Heute

Posted by admin on 2. Februar 2019

Das Paketgeheimnis – 2. Akt

Wochenende. Der Löwe und ich in der Küche in Gesprächen über den Sinn des Lebens, die Tatsache, dass Nati und Paul Goldene Hochzeit hatten, während wir eher nicht mehr mit einer solchen rechnen sollten und die leichte Grünverfärbung seiner neuen Jeans in der Waschmaschine, eventuell durch die gleichzeitige Anwesenheit eines alten Bundeswehr-T-Shirts. (Natürlich aus meinen Beständen durch einen früheren Herrn. Der Löwe war seinerzeit, wie man ihm immer noch ansieht, Kriegsdienstverweigerer.)

Da kneift er plötzlich seine wunderschönen nachtschwarzen Augen zusammen, indem er mir über die Schulter aus dem Fenster schaut und zischt: “Da ist sie!” – worauf er die Treppe runterspringt und raus in den Tag.

Ich erblicke ein gelbes DHL-Auto und eine kompakte, handfeste Fahrerin in Uniform, ein Paket in den Armen, im Anmarsch auf unseren Briefkasten. Kurz vorm Ziel ändert sie den Kurs und steuert Lydias Briefkasten an, womit sie unter dem Dachausbau und aus meinem Blickfeld verschwindet. Ich kann nur ahnen, dass der Löwe sie gestellt hat.

Das dauert 7 1/2 quälende Minuten, in denen ich versuche, mir vorzustellen, was passiert. Wird mein Mann zum Äußersten gehen? Und was ist das Äußerste?

Lore hatte uns geraten, die Paketzusteller mit Schokoladeriegeln zu umschmeicheln. Haben wir gerade nicht im Hause. Sollte ich mich ganz zwanglos mit einer Handvoll zuckerfreier Bonbons dazugesellen?

Schließlich kommt der Löwe zurück, das Paket bei sich. Darin ist übrigens langweiliger Bürokram, an ihn selbst adressiert. Auf die Frage nach unserer geheimnisvollen verschwundenen Sendung hat die Postbotin mit den entsprechenden Stellen telefoniert und dann erklärt, das Paket sei vergangenen Dienstag erfolgreich bei uns abgeliefert worden. Unterschrieben mit “Schneider”.

Nun sind der Löwe und ich die einzigen Schneider weit und breit. Ernst würde mit dem Nachnamen von seinem richtigen Papi unterschreiben, falls er an die Türklinke käme und dem Paketboten öffnen könnte. Kann er aber nicht.

Es bleibt rätselhaft …

Glücksfaktor: Jemand hat mir ein Paket geschickt! Eines Tages weiß ich vielleicht auch, wer. Und was drin ist.

Posted by admin on 1. Februar 2019

Klang und Wort

Kürzlich hab ich gesagt, dass meiner Ansicht nach die ganze Welt voller kreativer Ideen ist, die gern zu Geschichten verarbeitet werden möchten. Ich will gern hinzufügen, wie sehr ein bestimmtes Medium die Phantasie beflügelt: die Musik.

Völlig zu Recht erklingen in nahezu allen Filmen im Hintergrund ganze Symphonien, die meistens vom Sinn her nicht vorhanden sind, weil nirgends ein Orchester oder ein Mensch mit Geige rumsteht. Trotzdem irriert das selten (obwohl auch hier manchmal des Guten zuviel stattfindet). Vielmehr kommt es uns ganz normal vor.

Hören wir nicht manchmal selbst in unserem Kopf oder in unserem Herzen die Begleitmusik zu einem wunderschönen Sonnenuntergang – zum ersten Kuss von einem geliebten Wesen – zum herzzerbrechenden Ereignis?

Mich hat Musik schon immer zum Schreiben angeregt. Und wenn ich auch nicht aus der Musikhalle nach Hause stürze, um sofort ein Drama oder eine Komödie zu verfassen, so entstehen doch beim Zuhören winzige Ideenpartikel, die, mit noch mehr Melodien begossen, zu keimen und zu ranken beginnen.

Mir gefallen viele Sparten, Barockmusik etwa oder keltische Lieder, Swing der 30er und Big-Band-Orchester, Klassik oder mittelalterliche Klänge oder guter alter Rock.

Besonderes Glück hat man natürlich, wenn ein begabter Mensch Musik aus sich selbst herausströmen lässt und man zuhören darf.

