Heute

Posted by admin on 2. Juni 2021

Am 2. Juni 1941 wurde Charlie Watts geboren

Wie hoffentlich jeder weiß, ist das der Schlagzeuger der Rolling Stones – seit 60 Jahren. Er wird dieses Jahr also 80 – und er sieht immer besser aus, finde ich. Übrigens ist er das älteste Mitglied der weltberühmten Band. press photo by a photographer of the consulting company Poiseon AG in St. Gallen, Switzerland Charles Robert Watts war tatsächlich immer ein ausgesprochen ungewöhnlicher Rolling Stone. Wenn man ihn so neben den anderen wilden alten Kerlen sieht, wirkt er inzwischen (häufig in einem seiner schnieken, untadeligen Anzüge) ein wenig wie ein leicht amüsierter bürgerlicher Besucher der Gruppe. Mario Escherle (alias Flickr user DerPfalzgraf) Charly hat eine Kunstschule besucht und ist unter anderem Grafiker – er liebt es nach wie vor, Zeichnungen zu machen. Musik liebt er natürlich auch, von Klassik bis Jazz. Er gilt tatsächlich als exzellenter Drummer, im Rolling Stone Magazine stand er auf Rang zwölf der 100 besten Schlagzeuger aller Zeiten. Seit 1964 ist er sehr glücklich mit Shirley Ann verheiratet, die drei Jahre älter ist als er, doch, wie ich finde, immer noch bildhübsch. Außerdem soll sie besonders intelligent, warmherzig und humorvoll sein. Beide haben eine Tochter. Es geht die Legende, Charlie hätte Shirley Ann noch nie betrogen. Bitte – ein Rolling Stone, der seit 57 Jahren treu ist??! Wer weiß. In den 70ern erzählte man sich kichernd, dass Charlie nach Auftritten, wenn die anderen Stones ihre Hotelzimmer mit Groupies füllten, SEIN Zimmer von innen abschloss, um mit seiner Frau zu telefonieren. Kein Sex (außer at home) keine Drugs, nur Rock’nRoll? In den 80er-Jahren hatte Charlie ein Alkohol-Problem. Er verzichtete jedoch auf Therapien jeder Art und befreite sich selbst mit Konsequenz und Disziplin von dieser Bürde. Zwillinge sind häufig autark. Glücksfaktor, meiner Ansicht nach: Ja, Ruhm und Reichtum sind wahrscheinlich auch nett. Aber am wichtigsten ist es, den richtigen Menschen zu finden!      
Posted by admin on 31. Mai 2021

Ernst hat Besuch gehabt!

Neulich, zum Geburtstag, hatte Mami ja schon Torte gebacken, rosa: Ernst hatte sich eine rosa Torte gewünscht. Hat er gekriegt, waren Himmmmmmmbeeren drin.

Diesmal hat sie Sosoladentorte gebacken, aber anders als sonst, das hat Ernst schon gemerkt, als er die Schüssel ausgeleckt hat. Auch lecker, aber anders …

Das war vegan!Da hat Ernst sich schon gedacht, dass großer Bruder Arne kommt. Der mag nämlich keine Tiere. Also essen. Nicht mal Honig, weil da Bienen für arbeiten müssen. Und großer Bruder Arne möchte, dass Bienen frei haben.

Großer Bruder Arne hat lange auf einer Insel im Meer gelebt, weit wech. Jetzt nicht mehr. Jetzt kann er einfach mal eben vorbeikommen und kleinen Bruder Ernst knuddeln.

Löwepapi hat ja schon langes Haar, aber Arne noch mehr. Das freut Mami. Die will dann Zöpfe flechten und es bürsten und so. Ernst kann sein Fell leider nicht wachsen lassen: schade. Plüsch wächst nicht.Arne hat auch Sonne mitgebracht. Er ist mit dem Rad gefahren, ein paar Stunden lang. So was mag die Sonne natürlich, dann kommt sie raus. Abends hatten Mami und Löwepapi und Arne bisschen Sonnenbrand. Wenn plötzlich so viel Sonne da ist, weiß man gar nicht mehr genau, wie man sie dosieren soll.

