Heute

Posted by admin on 13. November 2018

Ich hatte ganz wirklich vor,

über historische Liebesgeschichten zu schreiben. Geschichte und Romantik und Erotik. Nicht täglich, aber so oft wie möglich.

Doch bei allem, was ich zurzeit auf dem Zettel hab, schaffe ich genau so was überhaupt nicht.

Wenn der Löwe und ich mal zum Japsen kommen und einen kleinen Ausflug machen – wenn wir beispielsweise hinter einem neuen Auto für mich herjagen oder frische Luft schnappen zwischendurch – dann kann ich noch am ehesten schnell drüber schreiben. Das packe ich dann auf meine Facebook-Seite. Und meine Blog-Leser, die nicht auf Facebook sind, haben nichts davon.

Erkenntnis: Wenn man ganz viel zu tun hat, reicht es nur noch für private Kleintexte. Tagebuch gewissermaßen. Aber vielleicht fällt mir auch plötzlich was ganz Anderes ein. Auf jeden Fall sollte ich mich nicht festlegen.

Hier sind die vier letzten Beiträge dieser Art. Hat auch irgendwie was mit Romantik und Erotik zu tun. Ist bloß nicht historisch.

Glückfaktor: Irrtümer einzusehen …

6. November:

Gestern mit dem Löwen auf der Jagd. Das Jagdfieber hat uns bis Kiel getrieben. Da konnte man mal der Ostsee den Löwen vorstellen. Ein zauberhaft schöner Herbsttag, bisschen Nebel und ganz viel buntes Laub, ein wunderbares Essen in einem japanischen Restaurant. So ein entspannter Tag, ziemlich ungeplant. Also ganz richtig angezogen war ich nicht vor lauter Spontanität. Und gefangen haben wir auch nichts. Aber die Jagd geht weiter!

 

 

9. November:

Ich hab ein neues Auto! Ich hab ein neues Auto! Ich hab ein neues … naja, halbes Auto. Immer, wenn ich in Hamburg rumkreiste auf Parkplatzsuche und sah so einen kleinen Smart, der sein Schnäuzchen quer in die Parklücke gebohrt hatte, war ich neidisch. Ist sie nicht süß? Sie heißt Berbel, sagt der Löwe …

Immer noch 9. November:

Bilde ich mir das nur ein, oder ist es in diesem Jahr ganz besonders schön, ganz besonders golden? Liegt das am endlosen heißen Sommer, den wir hinter uns haben? Wenn ich draußen bin, schreie ich pausenlos rum vor Begeisterung. Also, falls es irgendwem noch nicht aufgefallen sein sollte: Ich LIEBE den Herbst!

 

13. November:

Wie oft hatten wir früher im Norden einen Sommer mit Tagestemperaturen von 14°, windig und eher nass? Jetzt ist Mitte November, 14°, windig und nachmittags ein wenig Sonne zwischen dem gesegneten Regen. Im Rosarium in Uetersen, sehr nördliches Norddeutschland, stehen einige Bäume bereits in Dessous herum, tappt man durch Blätter – während überall noch die Rosen blühen. Etwas stürmisch ist es schon, dem Löwen fliegt die Mähne, aber wie mild und lieblich! Ein völlig verrutschter Sommer. Gestern las ich, in Deutschland werden immer noch Erdbeeren geerntet …

 

 

Posted by admin on 8. November 2018

Es war einmal ein König,

der hatte einen soliden Sprung in der Schüssel: Christian VII. von Dänemark und Norwegen.

Damals war ja ein König derjenige, der über Land und Leute, Krieg und Frieden bestimmte und Entscheidungen traf, allenfalls beraten von Ministern.

In Christians Fall konnte niemand übersehen, dass er ‘geistesgestört’ war. Inzwischen denkt man, er  habe an Schizophrenie gelitten. Aber gelitten hat weniger er selber als vielmehr seine Umgebung: Der König war, vorsichtig ausgedrückt, ein wenig schwierig.

Immerhin machte er am Anfang seiner Regierung den Ministern nicht viel Probleme. Christian gelangte auf den Thron, kurz, bevor er siebzehn war, ohne Ambitionen, ohne eigene Ansichten, ohne irgendeine Ahnung. Er war alles andere als ein geborener König.

Er verbrachte seine Zeit nach Möglichkeit mit seinem besten Freund und Saufkumpan Holck bei Festlichkeiten oder in Sündenpfuhlen. In letzteren begegnete er seiner Geliebten Anne, einer Prostituierten mit sehr viel Ahnung über sämtliche Schattierungen von Grau. Mit Holck und Anne war Christian glücklich. Wenn seine Minister es benötigten, legten sie ihm Papiere zum Unterschreiben hin, und das erledigte er jedes Mal ganz brav, froh, dass er nicht weiter behelligt wurde.

