Heute

Posted by admin on 17. Januar 2019

Fieberhitze ist gesund …

… las ich eben im Internet. Eine völlig neue Erkenntnis, Anfang des Jahres 2019.

Chinesische Forscher fanden heraus, Fieber hilft  dem Immunsystem, Krankheitserreger zu bekämpfen. JETZT ist es wissenschaftlich festgestellt!

Das wussten wir schon mal, oder? Früher, als zu starkes und zu langes Fieber gedämpft wurde  durch nasse Wadenwickel, höchstens.

Ich hab das Glück, einigermaßen leicht Fieber zu bekommen, normalerweise etwa einmal im Jahr. Und ich hatte immer gern Fieber. Es verpasst mir einen Schwips (den ich von Alkohol selten bis nie bekomme – der macht mich meistens nur müde). Fieber bringt mich in fröhliche, aufgedrehte Laune. Lydia sagt, es verbrennt Krebszellen. Dagegen ist ja auch nicht viel einzuwenden.

Inzwischen ist es so, dass jeder verantwortungsbewusste Mensch auf der Stelle zum Arzt rennt, wenn es ihn irgendwo zwickt oder juckt – oder wenn er Fieber haben sollte. Dann wird gegen diese Symptome etwas unternommen und dann sind sie weg. 

Was ist ein Symptom? Der Versuch der Körperzellen, sich zu artikulieren. Sie rufen: “Hier stimmt was nicht!” Man könnte ihnen dann zuhören, versuchen, rauszukriegen, was sie wollen und darauf reagieren. Man kann ihnen aber auch auf’s Maul hauen, dann sind sie ruhig – bis es ihnen vielleicht  gelingt, an anderer Stelle einen Lautsprecher zu installieren. Doch da gibt es sicher eine andere Pille, die ihn abdreht.

Fieber also lässt die Wissenschaft womöglich neuerdings wieder gelten.

Und wie ist das mit der aufsteigenden Hitze, also den Hitzewellen des Klimakteriums? Meine Mutter hat mir erzählt, dass  sie in ihrer Jugend häufig erlebte, wenn einer Kollegin der Kopf rot wurde und der Schweiß ausbrach in so einem plötzlichen Anfall, dann wurde von den Frauen ringsum, meist älteren, aufmunternd gesagt: “Das ist gesund!” Ist es das? Hat es etwa irgendeinen tieferen Sinn? Oder irrt die Natur hier, wie gewöhnlich, und muss korrigiert werden?

Ich finde es alleine schon erleichternd und tröstlich, wenn man bei innerer Hitze, welcher Art auch immer, ein positives Gefühl haben kann. Wenn nicht sofort Chemie drauf gestreut wird, sondern die Möglichkeit erwogen werden darf, das sei eigentlich eine vernünftige  Maßnahme des Körpers.

 

Glücksfaktor: Ein gewisses Vertrauen in die Natur, selbst, wenn sie heiß ist …

Posted by admin on 15. Januar 2019

Menschen sind verschieden …

… und haben unterschiedliche Stadtpunkte oder vielmehr Gesichtspunkte.

Seit einer Weile stoße ich ab und zu auf den Artikel einer Journalistin, die sich nicht mehr schminkt, weil sie erkannt hat, dass sie es nicht (wie sie früher glaubte), für sich selbst tut. Sondern für andere.

Gefallssucht ist, aus christlicher Sicht betrachtet, genauso schlimm wie Eitelkeit. Und eins muss doch endlich mal gesagt werden: Äußerlichkeiten sind völlig egal. Es kommt allein auf innere Werte an!

Diese Journalistin erklärt, sie habe inzwischen mal ein rotes und mal ein bleiches Gesicht und mal viele Pickelchen, die sie nicht mehr kaschiert. Da müssen die anderen durch. Und das fühlt sich, sagt sie, tausendmal besser an.

Das Ganze tippt natürlich auch ans politische Bewusstsein. Warum müssen Frauen sich schminken und Männer müssen nicht und überhaupt?

Menschen sind verschieden.

Ich kenne einen (recht attraktiven) jungen Mann, dem seit seiner Kindheit ein halber Schneidezahn fehlt. Ihn scheint es nicht zu stören oder bei der Nahrungsaufnahme zu behindern, deshalb hat er es so gelassen. Es sorgt immerhin für einen, sagen wir: Überraschungseffekt, wenn er lächelt. Deshalb mag ich ihn nicht weniger gern. Ich frage mich, was die besagte Autorin tun würde, falls ihr zufällig ein halber Zahn abhanden käme. 

