Heute

Posted by admin on 5. Oktober 2022

Eine Woche Dänemark mit Ninety Shades of Grey

  Ernst wollte natürlich unbedingt mit. „Ernst – wir wollen uns einfach nur entspannen. Das wird völlig unwitzig. Das Wetter soll mies sein – Regen und Sturm, alles Grau in Grau. Vielleicht müssen wir die ganze Zeit im Haus bleiben. Wir wollen keine Ausflüge machen. Der Löwepapi und ich werden viel miteinander reden oder sogar viel miteinander schweigen.“ Ernst will immer noch mit. Er kann prima schweigen. Manchmal eine halbe Stunde lang! „Und wir fahren in der kleinen Trixi. Das wird mehr als eng! Vielleicht muss ich auf dir sitzen die fünf Stunden lang …“ Nun, er hat es nicht anders gewollt. Nimmt sich aber eine Menge zu lesen mit, vernünftigerweise. Natürlich keine Bücher, da brauchten wir einen Anhänger. Sondern sein Kindle. Das Haus liegt im selben Bezirk wie das, in dem wir schon im Frühling eine Woche verbracht haben. (Wir wir erstaunt merkten, mehr als eine Stunde zu Fuß entfernt.) Ein Waldgebiet dicht an der Ostsee. Ein Pool ist da, ein Whirlpool – den wir gar nicht benutzen – und natürlich die Sauna. Was mehr als alles andere da ist: Ruhe. Falls es stürmt, hört man das und leise die Brandung. Falls es regnet, Getrommel auf dem Dach. Sonst nichts. Hin und wieder fällt eine Kastanie runter. Einmal turnt ein Eichhörnchen hinterher. Ernst erinnert sich wirklich an sein Versprechen und hält überwiegend die Klappe. Er hat einen kleinen Sessel im Haus, der ihm sehr behagt (und wir ahnen, was er sich dieses Jahr zu Weihnachten wünscht). Meistens liest er. Manchmal sitzt er wirklich da und beschäftigt sich mit Schweigen! Vielleicht wäre das für viele Menschen ein versauter Urlaub, aber wir haben es gut. Blauen Himmel und Sonne kann jeder. Ich begeistere mich an den verschiedenen Grau- und Silberschattierungen, die der Himmel vorgibt und die das Meer variiert.  Ruhiges Grau, nachdenkliches Grau, dazu ganz stille See. Irgendwie tut das meinen Nerven viel besser als ‚Schönes Wetter‘! Es gibt auch bedrohliche Horizonte, dunkles Blau- oder Schwarzgrau, bevor der nächste Wolkenbruch kommt. Wir haben uns die richtigen Klamotten mitgenommen, nass werden von außen ist kein Problem, das perlt ab. Und hinterher zusammensitzen und Tee trinken ist eigentlich viel schöner, wenn der Regen an die Scheiben prasselt. Es war ein gutes Gefühl, dass die kleine Trixi auch ein Dach über dem Kopf hatte! Aber einen Tag gab es, da hat der Wind alle grauen Wolken weggepustet. Der Strand sah völlig anders aus, zumal Massen von Seetang angespült wurden … Die Möwen hatten Spaß, standen segelnd still in der Luft. Wir hatten auch Spaß: Ich hab sehr  flache Steine gesammelt, die der Löwe über das Wasser flitzen lassen kann. Auch bei Brandung noch fünf- sechmal! Ich kann das nicht. Egal, aus welcher Richtung ich sie werfen, sie sagen egalweg nur Plutsch und  sind weg. Bevor wir zurück zum Haus gingen, hätte ich gern ein kleines Eis gehabt. Ich und Zucker?! Ja, nur ein ganz kleines Eis. Weil die Dänen so ein entsetzlich leckeres Zeug obendrauf machen, das heißt  ßaum. Oder so ähnlich. Auf jeden Fall ist es bestimmt wahnsinnig ungesund … Wir bestellten also, wortgewandt, wie wir sind, zwei kleine Waffeln mit ganz kleinem Eis, denn der Löwe wollte mich mit so was Giftigem nicht allein im Stich lassen und tat es sich also auch an. Wir haben auf Deutsch angefangen, mit Englisch weitergemacht und etwas Dänisch versucht, aber irgendwie ist uns die Sache mit dem ganz klein nicht wirklich gelungen. Also haben wir uns erst mal hingesetzt und uns bemüht, der Sache Herr zu  werden. Ich meinte, nun sei unsere Diät und der Versuch, etwas abzunehmen, im Eimer. Der Löwe sagte, unter Umständen könne man derart viel Eis essen, dass einem schließlich übel wird und man die gesamte Tagesration, vom Frühstück angefangen, von sich gibt. Das wäre dann wieder gut für die Figur.  Ich hab eine Freundin, die ganz oft von allen Seiten ihren Eis essenden Mann fotografiert. Also ich jetzt auch mal! Der tapfere Löwe hat das Rieseneis tatsächlich aufgegessen. Ich hab irgendwann kapituliert und meinen Rest den Möwen gespendet. Die waren nicht im mindesten irritiert, es wirkte, als wären sie daran gewöhnt: „Hey, da kommt wieder so ein Eis! Weg da, das ist meine Waffel …“ Ernst übrigens hat an diesem Nachmittag geschlafen. Wir haben davon abgesehen, ihm von dem Eis zu erzählen … Und  am nächsten Tag war wieder alles Grau. Glücksfaktor: Genau die Art von Urlaub, den man persönlich als erholsam empfindet!    
Posted by admin on 2. Oktober 2022

