Heute

Posted by admin on 26. Mai 2020

Der mächtigste König im Luftrevier

ist bekanntlich der Adler. Wie der Löwe ist er eine Symbolfigur, wie der Löwe findet der Adler in vielen Legenden und auf vielen Wappen statt.

Eigentlich gibt es nur einen, der ihm über ist: das allermächtigste, rücksichtsloseste und gefährlichste Raubtier der Welt. Das konnte ihn zwischenzeitlich fast ausrotten (unter anderem durch die Vergiftung mit DDT, für das gerade Adler besonders anfällig sind) und hat ihn dann, so funktioniert der Mensch manchmal, unter Naturschutz gestellt. Seitdem konnten sich die Bestände sehr erholen. Immer noch darf man sie jedoch nicht töten; Indianer, die Adlerfedern benötigen, müssen bei den Behörden darum nachfragen.

Die Steigerung von Adler ist Weißkopfseeadler. Der ist absolut riesig und majestätisch, furchteinflössend und schön – und das Wappentier der Vereinigten Staaten von Amerika. Seine Flügelspannweite kann bis zu 2,30 Meter betragen.

Der Weißkopfseeadler ist kein Vegetarier, das würden wir auch nicht von ihm erwarten. Er bedient sich natürlich vor allem im Wasser – obwohl er hin und wieder auch ein Kaninchen verputzt – an Fischen und Seevögeln. Ganz besonders lecker, das kann der Mensch nachempfinden, kommt da ein zartes, saftiges Vogelbaby. So wie etwa ein Seetaucherküken.

Seetaucher besitzen meine Sympathie. Das hat was damit zu tun, dass ich sie zweimal im Leben hören durfte: einmal in Schweden und einmal in Kanada. Sie verfügen über ganz unglaubliche, eindrucksvolle Stimmen, derart unverwechselbar, dass ich den zweiten Seetaucher am Ruf erkannte, Jahrzehnte, nachdem ich den ersten gehört hatte. (Obwohl ich zugeben muss, dass ich ihn zuerst fast für einen Coyoten gehalten hätte. Der hat ebenfalls einen aufregenden, nicht unähnlichen Gesang.)

Seetaucher sind auch nicht gerade mickrig, zwischen einem halben bis zu einem Meter Körperlänge. In erster Linie Wassergeschöpfe und grandiose Taucher (bis zu 75 Meter tief, bis zu acht Minuten lang), fühlen sie sich ebenso in der Luft zu Hause. Die Erde ist, vorsichtig gesagt, nicht ihr Element. Ihre weit hinten angesetzten, stummeligen Schwimmfüße eignen sich kaum zum Laufen, mehr zum Hopsen: eine anstrengende Art der Fortbewegung für ein bis zu 6 Kilo schweres Tier.

Seetaucher sind treue Partner, die Wissenschaft nennt das Monogamie. Sie bebrüten meistens zwei, selten drei Eier, manchmal nur eins. Die Küken sehen ziemlich niedlich und mit dem nach oben gebogenen Schnabel etwas stubsnasig aus. Seetaucher brüten nicht jedes Jahr. Vielleicht sind ihnen ihre Einzelkinder oder Zwillinge wertvoller als anderen Vögeln ein ganzes Nest voll? Schwer zu sagen.

Gewalt, hörte ich erst vor einigen Tagen wieder, ist immer falsch. Es gäbe nichts, dass den Einsatz von Gewalt rechtfertigt.

Kürzlich, im Mai 2020, fand man in Maine, dicht an der kanadischen Grenze, einen ermordeten Weißkopfseeadler. Er schwamm auf dem Bauch im Wasser, die mächtigen Flügel ausgebreitet. Ganz in der Nähe dümpelte ein ebenfalls totes Seetaucherküken, beschädigt von den Adlerkrallen.

Der große Vogelkadaver wurde geröntgt und dabei eine tiefe Stichwunde mitten im Herzen entdeckt. Die Waffe konnte identifiziert werden; sie entsprach ganz den Maßen des dolchartigen Seetaucherschnabels.

Glücksfaktor, manchmal: Genugtuung.

Posted by admin on 24. Mai 2020

Drina

Drinas Eltern heirateten, 1818, keineswegs aus Liebe. Es ging um Ehrgeiz und Staatsräson. Der Bräutigam, Edward Augustus, Duke of Kent and Strathearn, war bereits 51 Jahre alt. Es war seine erste Ehe. Bis dahin hatte er mit einer sehr hübschen Maitresse zusammengelebt, heillose Mengen

an Schulden verursacht und sich überall unbeliebt gemacht, wo er auftauchte. Er dürfte genau das gewesen sein, was ich einen interessanten Charakter nenne. Edward Augustus war der vierte Sohn des durchgeknallten Königs, zwei seiner älteren Brüder verbrachten ein paar Jahrzehnte auf dem Thron.

