Heute

Posted by admin on 4. Juni 2020

Ernst erholt sich

von der Operation. Übrigens haben wir ihn auch gleich gebadet, als er sich noch in Vollnarkose befand (im wahrsten Sinne des Wortes ein Abwaschen) und auf dem Balkon in der Sonne etwas vorgetrocknet.

Auf dass er jetzt hinterwärts sowohl gerade wieder zusammenwächst als auch trocknet, muss er auf dem Bauch liegen. Und damit sein Kopf schön aufrecht bleibt, hilft ihm die kleine Stine, selbstlos und liebevoll.

Laura? Das ist eine lange Geschichte. Die Liebe ist auf jeden Fall eine komplizierte Sache. Zumindest, wenn sie mit Leidenschaft untermischt wird …

Aber das Wichtigste: Unser Ernst befindet sich auf dem Weg der Besserung und grüßt, sofern er gerade kein Eis oder keinen Pudding oder keine Marmeladenbrote im Mund hat, alle seine Fans und Freunde und Tanten!

Glücksfaktor: Günstige Bedingungen zu einer Genesung.

Posted by admin on 3. Juni 2020

Der Riesenalk

ein flugunfähiger, ziemlich großer (bis zu 85 cm) Seevogel, starb vor 176 Jahren endgültig aus.

Er war ein guter Schwimmer und Taucher und, zu seinem Unglück, ein miserabler Läufer.

Die Tiere wurden von hungrigen Matrosen gejagt und gegessen und ab dem 18. Jahrhundert mit Knüppeln erschlagen, um Daunen zu ergattern. Man trieb die zutraulichen, plumpen Vögel, die nur langsam watscheln konnten, in eingehegte Plätze und prügelte sie zu Tausenden tot.

Am Vormittag des 3.6.1844 wurden die letzten beiden Exemplare, die gerade brüteten, von zwei Männern erwürgt und ihr Ei zertreten.

Ich möchte das gern wiederholen:

Am Vormittag des 3.6.1844 wurden die letzten beiden Exemplare, die gerade brüteten, von zwei Männern erwürgt und ihr Ei zertreten.

Ein englischer Ornithologe hat das 1858 beschrieben – ebenso die Namen der erfolgreichen Jäger und den Verkauf der Vogelbälge. Inzwischen war der Riesenalk nämlich so selten geworden, dass für ein ausgestopftes Exemplar eine Menge bezahlt wurde.

Glücksfaktor? Nein. Nur Ekel und Scham, zu dieser Rasse zu gehören …

Posted by admin on 2. Juni 2020

Ernst braucht eine OP

Komisch, lange hat es niemand gemerkt. Dabei hat Ernst zwei Papis und haufenweise Tanten und immerhin die Mami. Die hat ab und zu mal gesagt: “Halt dich gerade, Schätzchen!” Dann hat er sich Mühe gegeben – aber richtig aufgefallen ist es keinem.

Doch dann war Ernst ja bei Tante Maren. Und ihr Onkel Ove, der ist beinah General. Wenn andere Soldaten ihm begegnen, dann nicken sie nicht nur und sagen: Hallöchen!” – sondern sie nehmen die Füße zusammen, machen eine glatte Schaufelhand, tippen sich damit rechts an die Stirn (links ist für Kahrnewall) und halten sich ganz gerade. Deshalb weiß Onkel Ove, wie man aussieht, wenn man ganz gerade steht. Anders als Ernst, auf jeden Fall.

Es hat was damit zu tun, dass Ernst einen großen Kopf hat und dass der immer voller Gedanken ist. Oft ja auch sorgenvoll. Dann sackt der Kopf nach vorn und wird immer schwerer. Das macht einen schlappen Eindruck. Sogar, wenn er auf dem Küchenstuhl steht und seine Ärmchen in die Rückenlehne steckt. Immer noch schlapp.

Tante Maren hat gleich gesagt, da kann man doch was machen. Tante Maren ist immer so praktisch. Ernst hat gesagt, das ist gar nicht wichtig. Und dass es doch nur auf innere Werte ankommt! Ist er irgendwie nicht mit durchgekommen. Plötzlich standen alle um ihn rum und haben den Kopf geschüttelt über seinen Kopf. Haben gesagt, jeder Horrtopede würde zustimmen. Da muss was passieren. Es hat nämlich auch was mit dem Rücken zu tun und mit der Füllwolle – aber das wollen wir gar nicht so genau wissen.

Natürlich gibt es eine Vollnarkose. Der Löwepapi meint, er kommt wieder nach Hause, wenn es vorbei ist. Er kann so was nicht sehen.

Glücksfaktor: Gleich hinterher, wenn Ernst aufgewacht ist, gibt es Vanillepudding. Und morgen fängt es schon an, zu heilen …

Posted by admin on 1. Juni 2020

Der Tod des kleinen Prinzen

Am 1. Juni 1879 starb Prinz Louis Napoleon in Südafrika. Das war ganz und gar nicht so vorgesehen gewesen, im Gegenteil! Weil der Junge nun mal unbedingt in den Krieg wollte – er nahm am Zulukrieg als freiwilliger Offizier der britischen Armee teil – wurde seinen Vorgesetzten immer wieder eingeschärft, ihn bloß nie in eine gefährliche Situation und schon gar nicht allein zu lassen!