Bald nach Christians Krönung erachteten die Minister es als wünschenswert, ihn politisch klug zu verheiraten. Sie verhandelten deswegen mit dem König von England, und der rückte schließlich seine kleine Schwester Caroline heraus. Sie war eben fünfzehn und ziemlich verwirrt, weil sie nichts über  Christian wusste.

Heute vor 252 Jahren, am 8. November 1766, fand die Hochzeit auf Schloss Christiansborg statt. Der junge König fand seine Frau ziemlich langweilig und kümmerte sich gerade eben genug um sie, damit ein kleiner Thronfolger angefertigt wurde. Den brachte Caroline zur Welt, als sie sechzehn Jahre alt war. Im Übrigen erzählte Christian überall gern herum, dass er sich nichts aus der Königin mache.

Deshalb nahm er sie natürlich auch nicht auf verschiedene Reisen mit, die er unternahm. 1769 brachte er einen Arzt aus Altona nach Kopenhagen mit, der ihn unterwegs von einer Krankheit geheilt hatte und ihm gut gefiel. Der Mann hieß Johann Friedrich Struensee, war Anfang dreißig und nicht einmal adelig. Trotzdem machte Christian ihn zu seinem Leibarzt und unterhielt sich gern und lange mit ihm, nicht nur über Krankheiten. Seine Minister waren alarmiert!

Struensee war intelligent und energisch, selbstsicher und gebildet, attraktiv und charismatisch. Eigentlich war er der geborene König. Er machte sich viele Gedanken darüber, wie ein Land regiert werden sollte, damit die Menschen darin glücklich wären. Und diese Gedanken teilte er dem jungen König ganz offen mit.

Sehr bald veränderte sich im Königreich eine Menge. Die Situation lediger Mütter erfuhr eine gewaltige, für das Jahrhundert ungewöhnliche Verbesserung. Die Pockenimpfung wurde eingeführt sowie die Meinungs- und Pressefreiheit, die Anhäufung von Orden und Ämtern ohne Verdienst verboten und die Phantasiegehälter der Minister enorm gekürzt. Worauf sie noch viel alarmierter waren. Bald darauf wurden viele von ihnen entlassen.

Am Anfang fand Christian das Reformieren ganz amüsant, doch bald langweilte es ihn. Um es vom Hals zu haben, machte er den energiegeladenen und ambitionierten Freund zum Minister, gewährte ihm Generalvollmacht und war damit vom ewigen Papiereunterschreiben befreit: Struensee war de facto Alleinherrscher von Dänemark und Norwegen. Und er fuhr fort, reinzuhauen. In 16 Monaten verfasste er 633 Dekrete, die das Land umkrempelten und zum fortschrittlichsten Sozialstaat der Welt machten. 

Die Folter wurde abgeschafft, statt auf Industrie setzte Struensee auf Landwirtschaft. Er beschnitt  rigoros die Rechte und Einnahmen des Adels, gründete Findelhäuser und Hospitäler und schaffte die  Prügelstrafe in Schulen ab. Uneheliche Geburten fielen nicht mehr unter Straftaten, außerehelich geborene Kinder wurden ehelichen gleichgestellt. Die “Kirchenzucht” entfiel, in der uneheliche Mütter bloßgestellt wurden. 

Kopenhagen erhielt gepflasterte Straßen und Laternen, wodurch sich nächtliche Straftaten dramatisch minderten. Und die radikalen Sparmaßnahmen des neuen Ministers und Regenten verschafften dem verschuldeten Dänemark innerhalb eines Jahres einen nahezu ausgeglichenen Haushalt.

Wahrscheinlich waren wirklich viele Menschen im Land dankbar für die vielen Neuerungen und Verbesserungen. Aber falls man den Adel dazu zählte, gelang es Struensee nicht, jeden glücklich zu machen.

Und dann kam Amor ins Spiel und verdarb alles. Die neunzehnjährige Caroline und der stattliche Doktor gefielen sich gegenseitig sehr gut.

Ganz eigentlich war der König Schuld: Er stellte die beiden einander vor und bestand  darauf, dass sie sich mochten.

Ganz eigentlich hatte Struensee anfangs noch die Absicht, auch die Ehe des jungen Königspaars zu sanieren. Er riet den beiden, gemeinsam auszureiten.

Ganz eigentlich fand Caroline das herrlich. Ihr englisches Blut liebte die Pferde und das Reiten.

Und als Christian sich davon auch bald gelangweilt zeigte – ritt sie eben mit Doktor Struensee aus. Mit dem konnte man sich nämlich, da hatte ihr Mann ganz recht, wunderbar unterhalten.

