Heute

Posted by admin on 7. März 2021

Die Kartoffel

Ich glaube ja nicht, dass es mein Charme oder meine Schönheit gewesen sind, die den Löwen bewogen haben, mich zu heiraten. Ich denke vielmehr, der magische Moment kam, als er mich damals in Bitburg in seiner Küche dabei beobachtet hat, wie ich Bratkartoffeln herstelle. Jedenfalls hat er hinterher seiner Schwester am Telefon erzählt: “Stell dir vor, sie dreht sie alle um – jede einzelne! Mit zwei Gabeln! Und auf diese Art wird jede Kartoffelscheibe von beiden Seiten knusprig und genau richtig gebräunt!”

Ich liebe Kartoffeln. Das muss genetisch sein: Meine Mutter hat Kartoffeln allerdings noch mehr geliebt. Es war unmöglich, mit ihr in ein chinesisches oder japanisches oder italienisches Restaurant zu gehen. Sie studierte auf der Speisekarte herum und antwortete auf ein freundliches: “Was darf ich Ihnen bringen?” bereits in beleidigtem Ton: “Haben Sie denn keine Salzkartoffeln?”

Also ich schätze Reis durchaus. Ich mag Nudeln wirklich sehr. Ein knuspriges Brot, um Sauce aufzustippen, ist in vielen Fällen das absolut richtige. Und doch – wenn ich mich ein für alle Mal für eine einzige Beilage entscheiden müsste, wäre es wahrscheinlich die Kartoffel.

Dabei ist sie wirklich viel mehr als eine schlichte Beilage. Was sich alles aus Kartoffeln fabrizieren lässt, ist ganz erstaunlich. Im Trend liegt sie immer noch nicht, obwohl ich glaube, sie ist schon wieder ein Spürchen beliebter als in den letzten dreißig, vierzig Jahren. In dieser Zeit galt sie als absolut spießig. Ein echter Mann sagte mit markigem Lachen, Kartoffeln gehörten in den Keller, bevor er sich noch ein Schnitzel nahm.

Sie gilt als altmodisch; Reis und Teigwaren sind irgendwie cooler und außerdem auch für Leute mit zehn Daumen und wenig praktischem Geschick, für die das Schälen der Kartoffel eine zu anspruchsvolle Aufgabe darstellt, zu bewältigen.

Die sogenannte Speiseindustrie arbeitet solchen Kartoffel-Überforderten in die Hände. Inzwischen wird ein Großteil der geernteten Kartoffeln bereits ‘verarbeitet’ angeboten, beispielsweise als Trockenflocken für Kartoffelbrei. Da sind dann Emulgatoren, Stabilisatoren, Aromen, Antioxidationsmittel und, wenn man Glück hat, auch Zucker mit drin (Zucker ist überall drin), aber das macht ja nichts, weil man sich das Schälen gespart hat.

Schlechte Köche pflegen zudem die Ansicht, man dürfe keine mehligkochenden kaufen. Argument: “Die werden matschig!” Weshalb inzwischen (auch nur, wenn man Glück hat) nur noch eine einzige Sorte mehligkochende Kartoffeln zu kriegen sind neben fest- und überwiegend festkochenden. Dabei werden Kartoffelpüree und Kartoffelsuppe aus festkochenden Sorten kleisterig und etwas schleimig. Das ist eine Sache  der Chemie –  die kommt nicht nur in der Liebe, sondern auch in der Küche zum Tragen.

Eins der böswilligen Gerüchte über die Kartoffel behauptet, sie mache dick. Das ist einfach gelogen. Höchstens die Sauce macht dick, in der sie schwimmt. Entsprechende Studien zeigen weitaus höhere Glukose- und Insulinwerte bei Reis- und Nudelbeilagen als bei Kartoffeln.

