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Posted by admin on 1. Dezember 2021

1. Dezember 1860: Geburtstag des Romans ‚Große Erwartungen‘

An diesem Datum erschien die erste Folge des vorletzten (und 13.) abgeschlossenen Romans von Charles Dickens in seiner eigenen Wochenzeitschrift All the Year Round. Außerdem brachte das New Yorker Magazin Harper’s Weekly, denen der geschäftstüchtige Dickens die Publikationsrechte verkauft hatte, gleichzeitig vom November 1860 bis August 1861 die düstere Geschichte des Philip Pirrip, der Pip genannt wird.

Der junge Pip, ein Waisenkind, erzählt seine Geschichte selbst. Er wächst Anfang des 19. Jahrhunderts in der Grafschaft Kent auf (Dickens Heimat). Pip lebt bei seiner cholerischen großen Schwester, die offenbar ungern Mutterstelle an ihm vertritt und ständig über diese Verpflichtung zetert. Sie ist mit dem Dorfschmied Joe verheiratet – weshalb sie, auch von Pip, nur ‚Mrs.Joe‘ genannt wird. Joe ist riesig und stark, aber weichherzig und gutmütig. Er lebt, wie Pip, unter der Fuchtel seiner Frau, die er trotz ihrer Tyrannei verehrt. Was Mrs. Joe nicht davon abhält, ihren Gatten ebenso wie ihren kleinen Bruder immer mal wieder zu züchtigen.

Als Pip ungefähr sieben ist, kurz vor Weihnachten, begegnet ihm auf dem Friedhof ein entsprungener Sträfling, der ihn bedroht und einschüchtert: Der Kleine soll dem Mann eine Feile bringen, um seine Fußfesseln zu lösen, sowie Lebensmittel. Obwohl Pip seine Schwester fürchtet, macht dieser Mensch ihm noch mehr Angst; so klaut er eine Pastete, die für’s Weihnachtfest gedacht war, aus der Vorratskammer und bringt sie samt Feile am nächsten Tag zum Sträfling. Der wird allerdings bald wieder geschnappt und so scheint dies eine zwar schreckliche, aber eher unwichtige Episode in Pips Leben gewesen zu sein.

Einige Zeit darauf wird er von einem Verwandten zu einer exzentrischen Frau gebracht, einer  reichen Erbin, Miss Havisham, die in der Nähe wohnt. Er soll dort ’spielen‘. Miss Havisham trägt grundsätzlich ein Brautkleid samt Schleier und hockt bei verdunkelten Fenstern in einem festlich geschmückten Zimmer, in dem für ein Hochzeitsessen gedeckt worden ist – vor vielen Jahren. Inzwischen haben die Mäuse die Hochzeitstorte ausgehöhlt und die Spinnen ihre Netze über Kerzenhalter, Teller und Besteck gesponnen. Eine Uhr ist angehalten worden und zeigt in ewigem Vorwurf die Zeit, in der Miss Havisham am Hochzeitstag von ihrem Bräutigam im Stich gelassen wurde.

Sie zelebriert, da sie sich’s leisten kann, ihr gebrochenes Herz von morgens bis abends und dressiert ihre Pflegetochter Estella darauf, an ihrer Stelle Rache zu nehmen und Männerherzen zu knacken. Vermutlich ist Pip zu diesem Zwecke, als Übungsobjekt, ins Haus bestellt worden und er tut Miss Havisham sofort den Gefallen und verliebt sich hoffnungslos in das bildhübsche kleine Mädchen, das ihn sehr von oben herab behandelt und eigentlich nie nett zu ihm ist.

Psychologisch nicht weiter erstaunlich. Da Pip, sobald er bei Bewusstsein war, von seiner Schwester drangsaliert wurde, muss es ihn anheimeln, wenn Weiber sich wie Hexen benehmen. Estella lässt Pip immer wieder spüren, dass er eine Art Bauerntölpel ist und auf keinen Fall ein Gentleman. Der Begriff bezeichnete in diesem Zusammenhang einfach einen Menschen, der so viel Vermögen geerbt hatte, dass er nie zu arbeiten brauchte. (Sich dieses Vermögen selbst zu erringen, hieß bereits, kein Gentleman zu sein.)

Pip, der nichts hat, weder geerbt noch errungen, geht also ergeben bei Joe in die Lehre, um Schmied zu werden. Träumt jedoch sehnsüchtig und hoffnungslos davon, irgendwie doch ein Gentleman zu werden und damit auf einer Stufe mit der herrlichen Estella zu stehen. 

Inzwischen versucht seine Schwester. auch den Gesellen der Schmiede, einen rüden Kerl namens Orlick, unter ihre Fuchtel zu bekommen. Praktischerweise kann sie ihn von ihrem kräftigen Mann verhauen lassen. Aber Orlick reagiert weniger sanftmütig; als Mrs. Joe allein zu Hause ist, schlägt er ihr den Schädel ein (und bleibt dabei unerkannt – man glaubt eher an einen weiteren entlaufenen Sträfling als Täter.) Zwar stirbt die Frau nicht daran, ihre Aggression hat der Geselle ihr allerdings abgewöhnt, sie kann hinterher kaum mehr sprechen. 