Der Doktor riet Caroline, in Herrenkleidern auf das Pferd zu steigen, um sich vernünftiger bewegen zu können als im Damensitz. Das  nahm sie begeistert auf. Und darüber mokierte sich so mancher.

Caroline ließ sich sogar in ihrem Männeranzug malen. Gewagt war das schon – einige Leute hielten es für Gotteslästerung.

König Christian übrigens hatte offenbar nicht das Geringste dagegen, dass seine langweilige Frau und sein guter, hilfreicher Freund sich näherkamen. Vielleicht passte es ihm sogar ganz gut.

Als Caroline von Struensee eine Tochter bekam, behauptete Christian (obwohl er wissen musste, dass es nicht stimmen konnte), das sei sein Fleisch und Blut. Anlässlich der Taufe dieser Tochter erhob er den Arzt in den Grafenstand.

Aber es hatte sich herumgesprochen, was die Königin und den allgewaltigen Minister verband. Nicht nur der Adel, das gesamte Volk zeigte sich befremdet.

Schließlich waren nur noch drei Menschen mit den herrschenden Zuständen zufrieden: das Königspaar und der regierende Arzt. Und da half es nichts, dass die Reformen so viel Segen taten. Die dänischen Untertaten fühlten sich in ihrem Moralgefühl verletzt. Das schmerzte schlimmer als Folter, Prügelstrafe und Pocken zusammen.

Plötzlich hieß es, die bessere Behandlung unverheirateter Mütter bedeute, Struensee fördere Unmoral und Prostitution und die Abschaffung der Folter sei nicht gottgewollt. Seine Feinde arbeiteten im Geheimen einen Plan aus, den Mann zu stürzen. 

Nach einem Maskenball, 1772, wurde der Arzt um vier Uhr morgens festgenommen und in den Kerker geworfen. Bald gestand er – und übrigens auch Caroline – das Liebesverhältnis mit der Königin. Er wurde wegen Hochverrats zum Tode verurteilt. Christian unterschrieb (eventuell ungern) das Todesurteil, als es ihm hingehalten wurde. Später äußerte er, es hätte ihm Leid getan.

Der König musste sich von Caroline scheiden lassen, die nach Celle geschafft und von ihren Kindern – dem Sohn von Christian und der Tochter von Struensee – getrennt wurde.

Der Arzt, der einige Jahre lang Dänemark so beispielhaft regiert hatte, wurde geköpft, gevierteilt und auf’s Rad geflochten. Was in umgekehrter Reihenfolge sicher noch unbequemer geworden wäre.

Glücksfaktoren?

Einige. Dänemark behielt viele der Reformen bei und ist immer noch ein ansehnlicher Sozialstaat sowie erfolgreiches Agrarland. 

Struensee mag es genossen haben, für eine Weile König zu sein und so viel Gutes und Vernünftiges tun zu können wie kaum ein blaublütiges gekröntes Haupt vor ihm.

Und eine erfüllte Liebe, wenn auch kurz, wird es schon gewesen sein zwischen Caroline und ihm. Dafür spricht die gemeinsame Tochter Luise Auguste, die ihrem Vater zeitlebens schrecklich ähnlich sah und trotzdem immer als Dänische Prinzessin galt … 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posted by admin on 8. November 2018

Amor und die Weltgeschichte

 

Die Weltgeschichte ist eine schrecklich ernste Angelegenheit, oft tragisch oder dramatisch.

Selten amüsant.

Kleine Farbtupfer oder Lichtpunkte setzt oft dieses freche bewaffnete Kerlchen.

Manchmal macht er es allerdings noch schlimmer …

Anstatt über schlichtweg ALLES zu schreiben (was langweilig werden kann) möchte ich mich gern eine Weile auf genau dieses Thema konzentrieren. Herr A. und sein verheerendes Wirken in allen Zeiten.

Mal sehen, ob ich das durchhalten kann …

Im Februar 2017 hatte ich übrigens schon mal über den Bengel geschrieben:

Amor ist Schuld, wenn wir uns verheddern. Er verursacht nicht Liebe, sondern Verliebtheit, und wer das für harmloser hält, der war noch nie bis zum Wahnsinn verliebt.

Amor ist nicht sehr erwachsen. Manchmal wird er als Halbwüchsiger dargestellt, meistens als pummeliges Kleinkind. Falls er nicht mit seiner kleinen Freundin Psyche rumschmust, flattert er bewaffnet durch die Gegend und schießt die schwer vergifteten Pfeile auf seine Opfer ab, wie’s gerade kommt. “Wo die Liebe hinfällt!”, sagen Nichtbetroffene spöttisch.