Am 2. Oktober 2006 wurden fünf kleine Amish-Mädchen erschossen

und fünf weitere durch Schüsse schwer verletzt. Das geschah im US-Staat Pennsylvania, in der kleinen Amish-Gemeinde Nickel Mines.

Amish – so nennt sich eine Religionsgemeinschaft, die in ungefähr tausend Siedlungen verteilt in Amerika und Kanada lebt. Sie lehnen moderne Technik ab, verzichten auf Telefone, Autos und natürlich Computer und Handys. Sie fahren Pferdewagen, verweigern strickt den Wehrdienst oder jeden Eid und leben nach altmodischen Geschlechterrollen. Die Amish-Männer tragen Hüte und Bärte, (außer unter der Nase, weil das als militärisch gilt), die Frauen weiße Häubchen und schlichte Kleider, niemals lange Hosen. Sie sprechen eine eigene Sprache, im weitesten Sinne pfälzisch geprägtes Deutsch, denn sie stammen von Auswanderern aus Südwestdeutschland oder der Deutschschweiz ab. Von dort sind sie im 17.Jahrhundert in die Neue Welt ausgewandert.

Die Amish leben ganz für sich, von den ’normalen‘ Amerikanern separiert, sehr bewusst im christlichen Glauben. Wichtige Stützpfeiler ihrer Überzeugung sind Demut und Gelassenheit.

In diese weltferne Idylle platzte an einem milden Herbsttag das Böse.

Der Täter war ein 32jähriger Milchwagenfahrer, Charlie Roberts, glücklich verheiratet, liebevoller Vater von drei Kindern. Er war kein Amisher, hatte ihnen jedoch Milch geliefert. Insofern kannte er besonders gut die winzige Einklassen-Schule, in der ausschließlich Amish-Kinder unterrichtet wurden.

Roberts war weder vorbestraft noch wusste man von einer psychischen Erkrankung. Seine Kollegen erzählten allerdings, er hätte sich einige Wochen vor der Tat merkwürdig verändert, sei plötzlich mürrisch und wortkarg und finster geworden.

Einige Minuten vor der Tat rief er seine Frau an und erzählte ihr, er habe, als er zwölf Jahre alt  war, zwei kleine Kusinen sexuell belästigt und er könne das Verlangen nicht unterdrücken, so etwas wieder zu tun.

