Heute

Posted by admin on 23. September 2020

23. September: Heute ist Tag der Bisexualität!

Das ist nötig und sinnvoll, denn es gibt viele Menschen … nicht wahr? Ja. Eigentlich, las ich wiederholt, geradezu ALLE, mindestens ein bisschen. Also irgendwie. Sogar im Tierreich …

Manche merken es nur nicht.

Ich gestehe beschämt, dass ich zu diesen gehöre. Doch, ich hab mich redlich angestrengt, es zu bemerken. Hat nicht geklappt.

Wie’s aussieht, bin ich krankhaft heterosexuell. Es muss irgendwas mit meiner Kindheit zu tun haben. Ich wollte beispielsweise zu keiner Zeit ein Junge sein. Nie. Da hätten die Alarmglocken ja schon schrillen können. Meine Eltern haben nicht aufgepasst.

Es kommt noch schlimmer. Obwohl ich immerhin mit einer gewissen Vorliebe für Indianer oder Japaner auftrumpfen kann, ist das doch nicht so ausgeprägt, wie es wünschenswert wäre. Nein, ich muss zugeben, mich spricht normalerweise der (Ogott, wie peinlich) mehr oder weniger weiße Mann an. Obendrein interessieren mich allmählich jüngere Knaben einfach nicht mehr.

Daraus ergibt sich überaus deutlich, wie krass mein Beuteschema aussieht. Ich steh auf das zurzeit unpopulärste Lebewesen überhaupt, den alten weißen Mann.

Vielleicht ist es therapierbar?

Glücksfaktor: Es gibt davon aber welche, die sind derart bezaubernd …

Posted by admin on 22. September 2020

Wer glaubt schon an Weissagungen?

Ich nicht. Ich denke, man kann die Zukunft nicht vorhersagen, weil sie jeweils aus Möglichkeiten besteht – aus wahrscheinlicheren und aus unwahrscheinlicheren. Wir alle haben die Macht, sie zu ändern. Durch Taten, durch Worte, auch durch Gedanken und sogar durch Gefühle. Dass es allerdings Menschen gibt, die in der Lage sind, diese Möglichkeiten zu erspüren, das glaube ich schon. Das geschieht mir ja selbst manchmal.

Vor vielen Jahren kannte ich eine Frau, eigentlich eine Bekannte meiner Mutter, eine sonderbare ungezähmte Person mit (wie wir) Zigeunerblut. Weil wir uns kennenlernten, als ich ein Kind war, sagte ich immer Sie und Frau Reinhardt, sie nannte mich du und Schätzecken. Das sagte sie wohl zu allen, die sie gern mochte.

Sie starb an einer schweren Krankheit, gerade, als ich schwanger war und sie besuchte. Da sagte sie zu mir: “Ich geh jetzt und es ist gut, dass ich gehe. Pass mal auf dich auf. Wenn du die 80er überlebst, ist es ein Wunder. Wenn du die 90er erreichst – und dein Kind auch – dann kannst du dir gratulieren. Ich sah so was. Ich seh die 80er-Jahre in Flammen, Krieg, ich seh überall Atompilze. Wo soll man sich da bergen? Pass auf, Schätzecken, vor allem im Herbst 83. Da geht die Welt unter.”

Ich nahm sie zu ernst, um das als Fieberphantasie zu deuten. Andererseits glaubte ich damals schon, dass die Zukunft nie fest steht.

Frau Reinhardt starb in der Silvesternacht 1979, sie machte sich wirklich pünktlich aus dem Staube, bevor die 80er anfingen.

Ich dachte ab und zu daran, was sie mir gesagt hatte. Als im April 1986 der Unfall von Tschernobyl passierte, da meinte ich, vielleicht war es das, was sie gesehen hat. Nicht Herbst, sondern Frühling. Und nicht Atomkrieg, sondern Nuklear-Katastrophe.

Ungefähr zwanzig Jahre später las ich zum ersten Mal etwas über Stanislaw Jewgrafowitsch Petrow, den Mann, der im September 1983 den dritten Weltkrieg, einen Atomkrieg, verhinderte.