Und dann wird Pip von einem Londoner Anwalt darüber informiert, dass er für große Erwartungen ausersehen ist! Man holt ihn aus der Schmiede, kämmt ihn und kleidet ihn ein und verfrachtet ihn nach London. So ähnlich wie Elsa von Brabant von ihrem Schwanenritter Lohengrin dazu verdonnert wurde, sich nie nach Einzelheiten zu erkundigen, darf auch Pip auf keinen Fall wissen wollen, wer ihm da plötzlich so viel Gutes  tut. Er meint sowieso, es zu ahnen: Natürlich, sagt sich Pip, es ist die reiche Miss Havisham, verrückt, aber gütig! Sie will ihn zum Gentleman umkrempeln, damit er Estella heiraten kann. Das glaubt der arme Junge wirklich, nachdem er jahrlang zugehört hat, wie die alte verlassene Braut ihrer schönen Pflegetochter, mit Seitenblick auf Pip, zuzischelt: „Brich ihm das Herz!“

In London findet er einen Freund in dem jungen Herbert, einem Verwandten von Miss Havisham. Die beiden teilen sich eine Wohnung und einen Diener, der sie mehr in Verlegenheit bringt, als behilflich zu sein. Herbert, wenig vermögend, doch aus guten Hause, bringt Pip ein wenig Schliff bei, wie man das Messer hält und solche Sachen.

Zum echten ‚Gentleman‘ macht Pip sich allerdings schnell selbst, indem er dünkelhaft und versnobt wird und mit dem Geld, das der Anwalt ihm regelmäßig zukommen lässt, um sich schmeißt, so dass er bald ziemlich verschuldet dasteht. Als der gute alte Joe (der eindeutig nicht zum Establishment gehört), ihn besucht, ist ihm das einfach nur peinlich. Pip entwickelt sich zum oberflächlichen jungen Lebemann.

Dann begegnet er Estella wieder, die natürlich inzwischen derart schön, bezaubernd und unwiderstehlich geworden ist, dass sie einen Rattenschwanz von Verehrern hinter sich herzieht. Pip leidet Eifersuchtsqualen, vor allem, nachdem er erfährt, dass sie ihre besondere Gunst offenbar ausgerechnet seinem Privatfeind, dem Quadratekel Drummel, schenkt.

Auch Miss Havisham ist mit Estella nicht ganz zufrieden, sie wirft ihr Herzlosigkeit vor. Ihre Pflegetochter erwidert, sie selbst habe sie doch dazu erzogen.

In London bekommt Pip unerwarteten Besuch von einem merkwürdigen Mann, Magwitch, der sich gebärdet, als sei er ein lieber alter Verwandter.

Zu Pips Entsetzen stellt sich nun heraus, dass der Sträfling, dem er als Kind geholfen hat, inzwischen nach Australien verbannt und dort zu Vermögen gekommen, seine ganze Liebe auf ihn geworfen hat. Magwitch wollte seinen kleinen Retter zu einem reichen, glücklichen Gentleman machen. Von ihm stammt das viele Geld der vergangenen Jahre – nicht von Miss Havisham! Damit schwindet Pips Hoffnung, dass Estella für ihn bestimmt sein könnte.

Anstatt Magwitch dankbar zu sein, ist Pip angeekelt und abgestoßen von dessen verbrecherischer Vergangenheit. Und obwohl das Vermögen inzwischen durchaus ehrenhaft erworben wurde, will er keinen Cent mehr davon. Er kann sich kaum überwinden, auch nur nett zu dem alten Mann zu sein, der so stolz und glücklich ist über den eleganten jungen Gentleman, den er erschaffen hat. Dass er sich diesen Anblick gönnt, geht für ihn mit Lebensgefahr einher: Magwitch ist auf Lebenszeit verbannt, seine Rückkehr nach England wird, falls man ihn entdeckt, mit dem Tod bestraft. Pip sieht sich gezwungen, seinen Gönner (mit Assistenz seines guten Freundes Herbert) zu verstecken – zumal es so aussieht, als sei Irgendwer ihm bereits auf der Spur.

Er besucht noch einmal Miss Havisham, die inzwischen ihr psychologisches Experiment der Männerbestrafung durch die Pflegetochter bereut. Durch die Heirat mit ausgerechnet dem brutalen Hohlkopf Drummel funktioniert nicht einmal das: Estella wird sein Herz nicht brechen können, denn er besitzt selbst keins. Bei Pips letzten Besuch in dem verdunkelten Hochzeits-Museum verheddert die alte Dame sich in ihrem vergilbten Brautgespinst und fängt am Kamin Feuer. Pip verbrennt sich bei dem Rettungsversuch beide Hände, doch Miss Havisham stirbt bald darauf.

Der böse Schmiedegeselle Orlick hat sich mit Magwitchs Verfolgern zusammengetan und versucht auch noch, den ziemlich wehrlosen, weil handverbrannten Pip abzumurksen – was dessen Freund Herbert im letzten Augenblick verhindert.

Jetzt geht es nur noch darum, den gejagten Magwitch wieder aus England und auf ein Schiff zu bekommen, bevor er geschnappt werden kann. Das misslingt gründlich, Pips alter Gönner (den er inzwischen doch sehr zu schätzen gelernt hat) gerät ins Wasser und in die Schiffsschraube, wird zwar von der Obrigkeit geschnappt, stirbt jedoch an seinen Verletzungen, bevor er hingerichtet werden kann. Bevor er stirbt, klärt Pip ihn noch über etwas auf, das er nach und nach entdeckt hat: dass seine Tochter, von der Magwitch meinte, sie sei als kleines Kind von ihrer Mutter umgebracht worden, von einer reichen Frau zu einer Lady erzogen worden ist – und dass er, Pip, diese Lady liebt. Das hört sich nach Happy-End an und Magwitch stirbt insofern glücklich, da Pip nicht sämtliche Begleitumstände erklärt hat, wie etwa, dass Estella (vermutlich höchst unglücklich) mit einem Monster verheiratet ist.

Magwitchs Reichtum, den Pip ja sowieso ablehnen wollte, geht mit ihm unter, Pip findet sich tief verschuldet und müsste deswegen eigentlich in den Knast. Doch aus dieser Patsche rettet ihn sein alter Ziehvater, der Schmied Joe, der dafür sein Erspartes lockermacht, was erneut zeigt, dass er zwar weder lesen noch schreiben kann, aber über massenhaft Herzensbildung verfügt. Diesmal begreift das auch Pip, der sowieso durch all seine Schicksalsschläge allmählich charakterlich weichgeklopft ist.