Vor einigen Jahren, an einem schönen Sommertag, haben Arne und ich Marcel besucht. Er und mein Sohn sind seit langer Zeit Freunde, und damals wohnten beide noch in Hamburg. Marcel war an diesem Tag ganz entspannt, er setzte sich an sein Klavier und spielte, was aus ihm heraussprudelte, nur für sich selber und für uns, bestimmt eine Stunde lang. Arne und ich saßen da und lauschten und füllten uns mit der Musik.

Und gestern Abend habe ich einen Freund besucht, der plötzlich Lust bekam, auf seiner Gitarre zu spielen, eine schöne alte Akkustik-Gitarre. Er ist nicht gerade der “Ich-mach-jetzt-mal-etwas-Musik-und-ihr-könnt-alle-mitsingen”-Typ. Vielleicht spielt er meistens nur für sich alleine. Übrigens klingt das hin und wieder beinah mehr wie Harfe, so zart und behutsam, leise und langsam, etwas unwirklich.

Wenn ich so etwas Schönem lauschen darf, entstehen die Ideen. Zuerst Farben, verschlungenes Violett und Dunkelblau und Rosa, dann Bewegungen und Stimmungen wie Wolkenschlieren und schließlich ganze Figuren, Verwicklungen und Lösungen.

Glücksfaktor: begabte Freunde


Posted by admin on 31. Januar 2019

Geheimnisvoll

Am Wochenende waren wir zu Hause, der Löwe und ich. Vier gesunde Ohren am Samstag und am Sonntag. Unsere Türklingel ist robust und durchdringend. Und obwohl wir es hätten hören müssen, hat der Postbote offenbar vergeblich immer wieder geläutet, bis er seufzend einen gelben Zettel in unseren Briefkasten steckte. Darauf stand, wir sollten am Mittwoch, nicht vor elf, an der Poststation unser Paket abholen.

Am Mittwoch? Nicht am Montag?

Ich fuhr am Mittwoch, nicht vor elf, zum Postamt. Es ist ja eigentlich kein ‘Amt’ mehr, aber das wissen die Mitarbeiter noch nicht. Sie benehmen sich immer noch wie Bundespost. Nein – eigentlich mehr wie Reichspost.

Nachdem ich lange genug brav in der Schlange gewartet und die Postleute einige Scherze getauscht und herzlich gelacht hatten, wurde ich herangewinkt.

Paketkarte und Ausweis. Bin ich es? Ich bin es. Ich dürfte Theoretisch mein Paket bekommen – wenn es da wäre. Ist es jedoch nicht. Die Postin, nach scharfem Blick in ihren Computer: “Das ist gestern, am Dienstag, erfolgreich abgeliefert worden!”

Ach was.

Erfolgreich abgeliefert bedeutet, die Post ist es los und hat keine Verantwortung mehr. Wo aber befindet sich mein Paket? Schulterzucken.

“Sie müssen den Absender kontakten!” empfiehlt die Postin.

Wenn ich doch aber nicht weiß, wer der Absender ist? Die Postin wüsste das. Es steht in ihrem Computer. Sie darf es mir jedoch nicht mitteilen, weil wir ja alle sehr datengeschützt sind.

Übrigens wundert sie sich, dass ich das Paket nicht am Montag abgeholt hatte? Ich halte ihr die gelbe Karte noch einmal unter die Nase: “Da steht Mittwoch!”

Die Postin, kopfschüttelnd: “Da muss der Kollege sich verschrieben haben. Der meinte Montag. Na, Irren ist menschlich.”

Durch diese Worte getröstet und versöhnt versuche ich es am nächsten Tag – also heute – mit dem Kundenservice der Post. Dabei bemerke ich, dass innerhalb der Institution jedenfalls keine Ausländerfeindlichkeit herrscht. Die erste Mitarbeiterin kommt deutlich aus Polen, stellt sich mit ‘Maria’ vor – vermutlich, weil sie zu Recht annimmt, ich könnte mir ihren Nachnamen sowieso nicht merken – und will wissen, woher mein Paket kommt.

Das weiß ich nicht. Ich weiß es nicht. Ich weiß es wirklich nicht!

Maria stellt mich durch zu einer (russischen?) Kollegin, mit der die Kommunikation sich schwieriger gestaltet. Immerhin verstehe ich, dass mein Paket gestern erfolgreich abgeliefert wurde. Wem auch immer. Und ich soll eine Nachforschung beantragen.

Das will ich ja gerne tun.

Lydia, falls jemand fragen sollte, hat mein Paket leider nicht erfolgreich angenommen. Aber sie kann mir erklären, wie das alles zusammenhängt.

