Heute

Posted by admin on 23. Oktober 2021

Ein Hund – Bimbo

Nachdem Senta abgerufen worden war, vermisste ich sie schmerzlich. Ich quälte meinen Vater immer wieder damit, er sollte mir doch bitte einen neuen Hund schenken. Als ich sechs Jahre alt war, am 6. Dezember, rannte ich morgens zur Tür, um zu gucken, was in meinem Stiefel steckte. (Nein, ich glaubte nicht an den Nikolaus. Ich hoffe jedoch, meine Eltern hätten mir etwas Nettes geschenkt.) Was ich fand, war ziemlich viel Nässe. Der kleine Terrierwelpe, den mein Vater einige Minuten vorher in den Stiefel setzte, hatte ihn vollgepieselt und anschließend das Weite gesucht. Er stammte aus dem Tierheim, war ausgesprochen niedlich, sehr pfiffig – und nicht sehr an mir interessiert. Stattdessen verliebte er sich auf der Stelle in meine Mutter, was gegenseitig war. Sie gab ihm seinen Namen – ‚Bimbo‘ – in ihrem Bett, am Fussende, schlief er, auf ihrem Schoß saß er bald gewohnheitsmäßig. Meinen Vater und mich fand er auch ganz nett, wir gingen ja alle drei mit ihm Gassi. Doch sein Herz gehörte von Anfang an meiner Mutter. Auf diese Art hatte ich also keineswegs einen neuen eigenen Hund – eher etwas wie einen kleinen Bruder. Wir wuchsen zusammen auf. Es war auf jeden Fall schön, wieder einen Hund zu haben. Aber die ganz große Liebe war es nicht zwischen uns. In den zwölf Jahren mit Bimbo feierte meine Mutter praktisch nie einen Jahreswechsel. Wenn alle anderen um Mitternacht mit Sekt anstießen, dann hielt sie ihm die Ohren zu, hüllte ihn mit einer Decke ein, umarmte ihn – denn er wurde durch das Feuerwerk vollkommen verrückt. An einem Sylvester entwischte er durch die Wohnungstür und flitzte die Straße entlang, hysterisch bellend, mit glühenden Augen. Ihm wurden ein paar Knaller vor die Pfoten geworfen und er wich entsetzt aus, auf die Fahrbahn. Bevor er überfahren wurde, machte meine Mutter einen Satz auf die Straße, erwischte ihn im Nackenfell und warf sich mit ihm auf den Gehweg zurück. Sie war, um den Hund zu retten, auf Nylonstrümpfen hinter ihm hergelaufen, weil sie in ihren Pumps nicht so schnell hätte rennen können. Das war für meine völlig unsportliche und sehr elegante Mutter ausgesprochen ungewöhnlich.  Glücksfaktor: Tiere suchen sich gern selbst aus, zu wem sie gehören wollen.
Posted by admin on 19. Oktober 2021

Ernst macht wieder mal eine Herbstreise. Auf seine Art.

Er wollte unbedingt mit. Ernst will grundsätzlich mit. Wir hatten übrigens gar nichts dagegen. Mami und Löwe-Papi wollen eine Woche in den Hunsrück, ein bisschen Arbeit und ein Klassentreffen und ein großes Familienfest. Das klingt so toll! Erst will, bitte, bitte, mit! Aber es ist doch schon erlaubt.

Benny will beispielsweise nicht mit. Er ist ein vernünftiges Auto, das seine Grenzen kennt. Soviel bergauf und bergab – och nee. Wir teilen diese Ansicht und nehmen ein etwas größeres Mietauto. Dann muss man auch nicht so furchtbar darauf achten, kein Taschentuch zuviel einzupacken.

Aprospos einpacken – Ernst packt seinen blauen Rucksack. Er hat sich Wanderstiefelchen online bestellt. Er kann mit seinem Taschengeld machen, was er will, bittesehr. Die Stiefel kommen sogar rechtzeitig an. Er will nämlich mitwandern. Wir werden doch wandern?

Mal sehen, ein bisschen bestimmt.

