er (über andere Götter): Bete sie nicht an und diene ihnen nicht! Denn ich, der HERR, dein Gott, bin ein eifersüchtiger Gott!

In späterer Übersetzung wurde daraus ‚ein eifernder‘, aber es meint dasselbe. Wahrlich, eine göttliche Eigenschaft …

Ich hatte es in meinem Leben mit sehr eifersüchtigen und weniger eifersüchtigen und überhaupt nicht eifersüchtigen Männern zu tun. Und ich habe letzteren ihre Gleichgültigkeit immer verübelt. Wenn ich mir einen Mann zusammenstelle, der haargenau meinen Wünschen entspricht, dann gehört Eifersucht unbedingt zu den erwünschten Eigenschaften. 

Die erste ‚Beziehung‘ meines Lebens war nicht eifersüchtig oder er tat jedenfalls überzeugend so, was mir schrecklich auf die Nerven ging. Danach heiratete ich einen Stier mit Skorpion-Aszendent: Sowas hat in dieser Beziehung ganz enormes Potenzial!

Außerdem ist es praktisch. Zum Beispiel wollte ich gern den Führerschein machen, aber mein junger Gatte war dagegen. Er argumentierte, ich sei zu schusselig und der Großstadtverkehr erfordere Konzentration, er würde sich immer nur Sorgen machen. Vielleicht fürchtete er auch, ich könne zu beweglich und unabhängig werden. Aber das sagte er nicht.

Da ich normalerweise genau das tue, was ich will (was meine arme Mutter immer beklagt hat), machte ich den Führerschein also heimlich. Und als ich von der ungefähr achten praktischen Fahrstunde kam, die ich angeblich bei einer Freundin verbracht hatte, erwartete mein Mann mich mit bleichem Antlitz in nervöser Spannung. Die betreffende Freundin hatte bei uns angerufen und sich nach mir erkundigt. WO ALSO WAR ICH WIRKLICH GEWESEN?

Ich beichtete die heimlichen Fahrstunden – Ergebnis: Er zeigte sich über alle Maßen erleichtert. Solange es das nur war! Zahlte die restlichen Fahrstunden, war eigentlich sehr stolz auf mich und schenkte mir nach bestandener Führerscheinprüfung mein erster Auto, ein kleines rotes Cabrio, das mich immer nur geärgert hat.

Glücksfaktor, natürlich: Kein GRUND zur Eifersucht.

 

 

Posted by admin on 20. Januar 2022

Der Wassermann-Mann und die Liebe

Der Wassermann hat ein riesengroßes Herz. Wenn er ein echter, typischer, ganz extremer Wassermann ist, dann passen ganze Stadtbezirke hinein, Sportclubs, politische Gruppierungen und durchaus auch deren Gegner (denn er ist in der Lage, beide Fraktionen zu verstehen) sowie wahre  Völkerscharen von Freunden. Und natürlich passt auch eine einzige Frau noch in dieses geräumige Herz. Sie muss nur sehen, dass sie nicht vom gigantischen Anteil der restlichen Herzbevölkerung an die Wand gedrängelt wird.

Glücklicherweise gibt es höchst selten so einen echten, typischen, ganz extremen Wassermann. Wir haben es bei dieser Bezeichnung ja nur mit dem Sonnenzeichen zu tun. Das ist eine grobe Verallgemeinerung und wir können sie bloß deshalb wagen, weil sowieso niemand Astrologie ernst nimmt. Es geht um die Kategorie. Im Einzelfall kommt der oft sehr wesentliche Aszendent hinzu, manchmal entscheiden Planetenstände oder deren Ansammlung in bestimmten Häusern – wie bitte? Eben.

Nur nach dem Sonnenzeichen zu urteilen ist ungefähr, als ob man sagen würde, der Norddeutsche sei eher einsilbig und der Berliner schnattert viel – oder: Ein Brite zeigt sich meistens zurückhaltender als ein Sizilianer. Das trifft ja auch nicht auf alle zu. Aber im Großen und Ganzen stimmt es schon. 

Der Wassermann-Mann also ist extrovertiert, exzentrisch, egozentrisch und schockierend.

Wassermann Falco, * 19. Februar, textete über Wassermann Wolfgang Amadeus Mozart, *27. Januar: ‚Er war so exaltiert, because er hatte Flair…‚  – und beschrieb sich damit selbst.