Als Stanislaw geboren wurde, im September 1939, gab es gerade seit einer Woche Weltkrieg, den zweiten. Wer weiß, was er als Kind davon mitbekommen hat? 44 Jahre später war er leitender Offizier der sowjetischen Luftverteidigungsstreitkräfte und arbeitete in der Kommandozentrale der Satellitenüberwachung, um aufzupassen, ob die Amerikaner nicht zufällig auf die Idee kamen, ohne Kriegserklärung mit Atomraketen auf die Sowjetunion zu schießen. Im Kalten Krieg konnte man nie wissen. (Ronald Reagan hatte Russland immerhin gerade in einer Ansprache das ‘Reich des Bösen’ genannt.)

Petrow hatte Nachtdienst, als das Frühwarnsystem ausgelöst wurde und meldete, soeben sei eine Atomrakete vom US-Bundesstaat Montana aus Richtung Sowjetunion abgeschossen worden.

Was eine einzige Waffe dieser Art anrichtete, das wusste man seit Hiroshima und Nagasaki. Inzwischen jedoch, in den vergangenen fast vierzig Jahren, hatte der menschliche Erfindungsgeist daraus viel, viel mehr gemacht. Das wurde immer wieder mit Stolz erwähnt. Die Bomben, die auf Japan gefallen waren, muteten fast harmlos an im Vergleich zur Leistung der aktuellen Nuklearsprengköpfe 1983.

Die Planung für einen derartigen Fall spontaner Aggression sah vor, dass eine knappe halbe Stunde Zeit blieb, um über den Gegenschlag zu entscheiden. Nun konnte man sich fragen, wozu noch ein Gegenschlag, wenn die Hälfte der Welt sowieso nicht mehr zu retten war? Die Antwort lautete: Weil man das dem Feind nicht gönnte. Wenn der schon angefangen hatte, dann sollte er seines Sieges nicht froh werden. Und wenn schon ganz Russland dem Untergang geweiht war, warum dann nicht auch der Rest der Welt? Das bedeutete, als Nächstes würden sowjetische Atomsprengköpfe auf die westliche Welt regnen, auf Amerika und seine Verbündeten.

Petrow hätte auf der Stelle seine Vorgesetzten wecken und den Vorfall melden müssen. Er zögerte jedoch. Dieses Zögern konnte ihn den Kopf kosten, selbst – oder vielmehr besonders dann – wenn der Großteil seines Landes in kurzer Zeit nur noch aus qualmender, verseuchter Asche bestand. Er trug die Verantwortung, das war ihm wohl bewusst.

Offizier Petrow war ein nüchterner Mann mit klarem Verstand. (Jungfrau.) Er fragte sich zunächst, wieso nur eine einzige Rakete? War das nicht etwas albern in so einem Fall? Außerdem traute er dem Satellitensystem nicht recht, das litt schon manchmal an einer Fehlfunktion.

Gleich darauf meldete der Computer noch vier weitere Atomraketen im Anflug. Und wieder dachte Petrow: Was soll der Quatsch, wieso bloß fünf? Wenn die Ernst machen, dann doch wohl richtig?

Er meldete einen Fehlalarm – und dann wartete er wohl ab, ob es sich wirklich so verhielt oder ob er sich völlig verschätzt hatte.

Später stellte sich heraus, dass ein Frühwarn-Satellit durch fehlerhafte Software Spiegelungen in den Wolken beim Sonnenaufgang falsch gedeutet hatte …

Glücksfaktor: Engel, die nie schlafen. Und besonnene Menschen.

Posted by admin on 22. September 2020

21. Sept. Heute ist der Tag der Dankbarkeit!

Kinder sagen nicht mehr Danke. Es scheint über alle Maßen uncool zu sein, dem eigenen Kind beizubringen, sich zu bedanken.