Gegen halb elf am Vormittag, zur Unterrichtszeit, betrat Roberts den Klassenraum und bedrohte Lehrerin und Schüler mit einer Pistole. Er verlangte von einigen Schülern, verschiedene Gegenstände von seinem Wagen in den Unterrichtsraum zu holen. Das war eine ganze Menge: weitere Waffen, Baumaterial wie Holz und Handwerkszeug, Kleidung zum Wechseln (offenbar hatte der Täter die Absicht, etwas länger zu bleiben), Klebeband, Schnüre, Kerzen – und Gleitgel.

Roberts forderte alle Erwachsenen – einige mit Kleinkindern auf dem Arm – eine schwangere Frau und alle männlichen Kinder auf, den Klassenraum zu verlassen. Ein neunjähriges Mädchen verdankte vielleicht ihr Leben der Tatsache, dass sie kein Englisch verstand. Sie meinte, sie solle ebenfalls gehen und folgte ihrem Bruder Peterli nach draußen, was der Täter vermutlich nicht bemerkte.

Er blieb mit zehn Mädchen zwischen 6 und 13 Jahren zurück. Die Lehrerin bemerkte im Hinausgehen, dass Roberts den Kindern die Beine fesselte. Sie rannte, zusammen mit einer der  Mütter, zu einer benachbarten Farm und benutzte dort – das Telefon, um die Polizei zu rufen.

Inzwischen hatte Roberts mit seinem Baumaterial die Klassentür verbarrikadiert. 

Schon um zwanzig vor elf trafen die ersten Polizisten vor der Schule ein, um 11:00 waren es zwanzig Beamte, Sanitäter und Einwohner. Auf die Aufforderung, sich zu ergeben und hinauszukommen, erwiderte Roberts, wenn nicht alle sofort verschwänden, würde er die Mädchen erschießen. Damit begann er dann einige Minuten später. Er schoß aus nächster Nähe mit seiner Pistole und einer Schrotflinte auf jedes der Mädchen – schließlich, als er meinte, alle Kinder wären tot, sich selbst in den Kopf. Was auch immer er mit den Mädchen vorgehabt hatte, konnte er offenbar nicht verwirklichen, weil er viel früher als geplant gestört worden war.

Zwei der kleinen Mädchen, 11 und 13  Jahre alte Schwestern, baten ihn gleich zu Anfang, sie zu erschießen und dafür die anderen laufen zu lassen. (Marian wurde getötet, Barbara überlebte.)

Amokläufe und Schulmassaker sind in den Vereinigten Staaten keine Seltenheit. In dieser Kulisse waren sie allerdings noch nie passiert.

Wirklich interessant ist die Reaktion der Amish-People.

Sie unterstützten die Familie des Täters. Ein Mitglied der Gemeinde sagte: „Ich glaube nicht, dass es hier jemanden gibt, der anderes will als vergeben, der nicht nur denen helfen will, die einen solchen Verlust erlitten haben, sondern auch der Familie des Mannes, der diese Taten begangen hat.“

Der Großvater eines Opfers meinte, es sei falsch, den Täter zu hassen. Stattdessen gründete die Gemeinde einen Wohltätigkeitsfonds und sammelten Geld für die Familie Roberts. Ein großer Anteil der Gemeinde nahm an der Beerdigung  des Mörders teil. Außerdem luden sie  seine Witwe zu den Beerdigungen ihrer Töchter ein.

Die schrieb daraufhin ihrerseits einen offenen Brief, in dem sie den Amischen für ihre Barmherzigkeit dankte. Ihr Verhalten habe nicht nur ihr geholfen, es könne die Welt ändern …

Die Amish rissen das Gebäude der West Nickel Mines School ein paar Tage später vollständig ab. An anderer Stelle wurde eine neue, die ‚New Hope School‘ hingestellt und ein halbes Jahr später eingeweiht. Und diese neue Schule baute man bewusst so verschieden wie möglich vom alten Schulgebäude.