Sie ist übrigens weder Gemüse noch Frucht sondern, man verzeihe mir das harte Wort, Knolle. Das hört sie verständlicherweise nicht so gern. Insofern darf man sie auch völlig korrekt als ‘Nutzpflanze’ bezeichnen. Sie stammt aus Südamerika und wurde von den spanischen Eroberern mitgebracht, gemeinsam mit Tomaten, Mais und Paprika, machte es sich jedoch in Europa, mit einiger Verzögerung, heimisch und bequem.

Friedrich der Große hat ihren wahren Wert erkannt, solange sie vor allem noch als Dekoration diente. (Marie Antoinette etwa trug gern zarte Kartoffelblüten im Haar.)

Dem alten Fritz jedoch, der verstand, was die inneren Werte der Kartoffel ausmacht, werden heutigentags immer noch welche auf sein Grab vor Schloß Sanssouci gelegt. Gerade in Preußen herrschte Mitte des 18. Jahrhunderts Hunger durch Kriege, Missernten und Bevölkerungsanstieg. Nachdem der König bei seiner Schwester ein nahrhaftes Kartoffelgericht serviert bekam, fing er an, nachzudenken. Als Ergebnis ließ er erst mal die Knollen, in eine Pflanzanweisung eingewickelt, in Brandenburg verteilen. Das nützte allerdings wenig, die misstrauischen Bauern verzichteten auf den Anbau. Hier galt immer noch Getreide als Haupt- und Grundnahrungsmittel für Brot und Brei.

Da gab Friedrich im März 1756  seinen ‘Kartoffelbefehl’ heraus. Damit waren alle preußischen Beamten gehalten, den Landwirten zu verklickern:

“…  habt Ihr denen Herrschaften und Unterthanen den Nutzen von Anpflantzung dieses Erd Gewächses begreiflich zu machen, und denselben anzurathen, dass sie noch dieses Früh-Jahr die Pflantzung der Tartoffeln als einer sehr nahrhaften Speise unternehmen …”
 

Brachte immer noch nichts. Bis der alte Fritz in seiner listigen Art eine Menge großer Kartoffelfelder  rund um Berlin anlegen ließ, die von jeweils mehreren Soldaten mit Musketen bewacht wurden. Gleichzeitig wurde das Gerücht gestreut, hier handele es sich um eine exzellente, kostbare Speise, nur für die königliche Tafel bestimmt. Allerdings sollten die Soldaten sich unaufmerksam und verpennt stellen, um Friedrichs trotzigen Untertanen das Klauen zu ermöglichen.

Diesmal klappte es. Etliche Bauern besorgten sich nachts die erlesene (weil verbotene) Knolle, ach nein, Nutzpflanze. Und einige Jahre später gab es in Preußen bereits überall ausgedehnte Kartoffelfelder. Jedenfalls erzählt das eine nette Legende. Und mit dem 19. Jahrhundert war die Kartoffel Hauptnahrungsmittel der einfachen Bevölkerung in Deutschland.

In Irland verlief die Geschichte der Kartoffel noch dramatischer. Sie war, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, nicht nur das Hauptnahrungsmittel der armen Bevölkerung, sondern beinah das Alleinnahrungsmittel. Auf der grünen Insel heirateten die Menschen früh und bekamen viele Kinder. Zwischen dem 17. und dem 19. Jahrhundert entstand hier geradezu eine Bevölkerungsexplosion, verursacht vor allem durch die Kartoffel. Denn sie war billig anzubauen und sehr ertragreich: Damit war eine Familie schon gut durchzubringen. Weshalb sich auch der kleinste Kleinbauer einen Kartoffelacker anschaffte.

Doch weil auf diesen Äckern jahrzehntelang nichts anderes angebaut wurde, war die Monokultur nach und nach sehr anfällig für Schädlinge und Krankheiten. Und dann ließ ein  bösartiger Pilz, 1842, die gesamte Ernte verfaulen. Zehntausende kleiner Pächter konnten ihre Höfe nicht mehr bezahlen, sie wurden davongejagt. An den Straßenrändern lagen häufig die Leichen der Verhungerten. In den kommenden etwa 15  Jahren wanderte aus, wer nur irgend das Geld zusammenkratzen konnte: Fast zwei Millionen Iren vertrauten sich den grässlichen Auswandererschiffen an und wurden, sofern sie die Reise überlebte, vor allem Amerikaner.

