Heute

Posted by admin on 31. März 2019

Heute feiern sie auf Malta

Es handelt sich nicht nur um einen Feiertag, den Freedom Day, sondern auch noch um dessen Jubiläum. Ich könnte mir vorstellen, dass sie darum ein bisschen mehr Feuerwerk in den Himmel schießen als gewöhnlich. Oder vielleicht noch viel mehr.

Heute vor genau 40 Jahren verließen nämlich die letzten dort stationierten britischen Soldaten die Mittelmeerinsel. Und wieso die überhaupt dort waren – weshalb Malta im weitesten Sinne so etwas wie Englisch spricht – inwiefern auf den Straßen Linksverkehr herrscht – und warum sogar noch vereinzelt knallrote Telefonzellen rumstehen wie damals in London – das hat alles mit der Weltgeschichte zu tun. Im Grunde war wieder mal Napoleon an allem Schuld.

Glücksfaktor: Eine gewisse Vertrautheit mit dem eigenwilligen gelben Krümel vor Sizilien …


Posted by admin on 30. März 2019

Ein glückliches Auto

Berbel ist vermutlich zurzeit der glücklichste Smart im Landkreis Pinneberg.

Sie hat sich das schon immer gewünscht. Hat es bei anderen gesehen und sie heimlich beneidet. Hat gedacht, sie wäre zu klein dafür. Später meinte sie dann: Jetzt ist sie zu alt, das wird nichts mehr.

Aber heute ist es passiert. Zunächst wurde sie gereinigt, hinterwärts ganz besonders – und dann kam er drauf, ihr eigener Aufkleber!

Glücksfaktor: jetzt werden auch große, schnaufende LKW sie mit Respekt betrachten! (Glaubt Berbel.)

Posted by admin on 29. März 2019

Einfach so

Gestern Abend kam der Löwe mit Rosen nach Hause: Moosrosen, und sie duften sogar!

Dann rief eine Bekannte an, erzählte eine Menge und wollte wissen, wie es mir ging. Als ich von den Rosen erzählt, lachte sie ein wenig und meinte: “Ach – hat er ein schlechtes Gewissen? Hattet ihr Streit? Oder ist das ein Jubiläum oder so was?”

Ich sagte nein, das wäre “einfach so”. Die Antwort lautete, wieder mit Gelächter: “Aber Männer schenken doch nicht “Einfach so”!”

Das hat mich geärgert, wobei ich weiß, dass sie nichts Böses wollte. Sie kennt den Löwen kaum, sie meinte auch nicht ihn persönlich. Was sie sagte, ist eine ganz übliche Meinung. So denkt man und so redet man.

Männer sind so und Frauen sind so, das ist furchtbar komisch. Über das Thema gibt es Bestseller, die alles aufzählen, was da an Unterschieden so bezeichnend ist. Zum Totlachen.

Mir fehlt an dieser Stelle der Sinn für Humor und hat mir seit jeher gefehlt. Wenn meine Mutter sich mit ihren Freundinnen darüber amüsierte, wie blöd oder ungeschickt oder vernagelt Männer sind, stand ich schon als sehr kleines Kind mit einem gequälten Gefühl dabei. Ich liebte meinen Vater, ich konnte ihn weder blöd noch ungeschickt noch vernagelt finden Im Zweifel verstand ich ihn sehr viel besser als meine Mutter. Die Aversion gegen diese Pointe ist mir geblieben. Keine Frau, die ihre Augen zum Himmel rollt und sagt: “Männer!” kann mit meiner Zustimmung rechnen.

Ich mag Schubladendenken und Verallgemeinerungen nicht. Sicher gibt es geschlechtertypische Eigenschaften und Verhaltensweisen. Daraus einen Running Gag zu machen, eine endlos sich wiederholende Kicherschleife, finde ich einfach dumm. Es beinhaltet auch im heitersten, unschuldigsten Fall immer ein wenig Aggression, dieses Kneipengefühl von “wir hier” und “die da drüben”, seht sie euch an!

Wir sind ja neuerdings so schrecklich behutsam, was Diskriminierungen angeht. Gebäcksorten werden umgetauft und die Weltliteratur verbessert, um jeden Rassismus auszumerzen. Wenn wir in der Form über Andersrassige reden würden wie über das jeweils andere Geschlecht, dann müssten wir uns schrecklich schämen. Es würde auch nichts nützen, wenn wir sagen, das war ja nur scherzhaft gemeint.

Glücksfaktor: Die Bereitschaft zum Verständnis.

Posted by admin on 25. März 2019

Das Wasserschloss

Windischleuba soll angeblich keine Gespenster beherbergen. Jedenfalls hat das die blonde Maid behauptet, die wir fragten.

Keine Gespenster? Nicht mal der kleinste Geist? Das haben Ernst und ich aber sehr bezweifelt. Seit tausend Jahren steht da so ein großes Gemäuer und sammelt Zorn und Stolz, Neid und Eifersucht und all solche Sachen, ohne, dass die manifestierten Emotionen nachts umherrumpeln? Na – ! Alleine das geschnitzte Bett, in dem wir lagen, sah so aus, als wären in ihm seit dreihundert Jahren Menschen geboren und angefertigt worden und gestorben! Da bleibt doch was zurück?