Glücksfaktor: Ein aufgeklärter Verstand, der sich nicht mit solchem Firlefanz wie Religion abgibt.

Posted by admin on 28. September 2022

Living in the Past – Deutsche Übersetzung

Glücklich – und ich lächle

Um dein Wasser zu trinken würde ich meilenweit laufen

Du  weißt, dass ich dich gern lieben würde

Und über dir gibt’s keine andere!

Wir werden rausgehen

Während die andern über die Katastrophe des Kriegs schreien

Oh, wir werden nicht aufgeben!

Lass uns in der Vergangenheit leben

 

Früher war ich mittendrin

Jeder Junge und jedes Mädchen waren mein Freund

Jetzt haben sie eine Revolution, aber sie wissen eigentlich nicht,

was sie bekämpfen

Lass uns die  Augen schließen

Draußen gehen ihre Leben viel schneller weiter

Oh, wir geben nicht auf!

Wir bleiben in der Vergangenheit

Oh, wir werden nicht aufgeben

Wir werden weiter in der Vergangenheit leben

 

Glücksfaktor: Jethro Tull

Posted by admin on 24. September 2022

Am 24. September 2022 ist Hasentag!

Nämlich immer am 4. Samstag im September. Man könnte einwenden, ein Hasenfeiertag passe besser in die Nähe der Ostertage. Aber da war vielleicht gerade kein Platz mehr …

Kaninchen dürfen an diesem Tag übrigens auch anstoßen. Hasen und Kaninchen gehören mehr oder weniger zur selben Familie. Beide Familienzweige der Tierart ‚Hasenartige‘ besitzen viele, wenn auch teilweise recht unterschiedliche Mitglieder. Trotz ihrer ausdrucksvollen Vorderzähne sind sie übrigens allesamt keine Nagetiere.

Grob obendrüber kann man sagen, Hasen haben die längeren Ohren und sind größer und schwerer als Kaninchen. Außerdem können sie schneller rennen  Bei Bedarf zischen Feldhasen mit mindestens 70 km ab und schlagen zwischendrin auch noch Haken, das heißt, sie wechseln unerwartet die Richtung. Das mit dem Hakenschlagen können Kaninchen ebenfalls, doch sie beschleunigen nur auf ungefähr 40 km. Ihre Beine sind nämlich deutlich kürzer als die (vor allem Hinter-) Beine des Hasen.

Feldhasen sind Einzelgänger, Kaninchen dagegen Familienmenschen, nein, Familienhasen, also mächtig gesellig. Letztere wohnen in Erdhöhlen, die durch viele Korridore miteinander verbunden sind und vorsichtshalber mehrere Hintertüren besitzen. Im Gegensatz dazu bohrt der einsame Feldhase sein Hinterteil einfach in eine kurz gekratzte Kuhle und pennt unter freiem Himmel, die Augen noch dazu wachsam geöffnet, meistens. Er ist ja, ein vierbeiniger Dr. Kimble, ununterbrochen auf der Flucht.

Hasen – Veganer und Vegetarier mal weghören – sind lecker, nicht nur für Menschen. Sie haben  unerhört viele Fressfeinde. Fuchs, Marder, Dachs, Krähen, Eulen, überhaupt alle Greifvögel mögen kaum etwas lieber als zarten jungen Hasen, Betonung auf zart und jung.

Daraus ergibt sich eine enorme Kindersterblichkeit der Familie Hase.

Daraus ergibt sich eine gewaltige Produktion!

Kleine Hasen werden das ganze Jahr über hergestellt. Der Vorgang dauerte wenige Sekunden, wird jedoch recht häufig wiederholt. Ich nehme an, das eine hängt mit dem anderen zusammen. Jede Tätigkeit, die man öfter betreibt, gelingt  ja normalerweise immer schneller.

