Heute

Posted by admin on 23. Oktober 2018

Igitt!

So. Jetzt möchte ich mal über ein ganz unappetitliches Thema sprechen

Nein, noch schlimmer.

Es handelt sich um sanitäre Anlagen.

Wie bitte?

Als der Löwe und ich noch unsere Wander-Beziehung hatten – ich meine: Als wir noch hin- und hergependelt sind zwischen Hamburg und Bitburg – da sind wir, vor allem im ersten Vierteljahr, ganz viel Bahn gefahren. Ich bin vorher eigentlich ziemlich lange nicht mehr in Zügen gereist, nur Auto oder Flugzeug, wenn sich’s ergab.

Ich war nicht auf das gefasst, was da los ist. Ansonsten ist Zugfahren ja gar nicht so übel. Aber was die so genannten Waschräume betrifft …

Und es macht keinen Unterschied, ob man erster oder zweiter Klasse unterwegs ist, leider. Meistens sieht so eine Zugtoilette noch einigermaßen manierlich aus, wenn man am Morgen ziemlich früh losfährt. Doch nach einigen Stunden ändert sich das ganz gewaltig. Ich kann es nicht im einzelnen beschreiben, denn es ist einfach unbeschreiblich. Niemand, nirgends, sorgt dafür, dass zwischendurch aufgeräumt und geputzt wird. Manchmal schlägt man einfach entsetzt die Tür gleich wieder zu und  sucht nach einer anderen, etwas weniger schlimmen Möglichkeit ein paar Abteile weiter.

Man sitzt in einem recht angenehmen, bequemen, europäisch anmutenden Abteil, hat es irgendwann biologisch nötig, dasselbe zu verlassen und befindet sich schlagartig im hintersten Entwicklungsland und im vor- vorigen Jahrhundert. Was mögen das für Menschen sein, die derart wüten? Das erinnert an bösartigste Graffitytaten oder zerfetzte Sitze plus Geruchs-Sensation. Eine fatale Definition von ‘Lass alles raus!’

Was mögen Reisende aus anderen Ländern von uns denken, wenn sie so was sehen?

Dagegen tut sich was auf Autobahntoiletten, also wirklich. Früher war das auch oft ein trauriger Fall. Und auch jetzt ist nicht JEDE so ausgestattet. Aber es werden immer mehr, und es ist ein Vergnügen.

Man stopft ein paar Münzen  in einen Automaten, der einem ansonsten den Eintritt in den Tempel verwehren würde – es sei denn, man krabbelt im absoluten Notfall unter der Barriere hindurch. Doch erstens ist das ein angemessener Preis für das, was geboten wird. Und zweitens spuckt der freundliche Automat auch noch einen kleinen Gutschein aus, der gleich wieder einen Teil des Eintrittsgelds zurückgibt, indem man damit im Restaurant einen Anteil bezahlen kann.

Und nun die Toiletten!

Sauber, duftend. Jedes hat eine kleine, schnurrende Anlage, die vor unseren Augen alles putzt, was eventuell zu putzen ist. Händewaschen gestaltet sich unproblematisch – jeder Wasserhahn funktioniert, jeder Seifenbehälter besitzt Inhalt. Kein dröhnendes Gerät pustet Rheuma in die Finger, stattdessen gibt es Papierhandtücher, soviel das Herz begehrt. Die Handwaschbecken werden offensichtliche auch ständig wieder gereinigt.

Und über all dem und um all das herum schmeichelt sanfte Entspannungsmusik vom Feinsten. Ein Ort der Meditation. Der Mensch verlässt ihn mit entspannter Miene und gestrafftem Rückgrat, zu neuen Taten auf der Autobahn bereit. (Eigentlich fehlen im Vorraum nur noch einige bequeme Liegen für verzweifelte Fälle.)

Also, die Bahn kann mir, insofern, gestohlen bleiben!

Glücksfaktor: ein properes  Klo …

 

 

Posted by admin on 21. Oktober 2018

Touchdown

Mein erster Mann besaß einen Flugschein für Kleinflugzeuge und später noch einen für Wasserflugzeuge. Um diese Scheine behalten zu dürfen, musste er soundsoviele Flugstunden im Jahr absolvieren. Er befand sich also mit einer gewissen Regelmäßigkeit in der Luft.

Ich kann nicht sagen, dass ich diese Begeisterung teilte. Ich drängelte mich nicht darum, mitfliegen zu dürfen. Trotzdem konnte ich es ab und zu nicht vermeiden. Deshalb wurde eines Tages an mich der Anspruch gestellt, einen Pinch-Hitter-Schein zu machen.

Bitte wie?

Soviel ich weiß, entstand die Idee für diese Disziplin, nachdem in Ohio eine abgestürzte Cessna samt der beiden Insassen gefunden wurde: ein Ehepaar. Er hatte den Pilotenschein, sie hatte, nachdem er urplötzlich an einem Herzanfall verendete, nach einer Weile den Schlüssel gezogen, um nicht weiter in der Luft herumzutrudeln, bis das Benzin alle war. Das rekonstruierte man, denn sie hielt besagten Schlüssel noch in der Hand.

