Heute

Posted by admin on 17. Oktober 2020

Vegetarische Linsensuppe

Früher mit Würstchen oder Speck – aber so ist sie mindestens ebenso lecker geworden!

Zutaten:

Eine Tasse Berglinsen

3 1/2 Tassen Wasser

Eine sehr große, mehligkochende Kartoffel

1 große Möhre

2 Stiele rote Frühlingszwiebel

1 dünne Stange Lauch

3 Esslöffel Zwiebelschmelz

1 Teelöffel Majoran

1 gehäufter Teelöffel Räuchersalz

4 Esslöffel Sojasauce

2 Esslöffel Agavendicksaft

2 Esslöffel Apfelessig

Linsen im Sieb waschen und mit dem kalten Wasser aufsetzen, Majoran hinzufügen. Die Kartoffel und die Möhre schälen, in Stücke bzw. Scheiben schneiden und hinzufügen. Alles mindestens 30 Minuten kochen lassen.

Inzwischen die Zwiebel und den Lauch kleinschneiden und in einer Pfanne mit dem Zwiebelschmelz ganz leicht anbräunen, dann glasig braten.

Wenn die Linsen weichgekocht sind, Zwiebel und Lauch hineinrühren.

Mit dem Rauchsalz, der Sojasauce, Agavendicksaft und Essig würzen – je nach Geschmack gern noch mehr hinzufügen.

Guten Appetit!

Glücksfaktor: alte Rezepte abwandeln …

 

Posted by admin on 16. Oktober 2020

John Browns Körper liegt vermodernd im Grab

Am 16. Oktober 1859 überfielen 19 Männer das Waffenarsenal des US-Heers in dem kleinen Ort Harpers Ferry in Virginia. Der Anführer dieser Bande war ein Mann Namens John Brown, ein leidenschaftlicher Gegner der Sklaverei und ein merkwürdiger Sonderling.

Er stellte sich vor, mit den erbeuteten Waffen schwarze Sklaven zu bewaffnen, einen Riesenaufstand zu entfachen, ein immer größeres Heer zu bilden und im gesamten Süden der Vereinigten Staaten alle Sklaven zu befreien. Die Sache scheiterte von oben bis unten; sie war schlecht geplant und miserabel organisiert und kein einziger Schwarzer schloss sich John Browns Gruppe freiwillig an.

John Brown, der als Farmer oder Geschäftsmann ständig gescheitert war, brannte indessen für seine Mission. Bereits drei Jahre vorher hatte er fünf Sklavenhalter entführt und ihnen mit einem schweren Säbel den Schädel gespalten – weshalb er steckbrieflich gesucht wurde. Bei derartigen Maßnahmen begleiteten ihn immer einige seiner Söhne. (Er hatte 21 leibliche Kinder, überwiegend Söhne.)

Nach der Aktion in Harpers Ferry wurde John Brown festgenommen, rechtskräftig verurteilt und gehängt. Gleich darauf war er ein Märtyrer. Das Geschehen bei Harpers Ferry gilt als einer der Auslöser des Amerikanischen Bürgerkriegs, und eins der beliebtesten Kampflieder  der Nordstaaten war der Marsch: ‘John Brown’s Body lies a-moldering in the grave, but his soul goes marching on!, Glory, Glory, Halleluja!’

Glücksfaktor: Inzwischen gibt es immer noch Sklaven auf der Erde. Aber jedenfalls weniger als je zuvor …

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Posted by admin on 14. Oktober 2020

Kirschen Lieblings-Lady

Irgendwann Mitte der 80er-Jahre erkundigte meine Mutter sich bei mir: “Geht es bei diesem Lied um eine Kirschen-Verkäuferin? Du achtest doch immer auf Texte!”