Zunächst mal, sagt sie, bestellen immer mehr Menschen Online, das hagelt Pakete. Die Paketboten sind heillos überfordert. Dazu kommt, dass sie meist mies bezahlt werden und nicht immer Deutsch verstehen.

Ich hab’s gegoogelt: rund 3,5 Milliarden Sendungen waren das 2018, und die Tendenz ist steigend. Die DHL, Hermes und so weiter sind überfordert.

Würden sie mehr ausgebildete und kompetente Kräfte einstellen und die alle anständig bezahlen, dann würden wir über die neuen Portosätze schimpfen.

So ist das.

Wem soll ich nun böse sein? Und wo ist mein Paket? Es ist sehr geheimnisvoll.

Glücksfaktor: Wenn ich keine anderen Sorgen hab …



Posted by admin on 29. Januar 2019

Stubenfliegen

Gespräch auf einem Empfang in einer Ecke, leise.

Elegante, attraktive Dame zu einer anderen: “Guck dir das an. Annegrete hängt Willem am Ellbogen und grinst. Er merkt es überhaupt nicht, aber sie grinst ausdauernd weiter.”

“Stimmt, ist mir auch schon aufgefallen. Dein Mann ist eben ein Hübscher, meine Süße.”

“Ich weiß. Und deshalb werden wir mal die Bekanntschaft mit Annegrete etwas nach unten dimmen. Die wird nicht mehr eingeladen.”

“Na, ich bitte dich – das kann dir doch egal sein, ob sie himmelt? Willem vergöttert dich. Und ausgerechnet die mit ihrem Vollmondgesicht? Dein Mann kriegt nicht mal was davon mit. Da droht keine Gefahr.”

Elegante Dame, nach einem kleinen Schluck aus dem Sektglas: “Keine Gefahr, das ist richtig. Immerhin eine Belästigung. Natürlich kann keine Stubenfliege mit meinem Puddingschälchen wegfliegen. Aber ich mag keine Fliegen auf meinem Pudding …”

 

Glücksfaktor: Fliegenklatsche.

Posted by admin on 27. Januar 2019

Vermenschlichung

Vermenschlichen ist böse. Darüber braucht man gar nicht nachzudenken, der Klang des Wortes zeigt das schon: es hat etwas VERzerrtes, VERkehrtes. Unwillkürlich denkt man an so kranke Dinge wie winzige Hunde mit Sonnenbrillen und in Mäntelchen.

Als ich mich, um Silvester herum, in den sozialen Netzwerken mit einigen Männern stritt (was ich selten tue), ging es darum, ob die harmlose kleine Freude, herumzuböllern, verboten werden dürfe. Ob Tiere wirklich darunter leiden?

Da schrieb einer der Feuerwerk-Befürworter, man möge doch bitte nicht immer die Tiere so vermenschlichen.

Was bedeutet das in diesem Zusammenhang?

Rücksichtnahme auf zweitrangige Lebewesen, denen das nicht zusteht. 

Tiere nicht zu vermenschlichen heißt, sie an ihrem Platz zu lassen. Als Nahrungsmittel, Pelz-, Leder-, Seife-, Wolle-, Milchliferant. Als Wachhund im Zwinger, oder, priviligiert, als Haustier, das erwiesenermaßen Depressionen der Menschen lindert und sie amüsiert. Vielleicht auch als Spaß-Objekt bei Hahnen- Hunde- oder Stierkämpfen.

Bis vor Kurzem wurde häufig noch der Name eines Haustiers in Gänsefüßchen gesetzt, um anzudeuten, dass es drollig ist, einer Sache (das sind Tiere aus juristischer Sicht) einen Namen zu verpassen.

Außerdem sind Tiere sehr nützlich für medizinische Versuche. Ich will nicht ins Detail gehen und das beschreiben, es ist ja wohl auch meistens bekannt. Das Mittel Contergan wurde in Tierversuchen getestet, ohne dass Irgendetwas auffiel. Damit argumentieren gern die sentimentalen Träumer, die etwas gegen Tierversuche haben. Die Schulmedizin jedoch widerspricht: im Gegenteil! Der Contergan-Fall beweise, dass es zu wenig Tierversuche gäbe. Man hätte damals mit schwangeren Tieren testen sollen. Und erfreulicherweise geschehe das inzwischen, zum Nutzen der Menschheit. Durch Schaden wird man klug. Wie menschlich!

Glücksfaktor: (auf diesem Planeten) kein Tier zu sein, meistens.