Heute

Posted by admin on 12. Oktober 2019

Heute vor 40 Jahren …

… ist etwas besonders Schönes passiert.

… ist ein ganz besonders kluger, liebenswerter, humorbegabter, sensibler, talentierter Mensch aufgetaucht.

Ich kann mir nichts drauf einbilden, seine Mutter zu sein.

Aber ich bin stolz darauf, dass er mein Freund ist.

Happy Birthday, Söhnchen, du wandelnder Glücksfaktor!

Posted by admin on 9. Oktober 2019

Waldfriedhof in Hanerau

Immer, wenn ich nach Eiderstedt hochgefahren bin, sah ich das Schild: GESCHLECHTERFRIEDHOF. Und hab drüber nachgedacht, was für Körperteile da wohl begraben liegen.

Da sagt Maren kürzlich zu mir, sie will zum Geschlechterfriedhof, auf dem ihre Eltern und weitere Vorfahren liegen, und dort Ordnung machen! Und ob ich mitkommen möchte, helfen.

Das ist übrigens ein anderer als der auf dem Schild. Aber nicht weit entfernt davon: der eine liegt in Lunden, der, zu dem wir gefahren sind, in Hanerau.
Der in Lunden heißt so, da dort alte Bauerngeschlechter ruhen. Und der Waldfriedhof in Hanerau, weil die Toten sittsam getrennt bestattet sind:

Ich bin morbide. Ich mag Beerdigungen und Grabsteine und so was. Theodor Storm hatte übrigens auch Sinn dafür. Er liebte das Fleckchen und sitzt immer noch am Eingang des Friedhofs, lebensgroß in Bronze.

An diesem herbstlichen Tag mit Blättern auf den Schultern und einem großen Tropfen an der Nase.

Wer hier liegen möchte, muss viele strenge Vorschriften beachten, sonst wird er wieder entfernt:

Manchmal kennt man Menschen schon eine ganze Weile und erfährt auf einmal Neues über sie. Mir wurde plötzlich bewusst, dass Maren blaues Blut hat, baronisches, vonseiten ihrer Mama. Und da liegen alle ihre adeligen Ahnen, beispielsweise Onkel Rudolf-Heinrich, der Rittmeister …

Wir waren emsig, denn Maren hatte sich für zwei oder zweieinhalb Stunden Regenpause ausgebeten und in dieser Zeit waren drei Gräber zu begöschen. (Begöschen: Norddeutsch, besorgen, beschwichtigen, in Ordnung bringen)

Wir glitschten auf dem lehmhaltigen Friedhofsweg wie auf eisigen Winterpfützen. Rupften altes Grünzeug und Moos raus und pflanzten neues Grünzeug rein. Im Lauf der Arbeit bekam ich ein vertrauteres Verhältnis zu Marens Verwandtschaft. Am Anfang sagte ich noch: “Die alte Frau von Kalben benötigt mehr Immergrün neben dem Stein!” – später dann: “Omi könnte doch die kleinen gelben Blumen in die Mitte kriegen?”

Eine große, schöngemusterte Kröte hüpfte in unsere Nähe. Nun konnte sie so schöngemustert sein wie sie wollte, sie war immer noch eine Kröte. Oder eher ein Kröterich, so, wie er uns anschaute. Wir versicherten ihm, dass wir keinen Bedarf an Prinzen hätten, worauf er resigniert im Grünzeug verraschelte.

Es regnete wirklich zweieinhalb Stunden lang nicht, bis wir fertig waren. Maren hatte mir erzählt, wie unendlich ruhig dieses Plätzchen sei – aber das kann ich nicht bestätigen. Die gesamte erste Stunde unserer Grabpflege wurde in der näheren Umgebung fortgesetzt laut geschossen. Außerdem kreiste ein Hubschrauber minutenlang dicht über unseren Köpfen: Kriegsgeräusche. Ich könnte es den Toten nicht verdenken, wenn sie sich (falls diese martialischen Töne öfter vorkommen) geschlossen aus ihren Gräbern erheben und ein ruhigeres Plätzchen suchen würden.

Wir unsererseits suchten uns nach getaner Arbeit ein schönes Restaurant. Man verliert ja beim Buddeln immer so viel Kalorien …

Glücksfaktor: In Schleswig-Holstein zu leben, finde ich. Solange es durch die steigenden Meeresspiegel noch nicht abgesoffen ist …

Posted by admin on 2. Oktober 2019

Keine Panik

Das Wort Panikmache ist zurzeit äußerst populär. Es bedeutet, dass alles beileibe nicht so schlimm ist, wie ständig getan wird.