Ich fragte vor Jahren eine Bekannte, wieso sie ihrem Sohn nicht erklärt, dass es nett ist, Danke zu sagen, wenn er etwas bekommt. Sie erwiderte: “Och nö, damit bin ich als Kind selbst so gequält worden. Immer dieses: ‘WIE sagt man?!’ – Nee, damit will ich ihn nicht triezen. Wenn er erwachsen ist und es interessiert ihn, kommt das von selber.”

Das ist ein Standpunkt.

Auf dem Wochenmarkt sah ich, wie einem Dreijährigen von einer Marktfrau ein Würstchen geschenkt wurde. Natürlich sagte er nicht Danke – hat auch keiner erwartet. Aber nach vier Schritten warf er das Würstchen, einmal abgebissen, auf den Boden. Die Mutter schaute es nachdenklich an – aufheben, abwischen? Und ging dann mit ihrem Kind schnell weiter. Vielleicht sind Dinge, für die man sich nicht bedankt, nicht viel wert.

Das Vaterunser besteht – abgesehen von der Bestätigung Gottes – aus Bitten, angefangen beim täglichen Brot. Ein Dank ist nicht dabei. Altmodische, fromme Menschen bedanken sich jedoch mit einem Gebet vor dem Essen.

Ein kanadischer Indianer hat mir erklärt, seine Leute bedanken sich vor dem Essen von Fleisch bei dem Tier auf ihrem Teller.

Seit es die Menschenrechte gibt, wissen wir, dass uns Dinge wie Wohlstand, Freiheit, Bildung und Gesundheitsversorgung zustehen. Wenn wir also ein Recht darauf haben, brauchen wir uns dafür nicht zu bedanken.

In den Menschenrechte steht nicht, dass wir ein Recht auf Glück haben. Ich glaube jedoch, dass viele Menschen davon überzeugt und etwas beleidigt sind, wenn es ihnen vorenthalten wird. Haben sie jedoch Glück, ist das kein Grund zur Dankbarkeit. Es steht ihnen ihrer Meinung nach zu.

Danken, sagte mir ein sehr junger Mann, ist so wie “Verzeihung” sagen: etwas für Opfer. Also etwas, das demütigt.

Ich halte übrigens viel vom Bedanken, weil ich finde, dass es glücklich macht. Wenn ich am Ende eines Tages angekommen bin und überlege, wofür ich heute dankbar sein konnte, dann versetzt mich das in bessere Laune. Wenn ich mich morgens innerlich für guten Schlaf und angenehme Träume bedanke, stehe ich heiterer auf.

Glücksfaktor? Danke, ja!

Posted by admin on 20. September 2020

Hedwig Dohm wurde am 20. September 1831 geboren

Sie hatte 17 Geschwister, und nur den Jungen in der Familie war es vom Vater gestattet, das Gymnasium zu besuchen. Hedwig, sehr zu ihrem Missvergnügen, musste mit fünfzehn Jahren die Schule verlassen und im Haushalt helfen. Das hat sie den Rest ihres Lebens übel genommen. Sie wurde eine leidenschaftliche Frauenrechtlerin.

1853 heiratete sie Ernst Dohm, den vielleicht einzigen Mann ihrer Zeit, der ihre Ansichten und ihr Tun nicht nur billigte, sondern sogar förderte. Dohm war Chefredakteur der satirischen Zeitschrift ‘Kladderadatsch’.

Ab 1870 schrieb Hedwig Dohm Bücher, die für die damalige Zeit überaus kompromisslose feministische Forderungen enthielten. Das ging selbst einigen überzeugten Frauenrechtlerinnen über die Hutschnur. Helene Lange sagte 1925: „Die Respektlosigkeit und Selbstsicherheit, mit der Hedwig Dohm ihre geistreiche Feder gegen die Männer führte, war vielen noch ganz ‘in der Furcht des Herrn’ erzogenen Frauen zu ungewohnt.“

Aber Hedwig schrieb auch Romane, Novellen und einige Komödien, die im Berliner Schauspielhaus mit Erfolg aufgeführt wurden.