Ernst darf hinten sitzen ohne Kinderstühlchen, wie ein Erwachsener. Löwe-Papi fragt, ob er wirklich diese uncoole Mütze aufsetzen will? Jetzt ist Ernst gekränkt. Der Elbsegler ist ein Erbstück von seinem Opi, ja?! Wir bestätigen, dass Helmut Schmidt auch einen getragen hat. Norddeutsche mit Persönlichkeit tragen so was. 

Im Elbtunnel hat Ernst diesmal kaum Angst, er ist schließlich inzwischen Profi. Und er zwitschert und plappert die ganze Fahrt hindurch, singt das Lied vom Rhein, der lieber goldner Wein sein soll, möchte in der Raststätte bitte gern Pommes, danke, und findet die Landschaft schön, aber zu grün.

Ich kann ihm nur zustimmen. Wenn ich eine Herbstreise mache, möchte ich gefälligst buntes Laub sehen, nicht grünes. Der Löwe-Papi schlängt vor, wir sollen die Natur verklagen, auf Schadensersatz. Wir haben eine vergnügte halbe Stunde damit, uns auszudenken, was wir mit dem Geld machen werden.

Aber siehe, je näher wir der Heimat des Löwen kommen, desto vorbildlicher zeigt sich der Herbst. Wir denken uns, hier war im Sommer wohl doch mehr Sonne, alles in allem. Deshalb sind die Blätter hier so schön bunt. Und wir schreien jedes Mal, wenn wir einen rot- oder orangeglühenden Baum sehen: „Oh, guck, wie schön!“

Abends sind wir da, in einer Ferienanlage mit riesigen Schwimmhalle im Tal und Restaurants und Supermarkt und Sauna und so weiter. Davor, auf dem Berg, stehen viele kleine bunte Häuschen neben- und übereinander. In so einem wohnen wir jetzt auch für eine Woche, in einem hellblauen. Guck mal, Ernst, wie schön der Blick vom Balkon – Ernst?

Nun ist er eingeschlafen. Das war ja auch eine lange Fahrt. Löwe-Papi trägt ihn in sein Zimmer, Mami zieht ihm seinen Schlafanzug an. Gute Nacht, Schätzchen …

Ernst hatte viele Pläne für diesen Urlaub. Außer Mitwandern wollte er uns in einem Restaurant einladen, feine und besondere Sachen essen (auf jeden Fall gefüllte Klöße!), darauf hatte er gespart. Und er wollte alles mitbesichtigen: die alte Schmuckfabrik in Idar-Oberstein und das Kupferbergwerk in Fischbach, die Burg mit den zwei Türmen und der kleinere sollte der von Rapunzel gewesen sein – und die Felsenkirche und alte Städte. Der Löwe-Papi hatte ja viel erzählt. Ernst wollte diesen Pranger sehen und ganz fürleicht auch mal seinen Hals da in dieses Eisen reinstecken – das muss jetzt der Löwe-Papi ohne ihn machen, denn Ernst schläft und schläft …

Das war eine wunderschöne Ferienwoche. Tolles Wetter hatten wir auch, ganz anders als angesagt gewesen ist. Wir haben gefüllte Klöße gegessen und das Kupferbergwerk besichtigt und die Schmuckfabrik, wir waren beim Klassentreffen und beim großen Familienfest – und gewandert sind wir auch.

Aber schließlich geht eine lange Woche auch mal zuende. Als die Mami einpackt, wacht Ernst auf und fragt, ob sie auspackt. Und ob schon Morgen ist. Ernst, es ist sogar schon mehr als über- übermorgen. Wir reisen gleich zurück nach Hause.

Ach?!!

Wir hatten noch eine schöne Heimfahrt. Wir haben ein stundenlanges Hörbuch gehört und hatten viel Spaß, nicht, weil die Mordgeschichte so gut war, sondern weil sie so schlecht war. Und als wir wieder im Norden ankamen, da hatten dort auch alle Bäume Herbstkleider an.

Ernst hat immer noch mal gegähnt und gesagt, er fühlt sich riesig ausgeschlafen und sehr erholt. Und das ist ja wohl der Sinn des Urlaubs!