Foto: Bwag

Wassermänner sind Revolutionäre, Rebellen, unbezähmbar. Mit Autorität haben sie riesige Probleme (und das ist noch gar nichts im Vergleich mit den Problemen, die Autoritäten mit Wassermännern haben! Es ist oft kein Spaß, Vater eines typischen Wassermanns zu sein.) Meist ihrer Zeit voraus, jederzeit bereit für eine Diskussion, von elektrisierender Energie getrieben und immer rasend schnell. Sein Herrscher ist Uranus, der Plötzliche. Er ist nie langweilig – allerdings darf man ihn auch nicht langweilen. Geschwindigkeit findet er herrlich!

Paul Newman, * 26. Januar, fuhr Autorennen, und das nicht nur so nebenher.

James Dean, * 8. Februar, liebte ebenfalls schnelle Autos, was sein Leben sehr verkürzte.

Der Wassermann-Mann kann sehr witzig, charmant und unterhaltsam sein. Reißt das allerdings hin und wieder durch erstaunliche Taktlosigkeiten wieder ein – was meistens daran liegt, dass ihm plötzlich einfällt, er müsse jetzt mal schonungslos den Ehrlichen raushängen lassen.

Er liegt in der großen Torte des Tierkreises dem Tortenstück des Löwen direkt gegenüber. Das bedeutet, sie ’spiegeln‘ sich. Tatsächlich bin ich mehrfach im Leben darauf reingefallen, einen Wassermann beim ersten Kennenlernen als Löwen einzuschätzen, wenn auch nur kurz. Es liegt etwas Verwandtes in der Art, gern im Mittelpunkt zu stehen und sich bewundern zu lassen, in einer gewissen selbstverständlichen Rücksichtslosigkeit sowie der Überzeugung, etwas Besonderes zu sein und sich nichts und niemand beugen zu müssen. Beide Zeichen, Löwe wie Wassermann, balancieren ein umfangreiches Ego auf den Schultern. Lernt man sie ein wenig näher kennen, kommen eine Menge Unterschiede zutage. Der auffallenste dürfte die Leidenschaftslosigkeit der Wassermänner sein. Oh, gewiss, sie können leidenschaftlich (und stundenlang) debattieren, sie setzten sich leidenschaftlich für weltanschauliche Ziele wie Umweltschutz oder Hilfe für arme Mitglieder der Gesellschaft ein. Sie lieben das Leben und die Menschen, allesamt, leidenschaftlich. Aber eine einzige Frau? Hm.

Nein, der Wasser-Mann ist kein Schürzenjäger. Er benötigt keinen Harem. Doch vor dem Fenster einer speziellen Schönen nächtelang an der Klampfe zu zupfen ist nicht sein Ding. Er ist prinzipiell bereit, jede zu lieben, die hübsch und lustig und unkompliziert ist, die alles mitmacht, auch ganz verrückte Sachen, die ihn weder gängelt noch kontrolliert oder vielleicht sogar eifersüchtig ankommt. Und wenn sie das alles nicht bringt – dann ist das etwas traurig, aber kein Beinbruch. Er kann ungeheuer gut loslassen. Die Welt, sagt sich ein echter Wassermann, ist voller entzückender Frauen. Es muss ja nicht diese sein. Man kann auch eine andere lieben.

Meistens ist er wirklich ziemlich umschwärmt. Er ist prickelnd und ungewöhnlich, immer irgendwie besonders, häufig ausgesprochen attraktiv: Das typische Wassermann-Gesicht zeigt sich ebenmäßig und ausgewogen.

Um eines Tages die Königin seines Riesenherzens zu sein, ist es kein schlechter Anfang, sich mit ihm zu befreunden. Erst mal ohne Flirt. Freundschaft liegt ihm ganz ungeheuer und es fällt leicht, ihm näher zu kommen, vorausgesetzt, die Anwärterin (oder der Anwärter) verfügt über Intelligenz, Schlagfertigkeit und sprühenden Witz. Es gilt, als ‚etwas Besonderes‘ rüberzukommen. Notfalls mit grünen Haaren und schwarzen Zähnen. Na, ganz so extrem muss es vielleicht nicht werden. Und doch: Das Verrückte, das Gewagte spricht den typischen Wassermann immer an.

Die Gefährtin seiner spontanen Einfälle sollte Mut haben und bereit sein, sich auch auf Absurdes einzulassen, möglicherweise so was wie ein bisschen tägliches Dschungel-Camp. (Andererseits gibt es natürlich auch biedere Wassermänner, deren gewagteste Aktion darin besteht, Klingelstreiche zu machen.)  