Ernst hat keinen Sonnenbrand bekommen – er wird auch kein Braunbär. Das ist dann wieder ein Vorteil von Plüsch.

Glücksfaktor: liebe große Brüder.

 

 

Posted by admin on 30. Mai 2021

Am 30. Mai 1814 endete Hamburgs Franzosenzeit

 

Und das war keinen Tag zu früh.

Wenn man sich heute mit der Stadt zusammensetzen würde zu einem gemütlichen kleinen Klönschnack und auf die Vergangenheit käme, dann würde Hamburg mit einiger Wahrscheinlichkeit seufzen und sagen, eine der schlimmsten Episoden in ihrem Leben sei die Franzosenzeit gewesen. Drei Kreuze!

 

Ich hab in meiner ‚Hamburg-Historie‘ darüber geschrieben:

Am Anfang fand man das mit der Französischen Revolution in Hamburg gar nicht so übel. Mit Aristokraten hatte man hier nie sympathisiert.

Nicht jeder trieb allerdings das Entzücken so weit wie der liberale Kaufmann Georg Heinrich Sieveking, der am 14. Juli 1790, dem ersten Jahrestag des Sturms auf die Bastille, in seinem Garten in Harvestehude eine Riesenfete für feinsinnige Freunde (unter anderem Klopstock) gab. Der Gastgeber persönlich hatte zu diesem Anlass ein Lied gedichtet, in dem von brechenden Ketten der Knechtschaft und ‚unserer Schwester Frankreich’ die Rede war. Eine eingeladene Dame berichtete später, es sei von den Anwesenden mit solcher Rührung gesungen worden, dass nahezu jeder Tränen in den Augen gehabt hätte.

Das mit den tränenden Augen sollte für die Hamburger in den ersten anderthalb Jahrzehnten des bald anbrechenden Jahrhunderts aus diesen und jenen Gründen fast schon zur Gewohnheit werden. Als Schwester Frankreich drei Jahre später ihren Ex-König köpfte, als klar wurde, dass Madame Guillotine ihre tägliche Ration Staatsfeinde verschlang, da distanzierte sich Sieveking öffentlich von seiner ehemaligen Begeisterung.

Trotzdem war zunächst alles noch Friede, Freude und massenhaft Eierkuchen. Das ausgehende achtzehnte Jahrhundert hatte Hamburg, gelinde gesagt, wohl getan. Ab 1783 kam der Handel mit  Amerika gewaltig in Schwung, die Wirtschaft blühte wie verrückt.

Mit der Französischen Revolution strömten Emigranten in die Stadt und wurden freundlich aufgenommen. Ganz besonders freundlich natürlich, wenn es ihnen gelungen war, ihr Vermögen mitzubringen. Plötzlich gab es französischen Modeläden und Feinkosthandlungen, Kaffeehäuser und Restaurants. Ein vor den Jakobinern getürmter Adliger namens de Quatre Barbes eröffnete 1799 den ersten Alsterpavillon, in dem eine unerhörte Köstlichkeit angeboten wurde: Speiseeis! (Das war, nebenbei bemerkt, das erste Speiseeis in ganz Deutschland.)

Hammonia französisierte sich, es wurde raffinierter und décolletierter, zumindest für die Bürger, die sich schöne Sachen leisten konnten.

Für die, die sich nichts leisten konnten, wurde es immer enger. Der durch die Hochkonjunktur entstandene Bedarf an Lagerraum ging auf Kosten des Wohnraums. Die Städtische Armenanstalt ließ auf dem Hamburger Berg (dem späteren St. Pauli) Baracken für 117 der ärmsten Familien errichten, doch das reichte weder hin noch her.

Und dann kommt der scheinbar unaufhaltsame Aufschwung ins Stolpern.

1799 erleiden 152 Handelshäuser der Stadt praktisch gleichzeitig Konkurs. Sie haben darauf spekuliert, durch die Napoleonischen Kriege Gewinne zu erzielen und sich mit gigantischen Warenlagern eingedeckt. Der ungewöhnlich kalte Winter 1798/1799 blockiert jedoch über Monate den Handel und ruiniert die Kaufleute.