Menschen sind …

Und dann hab ich gestaunt über das Video eines Mädchens, das tatsächlich einen Chirurgen auftrieb, der ihr mehrere Rippen entfernte. Dadurch war sie in der Lage, einem zu Melonengröße aufgepumpten Busen und einem zu rosa Radiergummis aufgespritzten Mund eine fadendünne Taille hinzuzufügen.

Menschen …

Menschen neigen dazu, zu verbessern und zu verschönern, wie auch immer sie das auffassen. Nicht nur, indem sie überflüssige Bilder an Wände hängen und überflüssige Blumen in Vasen stellen. Sondern auch, indem sie sich selber tätowieren oder Gegenstände in ihre Ohren, Lippen oder Nasen montieren oder sich bemalen. Das machen sie seit Jahrtausenden so. Übrigens nicht nur die Weibchen – aber die  besonders.

Ich mag Verschönerungen, ganz ungeachtet irgendwelcher Notwendigkeiten. Ich entdecke überall  Einzelheiten, dafür kann ich nichts, das ist angeboren. Ich weiß nach Sekunden, was jemand für eine Augenfarbe hat, was für Fingernägel, ob seine Ohren symetrisch sind oder ob er Spinatreste zwischen den Zähnen beherbergt. Wenn ich etwas schief liegen oder hängen sehe, juckt es mir in den Fingern, es gerade zu rücken. (Ich hab im Lauf meines Lebens gelernt, diesen Trieb zu zügeln.) Ich bin mit der Eigenschaft geschlagen, Schmutz zu sehen, Flecken und Spinnweben. Das ist sehr unpraktisch, weil es ständig die Entscheidung verlangt, so was zu entfernen oder zu ertragen. Optisches kann mir nicht egal sein. Das habe ich von meiner Mutter geerbt.

Ich schminke mich selbst leidenschaftlich gern. Es hat etwas Schöpferisches. Ich male ja auch gern. Die Herausforderung ist, nicht angemalt auszusehen.

Ich denke nicht besonders politisch. Stattdessen glaube ich an Reinkarnation und bin überzeugt davon, mich überdurchschnittlich oft als Mann durchs Leben geboxt zu haben. Daraus ergibt sich, dass es mir einen Heidenspaß macht, endlich Frau zu sein. Statt, wie es sich gehört, die Frauenrolle kritisch abzutasten, genieße ich das Weibsein so hemmungslos wie ein Transvestit. Den dürfte Emanzipation wenig interessieren, wenn er zwei Paar künstliche Wimpern anklebt oder in Seidenstrümpfe schlüpft.

Als ich elf war, schenkte mir meine Mutter ein Fläschchen mit Rizinusöl und eine kleine Bürste für die Wimpern. Verschönerung war ihr ein Anliegen. Sie verkaufte Kleider in großen Modehäusern. Sie war genau das, was man früher eine gepflegte Frau nannte, und das blieb sie, bis sie mit fast hundert Jahren starb, 2014. Ungepflegte Menschen bezeichnete sie als “rücksichtslos”. Das ist ein Standpunkt.

Ihre Haare saßen immer, denn sie schlief auf Klämmerchen. Sie tuschte bis zuletzt die Wimpern und zog die Augenbrauen nach, sie ließ sich (meistens von mir) die Nägel feilen und rosa lackieren. In dem Altenheim, in dem sie zuletzt wohnte, rochen die Flure nach Krankheit und Alter und Desinfektion und Urin. Aber bereits in der Nähe ihrer Tür und erst recht in ihrem Zimmer duftete es schwach nach Blumen, nach ihrem Parfum. 

Wenn ich sie besuchte, achtete ich darauf, besonders hübsche Sachen anzuhaben, Röcke oder Kleider (meine Mutter fand, Hosen passen nicht zu Frauenfiguren), und ich war sorgfältig zurecht gemacht. Dann blickte sie mich, ohne Brille, durch ihre immer noch großen blauen Augen aufmerksam an, seufzte zufrieden und sagte: “GUT siehst du aus!”

Das letzte halbe Jahr saß meine Mutter meistens in einem Rollstuhl. Doch sie saß kerzengerade, mit anmutig erhobenem Kopf. Im Altenheim gab es ungefähr dreißig alte Damen ab Mitte sechzig und drei alte Knaben – die alle drei um meine Mutter bemüht waren. Einer schusterte ihr immer seinen Nachtisch zu, was sie (meistens) mit Eleganz akzeptierte.

Für mein Empfinden also hat Schminken auch etwas mit Disziplin zu tun, mit Lebensbejahung, mit Stärke.