Sehr wesentlich: gute Laune, egal, was passiert! Keine Vernunftsgründe, kein ‚Was-werden-die Leute-sagen?‘, und bloß, um Himmelswillen, keine Eifersucht! Dann kann es passieren, dass er selbst über die Freundschaftslinie in den Flirt springt. Wahrscheinlich sogar ziemlich schnell. Der Wasser-Mann ist eigentlich immer flink.

Wer eignet sich dafür, seine Geliebte und Komplizin zu werden?

Die Feuerzeichen-Frauen und der interessante Kerl ziehen sich gegenseitig an. Dabei dürften sowohl Widderin als auch Schützin genug Mut, Unternehmungslust und Sportlichkeit haben, um mit seinen ungewöhnlichen Aktionen mitzuhalten. Die Löwin allerdings stellt ziemlich schnell beleidigt fest, dass ihm die Fähigkeit zur Vergötterung der Geliebten völlig fehlt …

Natürlich gefällt dem Wassermann eine echte Stier-Frau mit ihrer ungewöhnlichen Sinnlichkeit. Sie ihrerseits dürfte nicht so begeistert sein. Er ist ihr zu zappelig, zu wenig ehrgeizig und im Bett allzu phantasievoll. Soviel Akrobatik, findet sie, ist nicht nötig.

Die Steinbock-Frau kann WasserManns verrückten Ideen auch wenig abgewinnen. Ihr fehlt, genau wie der Jungfrau, die Zuverlässigkeit und die Ruhe. Beiden ist der Wassermann schlicht zu unerwachsen.

Ein Fische-Mädchen bezaubert einen Wassermann. Doch sie hat Angst vor seinen Eskapaden. Er kann ihr nicht die Geborgenheit vermitteln, die sie braucht. Ähnlich, nur schlimmer, wird es mit einer Krebs-Frau. Natalie Wood war so ein Fall, sie verliebte sich schon als Teenie in den Wassermann Robert Wagner, so sehr, dass sie ihn zweimal heiratete. Glücklich wurde sie ganz und gar nicht damit …

Und die Skorpionin? Die vermisst sie am meisten, die Leidenschaft, die der Wassermann nicht hat.

Ein Zwillinge-Mädchen hat mehr Spaß mit ihm und fühlt sich auch durch seine Geschwindigkeit und seine tollen Ideen herausgefordert. Wenn beide typische  Vertreter ihrer Sternzeichen sind, wird eine Romanze trotzdem nicht zu lange dauern. Glücksfaktor: Sie werden ewig gute Freunde bleiben!

Genauso verhält es sich mit der Beziehung Wassermann-Wasserfrau. Sie fangen als Kameraden an, haben wahrscheinlich mittendrin ein reizendes Techtelmechtel und enden als Kameraden. So lange sie damit zufrieden sind?

Mit der Waage-Frau wird auch der Wassermann-Mann, wie fast jeder andere Mann, glücklich, das ist schon kein Geheimtipp mehr. Vielleicht macht sie nicht einmal alles mit – doch das schadet nicht. Ihr zuliebe lernt er womöglich sogar, ein bisschen zu schmachten und viele Komplimente von sich zu geben. (Die eine Löwin so gern gehört hätte.)

 

 

 

 

Posted by admin on 18. Januar 2022

Der Untergang der SS City of Columbus

ereignete sich am 18. Januar 1884. Das Unglück kostete 103 Menschen das Leben.

Die SS City of Columbus war ein feines Schiff, ein eiserner Dampfer mit zwei Masten, um notfalls, wenn der Dampf nachließ, zu segeln. Sie pendelte zwischen Savannah im Süden der Vereinigten Staaten und Boston im Norden hin und her, mit bis zu 2500 Tonnen Fracht im Laderaum und maximal 200 Passagieren an Bord. Unter Deck gab es 42 Luxuskabinen sowie einige weitere, schlichtere Räume im Zwischendeck. Das Schiff  erfreute sich unter Geschäftsreisenden und Privatpublikum aus Neuengland großer Beliebtheit.

Am Nachmittag des 17. Januar legte die City of Columbus von Boston aus zu einer ihrer Überfahrten nach Savannah ab. An Bord befanden sich, neben den 45 Mannschaftsmitgliedern, nur 87 Passagiere, darunter viele Familien mit Kindern. Die meisten wollten dem kalten, schneereichen Winter im Norden entgehen und sich im Süden entspannen.