Trotzdem blickt Hamburg mit heiterer Ruhe in das neue Jahrhundert. Sicher, die Zeiten sind unruhig und dieser Napoleon hat leider ein äußerst kriegerisches Temperament, es ist nicht zu erwarten, dass er den Rest der Welt in Frieden lässt. Aber ist die Stadt nicht immer vom Glück begünstigt? Neutralität war das Zauberwort, das es im 30jährigen Krieg ermöglicht hatte, nicht nur unbehelligt zu bleiben, sondern zusätzlich Reichtum anzuhäufen. Neutral will man auch diesmal bleiben, dann wird schon alles gut gehen.

Um die Friedfertigkeit zu unterstreichen, lässt der Senat alle Befestigungen schleifen. Die Bronzekanonen werden eingeschmolzen, das Material verkauft, Brustwehren und Außenwerke abgebaut. Noch viel friedfertiger wirkt das Ganze, als 1805 der Bremer Kunstgärtner Altmann beginnt, die tiefer gelegten Wälle ganz reizend mit Rasen und Blumen zu bepflanzen.

Schade; noch bevor Hamburg mit seiner gelassenen Neutralitätsdemonstration ganz fertig geworden ist – wird es von Napoleons Truppen besetzt.

Im Herbst 1806 marschierten sie ein: französisch-französische Soldaten, italienisch-französische Soldaten, holländisch-französische Soldaten, spanisch-französische Soldaten und einige deutsch-französische Soldaten. Denn der große Korse, in dieser Beziehung mit dem Gemüt einer Ameise, pflegte aus jedem, den er besiegt hatte, sofort einen eigenen Soldaten zu machen, den er für sich kämpfen ließ.

Gerade war der Kaiser siegreich aus der Schlacht bei Jena und Auerstedt hervorgegangen. Auf See allerdings, bei Trafalgar, hatte Admiral Nelson die französische Flotte zerlegt, eine Tatsache, die Napoleon (als sauschlechter Verlierer) den Engländern sehr übel nahm. Nun wollte er den Fabriken Britanniens die Luft abdrehen. Das gelang ihm durch die Kontinentalsperre und die glückte am besten, indem er Hamburg – Englands wichtigsten Umschlagplatz auf dem Kontinent – kassierte und den Handel ganz und gar unterband.

Die Bürger hatten alle Hände voll zu tun, die Soldaten der Grande  Armee zu hausen und zu köstigen. Platzmangel herrschte vorher schon, nun wurde die Enge teilweise unerträglich: bis zu 30.000 Besetzer drängelten sich in der Stadt. Jeder Bürger musste sich mit mindestens einem, meist mehreren Einquartierten abfinden und das über Jahre. Durch die Kontinentalsperre ging es wirtschaftlich rasant bergab, Verelendung und Massenarbeitslosigkeit waren die Folgen, dazu gab es zahlreiche Sondersteuern. Über 300 große Segler lagen abgetakelt und nutzlos im Hafen.

Spätestens jetzt standen vielen Hamburgern wieder Tränen in den Augen. Es war der Anfang einer harten, vielleicht der härtesten und unerfreulichsten Zeit ihrer Stadt.

Im November und Dezember 1810 ließen die Franzosen auf dem Grasbrook britische Waren im Wert von einer halben Million Francs verbrennen und steigerten dadurch ihre Beliebtheit in der Bevölkerung.

Ab Januar 1811 wurde Hamburg von einer besetzten zur französischen Stadt. Eingegliedert in das Departement Elbmündung gehörte es jetzt zu Napoleons Kaiserreich. Als Generalgouverneur erschien Louis-Nicolas d’Avoùt, der Davoút genannt wurde, Marschall von Frankreich und zweifellos einer der fähigsten Generäle seines Kaisers.