Der Pinch-Hitter-Schein entspricht durchaus keinem vollwertigen Flugschein. Er ist für Begleitpersonen gedacht, die im Fall eines unfähig gewordenen Piloten wissen, wie man so ein Dings wieder auf die Erde bringt. Das Luftfahrt-Bundesamt erkennt den Schein an.

Man braucht dafür kein ärztliches Tauglichkeitszeugnis. Es reicht, gesund und einigermaßen bei Verstand zu sein. Dann absolviert man 5 theoretische Unterrichtsstunden und ungefähr nochmal soviel Stunden in der Luft mit einem Fluglehrer. Um die Urkunde zu bekommen, muss man 15 mal gelandet sein – immer noch mit Fluglehrer, aber selbsttätig. 

Bei meiner ersten Flugstunde erschreckte ich den Lehrer, indem ich mich am Steuerruder nach oben zog, um die Elbe besser sehen zu können. Dadurch lernte ich gleich, dass es sich nicht empfiehlt, an einem Steuerruder zu ziehen. Das bringt ein Flugzeug nämlich steil nach oben, Richtung Weltraum.

Meine erste Landung war sahnemäßig. Ich tupfte die Cessna sachte auf den Boden und ließ sie ruhig ausrollen. 

Der Fluglehrer konnte sich vor Begeisterung gar nicht beruhigen. Er meinte, so eine erste Landung hätte er noch nie erlebt, ich sei ein absolutes Naturtalent!  Ich müsste unter allen Umständen den richtigen Flugschein machen. Ich widersprach: das wäre reiner Zufall gewesen.

Wir stiegen wieder auf, diesmal ohne effektvolle Elb-Besichtigung, drehten ein paar Kurven und landeten erneut. (Darum ging es ja schließlich.) Wieder eine superfeine Landung! Fluglehrer in Ekstase. Wollte auf der Stelle von mir eine Unterschrift, damit ich mit diesem ungeheuren Talent ein richtiger Pilot werden konnte.

Mir war indessen klar, dass ich vermutlich nur deshalb so fein landete, weil ich so glücklich war, wieder unten zu sein.

Fliegen ist einfach nichts für mich. Nicht, wenn jemand anders am Steuerknüppel sitzt. Und schon gar nicht, wenn ich das selber bin.

Ich hab das mit dem Pinch-Hitter-Schein übrigens nach der dritten Flugstunde bleiben lassen. Mir war nämlich inzwischen die gute Idee gekommen, einfach nie mehr in einem Kleinflugzeug mitzufliegen. Auch eine Art, nicht damit abzustürzen.

Glücksfaktor: ein Ehemann, der wandert, statt zu fliegen …

 

 

 

 

 

Posted by admin on 20. Oktober 2018

Schöpfungsgeschichte eines Gebissenen

Am 20. Oktober 1955 erschien in Großbritannien mit Return of the King der dritte Teil von J.R.R.Tolkiens The Lord of the Rings. Tolkien wurde damit zu einem der Urheber der modernen Fantasy-Literatur.

John Ronald Reuel Tolkien kam in Südafrika zur Welt, wo ihn, während er noch ein Kleinkind war, eine Tarantel biss. Worauf er ein für alle Mal wenig von Spinnen hielt und ihnen in seinen späteren Werken unsympathische Rollen zuwies.

Als John drei Jahre alt war, zog seine Mutter mit ihm und seinem Bruder zurück nach England, in die Nähe von Birmingham. Diese damals noch sehr idyllische Gegend regte ihn später zur Beschreibung des Auenlandes an.

1908, mit sechzehn Jahren, lernte Tolkien seine spätere Frau Edith kennen, ein Mädchen mit langem schwarzem Haar und grünen Augen, drei Jahre älter als er selbst. Sie sang und tanzte im Wald für ihn und wurde das Vorbild für seine überirdisch schönen Elfen. Als der Vormund des Waisenjungen von dieser Neigung erfuhr, verbot er John für fünf Jahre, bis zu seiner Volljährigkeit, jeden Kontakt zu Edith. Am Tag seines  21. Geburtstags schrieb Tolkien ihr einen Brief und erfuhr zu seinem Entsetzen, dass sie inzwischen mit einem anderen Mann verlobt war.

Da fuhr er (der sich sein Leben lang für keine andere Frau interessierte) zu ihr hin und redete  ihr erfolgreich den Verlobten aus. Er war ein wortgewaltiger Mann.

John R.R. Tolkien schuf eigene Welten, eigene Völker mit eigenen Sprachen (hauptsächlich auf dem Walisischen, Finnischen und Altenglischen beruhend), eigene Landkarten und eine eigene Mythologie. Er erfand Mittelerde, die Hobbits und den Herrn der Ringe.