Glücksfaktor: Durchschlafen können …

 

 

 

 

 

 

 

Posted by admin on 19. Oktober 2021

Ein Hund – Senta

Senta war eine nicht hundertprozentig rassereine Schäferhündin. Sie hatte einem Drehbuchautor gehört, einem Bekannten meiner Eltern. Er war alt und sie war alt – er starb zuerst. Nach der Beerdigung überlegte seine Verwandtschaft, ob sie das Tier in ejn Asyl geben oder lieber gleich einschläfern lassen sollten. Meine Eltern, der an der Trauerfeier teilgenommen hatten, sagten sofort, wenn das so wäre, dann würden sie den Hund gern übernehmen. 

Die Verwandtschaft warnte: „Sie haben doch ein kleines Kind! Senta hat für Kinder nichts übrig. Sie hat schon verschiedentlich Kinder gebissen!“

Meine Eltern, die beide Hunde liebten, konnten sich das einfach nicht vorstellen. Sie ließen den großen Hund zu Hause aus dem Auto springen. Ich stand im Garten – ich konnte gerade laufen – wackelte der Schäferhündin entgegen und fiel ihr sofort um den Hals. Sie hielt still, stumm, erstaunt. Ich ließ sie los und tappte auf meine Eltern zu, stolperte, fiel hin und plärrte. Senta kam hinterher, leckte mir vorsichtig die Tränen vom Gesicht und packte ganz behutsam mit den Vorderzähnen meinen Pullover im Nacken, um mich wieder auf die Beine zu stellen. Ich erinnere mich zwar nicht selbst daran, aber meine Eltern haben es mir oft erzählt.

Dieser Hund war offenbar das geborene Kindermädchen und machte es sich zur Aufgabe, mich zu bewachen. Senta lag auf dem kleinen Teppich vor meinem Gitterbett, wenn ich schlief. Solange ich wach war, passte sie auf mich auf. Sie war die Geduld in Person, ließ mich auf ihrem Rücken reiten, sich von mir an den Schnauzhaaren ziehen oder mit ihren Krallen spielen, sprang in den Puppenwagen, wenn ich es wollte und ließ sich dazu ein Rüschenhäubchen aufsetzen. Andere Kinder knurrte sie tatsächlich an. Das machte aber nichts, weil ich sowieso viel lieber mir ihr spielte als mit anderen Kindern.

Sobald ich richtig laufen konnte, machten wir zusammen Spaziergänge, nie mit Hundeleine, denn sie ging sowieso ‚bei Fuß‘.

Senta blieb nur bis ungefähr zu meinem vierten Lebensjahr bei uns – denn sie war wirklich schon ziemlich alt. Sie hat mir vom Anfang meines Lebens an vermittelt, dass Hunde unendlich zuverlässige Kameraden sind und großartige Gesprächspartner. Ich bin sehr dankbar dafür, dass ich ihre Freundin (und bis zu einem gewissen Grad ihr Welpe) sein durfte.

Glücksfaktor: Mit dem Anfang des Lebens bereits einen Hund zu haben …

Posted by admin on 17. Oktober 2021

Ein Hund: Athos

Mein Vater war ein sehr einsamer kleiner Junge.

Seine Mutter war direkt nach seiner Geburt getürmt – mit dem Prokuristen ihres Mannes, denn, wie sie sagte: „Es reist sich besser in männlicher Gesellschaft.“

Die Seiferts waren eigentlich renommierte Bürger in Altenburg, ihnen gehörte die große Drogerie in der Baderei. Nun wurde geklatscht und meine Urgroßmutter, also Paulchens Großmutter Wilhelmine, musste die Nase sehr hoch tragen. Das war vorher schon nicht leicht gewesen.

Ihr Mann, Fürchtegott Seifert mit dem zweigeteilten Bart, hatte einen an der Waffel und saß seit einigen Jahren in der Klappse. Das war ja auch peinlich. Ihr jüngerer Sohn Ernst machte seinem Namen keine Ehre, indem er zum fünften Mal verheiratet war – viermal geschieden! Das im Jahr 1911.