Davoút war damals Anfang 40, ein selbstbewusster Mann mit gut geschnittenem Gesicht und kalten blauen Augen. Wegen seiner mörderischen, bornierten Sturheit erhielt er bald den Beinamen Robespierre von Hamburg*. Er brachte viele Neuerungen mit, die Aufhebung des Rates zum Beispiel und die Auflösung des Stadtmilitärs. (Die Soldaten wurden natürlich dem französischen Regiment einverleibt.) Außerdem eine nagelneue Gerichtsordnung, den Code Civil, der höchst moderne und fortschrittliche Absichten postulierte: etwa Gleichheit vor dem Gesetz, Freiheit für jeden und Schutz des Privateigentums.

Vielleicht hätten die Hamburger diese noblen Richtlinien noch mehr bewundern können, wären sie nicht überall von den Riesenohren lauschender Spione umzingelt gewesen. Hätten sie nicht zu jeder Tages- und Nachtzeit damit rechnen müssen, dass Speicher und Kontore durchschnüffelt oder Korrespondenzen auf verbotene Kontakte mit Engländern überprüft wurden. Hätte nicht eine ‚Theaterzensurbehörde‘ in klassischen Stücken herumgestrichen, um missliebige Worte wie ‚Tyrann‘ auszumerzen und Shakespeare, diesen Briten, selbstverständlich ganz und gar zu verbieten.

*Um das eben anzufügen für Leute, die an Astrologie interessiert sind: Robespierre wurde am 6. Mai geboren, Davoût am 10. Mai; beide besaßen diese Halsstarrigkeit, zu der nur Stiere fähig sind.

 

1812 fiel Bonaparte mit rund 675 000 Mann (darunter so manchem Hamburger), in Russland ein, um es zu erobern. Der Zar besaß weniger Soldaten und Waffen als der französische Kaiser. Was er hingegen hatte, war Platz. Er zog seine Truppen immer tiefer ins Landesinnere zurück, er verbrannte unterwegs die eigenen Dörfer und kleinen Städte, so dass dem kaiserlichen Heer weder Unterkunft noch Proviant blieben. Der Nachschubweg der Franzosen wurde immer länger, die Tage immer kürzer. Als sogar Moskau von seinen Einwohnern verlassen und in Flammen gesetzt wurde, quälte sich die Grande Armee durch einen frühen, grausamen Winter zurück nach Hause. Knapp 18 000 Soldaten waren am Ende übrig geblieben…

Von offizieller Seite wurden die Bürger der französischen Stadt Hamburg darüber informiert, ihr Kaiser sei nach der Eroberung Moskaus bei bester Gesundheit nach Paris zurückgekehrt. Durch eingeschmuggelte Zeitungen erfuhren sie etwas über die Tatsachen: Russen, Preußen und Österreicher waren sich endlich einig (was man in der besetzten Stadt zwangsläufig schon lange empfand) dass ihnen die Franzosen bis obenhin standen.

Das bedeutete den Beginn der Befreiungskriege. Auch die Hamburger fingen an, sich zu bewaffnen und – heimlich gemeinsam zu exerzieren. Marschall Davoút hatte sich mit seinen Männern am Russlandfeldzug beteiligt und kaum 3000 Soldaten unter General Saint Cyr zurück gelassen. Das waren zu wenige, um die aufmüpfigen Bürger zu bändigen, die sich an Kokarden und kaiserlichen Adlern austobten, während gleichzeitig Gerüchte aufkamen, die Russen wären im Anmarsch.

Mitte März 1813 sammelte Saint Cyr seine Leute und alle verschwanden mit klappernden Hufen durch’s Steintor.

Nachdem zur allgemeinen Verblüffung die Besatzung also vorbei zu sein schien, kam der Retter. Ein munterer Wonneproppen, der im russischen Dienst stehende Oberst Karl von Tettenborn, begleitet von 2000 wildbärtigen Kosaken, ‚befreite‘ Hamburg.

Man jubelte. Man lag sich in den Armen. Weißgekleidete Jungfrauen streuten Tettenborns Pferd Blumen vor die Hufe. Man erfrischte die Kosaken mit Branntwein, sofern man noch welchen besaß. Hauptpastor Rambach hielt in der St. Michaeliskirche einen innigen Dankgottesdienst ab. Wer jetzt keine Tränen in den Augen hatte, war selbst schuld.