Glücksfaktor: dass die Menschen verschieden sind …

 

 

 

 

Posted by admin on 13. Januar 2019

Können Tiere lachen?

Vor langer Zeit las ich mal in einem sehr alten Buch: Was den Menschen vom Tier unterscheidet, sei, dass er weinen kann.

Doch ich wusste bereits damals, dass Tiere sehr wohl weinen können. Nur, weil etwas in einem Buch steht, ist es noch lange nicht wahr. Es gibt eine Reihe von Dokumentarfilmen, in denen Tiere durchaus weinen, ganz herzzerreißend. Mit Tränen oder ohne.

Und kürzlich hörte ich in einer Radiosendung, Tiere könnten nicht lachen.

Auch das ist Unsinn. Ich habe mein Leben lang Tiere gehabt, von Mäusen über Fische und natürlich Hunde und Katzen. Ich will nicht behaupten, dass Guppys kichern können oder Kanarienvögel feixen. Und nicht jedes Tier (nicht die Rasse, sondern Einzelausgaben) verfügt über Humor. Übrigens auch nicht jeder Mensch. Aber doch, fast alle können lachen.Die Frage ist bloß, ob sie oft was zu Lachen haben.

Glücksfaktor: Löwen können auf jeden Fall lachen.

Katzen auch.

 

 

Posted by admin on 12. Januar 2019

5. Das Feilen und Polieren

Der Roman ist fertig. Würde  morgen ein Kühlschrank vom Himmel fallen und aus Versehen den Autor treffen, dann hat der  immerhin was hinterlassen! Wer schreibt, der bleibt.

Vielleicht aber sollte der Kühlschrank noch ein wenig warten, bis das Werk überarbeitet wurde. Vollendet. Poliert. Tippfehler rausgesammelt. Grammatikfehler beseitigt, Wiederholungen ausgemerzt. JETZT können noch entscheidende Änderungen vorgenommen werden. Dialoge gekürzt. Liebesszenen erweitert. 

Eine gute Methode ist, den Roman Freunden und Vertrauten vorzulesen oder zum Lesen zu geben. Nicht NUR Tante Edeltraut, die schon immer fand, wir sind genial. Sondern auch irgendjemandem, der uns lange genug beneidet hat, um nun seinem kritischen Sinn freien Lauf zu lassen.

Das sind die ersten Rezensionen. Sie sind wichtig, weil sie womöglich auf Unstimmigkeiten aufmerksam machen, die uns bisher entgangen sind. Weil sie uns das Lob spenden, nach dem wir so dürsten – selbst, wenn da jemand etwas lobt, das er völlig falsch verstanden hat und das wir ganz anders meinten. Lob ist Lob.

Manche Menschen bezahlen für das konzentrierte Durchlesen Rezensenten. Anderen wird so ein Durchkämmen durch den Verlagslektor zuteil. Ich führte, nachdem mein erster Roman einen Verlag gefunden hatte, wochenlange Ringkämpfe mit einer Lektorin, die immer  wieder versicherte, sie verstünde nun mal mehr davon. Diese Ansicht vermochte ich nicht zu teilen. Wenn jemand mein ‘Bald wusste jeder Bescheid’ ändert in ‘Es verbreitete sich wie ein Lauffeuer’ und das auch noch begründet: “Das sagt man so!” dann bekomme ich blutunterlaufene Augen. Ich verbessere am liebsten selbst meine Texte, denn dergleichen habe ich gelernt: ich war mal Redakteurin. Ich habe kein Problem damit (und hab es auch schon gemacht), 500 Seiten auf 350 einzukürzen, indem ich Personen ausmerze und ganze Handlungsstränge streiche. Ich hab jedoch ein Problem damit, wenn das jemand anders tut.

Endlich ist dann das Buch wirklich fertig. Aus unserem Rohdiamanten wurde ein Brillant! Ein perfektes Stück Literatur!

Jetzt muss er sich nur noch wie verrückt verkaufen, verfilmt werden und uns Preise eintragen. Aber das ist das wenigste. Wie jeder weiß, ist die einzig wirkliche Schwierigkeit für einen Schriftsteller, Ideen zu finden …

Glücksfaktor: ein guter Lektor, der wirklich Ahnung hat und genug Respekt vor einem Werk, um nicht sein eigenes daraus zu machen. Danke, Tanja Frei, und Gottes Segen auf dein Haupt!