Hin und wieder beobachtet der aufmerksame Wanderer Hasen, die in lebhafte Boxkämpfe verwickelt sind. Rammler, die um die Gunst einer Hasenschönheit kämpfen? Nein, sondern die holde Maid selbst prüft durch saftige Ohrfeigen, ob der Freier etwas taugt – was er so aushält und ob er kraftvoll zurückhauen kann.

Drei- bis fünfmal zwischen Jahresanfang und Herbst bekommt die Häsin kleine Häschen, meistens drei bis sechs Stück.

Das ergibt eine Ernte von durchschnittlich 15 -20 neuen Hasen pro Weibchen im Jahr. Und trotzdem ist der Feldhase eine bedrohte Spezies.

Das liegt vor allem an unserer intensiven Landwirtschaft und dem Verlust des häsischen Lebensraums. Keine Knicks, kein ‚Unkraut‘, also Wildkräuter, kein Gebüsch um Felder herum, das der Hase zum Verstecken benötigen würde. Gejagt wird das arme Tier von so ungefähr allen rundherum, natürlich auch vom Menschen. Ein Symboltier der Angst, muss auch sein Herz ständig rasen. Seine einzige Verteidigung ist die Flucht, weshalb man ihn als Feigling verspottet: Angsthase! Hasenherz! im Gegensatz zum Löwenherz. (Ein Löwe muss bitte schließlich auch nicht wegrennen.)

Der Hase ist jedoch noch anderweitig als Symbol unterwegs, beispielsweise als Osterhase und Tier der großen Göttin – beides wegen seiner Fruchtbarkeit, die besonders im Frühling sichtbar wird. Wer jetzt fragt, was hat denn Fruchtbarkeit mit Christentum zu tun und Ostern sei schließlich ein christliches Fest, dem sei erwidert, bereits ganz vorn in der Bibel verlangt der HERR von Adam, er möge fruchtbar sein und sich mehren. Sicher unter diesem Aspekt wählte Hugh Hefner sich Häschen als Haustiere. Da hatte er dann immer ganz viele davon.

Alice bekam es im Wunderland mit einem zwanghaft pünktlichen weißen Hoppler zu tun, der ständig fürchtete, zu spät zu kommen. 

Vielleicht nahm sich die amerikanische Autorin Mary Chase dieses weiße Hasentier zum Vorbild, als sie ihren Riesenhasen, den Freund Harvey erfand. Das erfolgreiche Theaterstück hieß ursprünglich The White Rabbit . Hier ist ein Bild von Harvey:

 

 

 

 

Weder unsichtbar noch zwanghaft ist mein persönlicher Favorit, der völlig coole, stets gelassene und rotzfreche Bugs Bunny – hier als Lego-Figur.

In China ist der Hase ein Sternzeichen und zwar zufällig genau für das kommende Jahr, 2023.

In diesem Jahr geborene Lebewesen oder vorkommende Ereignisse gelten als freundlich, friedlich und diplomatisch, ganz hasig also, nix mit Draufhauen.

Oh mögen doch die Menschen auf diesem Planeten es sich zu Herzen nehmen!

 Glücksfaktor: satte Fressfeinde …

 

 

 

 

Posted by admin on 21. September 2022

Also noch mal zum Wunschtag …

Weil ich immer wieder danach gefragt werde, als hätte ich ihn erfunden. Hab ich nicht. Den gibt’s schon ganz schön lange.

Er findet viermal im Jahr statt:

am 21. März, 21. Juni, 21. September und 21. Dezember. Das sind die Tage (im Frühjahr und Herbst) der Tag-und-Nachtgleiche oder im Sommer und Winter des längsten Tages und der längsten Nacht.

Seit Urzeiten besondere Energietage, an denen die Pforten nach drüben offenstehen.

Verstärkt werden sie manchmal, falls gerade Vollmond oder Neumond ist.