Eine letzte Möglichkeit, doch noch ein wenig Zufriedenheit zu erlangen, sieht der gebeutelte junge Mann in Biddy. Das ist ein Mädchen aus seinem Dorf, einfach, aber klug, gewiss an Attraktivität kaum mit einer Estella zu vergleichen, doch zweifellos von inneren Werten strotzend. Seit Mrs. Joe, vermutlich an den Spätfolgen des Mordanschlags von Orlick, das Zeitliche gesegnet hat, führt Biddy dem Witwer den Haushalt. Seit ihrer Kindheit mit Pip im Dialog, kommentierte sie immer mit Skepsis seinen gesellschaftlichen Ehrgeiz, verriet jedoch große Sympathie mit seiner Person. Pip fährt in die Heimat, entschlossen, Biddy zu seiner Frau zu machen und fortan in Bescheidenheit – vielleicht als Schmied? – zu leben.

Aber wie es das Schicksal so will, kommt Pip um einen Hauch zu spät. Er findet seinen guten alten Joe und dessen Haushälterin ungewohnt festlich geschmückt für einen Wochentag: Sie haben eben geheiratet. Pip kann erfolgreich so tun, als wäre das für ihn eine gute Nachricht; und er freut sich ja wirklich für die beiden.

Als er noch ein junger Mann mit großen Erwartungen und hohem monatlichen Taschengeld war, hat Pip jedenfalls etwas Vernünftiges mit dem Schotter angestellt, anstatt es nur zu verpulvern. Er hat heimlich, ohne es merken zu lassen, seinen Freund Herbert unterstützt, so dass der sich ein Geschäft aufbauen konnte. Das blüht und gedeiht nun im ‚Morgenland‘, und Pip tritt als Mitarbeiter ein und bezahlt brav seine Schulden an Joe zurück.

Nach zehn Jahren besucht er in England Joe, Biddy und ihre Kleinen, von denen einer natürlich Pip heißt. Er betrachtet in der Abenddämmerung wehmütig die kahle Stelle, an der einst das düstere Haus von Miss Havisham stand, nun abgerissen.

Da naht sich eine schlanke Gestalt! Wie wir uns alle gedacht haben, ist es ausgerechnet Estella, die ausgerechnet jetzt auch hier einen Blick auf das Grundstück werfen will, das übrigens ihr gehört. Auch sie wurde auf der Flamme des unerbittlichen Schicksals inzwischen ziemlich weich gekocht, ihre Augen blicken nicht mehr ganz so herrlich wie früher, aber sanfter und wohlwollend auf den gereiften Pip. Sie ist Witwe, weil ihr scheußlicher Mann – auf jeden Fall verdientermaßen – nach Misshandlungen an seinem Reitpferd hoffentlich von demselben zu Brei getrampelt wurde.

Sie stürzen sich mitnichten in die Arme und sie reden nicht von Liebe – stattdessen von Freundschaft, und sie fassen sich vorsichtig an der Hand. Der gerührter Leser darf hoffen, dass da doch noch was draus wird.

Dickens hatte ursprünglich vor, dem Roman ein weniger hoffnungsvolles Ende zu verpassen, wurde jedoch von einem Schriftstellerfreund überredet, die Sache zumindest mit dieser positiven Möglichkeit ausklingen zu lassen. (Und er hat das, dem Vernehmen nach, später bereut.)

Viele Literaturkritiker sind der Ansicht, dies sei das künstlerisch bei weitem beste Werk des großen Autors. Auf jeden Fall hat er sich damit weit entfernt von seinem heiteren, sonnigen ersten Roman über die Pickwickier.

Entfernt hat er sich auch von den engelhaften, unglaubwürdig selbstlosen Frauengestalten wie David Copperfields Agnes, Littte Dorrit oder Ester aus Bleak House, die in zwei Dritteln seiner Bücher lebten. Abgesehen von der guten Biddy sind die weiblichen Personen in ‚Große Erwartungen‘ sagen wir mal: schwierig. 

Dickens hatte sich zwei Jahre zuvor von seiner Frau Catherine, der Mutter seiner zehn Kinder, getrennt und lebte nun bis zu seinem Tod in einer Beziehung mit einer hübschen jungen Schauspielerin, die ihm vermutlich ein lebendigeres Frauenbild eingab ,,,

Glücksfaktor, für mich: nahezu alles, was dieser Mann geschrieben hat.

Posted by admin on 28. November 2021

Feiertag der Armen Ritter: 28. November!

Zumindest in Amerika. Dort nennt man die bescheidene, doch leckere Speise ‚French Toast‘. (Charly Browns Hund Snoopy liebt French Toast zum Frühstück.)

Es handelt sich dabei um ein Reste-Essen, das offenbar unter verschiedenen Namen und in Variationen rund um den Erdball anzutreffen ist. Man tunkt die Reste  von Gebackenem in was Feuchtes, vorzugsweise Milch, geschlagene Eier und Zucker, und brät sie in der Pfanne in etwas Fett.

Aber was hat das mit Rittern, speziell armen, zu tun? Erstens natürlich deutet die Bezeichnung an, dass es sich hier um kein Luxusfutter dreht. Wer vor Knete kaum aus den Augen gucken kann, müsste doch schon sehr vom Geiz gekniffen sein, um alte Brotstücke zu braten – oder?