Tettenborn gab, was das Bürgermilitär anging, ein bisschen seinen Senf dazu. Im Übrigen ließ er sich zum Ehrenbürger ernennen, killerte hübsche Bürgerinnen unterm Kinn und kassierte gern ein Ehrengeschenk von 5000 Friedrich d’or. Als jedoch Ende Mai die Franzosen zurückkehrten, raffte ‚Hamburgs Befreier‘ seine Kosaken um sich und verabschiedete sich hastig. –

Jetzt wurde alles noch viel schlimmer als vorher. Napoleon war aufrichtig böse mit seinen Hamburger Untertanen. Davoút erklärte ihnen, wie böse: Der Kaiser verlangte 48 Millionen Franc als Wiedergutmachung von der finanziell sowieso schon ausgelutschten Stadt.

Den guten Pastor Rambach zwang man, in der Michaeliskirche einen weiteren Dankgottesdienst zu halten, um die Rettung der Stadt Hambourg vor den Russen zu preisen.

Im Oktober bekam Napoleon in der Völkerschlacht bei Leipzig anständig was an die Ohren. Seine Hamburger Bürger wurden zwar nur von Siegen und Triumphen unterrichtet. Sie merkten jedoch an der zunehmend miesen Laune der Franzosen und daran, dass die immer mehr Soldaten sammelten – inzwischen 40 000 – wie die Sache zu stehen schien.

Allmählich wurde die Stadt zur Sardinenbüchse. Gut, dass ihre Einwohner samt und sonders so gertenschlank blieben, weil es empfindlich an Verpflegung mangelte.

Da erging der Befehl, jeder Einwohner müsse sich mit einem Vorrat an Lebensmitteln und Feuerung für ein halbes Jahr eindecken oder die Stadt verlassen. Für arme Schlucker, die froh waren, wenn sie sich von heute auf morgen über Wasser halten konnten, ein grausamer Witz. – Viele ‚unnütze Mäuler‘ zogen fort.

Ausgerechnet das Weihnachtsfest suchte sich Davoút aus, um diese verlangten Vorräte kontrollieren zu lassen. Wer sie nicht nachweisen konnte, wurde bei Schnee und klirrender Kälte fortgejagt. Viele fanden in Ottensen, Barmbek und Altona Aufnahme. Ungefähr 1100 verendeten, verhungert, entkräftet, erfroren, teils unterwegs, teils am Zufluchtsort.

Friedrich Rückert hat über dieses Sterben ein Sonett geschrieben, das in den folgenden Jahrzehnten vermutlich alle Hamburger Schulkinder auswendig lernten:

In Ottensen auf der Wiese

Ist eine gemeinsame Gruft,

So traurig ist keine wie diese,

Wohl unter des Himmels Luft…

Die großen Hauptkirchen werden zu Militärmagazinen oder, wegen der Kälte, zu Ställen für die ca. 7500 Soldatenpferde umfunktioniert, dabei auch mutwillig verwüstet und entweiht – alle bis auf den Michel, weil dessen verzweifelte Gemeindemitglieder es irgendwie schaffen, alle Pferde anderweitig unterzubringen. In der durch die Truppen der Alliierten belagerten Festung Hamburg plünderten inzwischen die Franzosen, da das mit den 48 Millionen nicht so recht zu klappen schien, die Bank. 

Am 12. April 1814 dankte Napoleon bedingungslos ab und wurde nach Elba verfrachtet. Als man Davoút diese Nachricht überbrachte, in der Erwartung, er möge nun endlich aus Hamburg abziehen, meinte er ungerührt: „Ein Mann von Ehre betrachtet sich nicht seiner Schwüre entbunden, weil seinen Souverän vielleicht ein Missgeschick betroffen hat.« Dem eisernen Marschall fehlte ohne Zweifel die Tugend des Loslassenkönnens.