Und natürlich – irgendwann, mitten in der Nacht, wachte ich auf, weil der Löwe neben mir anfing, zu jammern! Es klang nach höchster Not – vermutlich träumte er, dass sie ihn aufs Rad flochten. Oder der Henker mit dem Beil war hinter ihm her. Ich rüttelte den armen Mann und versuchte, sein Leben zu retten, indem ich ihn in die harmlose Gegenwart zurück holte. Dafür war er zwar dankbar, meinte jedoch, es habe sich durchaus um keinen Albtraum gehandelt. Vielmehr hätte er im Schlaf versucht – zu singen …

Wir erhielten ein erstklassiges Frühstück, in einem großen Raum neben der Küche, mit Schwertern und Rüstungsteilen geschmückt. Ich war zuerst satt und ließ mir vom Löwen den Zimmerschlüssel geben, um mich für unsere Fahrt nach Leipzig zurecht zu machen. Ich glaubte, genau zu wissen, wo unser Zimmer sich befand. Die Wendeltreppe hinauf, nicht wahr, und dann auf dem zweiten Absatz um die Ecke … Oder war es doch der erste Absatz? Oder der dritte? Und wo führte dieser Flur hin? Und wieso sah alles völlig anders aus als noch vor einer halben Stunde? Und würde ich Ernst und den Löwen je wiedersehen?


Eigentlich hab ich keinen schlechten Ortssinn, normalerweise … Aber so ein Schloss ist wirklich groß.

Da kam der Löwe irgendeine Treppe hoch und ich lief in diese Richtung und zwitscherte dies und das über die Buchmesse und ließ mich von ihm zum Zimmer bringen. Hätte ich jahrelang nicht gefunden!

Als wir am Abend aus Leipzig zurück waren, haben wir unsere Wünsche aufgeschrieben und im Schlosspark an einer geschützten Stelle verbrannt. Immerhin war der 21.3., also Wunschtag.

Obwohl die Bäume noch kahl waren, fühlte sich die Luft ganz warm an, fast wie an einem Sommerabend. Deshalb sind wir auch eine Weile in der Abendsonne an der Pleiße entlanggegangen, bevor wir auf’s Köstlichste im Rittersaal neben der Küche gespeist haben.

Glücksfaktor: Ein Löwe mit eingearbeitetem Ortssinn. Auch, wenn sein Gesang sich manchmal etwas gefährlich anhört …

Posted by admin on 24. März 2019

Leipzig liegt in der Nähe von Altenburg

Und aus Altenburg kam mein Vater. Seine Familie besaß dort ein größeres Haus. Unten drin war die Drogerie (Mein Vater sagte immer stolz: “Mit fünf Schaufenstern noch vor dem zwanzigsten Jahrhundert!”) Oben im Haus gab es “Gesellschaftsräume”, darüber die Schlafzimmer. In einem davon ist mein Vater vor dem ersten Weltkrieg geboren worden. Später war dort sein Kinderzimmer. Das teilte er, als Einzelkind, mit seinem Cockerspaniel. Ganz oben übrigens, im Dachgeschoss, lagen die Dienstbotenzimmer. Es gibt auch noch einen gepflasterten Hof und ein Nebengebäude dahinter.

Früher stand der Name meines Großvaters, “EMIL SEIFERT”, über dem mittleren Schaufenster. Inzwischen sind die oberen Räume in einzelne Wohnungen unterteilt und vermietet.

Wir sind am frühen Abend in Altenburg angekommen, haben im alten Ratskeller sehr gut gegessen und sind noch über den wunderschönen Marktplatz geschlendert. Da sagt der Löwe:”Guck doch mal, da oben ist der Mond!”

Er war aber in Wirklichkeit viel, viel größer und rosa. Da sieht man, wie Fotos lügen!

Wir hätten in einem Hotel übernachten können, doch der Löwe ist in seinem Leben viel umhergewandert und wusste etwas viel Besseres. Ganz dicht neben Altenburg liegt ein Wasserschloss aus dem 10. Jahrhundert. Inzwischen ist das eine Jugendherberge. Da hatte er ein Zimmer reserviert.

So sieht Schloss Windischleuba bei Tageslicht aus. Wir sahen bloß nicht viel, obwohl ja der Mond schien (und sich im Schlossgraben spiegelte): im Schloss war niemand! Der Löwe rief den Verwalter der Jugendherberge an und der versprach, es würde uns gleich jemand aufmachen.

Nach kaum zehn Minuten fuhr ein riesiger Lautsprecher auf Rädern vor das Schlosstor. Also eigentlich ein Auto, voller Musik: Telemann, ganz passenderweise. Aus dem Auto sprang eine Maid mit wallenden blonden Locken, die uns auf Sächsisch begrüßte, das Tor aufschloss und uns “unsere Gemächer” zeigte, eine steinerne Wendeltreppe hinauf – und dann wieder ein paar Steinstufen hinunter.

Weil wir nämlich wirklich die einzigen Gäste waren, bekamen wir die Fürstensuite! Ein Schlafzimmer mit ungeheuer vielen Schnörkeln, einen Vorraum mit Schrank, Tisch und Hockern, ein paar Stufen hinauf einen weiteren Schlafraum und ein kleines Bad, das sich im Turm befand.

In unserem Schlafzimmer stand sogar in einer Ecke ein kleines Bett, gerade richtig für Ernst …

Glücksfaktor: Fürstlich geschnörkelt schlafen zu dürfen.

Morgen erzähle ich weiter!