Zweitens erklärt der Begriff, dass die Mahlzeit nicht nur preiswert, sondern ziemlich alt ist. Um ehrlich zu sein: Etwas Deratiges gab sogar schon im alten Rom! Da hieß es bloß anders, weil’s zwar bereits berittene Kämpfer, doch noch keine Ritter gab.

Es existiert ein ur- uraltes Kochbuch aus der römischen Antike in lateinischer Sprache: Über die Kochkunst – De re coquinaria, (ein Werk mit 100 Saucenrezepten) und da steht es drin: ‚Man zerbricht abgeschabtes Winterweizengebäck in größere Stücke, taucht sie in Milch und röstet sie in Öl. Dann gießt man Honig  darüber.‘

Merkwürdigerweise war der alte Römer, dem dieses Kochbuch zugeschrieben wird, alles andere als ein armes Kerlchen, sondern vielmehr ein (auf damalige Verhältnisse übertragen) Multimillionär und bekannter Feinschmecker. Er hieß Marcus Gavius Apicius und wohnte um Christi Geburt herum, unter Kaiser Tiberius, in Colonia Claudia Ara Agrippinensium – ähm, na ja, in Köln. Oder vielmehr, er besaß in der Nähe der knospenden Garnisonsstadt ein elegantes Landhaus.

Er weilte jedoch auch gern in seinem anderen Haus in Minturno, ungefähr da, wo der italienische Stiefel sein Schienbein hat, direkt am Mittelmeer zwischen Sardinien, Korsika und Sizilien. Dort hielt er sich vor allem deswegen häufig auf, weil es in der Gegend die größten und leckersten Krebse gab! (Die im Übrigen schrecklich teuer waren.)

Marcus hatte nämlich den Ruf eines raffinierten Feinschmeckers. Plinius der Ältere schrieb über ihn, er sei der größte Prasser aller Zeiten. Apicius liebte Flamingozungen und entwickelte eine Idee, Schweine mit Feigen zu mästen, weil das deren Leber besonders wohlschmeckend machte. Auch wurde ein Käsekuchen respektvoll nach ihm benannt.

Was die Krebse angeht – vielleicht  waren sie ihm noch nicht groß genug. Denn als er eines Tages davon hörte, dass es in Afrika mächtigere gäbe, ließ er sich zur afrikanischen Küste segeln und zwar unter schlechten Bedingungen, so dass er unterwegs dauernd an Seekrankheit litt. Also landete er vermutlich schon nicht in bester Laune am Strand des anderen Kontinents und ließ sich hier von den Fischern Krebse zeigen. Er erkundigte sich, ob es denn keine größeren gäbe? Als die Fischer ihm versicherten, die vorgezeigten Exemplare seien die umfangreichsten, die sie ihm zeigen könnten, ließ er sich beleidigt auf der Stelle zurück nach Hause bringen, ohne auch nur einen Zeh an Land gesetzt zu haben.

Dieser Mensch machte, ungefähr sechzigjährig, seinem Leben mit Gift ein Ende, nachdem sein Finanzberater ihm erklärte, ihm seien von seinem Vermögen nur noch 10 Millionen Sesterzen übrig geblieben. Ursprünglich hatte es sich um weit über 100 Millionen gehandelt. Dazu wäre zu sagen, dass dieser Rest, in heutiger Währung, mehr als 20 Millionen Euro betragen würde. Kaiser Tuberius beispielsweise musste 10.000 000 Sesterzen ausgeben, um den Sold von 12500 Legionären für ein Jahr zu bezahlen. Aber Marcus Gavius Apicius verfiel über seine Finanzknappheit in Schwermut, kam zu dem Schluss, ein akzeptables Leben sei ihm mit derart begrenzten Mitteln nicht mehr möglich und gab sich selbst den ewigen Schlaf.

Und im Kochbuch dieses Mannes steht das Rezept für arme Ritter!

Daran kann man merken, dass es sich eigentlich um ein Luxusgericht handelt. Der Löwe und ich essen es jedenfalls ganz gern, vor allem mit ein paar Blaubeeren besprenkelt …

Glücksfaktor, da stimme ich im Prinzip mit Apicius überein: feines Fresschen.

 

 

 

 

 

 

Posted by admin on 27. November 2021

Zwerge – gibt’s die?

Und woher kommen sie eigentlich?

(Ich schrieb vor einigen Jahren in einem Blogtext: von Parship, weil einer langen Bekannten von mir dort ständig auffallend kurze Männer angeboten wurden. Aber wenn wir ganz, ganz ehrlich sind, dann gab es Zwerge bereits, bevor die Menschheit wusste, wie man es anstellt, sich alle elf Minuten zu verlieben.) Also im Ernst: Wo kommen sie her?

Da Zwerge sich nun mal auf Berge reimen, können wir davon ausgehen, dass sie aus keiner platten Gegend kommen, wie etwa aus der Norddeutsche Tiefebene. Vielmehr sind Zwerge im Bergbau zugange. Das kann man sehr schön im ‚Hobbit‘ von Tolkin lesen. Und wer nicht lesen kann, der hat vielleicht die Filme gesehen? Dort heißen sie überwiegend so was wie Ori, Dori und Nori, auch Fili und Kili, sind recht wehrhafte Kerlchen und ziemlich verfressen.

Zwerge arbeiten meist unter den Bergen tief in der Erde, gehören zur Materie und zum Erd-Element und sind damit astrologisch Stier und Steinbock zugeordnet. Dem Steinbock, weil er auf eben diesen Bergen rumklettert, dem Stier, weil er der ‚Besitzende‘ ist. (Beide Sternzeichen gehören, wenn’s schlimm kommt, zu den Materie-Anbetern im Tierkreis.)