Vorgehen:

Wünsche aufschreiben (möglichst konkret).

Es dürfen viele sein, es kann nur einer sein.

Laut vorlesen (das muss ja nicht gerade in der U-Bahn passieren, irgend ein einsames Plätzchen sollte sich  finden lassen).

Anschließend den Wunschzettel verbrennen. Am besten auch nicht in der U-Bahn.

Brennt das Papier nur ungern und muss mehrmals entzündet werden, stimmt mit mindestens einem der Wünsche etwas nicht. Vielleicht ist er unerfüllbar. Vielleicht würde er unglücklich machen – den Wünschenden oder jemand anders. Brennt das Papier anstandslos zu Asche, dann müsste es klappten …

 

Natürlich kann sich jeder alles wünschen, was ihm in den Sinn kommt, Theoretisch jedenfalls.

Praktisch ist das nicht ganz so einfach.

So könnte es ja sein, dass ein Mensch nur einen einzigen, heißen Herzenswunsch verspürt, und der lautet, ein bestimmter Zeitgenosse möge alsbald die Treppe hinunterfallen und sich mindestens die Ohren brechen, am liebsten jedoch den Hals. 

Das sind Wünsche mit Dornen. Sie mögen sich erfüllen, aber sie tun selten gut, und zwar ganz egal, was für ein widerwärtiges, schädliches, allgemeingefährliches Ekel der Verwünschte sein mag. Es handelt sich um das, wenn auch nur gedankliche, Eingreifen in ein fremdes Schicksal und wird  dadurch zur – schlimmstenfalls schwarzen – Magie. Etwas wird in Gang gesetzt. Wer daran nicht glaubt, der braucht gar nicht erst zu wünschen.

Ungut ebenso: Die Traumfrau oder den Supermann von der Seite seines aktuellen Partners hinweg zu wünschen.

Und noch nicht einmal auf dem Wunsch ruht normalerweise großer Segen, eine Person (Single, doch bislang uninteressiert) möge endlich einsehen, dass sie zum Wünschenden gehört und sich auf der Stelle unsterblich in ihn verlieben. Denn auch das ist ein Eingriff in eine andere Lebensgeschichte, in ein fremdes Bewusstsein.

Insofern sollte ein Wünschender es sogar bleiben lassen, einer nahestehenden Person Gewichtsabnahme, gesunde Zwillinge, einen Jobwechsel oder viel Sonnenschein zu wünschen. Vielleicht nämlich bekommt demjenigen gerade Sonnenschein im Moment überhaupt nicht gut.

Das bedeutet im Endeffekt: Wer dran glauben kann und am Wunschtag wünschen möchte, der soll einfach nur seine eigenen Wünsche äußern.

Beispielweise: Jemand wünscht sich schlicht eine rosa Villa am Meeresstrand mit Gästeklo und einer bunten Hängematte auf der Veranda. Dann kann es passieren, dass eine gänzlich unbekannte Erbtante sich mit ihrem Sohn und Erben streitet, ihn nie wieder sehen will und aus dem Testament streicht (vom Pflichtteil mal abgesehen), stattdessen einen bescheidenen, fleißigen Neffen, der auch noch besonders schöne Zähne und ein Grübchen im Kinn besitzt (ohne sich dessen bewusst zu sein), ihre hellblaue Villa am Meeresstrand vermacht – worauf sie stirbt. Der Neffe streicht dann das Haus rosa, weil ihm gerade so zumute ist, lässt ein Gästeklo einbauen und fährt nachmittags, tief in Gedanken, den Wunschmenschen auf dem Fahrrad ein bisschen über den Haufen, besucht das arme Wesen mit Blumen tief zerknirscht im Krankenhaus, und macht einige Wochen später den Heiratsantrag. Zur Hochzeit schenkt dann einer der Gäste eine bunte Hängematte. So funktioniert das. Also manchmal.

Glückfaktor: Zu wissen, was man will.