 

 

 

 

Posted by admin on 11. Januar 2019

4. Das Schreiben

Wenn ich ein neues Buch anfange, dann träume ich kurz vorher fast immer von einem Baby. Ich recherchiere dann noch und ich arbeite am Exposé und am Kapitelraster und an den Persönlichkeiten meiner Helden, ich kann noch sagen: DEMNÄCHST fange ich an … Aber es kommt näher. Ich kann es bereits galoppieren hören.

Man sollte eine Menge Zeit einkalkulieren und sich auch nehmen. Sonst bleibt es bei: Ich würde gern – ich hab sogar schon mal angefangen – aber ich komme nie dazu. Das hört sich übrigens sehr vernünftig an und ist auch gesellschaftlich anerkannt.

Aber ein angefangener Roman, der aus Zeitgründen liegenbleibt und an dem lange nicht  weitergeschrieben wird, erreicht häufig nach einiger Zeit das Verfallsdatum und kann – wie mein Freund Dekades sich ausdrücken würde – unter ständigem Rühren in den Ausguß geschüttet werden.

Die “Ich-komme-jetzt-nicht-dazu”-Attitüde bedeutet leider auch in den meisten Fällen, dass der Schreibende keinen Appetit mehr auf seinen Stoff hat. Was zu lange gekaut wird, verliert den Geschmack.

Es mag einige wenige Menschen geben, die tatsächlich in der Lage sind, indem sie einen anderen Beruf ausfüllen, gesellschaftlichen Verpflichtungen nachkommen, mehrere Kinder erziehen und prachtvolle Rüschenschwanzguppys züchten, nach Feierabend einen Roman zu schreiben. Die meisten können das nicht. Meiner Erfahrung nach erwartet ein gesunder, vitaler Roman von seinem Autor die komplette Aufmerksamkeit.

Dann schnaubt Pegasus vor der Tür und will, dass man aufspringt.

Wer vor einem leeren Blatt Papier oder einem weißen Computer-Dokument sitzt und nicht weiß, wie die beiden ersten Sätze lauten sollen, der lässt sie erst mal weg und macht mit dem dritten Satz weiter. Alles, was man sich vorstellen kann, lässt sich auch schildern. Also ist es sinnvoll, jetzt das Kopfkino einzuschalten und einfach zu beschreiben, was man sieht.

Mir ist es immer so gegangen, dass ich in den ersten Tagen nur wenige Seiten verfasste und an denen lange herumtüftelte. Aber irgendwann bekommt der Stoff Eigendynamik und reißt mit, dass einem die Haare fliegen. Manchmal ist es kaum möglich, so schnell zu schreiben, wie die Sätze kommen. Dann hat der Roman die Kontrolle übernommen und verlangt täglich mehr Zeit. Nachts, das ist schon wahr, geht es besonders gut. Niemand stört, keiner ruft an, Konzentration fällt leicht im Kreis der Lampe, rundherum alles dunkel und still. 

Schreiben ist ein Rausch und entsprechend gesundheitsschädlich. Frische Luft und Leibesübungen bleiben auf der Strecke, gesunde Ernährung ist nur möglich, wenn eine liebende Seele sich erbarmt und solange den Küchendienst übernimmt – und auch dann kaut der Schreiber geistesabwesend, gerne auf die Tastatur krümelnd. Sozialkontakte schlafen ein und im Garten übernimmt das Unkraut. Abends sind die Augen rotgeädert und viereckig. Im Traum findet sich eine langgesuchte Lösung, die sofort aufgeschrieben werden muss, bevor sie am Morgen vergessen ist.

Zum Ende hin hat der Autor nur noch den Wunsch, so lange zu leben, bis der letzte Punkt gesetzt ist, um dann, wie einige Fliegenarten, gleich nach der Geburt zu verenden. 

Ist der Roman wirklich fertig – dann auch der Schriftsteller. Er hängt mit leerem Blick im Sessel und  tut nichts von dem, was er alles machen wollte, wenn das Ding endlich beendet ist. Die Welt, die er wochen- und monatelang produziert hat, war für ihn inzwischen wirklicher als die wirkliche Welt. Die Figuren, die er erschaffen hat, fehlen ihm so schmerzlich, als wären liebe Freunde und Verwandte gestorben.

Wenn es irgend geht, sollte jetzt eine kleine Pause folgen. Idealerweise ein Kurzurlaub, wenigstens ein freies Wochenende. Nicht mehr an den Roman denken. Das geht nicht? Es ist wie das Kunststück, nicht an einen blauen Elefanten zu denken. Der Trick besteht darin, sich einfach eine rosa Giraffe vorzustellen.

Wenn der Autor nach all dem heil in der Realität ankommt – dann gehen wir ans Überarbeiten.

Glücksfaktor: Dieser Rausch …