Zwerge wurden bereits bei Walt Disney mit den entsprechenden Bergbau-Laternchen und kleinen Steinhacken ausgestattet: Sie räumen den Bergen die Bäuche aus, sie schürfen nach Edelsteinen und Edelmetallen. Dadurch sind Zwerge, falls sie das kostbare Zeug behalten dürfen, häufig schrecklich reich, siehe Materie-Anbeter. Statt es phantasievoll auf den Kopf zu hauen, neigen sie dazu, es zu horten. Zwerge lieben es, in leise klirrenden Schatzkammern zu wohnen, in denen die goldenen Münzen durcheinander rieseln, durchsetzt von einigen juwelenbestückten Bechern und edelsteingeschmückten Kronen sowie vielen Brillantringen. (Das lässt eine gewissenVerwandtschaft erkennen mit Dagobert Duck und seinem Geldsilo, in dem er zu baden und zu tauchen pflegt. Dagobert ist zwar kein Zwerg, aber eine ziemlich kleine Ente.)

Wer schon keine Wagner-Opern hört, der kennt zumindest einen Tatort-Professor, der seine kurze Assistentin Alberich nennt. So heißt der Zwergenkönig im ‚Ring der Nibelungen‘, auch so ein Fredi, der auf einem Schatz hockt und ihn natürlich nicht rausrücken will.

Wie sehen Zwerge aus? Drollig oder putzig, dachten wir, bevor Regisseur Peter Jackson in seinen Hobbit-Filmen zeigte, dass es unter ihnen ausgesprochen attraktive Kerle gibt. Doch nicht einmal er konnte leugnen, dass sie nicht besonders hochgewachsen einherkommen.

Sie tragen für gewöhnlich Bärte und kapuzenartige Mützen, außerdem sind sie bewaffnet, und sei es nur mit einem Brieföffner, aber eher und öfter mit einem Hämmerchen, sehr sinnvoll im Bergbau.

Außer im Bergbau sind viele Zwerge als Schmiede tätig, etwa Waffenschmiede für kostbare und effektive Schwerter sowie Gold- und Silberschmiede, die aus den geschürften Metallen und Edelsteinen herrlichen Schmuck anfertigen. Wer meinen Blog aufmerksam verfolgt (hoffentlich jeder), der weiß, wo die so saßen: im Hunsrück, rund um den Rhein. In dem wurde der Nibelungenschatz, ursprünglich der von Alberich, versenkt. Manche Leute tauchen heutigentags noch danach. Die Gegend ist übrigens sowieso ziemlich zwergenverseucht; in Köln, nicht sehr weit entfernt, wuselten nachts die Heinzelmännchen (enge Verwandte der Zwerge) herum und schufteten für die Menschen – weshalb ist ziemlich rätselhaft. Nachdem jedoch eine Frau Schneider (!) die hilfreichen Knirpse mit einer Handvoll Erbsen zum Kullern brachte, haben sie diese Tätigkeit verständlicherweise aufgegeben:

Neugierig war des Schneiders Weib,
Und macht sich diesen Zeitvertreib:
Streut Erbsen hin die andre Nacht …

(August Kopisch)

Tja. Das hätte die Schneiderin auch lassen können.

Um die Liste der Herkunftsorte abzuschließen: Zwerge (oder Heinzelleute) stammten auch aus dem Siebengebirge – wie wir aus Schneewittchen wissen – oder dem Ruhgebiet, wo unter Tage das schwarze Gold, die Kohle, gefördert wird. Dieselbe besitzt allerdings inzwischen einen sauschlechten Ruf als Umweltschädling. Insofern werden die Zwerge lieber woanders schürfen.

Gibt es weibliche Zwerge? Darüber sind die Ansichten geteilt, von ‚lieber eher nicht‘ bis zu: Wo sollen denn sonst neue Zwerge herkommen? Bei Tolkin behauptet ein Zwerg, ich glaube, Gloin, es gäbe wohl Weibchen unter ihnen, nur fiele das nicht weiter auf, weil sie ebenfalls Bärte trügen.

Lange schien jedenfalls die Tatsache felsenfest zu stehen, dass es keine weiblichen ZDF-Mainzelmännchen – hauptberuflich Werbetrenner – gibt. Da existierte keine Frauenquote. Die Mainzelbuben waren fast fünfzig Jahre lang sehr happy als Singles und fühlen auch keine Notwendigkeit, sich zu vermehren.  

Allerdings durften sich vor allem kleine Zuschauer ab 2003 für einige Monate an einer kurzen Zeichentrickserie im Kinderprogramm erfreuen: Die Mainzels. Und siehe, dort erlebte man zwei Mainzelmädchen, Lea und Zara! Sie konnten richtig sprechen, also mehr als „Gun Aamd!“ und hatten das auch ihren männlichen Gefährten verklickert. Wie ja häufig die Weibchen einer Spezies etwas wortgewandter sind als die Männchen. Doch das Format erregte offenbar keine besondere Begeisterung und verschwand wieder, die Mainzelbuben rein männlich und einsilbig hinterlassend.

Als ich im September den Hunsrück besuchte, da durfte ich eine alte, inzwischen stillgelegte Kupfermiene besichtigen. Ich hab sogar ein Beweisfoto. Gleichwohl fragt sich, wieweit es als Beweis taugt. Alles, woran man sich eventuell den Kopf stoßen könnte, wird in unserer sicherheitsbewussten Zeit mit Helm überdacht. Dazu kommt natürlich die Maske. Also, ich kann nur versichern, dass es sich beim einigermaßen zu erkennenden Rest um meine Person handelt …

In der alten Miene wurde mir einiges, das ich schon wusste, bewiesen. Beispielsweise, dass man in dieser Gegend, ob über oder unter der Erde, ständig hinauf oder hinunterklettern muss, eins von beiden. 

Ich erfuhr jedoch auch Neues, vor allem über Zwerge! Und hier kommen wir endlich zu historischen Tatsachen hinter all den Sagen und Legenden.