Sie meinte ‘Cheri, Cheri Lady’, damals weltweit ein großer Hit von Modern Talking. Nein, sie hatte eigentlich einen wirklich guten Geschmack. Ihr gefiel auch keineswegs der Song. Ihr gefiel nur Thomas Anders, der scheue Teil des Duos, kleiner als Dieter Bohlen oder Ehefrau Nora, jedoch wunderschön, mit schwarzen langen Locken und sprechenden dunklen Augen. Wahrscheinlich kam man außer mit den Augen neben Bohlen nicht viel zu Worte. Meine Mutter liebte Männer mit langem Haar womöglich noch mehr, als ich das tat; und das will was heißen.

Ich antwortete damals: “Nein, keine Kirschen. Soviel ich weiß, irgendwas mit ‘gib mir dein Herz, ich geb dir mein Herz’. Das heißt nicht Cherry, sondern Chérie, Liebling, auf französisch.

“Das wird aber anders betont?”, widersprach meine Mutter sehr zu Recht. Immerhin stimmten wir überein, dass Thomas Anders – ein Boy aus Rheinland-Pfalz übrigens – zwar süß aussah mit seiner Sonnenbank-Bräune und dem NORA-Schild um die Gurgel. dass ‘Cheri, Cheri Lady’ indessen ein selten dämliches Plastiklied war (das Millionen einbrachte). Einfallslos, öde, trivial. Igitt.

Und jetzt fragt mich ausgerechnet Marcel: “Hast du schon meine Version von ‘Cheri, Cheri Lady’ gehört?”

Nein! Warum ausgerechnet das, Marcel?! Muss das sein?

Aber dann stellt sich heraus: Es ist immer alles eine Sache der Interpretation. Marcel macht aus Polyester reine Seide. Ein oberflächliches Hoppel-Lied bekommt plötzlich, ohne dass eine Note geändert wird, Tiefe und Charakter.

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Glücksfaktor: Könnerschaft …

Posted by admin on 14. Oktober 2020

Am 14. Oktober 1806 hat Christiane Vulpius Goethe gerettet

Und gleich anschließend, so erklärte mir das meine Erzieherin im Internat, hätte er sie zur Belohnung geheiratet. Obwohl sie ja eigentlich wirklich nicht sein Niveau besaß. Also wirklich nicht.

Zumindest besaß sie Schneid: An diesem Tag hatten die Truppen Napoleons bei Jena und Auerstedt einen Sieg errungen und plünderten in ihrer Begeisterung auch gleich Weimar, die Heimatstadt des Dichterfürsten. Sie drangen in das Goethe’sche Schlafzimmer ein und bedrohten den Hausherren. Der dachte noch darüber nach, ob er sich wehren sollte, und falls ja, wie – als Christiane den Soldaten entgegenschwirrte wie ein tollwütiger Kanarienvogel, um ihren Liebsten zu verteidigen. Was die Männer derart verdutzte, dass sie wirklich bald darauf das Haus verließen.

Und das beeindruckte also auch Johann Wolfgang so sehr, dass er Christiane fünf Tage später (zum schnellstmöglichen Termin) zu Madame Goethe machte. An der überaus schlichten Zeremonie nahm ihr (von fünf Kindern einziger überlebender) Sohn teil, der 16jährige August. Und danach holte ganz Weimar tief Luft, um sich aus Leibeskräften das Maul zu zerreißen. Geheimrat Goethe hatte die Person wirklich geheiratet!

Schlimm genug, dass er seit 18 Jahren mit ihr eine wilde Ehe führte. Gut, er hatte sie natürlich keineswegs jemals offiziell vorgestellt. Wenn Schiller ihn besuchte, blieb Christiane beispielsweise in der Küche. (Und Schillers Frau Charlotte, die Christiane bisher ‘das runde Nichts’ genannt hatte, sprach nach der Trauung von ‘Goethes dickerer Hälfte’.) Die gute Gesellschaft sagte ‘das Kreatürchen’, Goethes Mutter spottete: ‘Wolfgangs Bettschatz’. Bettina von Arnim schrieb über sie, sie wäre eine ‘tollgewordene Blutwurst’.