Drinas Großvater war George III. gewesen, verrückt wie ein Märzhase. Es wird von ihm erzählt, er habe einen Baum für den preußischen König gehalten und ihm herzlich den Ast geschüttelt.

Weil bei George in diesem Ausmaß eine Schraube locker saß, während die Verfassung es nicht vorsah, ihn abzusetzen, regierte sein Ältester geraume Zeit für ihn unter dem Titel: ‘Prinzregent’, bevor er endlich George IV. wurde. Dieser Prinzregent war in seiner Jugend ein sehr hübscher Mann.

Er interessierte sich vergleichsweise wenig für England und das Regieren, umso mehr für Architektur und Mode. Auf diesen beiden Gebieten zeichnete ihn große Begabung aus. Die Gebäude, die er entwarf, sowie seine geschmackvollen Herrenmode-Ideen bildeten einen eigenen Stil, der heute noch nach ihm benannt ist: Regency.

Doch in mittleren Jahren wurde der Prinzregent beziehungsweise George IV. fett und missgelaunt. In seinem Nachruf in der ‘Times’ stand, selten sei ein Verstorbener von seinen Mitmenschen weniger betrauert worden.

George III., der umnachtete, hatte neun Söhne hergestellt, von denen sieben erwachsen wurden. Man sollte denken, das reicht für einen vernünftigern Thronerben, mindestens einer der sieben Söhne bekommt weitere Söhne. Aber nee – entweder waren sie mit den falschen Damen verheiratet oder gar nicht, hatten keine Kinder oder wenn, dann blieben die nicht lange am Leben. So kam es, dass ausgerechnet ein Mädchen (!) die einzige legitime Tochter des vierten Prinzen, plötzlich Thronerbin sein sollte.

Drinas Mutter Victoire war 31 und bereits einmal verwitwet. Sie galt als schöne und geistreiche Frau – und sie empfand kaum Sympathie für Edward Augustus. Doch da beide wussten, was von ihnen erwartet wurde, bekamen sie zehn Monate nach der Hochzeit eine gesunde Tochter.

Das Kind wurde am 24. Mai 1819 unter etwas ungewöhnlichen Umständen im Kesingston Palace geboren. Zunächst mal half eine deutsche Hebamme , Charlotte von Siebold, der kleinen Prinzessin tatkräftig auf die Welt. Außerdem wurde das Baby gleich nach der Geburt gegen Pocken geimpft. Darüber hinaus stillte Victoire ihr Kind selbst! Ziemlich sensationell damals.

Getauft wurde die Kleine auf Alexandrina Victoria, zu Hause im Schloss immer Drina gerufen.

Der glückliche Vater schrieb seiner Schwiegermutter, das Kind sei fett wie ein Rebhuhn. Im Übrigens starb er kurz darauf an einer Lungenentzündung, da war die kleine Drina acht Monate alt.

Während sie heranwuchs, regierte noch ein Weilchen ein weiterer Onkel, William IV. Er war 64, als er auf dem Thron landete, aber er wirkte bedeutend älter, mit unsicherem, schlurfendem Gang und völlig unmöglichen Umgangsformen wie etwa das Ausspucken auf den Boden – im Zimmer …

Nach sieben Jahren gab er dann auch das Zepter für immer ab. Da war die kleine Drina, seine Nichte, achtzehn Jahre alt – und plötzlich Königin.

Die ersten Dokumente unterschrieb sie noch mit Alexandrina Victoria. Kurz darauf begnügte sie sich mit dem königlichen Namen, der Geschichte machte und für ein Zeitalter stand, das triumphierenste in der Geschichte Großbritanniens: Victoria!

Sie war bezaubernd und sie bezauberte, die sehr kleine, sehr energische neue Queen. Charles Dickens, damals ein junger Mann, schrieb in einem Brief, er und alle seine Freunde seien gemeinsam verliebt in ihre Königin.

Glücksfaktor, für mich: Geschichte. Besonders englische Geschichte.

Posted by admin on 23. Mai 2020

Ernst hat Geburtstag!