Die Bergleute in alter Zeit nämlich waren tatsächlich kleinwüchsig. Einmal, weil es idiotisch gewesen wäre, langaufgeschossene Leute in die knappen Tunnel zu schicken. Da fing die Selektion also bereits an. Dazu kam, dass der Nachwuchs der Bergarbeiter, bereits im Kindesalter in den Schmelzhütten beschäftigt, dauernd giftige Stoffe wie Schwefel und Arsen einatmen musste, was sich auch im (stark mangelnden) Wachstum zeigte. Das bedeutete, sie eigneten sich später, erwachsen, aber keineswegs groß, hervorragend dazu, im Berg zu schuften. Ein Familienjob durch Generationen.

Ferner trugen die Bergarbeiter zwar keine Plastikhelme, doch charakteristische spitze, kapuzenartige Mützen, die mit Stroh ausgestopft waren, deshalb in die Höhe zipfelten und vor Kopfverletzungen schützten. 

Der Beruf der Bergleute besaß ausgeprägte Vor- und Nachteile. Nicht mal so ungewöhnlich für die gute alte Zeit war vielleicht die 12-Stunden-Schicht, unterbrochen von 30 Minuten Pause, in der gegessen und ein Nickerchen gemacht werden konnte. Da es zeitaufwendig war, in die Tiefe des Berges zu steigen (nix Fahrstuhl, sondern vorsichtiges Herunterkraxeln auf den Aststummeln von Baumstämmen) blieb man erst mal dort und klopfte weiter nach kostbarem Material. Und durch die lange Zeit unter Tag kam den meisten bereits in mittleren Jahren – also damals so um dreißig – das Augenlicht abhanden.

Dem Gegenüber standen die Privilegien. Bergleute verfügten über das Recht, sich einen Bart wachsen zu lassen, so lang, wie sie Lust hatten, und eine Waffe zu tragen. Beides stand an sich nur dem Adel zu. Sie durften außerdem bunte Kleider tragen, waren sowohl von Steuern als auch vom Kriegsdienst befreit, besaßen Jagd- und Fischrecht. Darüber hinaus wurde ihnen ein Viertel des Arbeitslohns in Naturalien bezahlt – und zwar handelte es sich da um frisches Obst und Gemüse. Hört sich zwar an, als wären die kleinen Bergarbeiter wie die Meerschweinchen gefüttert worden, doch es tat ihnen natürlich gut. Auch, wenn sie in der zweiten Hälfte des Lebens häufig blind waren, so lag ihre Lebenserwartung doch deutlich über dem Durchschnitt der damaligen armen Bevölkerung, die sich hauptsächlich von Kornbrei ernähren musste.

Renten gab es vor mehr als vierhundert Jahren noch nicht. Doch die Vorfahren der Zwerge waren pfiffig genug, jeweils zehn Prozent ihres Arbeitslohns in eine ‚Bruderbüchse‘ einzuzahlen. (Wie wir wissen, neigen sie zum Sparen.) Daraus erhielt der nicht mehr arbeitsfähige oder auch der kranke Bergmann etwas wie Rente oder Krankengeld. Es heißt, die Bruderbüchse sei der Ursprung der Sozialfürsorge in Deutschland gewesen …

Glücksfaktor: Voraussicht!

Posted by admin on 24. November 2021

Und wer war Jan Hinnerk – der auf der Lammerstraat wohnte?

Das war der liebe Gott. Wir entnehmen das seinen Initialen: JH – das sollte wohl die Abkürzung von JEHOWA sein. Daraus ergibt sich auch, wieso er auf der Lämmerstraße wohnte, nämlich im Himmel zwischen Lämmerwölkchen.

Wer hat sich so was ausgedacht? Die guten ‚französischen Bürger‘ der Stadt Hambourg – ohne H ausgesprochen. Oder anders gesagt, die geknechteten, wütenden Einwohner Hamburgs in der Franzosenzeit, 1806 bis 1814, acht Jahre zuviel.

Besatzung mit all ihren Tücken und Nachteilen. Kontrollen, Drangsalierungen, Zensuren, Einquartierungen, Geldforderungen. Kaum noch eine Freiheit schien möglich, und es war gefährlich, auch nur darüber zu flüstern. Die Stadt war geknebelt und gefesselt. Allmählich entwickelten die Hamburger einen heiligen Hass auf diese Franzosen.

Sie mussten ihren Herzen irgendwie Luft machen – und da begannen sie, zu singen.

Ein heiteres, unschuldiges Lied, ein Kinderlied nach der Melodie ‚Dort vergiss leises Flehn, süßes Kosen‚ aus Mozarts Barbier von Sevilla. Es ging um einen Mann, diesen Jan Hinnerk, der sich alles erschaffen konnte, pardauz! was er wollte. So wie Gott eben, allmächtig. Sein Mädchen hieß übrigens Katrin, das wurde am Ende jeder Strophe versichert.

Und wer war Katrin? Hier handelte es sich um die Kirche St.Katharinen. In dieser Zeit die einzige Kirche der Stadt, in der es von den Besatzern noch erlaubt wurde, Gottesdienste zu halten. Alle anderern, überwiegend evangelischen Kirchen (vom Michel abgesehen, in dem aber auch nicht mehr gepredigt werden durfte) hatten die überwiegend katholischen Franzosen entweiht; sie wurden von ihnen als Pferdeställe benutzt.

Jan Hinnerk spielte fröhlich auf einer Geige, die sang: Vigolin! Vigolin! Und mahnte auch: Schweig man immer, immer still!