Sie hatte vier Töchter – die älteste war Hedwig Pringsheim, die Mutter von Katja Mann. Dadurch wurde Hedwig Dohm gewissermaßen zur Schwieger-Großmutter des Nobelpreisträgers Thomas Mann, der über sein ältestes Kind an seinen Bruder geschrieben hatte: “Ach – ein Mädchen! Das ist doch nichts Rechtes …”

Glücksfaktor, häufig: ein Lebensthema.

Posted by admin on 19. September 2020

Störrische Technik

Wundervoll, was wir inzwischen alles können (und dürfen), wie Technik unser Leben erleichtert, vereinfacht – oder auch mal kompliziert. Und uns dann dicht an den Nervenzusammenbruch treibt.

Früher kämpfte der Mensch mit Mammut und Säbelzahntiger, das war sicher auch überwiegend unerfreulich. Elektronische Funktionen wollen uns meistens zwar nicht verspeisen – doch sie können den Organismus angreifen, direkt über den Verstand. Macht ihnen das Spaß? Hat ihnen ihr Erfinder so etwas Menschliches wie Sadismus einprogrammiert?

Zuerst lernt man, damit umzugehen und glaubt, einen gewissen Grad an Sicherheit erreicht zu haben: “Aha – Also wenn man hier klickt – dann kommt man auf – hmhm …” (Das hat vor langer Zeit Mike Krüger mit seinem Nippel-durch-die-Lasche-Song erklärt. Das war zwar derbe, aber gar nicht so dumm.)

So schlägt man sich tapfer durch das geheimnissvolle Gestrüpp der Elektronik – bis zu dem Tag, an dem eine Verbesserung kommt! Ein neues Gerät – ein neues Layout – ein Update. Updates sind gefährlich. Ich versuche immer, sie so lange wie möglich vor mir her zu schieben – Meine Güte, Gerät, merkst du denn nicht, dass du gerade störst mit deinem blöden Update? Ich bin beschäftigt. Frag später noch mal!

Leider tut es das wirklich. Es vermittelt nach und nach den Eindruck, als ob die Welt untergeht, wenn es nicht ran darf. Unser Konto wird leergespült, jeder sieht uns in Unterwäsche, wenn wir jetzt nicht SOFORT – ! Na gut, wenn es sein muss.

Hinterher ist allerdings nichts mehr so, wie wir es kennen und benutzt haben. Klar, das war ja der Sinn der Sache. Wo ist denn nun hier das – – ? Gibt es nicht mehr. Aha. Und wie komme ich jetzt zu – – ? Gar nicht mehr. Nie wieder.

Manchmal, speziell, wenn es eilt, kann das fatal werden. Man möchte etwa etwas löschen, einen Text, ein Foto. Es stört, es hätte nie sein sollen. Hinweg damit. Geht aber nicht. Alles andere geht. Man kann es als Hintergrundbild benutzen, ausdrucken, vervielfältigen, an alle Freunde schicken (gotteswillen!), die Farben ändern, es per Email senden oder dieses Element durchsuchen – nur löschen, das geht nicht. Das waren noch Zeiten, als man etwas ausradieren oder zerreißen konnte!

Andersherum löscht man aus Versehen etwas Wichtiges, indem man den entsprechenden Button nur nachdenklich anguckt – weg. Unwiderbringlich.

Andere Menschen wissen vielleicht Bescheid. Man muss die Frage einfach googeln. Dann findet man zwar nicht unbedingt Antworten, doch es wird klar, dass bereits andere Leute mit diesem Problem gerungen haben. Das ist zumindest erfrischend. Wir sind alle gemeinsam gescheitert.

Manche Ratschläge klingen zunächst schlüssig. Mit neuem Mut wendet man sich dem Problem zu. Du musst nur den grünen, eckigen Knopf drücken! Doch der existiert nicht. Oder ich finde ihn nicht. Warum haben die den grünen, eckigen Knopf entfernt?!

Und dann guckt einem ein Wissender über die Schulter und meint: “Wieso – hier oben ist er doch!” Gibt es für anschließende, spontane Reaktionen eigentlich mildernde Umstände?

Glücksfaktor, manchmal: Stromausfall …