Ende Mai war es dann doch endlich so weit, die noch übrigen 27 000 Franzosen verließen die ausgemergelte Stadt an der Elbe. Wieder gab es einen Dankgottesdienst im Michel, doch diesmal  in gedämpfterer Stimmung als ein Jahr vorher. Zuviel Schreckliches war inzwischen passiert. Aber Tränen hatten die Hamburger bestimmt auch wieder in den Augen…

Sie behielten eine kleine Abneigung gegen alles Französische, mit einer Vorliebe fürs Britische. Und  einen mit eigenwilligen Ausdrücken durchsetzten Wortschatz, vor allem natürlich unser Tschüß, dass wir uns aus dem ‚Adieu’ zurechtgeschliffen haben.

»Visite ma tente«: „Besuchen Sie mein Zelt!“ bat manch einsamer Soldat ein hübsches Hamburger Fräulein – worauf ihr die Eltern streng empfahlen, bloß keine Fisimatenten zu machen.

Oder der typisch Hamburger Ausdruck ‚pingelig‘ – wenn so ein Franzose sich werweißwie sorgfältig kleidete, dann à quatre épingles!

Was blieb außer diesen zurechtgebogenen Ausdrücken?

Erst mal Schulden. Bürgermeister Wilhelm Amsinck bezifferte die Kosten der französischen Besatzung auf rund 80 Millionen Mark courant.

Jetzt musste gehandelt werden! Schon liefen die ersten britischen Schiffe im Hafen ein, die Börse eröffnete ihren Betrieb. Die Geschäfte kamen schnell in Gang …

Und übrigens nahm die Stadt tatsächlich ihre ‚Entfestigung‘ wieder auf. Erneut bepflanzte und dekorierte, wie schon 15 Jahre vorher, der Bremer Kunstgärtner Altmann die entstehenden Flächen und das wurde derart hübsch, dass Hamburg bald deutschlandweit berühmt war für seine Anlagen und viele Nachahmer fand.

Ziemlich fix wirkten die Hanseaten nicht mehr so elend um die Schnute. Endlich konnte gefuttert werden, die Bäuche rundeten sich wieder.

Heinrich Heine schrieb 1834 über die Stadt, die er liebte und hasste: »Hamburg ist die beste Republik. Seine Sitten sind englisch, und sein Essen ist himmlisch. Die Frauen fand ich durchaus nicht mager, sondern meistens sogar korpulent, mitunter reizend schön und im Durchschnitt von einer gewissen wohlhabenden Sinnlichkeit, die mir beileibe nicht mißfiel.«

Glücksfaktor, allemal: Wenn Krieg und Besatzung vorbei sind!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posted by admin on 28. Mai 2021

28. Mai: Tag der Hamburger*In in Amerika und überall!

Obwohl, eigentlich heißt er bis jetzt nur Hamburger. Das mit dem Gendern müsste man ihm noch beibringen.

Was ist ein Hamburger?

Zunächst mal ein Mensch, Geschlecht irrelevant, aus einer norddeutschen Groß- und Hansestadt. Manchmal auch relativ lecker.

Vor allem jedoch ein geteiltes, etwas schlappes Brötchen mit Einlage. Häufig SEHR lecker. Etwa Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts durch deutsche Einwanderer in Amerika eingeschleppt und zum ganz großen Geschäft für die irischstämmigen Brüder Richard James (Dick) und  Maurice James (Mac) McDonald geworden, so um 1945 herum. Beide hatten die erklärte Absicht, vor ihrem 50. Lebensjahr Millionäre zu werden. Könnte geklappt haben, obwohl das eigentliche Milliardengeschäft weltweit mit dem platten Standard-Klops andere machten.

Vor vielen, vielen Jahren hatte ich die zwingende Idee, der Hamburger müsste aus meiner Heimatstadt kommen. Ich wurde ausgelacht und bekam zu hören, der Name leite sich natürlich von ‚Ham‘ ab, Schinken. Auf meine Frage, wieso Schinken für Rinderhack bekam ich dann schon keine Antwort mehr.

Inzwischen hat sich jedoch mein Verdacht bestätigt. Der Hamburger, weiß der kulturgeschichtlich gebildete Mensch nun, ist ein legitimer Nachkomme des ‚Runds-Tück warm‘.

Meine Mutter, die aus Berlin stammte, nannte einen gebratenen Fleischklops ‚Bulette‘, hätte ihn niemals in ein Brötchen (bei ihr ‚Schrippe‘) gesperrt und hatte überhaupt keine Ahnung.