Nein, über den beliebten Kartoffelkäfer wollen wir hier gar nicht reden.

Sondern lieber wieder auf etwas Positives kommen: Die Kartoffel ist nicht nur schmackhaft und sättigend, sondern auch heilsam! Die zerquetschte, noch heiße gekochte Kartoffel gibt, in Leinen gewickelt, wunderbare heiße Umschläge, der Saft besänftigt Magengeschwüre.

Die Knolle ist sogar extrem magenfreundlich. Ich erinnere mich noch an eine Geschichte, mit der mein Vater mal nach Hause kam, als ich noch ein kleines Mädchen war. Er hatte in der Kantine  vom Studio Hamburg einen Regisseur getroffen, der sich Kartoffeln auf den Teller füllte und sie lächelnd lobte. Dann erklärte er: Sein Arzt hätte ihn zur Untersuchung seiner Beschwerden ins Krankenhaus geschickt, dort wurde ihm schließlich mitgeteilt, er habe ein bösartiges, bereits sehr großes Magengeschwür und sie könnten nichts mehr für ihn tun. In den ihm verbleibenden vier bis fünf Monaten sollte er doch vielleicht noch eine Reise unternehmen und sich am Familienglück erfreuen.

Der Mann setzte für diesen Tag die Arbeit im Schneideraum ab und fuhr allein in die Heide südlich der Elbe, um zu sich zu kommen. Dort begegnete ihm ein strickender Schäfer, mit dem er ins Gespräch kam. Der sagte: “Na, wenn Sie nur noch vier bis fünf Monate haben, dann machen Sie doch mal den Versuch, in dieser Zeit nur noch drei Dinge zu essen: Kartoffeln, Leinöl und Magerquark. Was haben Sie zu verlieren?”

Und nach drei Monaten dieser sehr einseitigen Diät waren bereits die Magenschmerzen weg – und eine neue Untersuchung zeigte eine deutliche Verringerung des Geschwürs. Der Patient ernährte sich ein weiteres Jahr auf diese Art, fügte dann vorsichtig dies und das hinzu und bekam von seinem misstrauischen Arzt ungern bestätigt, es scheine alles wieder in Ordnung zu  sein. Und das war inzwischen fast zwanzig Jahre her. (Vorsicht! Das sollte auf gar keinen Fall jemand nachmachen! Es ist garantiert NICHT wissenschaftlich erwiesen.)

Ich bin allerdings überzeugt  davon, dass meine Mama nicht zuletzt deshalb so gesund beinah hundert wurde, weil sie ihr Leben lang soviel Kartoffeln gegessen hat.

Glücksfaktor: sich ernähren zu dürfen, wie man will …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posted by admin on 5. März 2021

Nach meinem Umzug

vor viereinhalb Jahren – in die kleine Wohnung, in der ich ziemlich kurz als Single lebte, bevor ich wieder weggheiratet wurde – bekam ich von einigen lieben Leuten Brot und Salz zum Umzug geschenkt. Auch von Maren.

Maren, die natürlich besonders lieb ist (auch so eine sorgende Fische-Frau) kannte ich noch gar nicht sehr gut. Ich war ihr ein paarmal bei Lydia begegnet und ich wusste, dass sie ganz viele Söhne hat, ungefähr ein halbes Dutzend, alle schon erwachsen, und trotzdem immer noch aussieht wie ein platinblonder Hollywood-Star und dass sie herrlich lachen kann.