Was die kühle, intelligente Hofdame Charlotte von Stein, lange Zeit Goethes platonische große Liebe, über Christiane dachte, hat sie, taktvoll wie immer, nicht öffentlich gemacht. Dass sie die Verbindung ihres Anbeters zu diesem drallen Mädchen aus dem Volke wurmte, lag auf der Hand. Zumal die auch noch so taktlos gewesen war, ihr erstes Kind ausgerechnet am Geburtstag der Frau von Stein zu bekommen!

Goethe, in der Jungfrau geboren und entsprechend kühl kalkulierend, mag ein leidenschaftlicher Dichter gewesen sein – ein leidenschaftlicher Mann war er bestimmt nicht. Er verliebte sich ganz gern ein wenig hoffnungslos, denn da blieb er auf der sicheren Seite. (Psychologen nennen das ‘Bindungsscheu’.) Den jungen Werther ließ er stellvertretend für sich sterben. Und die sieben Jahre ältere, verheiratete Frau von Stein konnte er schmerzlich und vergeblich lieben und eine Unmenge Briefe mit ihr tauschen – sie zum Durchbrennen zu überreden, war er nicht der Mann. Das wäre wohl auch beinah unmöglich gewesen.  Charlotte von Stein, (Steinbock), diszipliniert und beherrscht wie ihr dichtender Seelenpartner, baute ebenfalls auf Sicherheit. Und die lag gerade für sie nicht zuletzt in der Anerkennung der Gesellschaft.

Goethe blieb eben am liebsten vorsichtig. In einer Zeit, da sich nahezu alle sinnenfrohen Menschen mit der Syphilis infizierten, behielt er nicht nur einen kühlen Kopf, er schien auch andere Körperpartien unter Kontrolle zu haben. Offenbar ließ er sich auf seiner italienischen Reise zum ersten Mal die Zügel schießen und öffnete sein Herz und seine Culotte einer entzückenden Italienerin. Da war er bitte fast vierzig.

Mit dieser nagelneuen Erfahrung wieder zu Hause angekommen, begegnete er der 23jährigen Christiane Vulpius, die ihn bat, ihren dichtenden Bruder ein wenig zu protegieren. Demoiselle Vulpius war, wie von Frau Schiller angedeutet, wohlgerundet, fröhlich und sinnlich. Sie arbeitete in einer Art Hutfabrik, wo sie künstliche Blumen anfertigte. Nun wurde sie zu Goethes Haushälterin. In der nächsten Zeit ging mehrfach sein Bett kaputt, das zeigten den forschenden Literaturfreunden später entsprechende Rechnungen. Was wohl bedeutete, Goethe konnte anwenden, was er in Italien gelernt hatte.

Anderthalb Jahre später wurde der Geheimrat zum ersten Mal Vater – ohne das allerdings anzuerkennen. Immerhin ließ er Christiane weiter bei sich wohnen. Im Jahr darauf machte er dann auf einer Reise einer adligen jungen Dame, Henriette von Lüttwitz, einen Heiratsantrag,  den deren Vater ablehnte.

Und jetzt also, 57jährig, hatte er Christiane, diese Person, tatsächlich geheiratet. Weil sie sein Leben gerettet hatte. Und, vielleicht, weil ihm dabei klar geworden war, was sie für ihn bedeutete.

Am Tag nach der Hochzeit nahm er seine Frau zum ersten Mal mit in die ‘Gesellschaft’. Für diesen Nachmittagsbesuch wählte er die richtige Gastgeberin aus: die Schriftstellerin Johanna Schopenhauer. Das war die Mutter des Philosophen Arthur Schopenhauer. Sie wohnte noch nicht lange in Weimar und sie war offenbar ein kluger und weitherziger Mensch, denn sie verkündete hinterher: „Ich denke, wenn Goethe ihr seinen Namen gibt, können wir ihr wohl eine Tasse Tee geben.“

Glücksfaktor: Unabhängigkeit.