Ich jedoch kannte als Achtjährige glücklicherweise Tante Martha, eine seit vorgeschichtlicher Zeit in Eilbeck ansässige magere Hanseatin. Meine Schulfreundin Eveline war ihre Enkelin und hätte sie also eigentlich ‚Oma‘ nennen müssen – doch da Tante Martha eben für alle Tante Martha war, fiel das mit ‚Oma‘ weg. 

Tante Martha lud nicht nur Eveline, sondern auch mich montags gern mal zu Runds-Tück warm ein. Denn soviel steht fest: Runds-Tück warm war auf jeden Fall ein Montagsessen. Hier wurde der Rest vom Sonntagsbraten, egal, ob Schweine-, Rinder- oder Hammelbraten, und ja, auch falscher Hase oder Hackbraten, in dünnen Scheiben im wohlaufgesparten Rest der Bratensauce nochmal aufgekocht. Das Fleisch kam ins aufgeschnittene Runds-Tück und alles wurde mit der Bratensauce brühheiß übergossen. Dazu gern eine in Scheibchen geschnittene große Gewürz- oder Salzgurke. Überaus köstlich! Im Gegensatz zum späteren Hamburger bestimmt nicht mit den Fingern gegessen – „Kind, hast du keine Manieren?!“ – sondern, schon wegen der heißen Bratensauce, artig mit Messer und Gabel. Das Runds-Tück war ja dann entsprechend durchweicht.

So kam der damalige Mensch aus bescheidener Zeit zweimal in der Woche zu Fleisch, am Sonntag und, etwas gemindert, am Montag. Freitags gab’s  Fisch und ansonsten Gemüse.

Inzwischen ist ja auch der Hamburger nicht mehr auf Fleisch angewiesen. Es gibt die schmackhaftesten Veggie-Burger mit vielen tausend Extras, sie ersetzen geradezu das (leider in Jütland zugunsten italienischer, griechischer und Chinesischer Restaurants weitgehend ausgestorbene) dänische Smørrebrød

Glücksfaktor: Gutes Essen!

 

 

 

 

 

Posted by admin on 27. Mai 2021

Am 27. Mai 1707 starb die Marquise de Montespan

Sie war die Mätresse des französischen Königs Ludwig XIV. – nicht irgendeine, da gab es viele – sondern die offizielle Mätresse.

Was bedeutete, sie besaß großen Einfluss bei Hofe! Wenn sie einen Raum betrat, mussten nahezu alle anwesenden Personen aufstehen – bis auf den König und die Königin, versteht sich.

Madame de Montespan wohnte im Schloß in einem eigenen Apartment, das aus beiläufig zwanzig Räumen bestand. Sie hatte mit dem König sieben Kinder. Das erste starb  früh, aber die anderen legitimierte Ludwig, versah sie mit entsprechenden Titeln und verheiratete sie erfolgversprechend. 

Da sich die Marquise also in einer Art Dauerzustand froher Hoffnung befand und zwischendurch allmählich etwas molliger blieb – und das in einer Zeit, die modisch enggeschnürte Wespentaillen verlangte – kreierte sie eine eigene Mode, die ‚Robe Battante‘, bei der sie Stoff und Rüschen, vor allem hinterwärts, großzügig umflatterten. Schließlich galt dieser Stil sogar als besonders erfolgsträchtig, denn mit jeder Schwangerschaft festigte sie ja ihre Stellung.

Allerdings dauerte das natürlich nicht endlos. Einige hundert adelige Schönheiten hockten in den Startlöchern, um Madame de Montespan abzulösen. Etwas, das sie entsprechend nervös machte. Die Zeit vergeht auch für die Erfolgreichen. Irgendwann war Madame Mitte, Ende dreißig und der König, der schließlich ihr und der Königin nie soweit treu gewesen war, dass er sich eine appetitliche Gelegenheit entgehen ließ, begann eine Affäre mit einem entzückenden siebzehnjährigen Mädchen und machte den Eindruck, dass er sich damit gern länger aufhalten wollte.