Infizierte jedoch tragen dicke rosa Schleier vor den Augen sowie rosa Watte im Gehirn und lächeln ständig.

Einem solch winzigen Racker Pfeile und Bogen zu überlassen ist purer Leichtsinn. Man kann schwerlich davon ausgehen, dass er bei seinem Tun viel Vernunft walten lässt…

Glücksfaktor: liegt auf der Hand!

 

 

Posted by admin on 1. November 2018

Hier und heute endet dieser Blog

Zumindest so, wie er bisher war.

27 Monate lang habe ich jeden Tag mindestens einen Text geschrieben, manchmal sogar zwei. 852 Texte.

Ich hab mich dabei an überhaupt keine Regel und kein Thema gehalten. Was mir gerade einfiel, was der Kalender ergab, was mein Teddybär erlebte oder was um mich herum passierte, über alles konnte ich reden. Manchmal dauerte es wenige Minuten, so einen Beitrag zu schreiben. Manchmal saß ich einen Dreivierteltag über der Recherche.

 

Aber jetzt schreibe ich wieder an (mehreren!) anderen Dingen. Die Zeit, täglich einen  Blogtext zu liefern, fehlt.

 

Ich will den Blog deswegen nicht aufgeben. Aber ich werde seltener schreiben. Wenn ich kann, mehr oder weniger wöchentlich. Und da ich es reduziere, möchte ich mich auf ein Thema konzentrieren, das mir gerade am meisten Spaß macht: Geschichte, betrachtet aus privater, anekdotischer Sicht. Der Faktor der Romantik oder Erotik, der sich als rosa Faden durch Herrscherhäuser, Künstlerseelen und Erfinderköpfe kringelt.

Das, was sich jeder Berechnung entzieht.

Amor hat sich zu allen Zeiten bemüht, Verwirrung ins Staatsgefüge zu bringen.

Immer wieder waren es Herzen (oder Hormone), die das Weltgefüge erschütterten …

Glücksfaktor: Liebe

 

Sofern einer meiner Leser irgendwann Ernst vermisst – oder wissen möchte, wie es mir gerade geht – oder sich zu einer der Amor-Geschichten äußern will: das geht  prima über ‘Kommentare’.

Ach ja, und da ich sicher nicht zu regelmäßigen Zeiten schreiben werde, empfehle ich einmal mehr die Möglichkeit, sich über Email davon unterrichten zu lassen!

 

 

 

 

 

Posted by admin on 31. Oktober 2018

Morgen ist Allerheiligen

Eine Allerheiligenflut am 1. November gab es bisher zehnmal, was sich anhört wie eine regelmäßige Veranstaltung.

Im Jahr 1170 folgte sie auf einen – Achtung! – sehr heißen und langen Sommer. Die Nordsee verwüstete die niederländische und die ostfriesische Küste und änderte eine Menge auf der  Landkarte. Beispielsweise wurde eine ziemlich lange und breite Insel namens Bant auseinandergerissen. Aus ihren Resten entstanden Borkum, Juist und Norderney.

1304 kam die Sturmflut zur Abwechsslung mal von Osten, verschlang zwei Dörfer und unterbrach die Landverbindung zwischen Rügen und Usedom.

1436 rauschte das Meer wieder von Westen heran, machte die Deiche platt und forderte in Diethmarschen viele Leben von Menschen und Vieh. Im nordfriesischen Tetenbüll ertranken 280 Menschen. Nachdem Eidum auf Sylt versunken war, zogen die überlebenden Inselbewohner ein Stück weiter und gründeten Westerland.

In den Jahren 1530 und 1532 gab es ebenfalls Sturmfluten der Nordsee, aber sie mäßigte sich ein wenig.

Wahrscheinlich fand die See das jedoch langweilig, denn 1570 überspülte sie erneut die gesamte Nordseeküste von Flandern bis Eiderstedt, brach nahezu alle Deiche und forderte ungefähr 20 000 Tote.

Zwei weitere Sturmfluten ereigneten sich am 1. November 1582 und 1627, und die letzte Allerheiligenflut erlebten wir 2006. Da war die Menscheit technisch ein bisschen weiter, es gab nicht mehr so viele Schäden. Obwohl gesagt werden muss, dass sich bei Neuharlingersiel ein immerhin 30 Meter langes Landungsboot aus dem Hafenbecken hob, um später auf einem Parkplatz gefunden zu werden, ein gutes Stück landeinwärts.

Warum, fragt man sich, sturmflutet es eigentlich ausgerechnet an Allerheiligen so gern?

Oder sind das in Wirklichkeit – Halloween-Fluten???

 

Glücksfaktor: Schwimmen  zu können …