Das Brot, das sie mir schenkte, befand sich übrigens noch im Embryo-Stadium:

Alle Zutaten zusammen in einem Glas und eine selbstgeschriebene Gebrauchsanweisung dabei. (Und weil es ja Sitte ist, Brot UND Salz zum Einzug zu schenken, hing noch ein dünnes  Gläschen mit wunderbarem Räuchersalz dran.)

Ich fügte also Wasser zu Mehl und Körnern und was immer sich im Glas befand, dazu, knetete ein bisschen und legte den Klumpen in meinen Backofen.

Ich weiß noch, wie herrlich es duftete und wie  gut es schmeckte …

 

Glücksfaktor: gute alte Sitten!

 

Posted by admin on 1. März 2021

François Séverin Marceau

war ein sehr junger General der Ersten Französischen Republik. Er wurde am 1. März 1769 in Chartres geboren, ein Fische-Mann also, einer von der besonders tapferen Sorte.

 

 

Sein Vater wünschte sich für ihn eine juristische Laufbahn, aber François spürte offenbar seine militärischen Talente: als er sechzehn war, trat er in die Armee ein. Sieben Jahre später, mit 23, war er General.

Generäle, muss man wissen, waren vor der französischen Revolution häufig Adlige gewesen. Aber da es nach dem Willen des Volkes gerade denen an den Kragen ging, blieb für die anfallenden Kriege kaum noch jemand mit den entsprechenden Kenntnissen und Erfahrungen übrig. In einiger Verlegenheit hatte die neue Regierung oft einen Arbeiter oder Kleinbürger, (der meistens weder lesen noch schreiben konnte und von Militärführung keinen Schimmer hatte, sondern nur die Bedingung erfüllte, radikaler Revolutionsanhänger zu sein), zum kommandierenden General ernannt. Worauf haufenweise Schlachten und Gefechte verpatzt wurden. Deshalb gelang es intelligenten, energischen Männern, strategischen Ausnahmetalenten wie Marceau oder beispielsweise einem ehrgeizigen jungen Soldaten namens Napoleone Buonaparte, derart schnell militärische Karriere zu machen und Generäle zu werden, bevor sie Mitte zwanzig waren.

François Séverin Marceau war nicht nur jung, er war auch hübsch, mit blassem Gesicht und fast mädchenhaft weichen Zügen. Die Briten tauften ihn deswegen ‘the Boygeneral’. Schlank und anmutig, das dunkle Haar in lose Zöpfe gebunden – allerdings eine ziemlich übliche Frisur unter damaligen Soldaten, viele trugen sogar zwei geflochtete Zöpfe (auf diesem Bild sitzt so einer vor seinem General) – benötigte er seinen kleinen Schnauzbart, um nicht wie ein verkleidetes  Frauenzimmer auszusehen. Trotzdem schien er genug Autorität auszustrahlen, um sich überall sofort durchzusetzen.

Privat, hieß es, sei  der junge General zunehmend schwermütig und pessimistisch geworden. Als seine Lieblingsschwester Emira ihm schrieb, wie stolz er auf seine ‘Lorbeeren’ sein müsste, antwortete er: ‘Sie würden dich entsetzen. Sie sind mit menschlichem Blut befleckt.’

Übrigens litt er an einer sonderbaren Marotte: Es behagte ihm nicht, dass Frauen in den Krieg verwickelt oder dadurch beeinträchtigt wurden oder überhaupt leiden mussten. Wenn seine Soldaten ihn nicht so verehrt hätten, wäre es sicher übel vermerkt worden, dass Marceau immer wieder Vergewaltigungen oder überhaupt jede Art der Brutalität Frauen gegenüber verhinderte.