Einerseits wird er 26 – aber das kann man nicht ERNST nehmen, weil so was bei Teddys ja anders funktioniert. Er nimmt also einfach ein Jahr an Weisheit, Liebenswürdigkeit, Niedlichkeit und Frechheit zu und bleibt im Übrigen zwischen 4 und 9, wie gehabt.

Es wird einige Geschenke geben, nachmittags Erdbeerkuchen mit Sahne und Kakao. Abend ist Ernst bei seinem richtigen Papi zum Essen (Pizza) und Film-Gucken und auch über Nacht – hat er sich so gewünscht und geht ganz gut, weil es ja Samstag ist.

Ach ja, und ich soll sagen, er hat überhaupt nichts gegen nachträgliche Geschenke. Also gar nicht …

Glücksfaktor: der tägliche Ernst.

Posted by admin on 22. Mai 2020

Heute vor 161 Jahren wurde ein bemerkenswerter Mann geboren

Er war Arzt und Schriftsteller und er erschuf einen noch viel bemerkenswerteren Mann, der inzwischen – und immer noch! – so sprichwörtlich und so gegenwärtig ist, als hätte es ihn wirklich gegeben.

Sir Arthur Conan Doyle erfand den Detektiv Sherlock Holmes und seinen Freund Dr. Watson. (Watson schildert normalerweise die Kriminalfälle des Detektivs und hat manchmal ganz schön Ähnlichkeit mit Doyle selbst.)

Als ich ungefähr zehn war, las ich zum ersten Mal Der Hund von Baskerville – nach wie vor meine Lieblings-Holmes-Geschichte. Da ist alles drin, was ich liebe: Die viktorianische Atmosphäre, das Gruselige, das Moor! – und über allem der scharfsinnige Mann mit den eisgrauen Augen. Wo sein Verstand am Werk ist, braucht man keine große Angst zu haben, weil die Bösen garantiert entlarvt werden …

Der Herr auf dem Foto ist übrigens nicht Holmes. Das ist vielmehr Walter Paget. Er sieht jedoch genau so aus, wie wir uns Holmes vorstellen. Das liegt unter anderem daran, dass sein Bruder, Sidney Paget, die meisten der Romane von Arthur Conan Doyle illustriert hat. Und da nahm er dann immer seinen Bruder Walter als Modell für den Detektiv.

Glücksfaktor: Literatur

Posted by admin on 21. Mai 2020

Sternzeichen Zwillinge

ist das zweite der Luftzeichen. Das erste, im Januar/Februar, war Wassermann, das dritte im September/Oktober ist Waage.

Luftzeichen wirken auf andere Menschen, vor allem die sehr emotionalen, manchmal unverbindlich. Ihre Berührung ist eher kühl und leicht als heiß und fest.

Zwillinge haben viel mit Medien zu tun. Medium bedeutet Mitte – nein, nicht, dass sie so gern im Mittelpunkt stehen. Vielmehr lieben sie es, zu ver-mitteln. Menschen miteinander oder Leser beziehungsweise Hörer mit Irgendetwas bekannt zu machen. Deshalb arbeiten viele Zwilling-Geborene in vermittelnden Berufen: Makler und Agenten, Händler oder Werbefachleute, Reporter und Fotografen.

Zwillinge müssen reden. Sie brauchen immer mindestens einen Gesprächspartner oder jedenfalls ein Telefon. Und wenn sie gar nicht reden können, dann wollen sie jedenfalls schreiben.

Sie können aber auch wirklich gut zuhören, denn sie interessieren sich für Menschen und Menschengeschichten. Sie gehören zu den Leuten, denen man vielleicht mehr anvertraut, als man jemals wollte und jemals getan hat. Es scheint, als ob sie alles verstehen und als ob sie dem Erzählenden furchtbar ähnlich sind.

Das kann täuschen.

Das Chamäleon ist ein Zwillinge-Tier. Wenn es vor einer rot-blau-geblümten Tapete steht, dann wird es ein Weilchen rot-blau-geblümt. Deswegen ist es jedoch keine Tapete.

Zwillinge sind so neugierig auf ihre Mitmenschen (und meistens auch noch so empathisch), dass sie kurzfristig mit ihnen verschmelzen. Wenn sich ein Zwilling aus Hannover zwei Stunden lang mit einem Mädchen aus München unterhält, dann spricht er hinterher den Rest des Tages mit einem leicht bayrischen Akzent. Das passiert von selbst, er kann nicht anders. Aber das sind keine bleibenden Schäden. Der Dialekt bildet sich schnell wieder zurück …

Glücksfaktor: Die Unterschiedlichkeit der Menschen und der Sternzeichen.