Heute

Posted by admin on 25. August 2016

Vor-Urteil

Wir neigen dazu, eine Meinung zu haben. Es handelt sich dabei um einen unwillkürlichen Reflex, der nur schwer zu unterdrücken ist. Wir urteilen, kaum, dass wir etwas gesehen oder von etwas gehört haben. Wir ordnen es ein, in gut oder böse, brauchbar oder überflüssig, erfreulich oder unangenehm. Oft ist das einfacher, wenn wir über den betreffenden Faktor gar nicht so viel wissen – genauere Kenntnis trübt das Vorurteilsvermögen. So wissen wir, dass der Wolf böse ist  (er ist kein Vegetarier) die Schlange heimtückisch  (warum macht sie bei der Fortbewegung keinen gebührenden Lärm?) und der Schmetterling leichtsinnig und oberflächlich (flattert rum und lutscht  an immer neuen Blüten). Im Vorurteil treffen wir uns mit vielen Anderen, die ebenfalls keine Ahnung haben, aber eine Meinung. Das bewirkt ein angenehmes Gefühl von Zusammengehörigkeit…   butterflies-95358_1920            
Posted by admin on 24. August 2016

Enttäuschung

Eine Enttäuschung, heißt es, sei etwas sehr Positives: das Befreien von einer Täuschung.

Komischerweise fühlen wir uns nach einer Enttäuschung trotzdem meistens nicht besonders gut.

Schön, wir sind der Wahrheit näher gekommen. Wir wissen, für einen bestimmten Bereich, wie es wirklich ist. Können wir jetzt tief durchatmen und breit lächeln?

Meistens nicht.

Es fühlt sich kein bisschen gut an, enttäuscht zu werden. Es hat die Qualität von einem wunderbaren, duftenden, hoch aufgebäumten Soufflé, das uns einen Moment mit Glück und Stolz erfüllt, wenn es aus dem Ofen kommt – um dann zu einer platten, unscheinbaren Angelegenheit zusammenzusinken.

Dieses abgesackte Soufflé mag die Wahrheit sein, deshalb ist es trotzdem hässlich.

Es gibt eine gute Methode, Enttäuschungen zu vermeiden: man darf nichts erwarten.

Dann bleibt der Schmerz aus, wenn sich Erwartungen nicht erfüllen.

Vielleicht sollte man auch nur Negatives erwarten. Folgt dann eine Richtigstellung, kann sie nur angenehm sein.

Nach dieser Devise leben wirklich manche Menschen. Sie erwarten überhaupt nichts – oder nur das Fiasko.

Es ist selten erfreulich, mit ihnen zu tun zu haben…

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Posted by admin on 23. August 2016

Nochmal Sehnsucht

Heimweh, haben wir gelernt, ist ein typisch deutsches Wort, und vielleicht sogar ein besonders deutsches Gefühl.

Und Fernweh? Ist das auch typisch deutsch?

Diese ganze Sehnerei, die darauf hinausläuft, nicht hier bleiben zu wollen, sondern unbedingt woanders zu sein?

Ich weiß, ich habe bestritten, daran zu leiden.

Aber manchmal beutelt es mich doch…

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Posted by admin on 22. August 2016

Schlaf

Was lebt, muss sterben, so viel steht fest.

Muss, was lebt, auch schlafen? Oder zumindest träumen?

Es sieht so aus, als wäre das lebensnotwendig – obwohl die Schlafforschung eine vergleichsweise junge Wissenschaft ist, noch nicht viel weiß und mehr vermutet.

So scheint es Tiere wie Hühner oder Pinguine zu geben, die nur mit einer Gehirnhälfte zurzeit schlafen und die dabei auch nur ein Auge schließen.

Warum müssen wir überhaupt schlafen?

Weil dieser Planet ein Ort der Dualität ist? Weil es hier nun mal Tag und Nacht gibt, Hell und Dunkel, Wachsein und Schlaf?

Ist es notwendig, zu träumen, um unsere Erlebnisse und unser Gemüt zu ordnen?

Üben wir uns darin, tot zu sein? Und ist das notwendig, um zu leben?

Schlafentzug ist eine Foltermethode und kann sogar zum Tode führen.

Schlaf heilt, psychisch wie physisch. Schlaf regeneriert. Schlaf stärkt die Abwehrkräfte.

Schlaf macht schön und heißt dann ‘Schönheitsschlaf’.

Wer schläft, sündigt nicht. Und wenn er noch so böse träumt…

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Posted by admin on 21. August 2016

Wochenende – Wochenanfang

Sonntagabend: das Wochenende, die freie Zeit ist vorbei.

Wir bereiten uns auf den Montag vor.

Normalerweise ist er nicht sehr beliebt.

“I don’t like Mondays”, war die Erklärung der 16jährigen Brenda Ann Spencer, als sie 1979 an einem Montagmorgen mit ihrem Gewehr aus dem Fenster hing und in der gegenüberliegenden Schule zwei Männer erschoss und neun weitere Menschen verletzte. Außerdem versicherte sie, ihre Tat hätte diesen blöden Tag etwas aufgelockert. Bob Geldorf machte einen Hit daraus.

Wenn man fröhlichen Radiomoderatoren glauben darf, ist der Anfang jeder Woche eine Zumutung.

Dienstags wird getröstet, einen Tag hätte man ja schon rumgebracht.

Mittwochs hat man gottseidank die Hälfte geschafft.

Über den Donnerstag hilft der Gedanke, morgen sei bereits Freitag.

Der Freitag selber scheint als Wochentag eine gewisse Daseinsberechtigung zu genießen, weil er ans Wochenende tippt – fast wird er schon dazu gerechnet.

Gelebt wird offenbar nur am Samstag und am Sonntag.

Und Sonntagabend bringt das ganze Elend über einen Menschen herein, der nichts als einen Montag zu erwarten hat. Warum eigentlich? Weil dann die Arbeit wieder anfängt. (Sofern man welche hat.)

Sind wir eigentlich noch zu retten?

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