Als Napoleon Eugène Louis Jean Joseph Bonaparte 1856 in Paris geboren worden war, da war sein Papa noch Kaiser, die Mama war Kaiserin und er selbst ein kaiserlicher Prinz von Frankreich. Übrigens der einzige. Die Geburt war derart schwer gewesen, dass der Arzt zur Zange greifen musste. Worauf die schöne Eugénie, die Kaiserin, den Eindruck gewann, sie hätte mehr als ihre Pflicht getan, ein separates Schlafzimmer beanspruchte und den Kaiser seinen Geliebten überließ. Nun war der Thronfolger schließlich da! Um deutlich zu machen, dass er der nächste Napoleon sein sollte, kämmte man ihm bereits eine entsprechende Locke in die Stirn.

Der Thronfolger war zwar da – die Königin von Schweden und der Papst(!) machten ihm die Taufpaten – doch der Thron kam abhanden. Nachdem Frankreich den 1870/71 Krieg verloren hatte, zog die kaiserliche Familie ins Exil nach England, wo der Ex-Kaiser ziemlich bald verstarb. Jetzt war der kaiserliche Prinz ohne Thron und ohne Vater. Er besuchte die Kriegsschule in Woolwich, gehörte später zur Royal Horse Artillery, ließ sich gern am englischen Königshof blicken und soll auch einigen Töchtern der Queen Victoria Heiratsanträge gemacht haben. Aber obwohl er vielleicht ganz niedlich war, konnte er so recht keinen Thron anbieten, was seine Chancen deutlich minderte.

Dann kam dieser Krieg, an dem der Prinz so gern teilnehmen wollte. Was eben nur erlaubt wurde, wenn es immer genügend Leibwächter um ihn herum gäbe.

An diesem ersten Juni ging das schief. Louis Napoleon sollte ein bestimmtes Gebiet erkunden. Durch ein Missverständnis versammelte sich der größte Teil seiner Schutzengel jedoch woanders, so dass sich nur noch acht Mann bei ihm befanden. An einem Fluss tauchten 40 Zulukrieger sehr unerwartet auf und richteten ihre Speere auf die englischen Eindringlinge. Die kleine britische Patrouille sprang auf die Gäule und sah zu, dass sie aus der Reichweite der Speere kam.

Ausgerechnet das Pferd des Prinzen jedoch erlitt einen nervösen Anfall, warf seinen Reiter ab und floh alleine. Der versuchte, wegzurennen. Und er versuchte, auf seine Feinde zu schießen. Klappte beides nicht. Als man seine Leiche fand, waren darin achtzehn Lanzenstiche.

Er wurde neben seinem Vater in England bestattet, Mit ihm starb der Traum aller Bonapartisten, die gehofft hatten, dass noch einmal ein Kaiser Napoleon Frankreich regierte.

Nach seiner Mutter, der Kaiserin Eugénie, war übrigens ein Asteroid benannt worden: ‘Eugenia’. 1999 entdeckte man um den Himmelskörper herum einen natürlichen Satelliten. Den taufte die Wissenschaft, Louis Napoleon zu Ehren ‘Petit-Prince’ …

Glücksfaktor, vielleicht: posthume Ehrungen?

Posted by admin on 31. Mai 2020

Eine disharmonische Hochzeit

am 31. Mai 1906 kündigte eine disharmonische Ehe an.

Der Bräutigam war der damals zwanzigjährige König von Spanien, Alfonso XIII.

Seine Braut Victoria Eugénie eine englisch-deutsche Prinzessin von Battenberg, (inzwischen heißt das Mountbatten), ein halbes Jahr jünger.

Unglücklicherweise fand die Vermählung mitten in einer Staatskrise statt. Es gab heftige Unabhängigkeitsbewegungen in Katalonien und dem Baskenland, am Tag vor der Hochzeit tobten in Barcelona wütende Demonstrationen der Nationalisten.

Und als das Brautpaar nach der Trauung in der Kutsche saß, verübte ein katalanischer Anarchist, Mateo Morral, ein Attentat. Er hatte ein Jahr zuvor schon einmal versucht, Alfonso abzumurksen; das war daneben gegangen. Aber jetzt! Mateo warf von seinem Hotelbalkon aus einen Blumenstrauß auf König und Königin. In dem Blumenstrauß war eine leistungsstarke Bombe.

Manche Sachen funktionieren nicht, man kann sich auf den Kopf stellen. Zwar explodierte die Bombe ganz brav, nachdem sie von der Kutsche abgeprallt war. Doch während einige Pferde und 24 Menschen ringsumher sofort tot waren und mehr als 100 Personen verwundet, blieb das königliche Paar unverletzt.

Das weiße Brautkleid allerdings färbte sich, durch ein halbiertes Pferd, plötzlich überwiegend rot.

Der Attentäter wurde zwei Tage später aufgestöbert, legte schnell noch einen Polizisten um und erschoss sich dann selbst.

Victoria Eugénie, damals eine der schönsten Prinzessinnen Europas (oder vielmehr neuerdings eine der schönsten Königinnen) sah das Ganze vielleicht als böses Omen. Ganz abwegig wäre das ja nicht gewesen.

Und wirklich wurde die Ehe mit Alfonso ausgesprochen unangenehm. Zwar entging er in den folgenden Jahren erfolgreich einigen weiteren Attentatsversuchen, empfand jedoch von Anfang an wenig Sympathie für seine sehr intelligente und gebildete Frau und bekam von diversen Mätressen fünf Kinder. Immerhin wurden auch dem Königspaar sieben legitime Kinder geschenkt. Doch die Königin übertrug ihnen die Bluterkrankheit, und das nahm ihr Mann ihr ganz besonders übel.

1931 jagte man König und Königin ins Exil, weil Spanien Republik wurde. Sie taperten zehn Jahre lang in Europa umher, bis Alfonso starb und die Ex-Königin zurückgezogen in Lausanne zur Ruhe kam.

Glücksfaktor: also bestimmt nicht in jedem Fall blaues Blut!