Notfalls begab er sich dadurch selbst in Gefahr. So rettete er eine junge Adlige, Angélique des Mesliers, zunächst davor, gleich erschossen zu werden. Er schrieb ihr sogar eine Bescheinigung, dass sie eine gute Bürgerin und Rebellin sei. Das rettete leider die (wie Marceaus Freund, General Kléber, bemerkte) bildschöne Aristokratin nicht vor der Guillotine, sondern brachte auch beinah die hilfreichen Generäle Marceau und Kléber vor das Tribunal. Es war lebensgefährlich im Frankreich dieser Tage, sich für den Adel einzusetzen. Später wurde aus dieser Episode eine Liebesgeschichte zwischen François Séverin Marceau und Angélique des Mesliers gesponnen. Wer weiß?

Ebenso gewagt war es, dass er sich 1794 mit der siebzehnjährigen Agathe Leprêtre de Châteaugiron verlobte. Emira war entsetzt und versuchte, ihrem Bruder sie Sache auszureden: schon wieder blaues Blut! Zur Hochzeit kam es jedoch sowieso nicht durch Marceaus ständige militärische Einsätze und seine angeschlagene Gesundheit. 

Im selben Jahr stand er mit seinen Soldaten österreichisch-englischen Koalitionstruppen gegenüber, besetzte innerhalb weniger Wochen die linke Rheinseite von Köln bis Koblenz und eroberte das  obere Mittelrheintal, den südöstlichen Hunsrück und das Mainzer Hinterland bis in die Pfalz. 1795 wurden seine Truppen in den Hunsrück zurückgedrängt, konnten ihre Feinde jedoch am weiteren Vordringen nach Westen hindern.

Im hereinbrechenden, schneereichen Winter handelte Marceau mit dem österreichischen General Kray einen Waffenstillstand für 6 Monate aus, weil die Soldaten auf beiden Seiten nicht mehr zu versorgen waren – daraufhin ernannte ihn der Feind (!) zum Ehrenoffizier der österreichischen Armee. Seine Klugheit und sein Mut wurden allerdings von vielen, Freund wie Feind, geschätzt. So lobte das  erzdeutsche ‘Meyers Konversations-Lexikon’ im 19. Jahrhundert ausdrücklich seinen edlen Charakter und sein hervorragendes Feldherrntalent und bescheinigte, er sei einer der ausgezeichnetsten Generäle der französischen Revolution gewesen.

Am 19. September 1796 traf ihn bei Rückzugskämpfen nahe Limburg an der Lahn ein Gewehrschuss links in die Taille. Er starb zwei Tage später an der Wunde, 27 Jahre alt, in Altenkirchen. Bei seiner Bestattung standen Waffengefährten und Feinde beieinander, um ihn zu ehren. Bei Höchstenbach im Westerwald wurde ihm ein Denkmal errichtet.

Davon abgesehen ploppten überall Denkmäler auf, unter anderem in Koblenz oder Chartres. Sein Name steht im Triumphbogen von Paris, eine breite Avenue in der Mitte der Stadt heißt nach ihm, man hat einen Militärmarsch für ihn komponiert und der englische Dichter Lord Byron verewigte ihn in seinem Gesang Childe Harold’s Pilgrimage. Jeder, solange er lebte und nach seine Tode, schien beeindruckt und begeistert vom jungen General Marceau.

Bis auf die Nazis. Die mochten ihn nicht. Vielleicht war er ihnen nicht deutsch genug. Jedenfalls zermantschten sie 1941 sein Denkmal bei Höchstenbach. Tausend Jahre später, also 1945, baute die französische Besatzung es wieder auf. Sogar General de Gaulle nahm an der Einweihung teil. Das hätte Marcaeu bestimmt gefallen; denn obwohl er zweifellos ein lupenreiner Republikaner war, hatte er offenbar immer ein Herz für den Adel …

Glücksfaktor: Wenn schon unbedingt Krieg sein muss, dann lieber edle Feinde statt der dumpfbackigen.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posted by admin on 28. Februar 2021

Ben Hecht

wurde am 28. Februar 1894 in New York geboren. Er war einer der erfolgreichsten Drehbuchautoren, die es je in Hollywood gab, eine Legende. Er arbeitete unter anderem zusammen mit Howard Hawks, Otto Preminger, Alfred Hitchcock und John Ford und  war berühmt dafür, schlichtweg alles schreiben zu können, Thriller, Komödien oder Dramen, und das jeweils in Rekordzeit. Sechsmal war er für den Oscar nomminiert, zweimal gewann er ihn. 