Nun auch noch die junge Frau ihres Ältesten, Emil, durchgebrannt. Emil sollte eigentlich die Drogerie führen. Saß jedoch meistens klimpernd am Klavier und trank den gesamten Rotwein aus dem Keller. Und zu allem Übel der tüchtige Prokurist weg!

Wilhelmine, für damalige Zeiten eine Gigantin mit 1.80 Körperhöhe, länger als alle Zeitgenossen, führte den großen Haushalt mit fünf Hausmädchen und Kutscher, leitete die Drogerie (einer musste es ja machen) mit zwei Verkäufern und erzog, so gut es ging, nebenbei das Paulchen. Das Kind war viel zu traurig und altklug und las mit sechs Jahren schon immer Bücher für Erwachsene.

Schließlich bekam der Junge, um mehr draußen rumzutollen, um einen Kameraden zu haben und weitere Kameraden zu finden, einen Hundewelpen.

Das war Athos. Denn es war zu erwarten, dass seine kurzen Ohren sich zu schulterlangen Locken auswachsen würden, der Frisur eines Musketiers.

Es war der Beginn einer wunderbaren Freundschaft. Dieser Hund durfte im Bett seines Herrn schlafen – danach fragte keiner, es wurde dem Kind überlassen.

Als Großmutter Wilhelmine jedoch eines Tages bemerkte, dass Paulchen gemeinsam mit Athos aus dem Hundenapf futterte, wurde sie böse. Diese angestrebte Kameradschaft ging zu weit. Übrigens hatte sie auch nicht dazu geführt, wie erhofft, dass der kleine Paul sich mehr mit anderen Kindern abgab. Stattdessen blieb Athos sein einziger Kumpel.

Nun kam die härtere Methode: Der Junge wurde in einem Internat angemeldet. Da durfte der Hund nicht mit und sollte deshalb abgeschafft werden.

Darüber informiert, weinte und brüllte mein achtjähriger Vater einen Tag und eine Nacht lang, bis er heiser war und darüber hinaus. Dann dufte Athos im Haus bleiben. Eins der Hausmädchen hatte sich erbarmt und angeboten, sich eben um das Hundchen zu kümmern, Gassi-Gehen und füttern – gegen ein sehr geringes Aufgeld –  solange der Junge nicht zu Hause war.

Athos und Paul verabschiedeten sich herzzerreißend voneinander und tobten entsprechend vor Wiedersehensfreude bei jedem Ferienbeginn.

Als mein Vater 18 war, schmiss er die Schule, statt wie erwartet Abitur zu machen und Pharamazie zu studieren. Er klemmte sich Athos unter unter den Arm, fuhr nach Berlin zu seiner Mutter, die inzwischen ein gutgehendes  Korsagengeschäft führte und ließ sich von ihr für Volljährig erklären – eigentlich ziemlich unmöglich, da sie kein Sorgerecht für ihn besaß, aber sie war befreundet mit einem entsprechenden Anwalt und Notar, der das Kunststück hinbekam. Vielleicht tat sie das mehr, um die Seiferts nochmal zu ärgern als für ihren Sohn, den sie kaum kannte.

Und mein Vater zog mit seinem Spaniel in ein Zimmer in der großen Stadt und begann sein Leben als Erwachsener – freischaffender Künstler – mit Hund …

Glücksfaktor: Einer für beide, beide für einen.

 

 

 

Posted by admin on 16. Oktober 2021

Ein Hund: Mollie

Mein Großvater brachte sie eines Tages mit nach Hause, eine wohlgerundete, dackelartige Hundedame. Das war im Jahr 1920, zwei Jahre nach dem Ende des ersten großen Krieges und eigentlich eine karge Zeit. Als streunender Hund nicht abgemagert, sondern ‚mollig‘ zu sein, sprach für einige Raffinesse. Vielleicht war sie überhaupt kein Streuner?

Doch mein Großvater beteuerte, sie sei ihm nachgelaufen. Und sie wirkte ganz so, als wollte sie bleiben.

Die Familie in der Etagenwohnung in Berlin-Charlottenburg bestand aus diesem Familienvater, seiner elf Jahre älteren, sehr zierlichen, sehr temperamentvollen, sehr gescheiten Frau Maria (als Romni geboren) und ihren drei Töchtern Vera, Erika und Ursula. Letztere war meine Mutter, die Jüngste, die Niedlichste, die Charmanteste und Frechste.