Der Holländer, der Engländer und der Spanier, die Jan Hinnerk sich ebenfalls anfertigt, fluchen alle auf ihre Weise; das sind die Feinde Napoleons. Einen eigenen Napoleon macht Jan Hinnerk sich auch, ein Wickelkind und einen Hanseaten. Und dann ließ er die alle aufeinander los. Die Ausländer fluchten, Napoleon krähte: ‚Ich bin Kaiser!‘, das Wickelkind plärrte: ‚Schiet di wat!‘  und der Hanseat verlangte ‚Schlag ihn tot!‘

Dieses Lied wurde überall gesungen in der besetzten Stadt. Wer es nicht sang, der pfiff oder summte es. Die Franzosen mussten wohl ahnen, dass es ein Spottlied war. Sie konnten es aber nicht beweisen. Swich man jümmer jümmer still …

Jan Hinnerk wahnt up de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.
Da maakt he sick een Geigeken, Geigeken, pardautz!
Vigolin! Vigolin! sä dat Geigeken,
Vigolin! Vigolin! sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern de heet Katrin.
Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.
Un da makt he sick en Hollandsmann, Hollandsmann pardautz!
Gottsverdori! Gottsverdori! sä de Hollandsmann,
Vigolin! Vigolin! sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern de heet Katrin.
Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.
Un dor makt he sick en Engelsmann, Engelsmann pardautz!
Damn your eyes! Damn your eyes! sä de Engelsmann,
Gottsverdori! Gottsverdori! sä de Hollandsmann.
Vigolin! Vigolin! sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.
Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.
Un dor makt he sick en Spanischmann, Spanischmann pardautz!
Caramba! Caramba! sä de Spanischmann,
Damn your eyes! Damn your eyes! sä de Engelsmann.
Gottsverdori! Gottsverdori! sä de Hollandsmann,
Vigolin! Vigolin! sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.
Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.
Un dor makt he sick en Hanseat, Hanseat pardautz!
Sla em dot! sla em dot! sä de Hanseat,
Caramba! Caramba! sä de Spanischmann.
Damn your eyes! Damn your eyes! sä de Engelsmann,
Gottsverdori! Gottsverdori! sä de Hollandsmann.
Vigolin! Vigolin, sä dat Geigeken,
Un Vigo-Vigolin! un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.
Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.
Un dor makt he sick en Wickelkind, Wickelkind pardautz!
Schiet di wat! schiet die wat! sä dat Wickelkind,
Sla em dot! sla em dot! sä de Hanseat.
Caramba! Caramba! sä de Spanischmann,
Damn your eyes! Damn your eyes! sä de Engelsmann.
Gottsverdori! Gottsverdori! sä de Hollandsmann,
Vigolin! Vigolin! sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.
Un dorbi wahnt he noch jümmer op de Lammer-Lammerstraat,
kann maken wat he will, swich man jümmer jümmer still.
Un dor makt he sick Napoleon, Napoleon pardautz!
Ick bün Kaiser! ick bün Kaiser! sä Napoleon,
Schiet di wat! Schiet die wat! sä dat Wickelkind.
Sla em dot! sla em dot! sä de Hanseat,
Caramba! Caramba! sä de Spanischmann.
Damn your eyes! Damn your eyes! sä de Engelsmann,
Gottsverdori! Gottsverdori! sä de Hollandsmann.
Vigolin! Vigolin! sä dat Geigeken.
Un Vigo-Vigolin, un Vigo-Vigolin,
un sin Deern, de heet Katrin.

So hab ich es jedenfalls in der Schule gelernt. Interessanterweise fand ich kein einziges Video, das dem ganz entspricht.

Glücksfaktor: Heiterer Gesang. Er tröstet das Herz …

Posted by admin on 22. November 2021

Die Schütze-Frau und die Liebe

Natürlich kann die Schütze-Frau lieben, sie hat sogar ein besonders großes Herz, sie besitzt Leidenschaft sowie eine riesige Begeisterungsfähigkeit. Das Problem für einen schmachtenden Liebhaber liegt darin, dass sie nicht allein für die Liebe lebt. Eine typische Schütze-Frau kann nicht umhin, sich ebenso leidenschaftlich wie für ihren Liebsten auch für andere Themen zu interessieren, bevorzugt Politik, Religion, Philosophie – ach ja, und für Frauenrechte. Die echte Schützin war bereits emanzipiert, bevor andere Leute auch nur den Ausdruck kannten.

Sogar wenn eine Schütze-Frau zum Weltstar wird, gibt sie sich keineswegs damit zufrieden, angehimmelt zu werden und mit den Zehen im Swimmingpool zu plätschern. Sie wird sich vielmehr, aller Wahrscheinlichkeit nach, aufs Heftigste politisch engagieren – wie Jane Fonda, *21. Dezember –

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oder für eine Religion begeistern, und das nicht nur eben mal so ein bisschen – wie Tina Turner, *26. November, für den Buddhismus.

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In vielen Fällen jedoch benutzt die gescheite Schützin vor allem ihren Kopf als Journalistin oder Publizistin wie Alice Schwarzer, 3. Dezember,

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oder Marion Gräfin Dönhoff, * 2. Dezember.

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Wenn sie nicht sowieso gleich direkt in die Politik geht wie Petra Kelly, *29. November,

oder Annalena Baerbock, * 15. Dezember.

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Sie ist Idealistin, sie stürmt voran, sie schießt (das kann jedem Schützen passieren) auch schon mal über das Ziel hinaus, redet so fix, dass sie vorher nicht zum Denken kommt und versaut es sich dadurch manchmal genau mit den Menschen, auf die es ihr eigentlich ankommt. Dabei hat sie es – denn sie ist ohne Arg – wirklich gut gemeint. Eine typische Schütze-Frau lügt nicht, sogar dann, wenn es viel klüger wäre, genau in diesem Augenblick zumindest die Wahrheit für sich zu behalten. Schütze-Geborene haben nicht gerade die Diplomatie erfunden.