Der jüdischstämmige Hecht begann mit sechzehn Jahren, 1910, als Reporter in Chicago. Ende der 20er-Jahre ging er nach Hollywood. Er schrieb meistens eigene Drehbücher, wurde jedoch auch gern als Skript-Doktor gebucht, um verpatzte Drehbücher anderer Autoren zu  retten. Beispielsweise raffte er die völlig verfluste Geschichte des Films ‘Vom Winde verweht’ neu zusammen, an der inzwischen Drehbuchautor Sidney Howard verzweifelt war, vor allem, weil Produzent David O. Selznick fortgesetzt seinen Rüssel in jede Szene steckte und sich neue Änderungen einfallen ließ. Ben Hecht arbeitete fünf Tage am Skript, pro Tag von Selznick bezahlt mit 10.000 $. (Und gleich anschließend schrieben und stritten Howard und Selznick weiter um die letzten Szenen.)

Ben Hecht schrieb auch Romane und Theaterstücke, doch sein wirklicher Ruhm kam durch das  Filmgeschäft.

Mit 21 heiratete er zum ersten Mal, eine zwei Jahre ältere Nicht-Jüdin, Marie Armstrong , und war mit 22 auch schon Vater einer Tochter. Das war Edwina Armstrong, die als Erwachsene  Schauspielerin wurde. Als die kleine Edwina acht Jahre alt war, begegnete ihr Vater der Liebe seines Lebens: Rose Caylor, eine Seelenverwandte, Jüdin, Journalistin, Drehbuchautorin und wie er in den Fischen geboren. Ben Hecht verließ Frau und Tochter, zog mit Rose nach New York und ließ sich schnellstmöglich scheiden, um sie zu heiraten. Sie führten eine ungewöhnlich glückliche Ehe bis zu seinem Tod 1964. Als Rose 45 war (und Ben Hecht 49), bekamen sie noch eine Tochter, Jenny. Auch ihr geschah etwas Besonderes, als sie acht Jahre alt war: Weil sie ein Engelsgesicht besaß, castete man sie für eine Filmrolle und sie war im Geschäft. Allerdings bedeutete das nicht automatisch  Erfolg. Jenny Hechts Karriere verlief zäh, sie hatte private Probleme und war nicht sehr glücklich. Mit 27 starb sie an einer Drogen-Überdosis. Da war ihr Vater bereits seit sieben Jahren tot …

Glücksfaktor, manchmal: zu sterben, bevor etwas Schreckliches passiert.

 

Posted by admin on 26. Februar 2021

Frauen und Kinder zuerst!

Das ist doch selbstverständlich, oder?

Nö, eigentlich nicht. Bevor nämlich diese Devise entstand, hieß es beim eventuellen Schiffsuntergang ‘Rette sich, wer kann!’ Und zwar gerne auch die Besatzung samt Kapitän. Im Sinne von: Wenn es um Leben und Tod geht, dann gilt das Recht des Stärkeren, jeder ist sich selbst der Nächste.

Das änderte sich am 26. Februar 1852. Da ging Her Majesty’s Ship, die Birkenhead, ein englischer Truppentransporter, unter. An Bord befanden sich ungefähr 600 Männer, nämlich die Besatzung und nicht ganz 500 Soldaten sowie 25 Frauen und 30 Kinder. Das Schiff lief, nicht weit vor der Südafrikanischen Küste, auf einen Felsen auf, nachts kurz vor zwei, und brach eine halbe Stunde später auseinander, unglücklicherweise in einer besonders haiverseuchten Gegend. Weshalb die Pferde, die man von Deck ließ, damit sie sich womöglich durch Schwimmen ans Ufer retten konnten, praktisch sofort, in blutigen Wirbeln umherstrampelnd, verputzt wurden.