Ich glaube, ich brauche nicht zu sagen, an welcher Stelle sie sitzt. Als Mollie die überwiegend weibliche Familie vervollständigte, war die kleine Ursi fünf Jahre alt.

Wenn man zwei komplizierte große Schwestern hat, die meistens zusammenhalten und die neidisch darauf sind, wenn Mama die Jüngste bevorzugt – wenn Mama Schneidermeisterin ist mit zwei angestellten Näherinnen und alles praktisch allein wuppen muss: die Firma, den Haushalt und den Mann, der schlecht damit klar kommt, dass seine Frau der Boss ist – dann braucht man eine Freundin. Ursi und Mollie konnten viel miteinander anfangen. 

Ich hab diesen Hund natürlich nie selber kennengelernt. Aber meine Mutter hat so häufig von ihm erzählt, dass Mollie mir irgendwie immer vorkam wie eine alte Bekannte.

Auf dem Foto sitzt der Hund zwar auf Veras Schoß – aber die musste ganz schön festhalten, damit Mollie ihr nicht entflutschte. Das Tier galt offziell als ‚Hund der Familie‘, doch eigentlich war sie Ursis Hund. Ursi ging einstweilen noch nicht zur Schule und bot sich gern an, ‚den Hund auszuführen‘. Später war das dann eine Selbstverständlichkeit, dazu hatte sowieso kein anderer Lust. 

Wenn die großen Schwestern es jetzt allerdings wagten, ‚die Kleene‘, weil sie frech war, wie gewohnt zu schubsen, dann begann Mollie ein schrilles, nervtötendes Gekläff, um Ursi zu verteidigen. Sie wollte auch gern bei ihr im Bett  schlafen, doch das war verboten. Weshalb meine Mutter sich in den ersten drei Schuljahren, solange sie noch klein genug war, nachts oft mit in den (zu großen, weil von Nachbarn geerbten) Hundekorb quetschte, um da zu übernachten.

Acht Jahre später war Mollie grau um die Schnauze, hatte Probleme mit den Treppenstufen bis zum dritten Stock und sollte ‚eingeschläfert‘  werden. Da packte meine Mutter nachts ihre Sachen, knipste die alte Hundedame an die Leine und verschwand in der stockfinsteren, neonflackernden Berliner Großstadtnacht, Richtung Bahnhof Zoo.

Ihre Mutter hatte ein merkwürdiges Gefühl, als sie gegen drei aufwachte. Sie erhob sich leise, entdeckte das zertrümmerte Porzellan-Sparschwein und das fehlende Köfferchen, zog sich hastig an und fand instinktsicher den richtigen Bahnhof. Da saßen Ursi und Mollie auf einer Bank in der großen Halle, zitterten im Gleichtakt und überlegten, wohin in der Welt sie für 17 Mark und fuffzig Pfennje ausrücken sollten.

Meine Großmutter versprach Begnadigung, schimpfte beinah gar nicht und holte die beiden  Mädchen, das sehr junge und das ziemlich alte, nach Hause zurück. Sie erklärte der Familie, das Sparschwein sei aus Versehen von der Kommode gefallen. Und sie telefonierte den Tierarzt ab. Da hatten sich alle zu fügen: Sie maß zwar nur einen Meter fünfundfünfzig, aber sie war der Boss.

Mollie lebte noch drei weitere Jahre. Meine Mutter trug sie von da ab einfach die Treppe hinauf und hinunter, dankbar dafür, dass es sich um eine Art Dackel und keinen  Neufundländer handelte.

Glücksfaktor: Das ist ja ganz praktisch mit dem ‚Einschläfern‘ – sollte jedoch wirklich gründlich erwogen werden.

P.S. Und wenn ich jetzt die Geschichten all dieser Hunde erzähle, dann werde ich bitte jedes  Mal den Schluss weglassen. Es ist traurig genug, dass sie normalerweise so viel kürzer leben als wir. Ich möchte den Schmerz nicht extra schildern …

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