Sie ist treu: einer Idee, einer Bewegung, einer Berufung. Doch, einem Mann ebenfalls, sofern er ihrer Ideen teilt, sie unterstützt und kein Macho ist. Auch in der Liebe braucht sie das Ideale, die geistig-seelische Verbindung. Ihr Traum wäre eine Romanze mit einem Kampfgefährten, einem Partner, der sich in jeder Beziehung auf Augenhöhe befindet, der loyal zu ihr steht.

Einige Schütze-Mädchen zeigen jedoch auch eine einschüchternde Damenhaftigkeit. Auf den ersten Blick mit einer Jungfrau-Geborenen zu verwechseln, wirken sie unnahbar und kühl. Wer diesen Unterschied sofort ergründen möchte, sollte eventuell einen etwas zweideutigen Witz erzählen. Die Jungfrau tut entweder so, als hätte sie ihn nicht gehört – oder sie vernichtet den Sprecher mit einem kurzen eisigen Blick. Die Schützin wird, sobald sie die Pointe verstanden hat (sie ist manchmal eine Spur naiv und braucht eine Sekunde) bei aller Damenhaftigkeit in ihr herrlich ungeniertes, schallendes Gelächter ausbrechen. 

Ironie allerdings ist nicht unbedingt ihre Art der Kommunikation, dazu ist sie zu geradeaus.

Zwar schminkt und kleidet sie sich gern hübsch, aber im Prinzip ist eine typische Schützin das uneitelste aller zwölf Sternzeichen. Falls sie gerade mal fettige Haare hat oder einen Pickel auf der Nase, na gut, dann ist das eben so. Die Betrachter müssen sehen, wie sie damit fertig werden. Sie hat auch kein Problem damit, sich am Nacktbadestrand zu zeigen, denn in den meisten Fällen hat sie ihren Körper lieb, weil es ihr Körper ist. Manchmal neigt sie sogar ein wenig zum Exibitionismus. (Und könnte allen Frauen, die sich schwer damit tun, das eigene Aussehen zu akzeptieren, eine Portion davon abgeben.)

Die Schütze-Frau ist eine gute Freundin und hat normalerweise ein Heer von sehr vielen guten Freundinnen. Sie steht damit im Gegensatz zu typischen Widder- und Löwe-Frauen, die Vertreter des eigenen Geschlechts oft eher als Konkurrenz empfinden. Sie fungiert begeistert als Gastgeberin, kocht und backt und freut sich auch über Gäste, die zur Nacht bleiben. 

Sie ist eine heitere, verspielte Mutter, großzügig, nicht sehr streng und manchmal zu wenig konsequent, was sie damit begründet, dass die Kinder früh genug mit Regeln gequält werden.

Wer passt zu ihr? Mit den Feuerzeichen geht es naturgemäß recht gut, solange man sich einigen kann, wer das Sagen hat. Die Schützin neigt ganz und gar nicht dazu, sich unterzuordnen. Wenn also ein selbstbewusster, leidenschaftlicher, stolzer Widder, Löwe oder Schütze-Mann es hinbekommt, sie nicht zu dominieren (möglichst, ohne sich selber unterbuttern zu lassen) dann ergibt das eine wunderbare, starke Partnerschaft.

Der Skorpion-Mann, so gewöhnt daran, Frauen anzuziehen – und auszuziehen – kann bei der Schützin meistens nicht so recht landen. Seine geheimnisvolle Ausstrahlung macht sie eher ungeduldig, statt sie zu faszinieren. Sie will wissen, was Sache ist und sie schätzt Männer, die Klartext reden. Wenn er dann noch versucht, ihre geliebte Freiheit einzuschränken, wird sie ihn einfach abschütteln.

Krebs- oder Fische-Männer sind ihr oft zu gefühlvoll und vor allem zu empfindlich; so vorsichtig kann (und will) sie mit niemandem umgehen müssen. Sie muss sagen, was Sache ist, und das möglichst laut. Der Krebs flüchtet sich entsetzt ins Schneckenhaus, der Fisch schwimmt, wenn’s schlimm kommt, bauchoben.

Mit den Erdzeichen gibt es, falls alle Beteiligten typische Vertreter ihrer Zeichen sind, wenig Gemeinsamkeit. Der Jungfräuling mag noch so gebildet und geistreich sein, seine Pünktlichkeit, sein ewiges Planen, sein Reinlichkeitsfimmel gehen ihr, die impulsiv und spontan sein möchte, gegen den Strich.

Ähnlich verhält es sich mit einem echten Steinbock. Je mehr er merkt, dass seine Schütze-Geliebte Freiheit braucht, umso mehr wird er versuchen, sie festzuhalten. Das macht beide nicht glücklich.

Die Liebe zur Natur, zum Sport und zu Tieren – sehr gern reitet ein Schütze-Mädchen – verbindet sie mit dem Stier. Doch im Endeffekt ist auch er ihr wahrscheinlich zu besitzergreifend und seine Eifersuchtsanfälle findet sie ulkig.

Luftzeichen-Männer, der Waagerich und der Wassermann, können gut zu ihr passen. Wobei zu sagen ist: Die elegantere Ausgabe der Schützin passt besser zum ästhetisch anspruchsvollen Waage-Mann, die sportliche, unbekümmerte, unkonventionelle Variante kann mehr mit dem Wassermann anfangen.

Der Zwillinge-Mann und die Schütze-Frau werden wunderbar miteinander flirten, das ist wie ein gekonntes Pingpong-Spiel. Es britzelt zwischen ihnen, seine heitere Brise facht ihr Feuer an. Wenn es nicht ewig dauert, dann war es eine bezaubernde Affäre – und sie werden Freunde bleiben ,,,

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