Wenn man von Boston in Massachusetts auf dem Seeweg nach Savannah in Georgia gelangen möchte, dann muss man den berühmten Plymouth-Rock umrunden, auf dem die Pilgerväter (und -mütter), die ersten Siedler in der Neuen Welt, gelandet sind. Dort befindet man sich eine Weile in gefährlichen, weil klippenreichen Gewässern und es ist segensreich, einen Seemann an Bord zu haben, der genau Bescheid weiß. Der Kapitän der City of Columbus war Schuyler E. Wright, ein Mann von 42 Jahren, der seit seinem dreizehnten Lebensjahr zur See fuhr und bereits vier andere Schiffe befehligt hatte, ohne jemals negativ aufzufallen. Darüber hinaus besaß er Lotsenerfahrung. Bei ihm schien man in den besten Händen zu sein, auch jetzt, da das Wasser begann, etwas lebhaft zu werden. Wright war ruhig und besonnen und mit den Gewässern, durch die sie fuhren, ganz besonders vertraut.

Weshalb der er sich bald darauf wie ein absoluter Idiot verhielt, ist rätselhaft.

In der Nacht auf den 18. Januar kam starker Wind auf und die See wurde zunehmend rau. Kurz nach zwei Uhr begab sich Kapitän Wright trotzdem in seine Kabine, um zu schlafen, nachdem er seinem zweiten Maat die Brücke überlassen hatte. Dieser Mann wurde gegen kurz vor vier Uhr vom Ausguck mit dem unerfreulichen Umstand vertraut gemacht, dass die Boje Devil’s Bridge gerade vor dem Backbordbug aufgetaucht sei – anstatt, wie erwartet, vor dem Steuerbordbug. Was bedeutete, mit dem Kurs stimmte irgendwas ganz und gar nicht. Kurz darauf knallte die City of Columbus auf einige scharfe Felsen, die unter Wasser darauf gelauert hatten, und warfen den Kapitän (und vermutlich die meisten Passagiere) aus der Koje. 

Wright eilte an Deck und schrie „Hart Backbord!“ – doch durch das Ausführen dieses Befehls wurde sein Schiff nur erneut gegen das Riff geschmettert. Als nächstes befahl er, Segel zu setzen, um den Klippen zu entkommen – was sie noch tiefer in das Riff trieb. Jetzt entschloss der Kapitän sich, einfach über die verdammten Felsen hinweg zu fahren – das schlitzte den Schiffrumpf noch weiter auf. Riesige  Wellen spülten über Deck und rissen mit sich, was sie fassen konnten, unter anderem die inzwischen verzweifelt herumrennenden Passagiere. Wer nicht ertrank, der erfror sehr schnell im eiskalten Wasser.

Einige Versuche, sich in Rettungsbooten zu bergen, scheiterten ebenso grotesk: ein einziges Boot konnte sicher abgefiert werden, mit nur sieben Männern an Bord – zwei davon Passagiere, die fünf anderen Mannschaft. Mehrere Boote wurden von den Wellen, noch bevor sie im Wasser ankamen, am eisernen Schiffsrumpf zermantscht; zwei weitere schafften es tatsächlich an Land, eins mit vier Geretteten an Bord, eins mit nur einem einzigen Überlebenden – nebenbei bemerkt durchweg Männer. Weil die City of Columbus sich gleich darauf nach Backbord wälzte, rissen sich die Boote auf dieser Seite los und stürzten ins Wasser, während die Boote von Steuerbord in der Luft hingen und nicht mehr losgemacht werden konnten.

Kräftigere Personen kletterten in die Takelage und hielten sich dort fest, unter anderem auch Kapitän Wright. Ein Leuchtturmwärter und sechs Indianer vom Festland kamen in zwei Ruderbooten, um diese letzten Überlebenden aus den Masten zu pflücken. Dadurch konnten noch einige Männer  gerettet werden. Auch der kleine Kutter ‚Dexter‘ wagte sich trotz des heftigen Wellengangs in die

Nähe der City of Columbus, setzte ebenfalls einige Boote ab, was bei dem Seegang überaus gefährlich war, und rettete die letzten Überlebenden.

Durch dieses Unglück starben 103 Menschen. Zwölf der 87 Passagiere überlebten, siebzehn der 45 Besatzungsmitglieder. Zufällig war keine einzige Frau und kein einziges der vielen Kinder gerettet worden. 

Kapitän Wright wurden sein Kapitänspatent und seine Lotsenlizenz entzogen.

Glücksfaktor: An Land bleiben. Vor allem bei Sturm …