Der Begriff Panik geht auf den Hirten- und Naturgott Pan zurück. Der war eigentlich ein sonniges Kerlchen, solange man seinen Mittagsschlaf heilig hielt. Wurde derselbe jedoch gestört, verursachte der ergrimmte Pan zum Beispiel eine Massenflucht unter den Herdentieren.

Pan spielte auf einem Instrument, das er sich aus einer Nymphe geschnitzt hatte. Wie bitte? Ja, die Nymphe Syrinx floh vor seiner Liebesleidenschaft, für die sie gerade gar keinen Sinn hatte, und verwandelte sich zu ihrem Schutz in ein Schilfrohr. Das war, wie sich herausstellte, keine kluge Maßnahme. Pan disponierte um, schnippelte das Rohr ab und verarbeitete es zu seiner Flöte, mit der er fortan auch auf Wettbewerben spielte und anständige Quoten erzielte.

Außer für gute Mucke war der Naturgott bekannt für Fröhlichkeit und Ekstase, Wollust und Zügellosigkeit. Daraus knetete die Christliche Kirche sich den Teufel, im Mittelalter auch ‘der Grüne’ genannt und gekleidet wie Robin Hood und sein kleiner Bruder Peter Pan, die böse Natur in Männer- oder Bubengestalt. Satans eigentliches Kostüm aber sind Pans Bocksbeine und seine Hörner – If you meet him, have some sympathy.

Lange Jahre lag das Christentum mit Pan im Clinch. Das Tierische, die Natur wurde unterdrückt und hierhin und dorthin gebogen, im ruhigen Bewusstsein, dass der patriarchalische Gott den Auftrag erteilt hatte: “Macht euch die Erde untertan!”

Jetzt schwappt bunte Plastik kilometerweit durch die Meere, das sieht nach einem Sieg der Menschen aus. Ist der Naturgott erledigt? Schon zur Zeit des Kaiser Tiberius ertönte vor der griechischen Küste eine Stimme, die rief: “Der große Pan ist tot!” worauf ringsumher Wehklagen gehört wurde. Jedoch ist zu bezweifeln, dass er aufgegeben hat.

Im Sprechfunkverkehr der Schiffe und Flugzeuge gibt es eine Dringlichkeitsmeldung, die lautet: Pan-Pan — Pan-Pan — Pan-Pan! Das ist der letzte Aufruf vor dem Untergang, dem Absturz, dem S-O-S oder Mayday. Dieses Pan-Pan-Pan bedeutet: Für uns sieht es ziemlich finster aus! Irgendetwas muss schleunigst passieren, bevor es zu spät ist …

Glücksfaktor: Das entspannte Gefühl, dass sich alles schon irgendwie von selbst hinbiegen wird …

Posted by admin on 26. September 2019

Der Turmbau zu Babel


Die Babylonier bauten in biblischen Zeiten an einem Turm von respektloser Höhe, was dem Herrn missfiel. (Vermutlich waren sie einfach empörend ihrer Zeit voraus, denn ihr Gebäude dürfte ein Mickerling gewesen sein gegen die Sachen, die inzwischen in Dubai oder Shanghai in den Himmel pieken.)

Da wurden ihre Sprachen verwirrt, jeder sprach plötzlich anders. Keiner verstand mehr den anderen.

Einer gab Befehle auf Japanisch und der andere protestierte auf Türkisch. Unter diesen Umständen ging das Mauern weniger flott voran, gelinde gesagt. Es muss so frustrierend gewesen sein wie beim Willy Brandt-Flughafen.

Schließlich blieb der angefangene Turm stehen, die verschiedensprachigen Bauarbeiter zerstreuten sich ‚in alle Länder‘.

Das war ein Unglück für die Menschheit. Außer natürlich für Sprachschulen.

Glücksfaktor: Angefangene Sachen, die zuende gebracht werden …

Posted by admin on 21. September 2019

Hoffentlich ist allen Beteiligten klar, dass heute Wunschtag ist?


Ich wollte es nur noch mal sagen.

Also: drauflos wünschen, uferlos, ungeniert, das Mögliche und das Unmögliche (denn nichts ist unmöglich).

Aufschreiben, laut vorlesen und anschließend verbrennen. Je besser das Papier brennt, umso eher werden die Wünsche sich erfüllen. Kokelt es unlustig vor sich hin und muss mehrmals neu angezündet werden – dann stimmt mit einem der Wünsche etwas nicht. Vielleicht würde man, wenn er in Erfüllung ginge, nicht sehr glücklich damit …

Glücksfaktor: Ich finde es immer wieder überwältigend, wie haargenau manche Wünsche erfüllt werden!