Ungefähr 100 Soldaten, die im unteren Bereich des Schiffes in ihren Hängematten gelegen und geschlafen hatten, waren bereits ertrunken.

Von den acht Rettungsbooten – für wohlgemerkt ursprünglich etwa 650 Seelen – ließen sich leider nur vier klarmachen, eins davon zertrümmerte der einstürzende Schornstein; blieben drei.

An Deck herrscht Chaos – bis der kommandierende Offizier, der siebenundzwanzigjährige Lieutenant Colonel Alexander Seton, ein schottischer Aristokrat, das Wort ergriff, höflich, aber laut und schneidend: “Gentlemen, would you please be kind enough to preserve order and silence amongst the men?” (Meine Herrren, würden Sie bitte so freundlich sein, Ordnung und Ruhe unter den Männer zu wahren?)

Der junge Soldat war (besonders für damalige Größenverhältnisse) riesig, mit 6’4 fast 1.92 m groß.  Er hatte also vermutlich den Überblick. Jetzt zog er seinen Säbel, hielt ihn hoch und rief: “Alle Mann stillgestanden – Frauen und Kinder zuerst!”

Woraufhin die Soldaten tatsächlich Haltung annahmen und ruhig stehenblieben, während die Mannschaft, ebenfalls beeindruckt, den Frauen und Kindern in die wenigen Rettungsboote half.

193 Menschen wurden von der Birkenhead gerettet, etwa 100 in den drei Rettungsbooten, darunter wirklich sämtliche Frauen und Kinder. Colonel Seton und die meisten seiner Männer blieben eisern  an Bord stehen, bis der Rest des Schiffs versank. Einige klammerten sich an Trümmerteilen fest oder kletterten in die Reste der Takelage, die aus dem Wasser ragten. Der Kapitän und Alexander Seton konnten sich nicht retten.

Der Grundsatz ‘Frauen und Kinder zuerst’ war nie ein Gesetz, wurde jedoch von da ab häufig als ‘Birkenhead-Regel‘ befolgt. Dazu gehörte auch, dass die Besatzung und vor allem der Kapitän ein sinkendes Schiff zuallerletzt verläßt. (Das hat Francesco Schettino, der Kapität des gesunkenen Kreuzfahrtschiffes Costa Concordia, nicht so richtig beherzigt. Er plumpste ziemlich zu Anfang des Schiffsuntergangs ‘aus Versehen’ in ein Rettungsboot.)

Vor einiger Zeit las ich einen Artikel über die Birkenhead-Regel, zu dem sich Foristen äußern konnten. Und ich war erschrocken über die Gehässigkeit, mit der eine ganze Reihe von Männern meinten, damit sei es jetzt hoffentlich vorbei. Da  Frauen ja überall die Gleichberechtigung wollten, könnten sie sich schließlich auch alleine retten. Von Kindern, die eventuell zuerst gerettet werden sollten, war interessanterweise bei den Foristen nicht die Rede.

Dazu ließe sich sagen, dass die damaligen Mädels natürlich viel mehr als die heutigen behindert waren durch die massenhaften Stoffe der langen Röcke sowie durch straffgeschnürte Korstetts. Die selbstbewusste, durchtrainierte Frau von heute kann sicher auch leichter einen Hai niederschlagen oder durch gezielte Verteidigungstechnik einen kräftigen männlichen Passagier mit den Ellbogen außer Gefecht setzen. Insofern ist ja eigentlich alles in Ordnung.

Aus Neugier hab ich den Löwen gefragt: “Findest du, dass bei einem Schiffsunglück zuerst Frauen und Kinder von Bord sollten?”

“Unbedingt!”, hat der Löwe gesagt. “Dann ist jedenfalls Ruhe.”

Glücksfaktor: Gar nicht erst zu sinken …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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