 

 

 

Posted by admin on 13. Oktober 2020

Am 13. Oktober 54 wurde Nero Kaiser von Rom

Da war er siebzehn Jahre alt und zunächst noch ein relativ nettes Kerlchen. An seinem Beispiel ist gut zu beobachten, wie Macht den Charakter versaut. Allerdings war er auch genetisch schwer geschädigt: Seine Mutter, Agrippina, hatte gerade seinen Stiefvater, Kaiser Claudius, ihren Gatten, vergiftet. Immerhin für einen guten Zweck: eben, damit ihr Sohn Kaiser werden konnte.

Erstens musste Claudius weg, weil er den Thron blockierte. Zweitens, weil er Ambitionen zeigte, nicht (oder jedenfalls nicht nur) seinen Stiefsohn Nero, sondern seinen leiblichen Sohn, Britannicus, zum Nachfolger zu machen. Deshalb gab es eine Menge Zoff mit Agrippina und das bewusste Pilzgericht, das Kaiser Claudius so gut schmeckte und so schlecht bekam.

Was Nero anging, (der Überlieferung nach drall, rotblond und, anders als auf dieser Darstellung, blauäugig), so wäre er eigentlich lieber Schauspieler oder Sänger geworden als ausgerechnet Kaiser. Ihn interessierte von klein auf die Kunst, Architektur, das Theater. Er wäre ein prima Waldorfschüler gewesen, ganz der musische Typ. Doch dafür hatte er sich in die falsche Figur inkarniert. Er war ein Claudier, und die Claudier waren seit längerer Zeit machtmäßig unterwegs. Um den Kaiser kam er nicht drumrum.

Ob er Rom angezündet hat, um es a) im neuen Stil wieder aufzubauen und den Brand b) zu besingen, ist nicht bewiesen. Auf jeden Fall schob er das Zündeln den Christen in die Sandalen, ließ sie verfolgen und ausführlich zur Volksbelustigung hinrichten. Die Christen, das ist nur logisch, hielten ihn spätestens von da ab für den Antichrist.

Er soll seine Mutter, die böse Agrippina, ermordet haben, seinen Stiefbruder Britannicus und natürlich einige seiner Ehefrauen: Octavia, der ersten, ließ er die Pulsadern aufschneiden und sie in heißem Dampf ersticken. Poppäa, der zweiten, trat er in den Bauch, als sie schwanger war, was sie umbrachte. Das bereute er allerdings hinterher, denn er vermisste ihr schönes Gesicht.

Doch dann, ein Jahr nach Poppäas Tod, begegnete er Sporus, einem sehr jungen Mann, dessen Gesicht eine ungewöhnliche Ähnlichkeit mit der toten Kaiserin hatte! Nero ließ Sporus umgehend kastrieren, nahm ihn nach einem griechischen Ritus zur Frau und nannte ihn von da ab Sabina. Und falls die nagelneue Sabina das alles nicht so witzig fand, konnte sie sich immerhin damit trösten, dass sie an öffentlichen Auftritten als Kaiserin teilnehmen durfte, über eigene Hofdamen verfügte und Schmuck und Kleider einer Kaiserin tragen konnte. Er – oder sie – wurde nicht alt: Um das zwanzigstes Lebensjahr herum nahm Sporus/Sabina sich das Leben. Doch da gab es auch den Kaiser bereits nicht mehr.

Nero wurde nur 30 Jahre alt. Aus verschiedenen Gründen immer unbeliebter und schließlich von seiner Prätorianergarde verlassen, sah er ein, dass er zu gehen hatte. Nachdem er verschiedentlich bejammerte, was für ein Künstler mit ihm zugrunde ginge, ließ er sich von seinem Sekretär dabei helfen, sich selbst zu erstechen.

Es ist übrigens anzunehmen, dass er leider keineswegs so schnuckelig war wie Peter Ustinov, der ihn im Film Quo Vadis darstellte.

Glücksfaktor: Inzwischen haben wir nur noch vernünftige, ernstzunehmende, verantwortungsbewusste Herrscher oder Anführer …