Glücksfaktor: in diese Welten einzutauchen. Sei es durch die Bücher oder durch die Filme …

Posted by admin on 19. Oktober 2018

Wer schreibt hier eigentlich?

Es gibt Menschen, die meinen, es sei unklug, einen anderen Namen anzunehmen, wenn ein bestimmter Grad der Bekanntheit erreicht worden ist. Man würde ja praktisch noch einmal von vorn anfangen müssen?

Das ist sicher richtig. Ein neuer Name bedeutet einen Neuanfang. Vielleicht ist das unklug. Aber ich finde es herrlich.

Mehrere Namen sind vielleicht mehrere Neuanfänge? Verschiedene Identitäten? Robert Schumann ließ in seinen Musik-Kritiken zwei innere Anteile seiner Seele sprechen, Eusebius und Florestan. Kurt Tucholski teilte sich in fünf verschiedene journalistische Stimmen und hat auch einmal detailliert geschildert, was für Persönlichkeiten das sind. 

Wer ist denn diese Diana Seidel?

Ich stelle sie mir als eine schlanke Blondine mit einigen grauen Strähnen vor. Sie hat große dunkle Augen und ein sympathisches Lächeln. Diana hat studiert, vermutlich Philosophie und Geschichte: beides mag sie. Sie besitzt zwei Katzen und einen gepflegten Garten. Sie schreibt gern bis spät in die Nacht und schläft dann morgens länger.

Ja, und Fee Domke? Klein, rundlich, brünett – sehr lebhaft. Lacht gern und viel. War mehrmals glücklich verheiratet, woran sie sich mit Vergnügen erinnert, denn sie ist überzeugt davon, dass eine Ehe nicht gescheitert sein muss, weil sie mit einer Scheidung endet. Sie neigt zu einer gewissen Eigenwilligkeit, was man auch daran sieht, dass sie die üblichen Initialen verweigert.

Dagmar Seifert ist eine Person, die ich lange kannte und mit der ich mich gut verstanden habe. Ich weiß viel über sie. Ich mag sie immer noch. Und doch haben wir seit einer Weile nicht mehr so viel Kontakt miteinander. Vor vier Jahren, nach einer langen Phase der Ruhe und Stabilität, änderte sich ihr Leben. Zunächst in Kleinigkeiten – wie Risse in einer Glasur. Dann immer rapider. Ich kann natürlich jederzeit mit ihr sprechen und sie sehen. Wahrscheinlich schreibt sie eines Tages wieder. Sie macht das zu gern, um damit aufzuhören. Dieser Blog gehörte über mehr als zwei Jahre ihr. Es hat ihm nicht geschadet, von Daggi übernommen zu werden.

Und Daggi Schneider, die Katze? Das ist die Jüngste, eine nagelneue Figur. Hätte man mich noch im Oktober 2017 nach ihr gefragt, hätte ich die Schultern gezuckt. Sie ist erst im Lauf dieses Jahres entstanden.

All diese Mädels sind miteinander befreundet, Dagmar, Diana, Fee und Daggi. Wer weiß, ob nicht eines Tages Daniela Seiler oder sogar David Seim zu ihnen gehören?

Glücksfaktor: Sein zu können, wer man will …

 

 

 

Posted by admin on 18. Oktober 2018

Am Lukastag 1356

 das war der 18. Oktober, fand das große Erdbeben in Basel statt.

Eine Reihe gewaltiger Erdstöße  mit der geschätzten Intensität von Stufe X ( das bedeutet vernichtendes Erdbeben) legte die Stadt in Trümmer.

Gegen vier Uhr am Nachmittag wackelte die Schweizer Erde zum ersten Mal, zunächst sachte: nur ungefähr zwanzig Häuser und der Chor des Basler Münsters stürzten ein.

Die Bewohner der Stadt flüchteten panisch vor die Stadtmauern. Als eine Weile nichts passierte, wagten sich einige zurück. Aber dann ging es richtig los: zwischen zehn Uhr abends bis Mitternacht riss und schwankte der Boden, und schnell entstanden Brände, die sich miteinander verbanden. Das Feuer wütete acht Tage lang und breitete sich auch in die Umgebung aus  – bis es keine Nahrung mehr fand.

Nahezu alle Kirchen der Stadt wurden schwer beschädigt, viele Burgen im Umkreis waren zerstört. Die Schäden der Erdstöße konnte man bis zu 50 Kilometer im Umkreis sehen.

Dadurch, dass die ersten schweren Erschütterungen am Nachmittag die  Menschen gewarnt hatte, war die Anzahl der Todesopfer bei so einem schweren Beben unter den mittelalterlichen Verhältnissen erstaunlich gering: allenfalls 2000 Tote, vermutlich weniger.

Papier jedoch – die meisten Archive – fielen den Flammen zum Opfer. Deshalb ist vor 1356 die Geschichte der Stadt Basel nur höchst lückenhaft nachzuweisen …

Glücksfaktor: in einer erdbebenbarmen Gegend zu wohnen.