Die Marquise benötigte machtvolle Verbündete, um ihren Status zu behaupten. Sie versuchte es mit dem Teufel. Der war zufällig ein guter Bekannter einer Nachbarin – DER Nachbarin aller Bedürftigen. Sie hieß Catherine Monvoisin, wurde jedoch meistens La Voisin genannt, ‚die Nachbarin‘ eben. La Voisin war ungemein hilfreich. Sie stellte Horoskope, legte die Karten, farbrizierte Liebestränke und verhinderte unerwünschte Schwangerschaften.

Bei Bedarf ging sie auch noch weiter. Sie stellte Gift zur Verfügung, um Erbschafts- oder andere Angelegenheiten zu regeln und sie veranstaltete – gemeinsam mit einem guten Freund, dem aus dem Priesteramt geworfenen Abbé Guibourg – schwarze Messen, bei denen Säuglinge getötet wurden. Die hatte sie jederzeit zur Hand, unerwünschte Kinder nicht nur von Prostituierten. Als alles aufflog, wurden in ihrem Garten massenhaft winzige Schädelchen und Knochen ausgebuddelt.

Madame de Montespan war eine entschlossene Person, bereit, mit vollem Einsatz zu kämpfen. Hier ging es schließlich um Höheres. Falls Ludwig bei diesem blutjungen Mäuschen blieb, dann würde demnächst niemand mehr aufstehen, wenn die ehemalige offizielle Geliebte den Raum betrat.

Die Marquise legte sich also, nicht zimperlich, unbekleidet auf den Tisch der schwarzen Messe, sie bildete gewissermaßen den Altar, nahm eine geweihte Hostie zu sich … Wie soll ich sagen, nicht oral, und gab sich dem Stellvertreter Satans hin, vermutlich Abbé Guibourg. Es wurde von Zeugen der Zeremonie auch erzählt, bei dieser Gelegenheit sei ein Baby über ihr geschlachtet und der Körper der Marquise mit seinem Blut begossen worden. Doch das waren unter der Folter geäußerte Schilderungen, wer weiß, wie glaubhaft? 

Montespans Forderungen an die Unterwelt lauteten, Ludwigs Favoritin zu bleiben – und der Tod  seiner neuen jungen Mätresse. Die starb dann auch ziemlich plötzlich, nach einer Totgeburt, von  der sie sich nicht erholte. Und was die Gunst des Königs anging, da wirkten die Liebestränke. Zwar bekam er regelmäßig Kopfschmerzen  (‚zu Risiken und Nebenwirkungen befragen Sie die Hexe Ihrer Geliebten‘), doch er blieb der Marquise einstweilen gewogen, obwohl ihre Oberschenkel, wie Ludwigs Biograf schrieb, allmählich den Umfang einer Männertaille annahmen.

1675 erfuhr Frankreichs Polizeichef, La Reynie, von einem Priester, dass Mitglieder des hohen Adels seit einer Weile die erstaunlichsten Sachen beichteten.

 Gabriel Nicolas de La Reynie (1625-1709) Lieutenant General of Police of Paris during the reign of Louis XIV. Private Collection. (Photo by: Christophel Fine Art/UIG via Getty Images)

La Reynie, ein gewitzter Zwillinge-Mann, nahm sich der Sache an und begann, zu recherchieren. Das dauerte Jahre und brachte immer Schlimmeres zutage. Unter anderem, dass die dem König beigebrachten Tränke Menstruationsblut, Krötenaugen und Fledermausblut enthalten hatten.

La Voisin, stellte sich heraus, war keineswegs die einzige, wenn auch wohl die größte Hexe von Paris. Außerdem schien sie eine Art Massenmörderin zu sein. Es gab 360 Verhaftungen, 218 Verhöre (davon etliche unter der Folter, woran zwei der Verdächtigen starben) und 110 Verurteilungen. 36 Personen tötete der Scharfrichter mit dem Schwert oder auf dem Scheiterhaufen, letzteres geschah vor allem mit La Voisin und anderen Hexen.

Und Madame de Montespan? Das war nicht so einfach. Zwar wurde dem König im Verlauf der Aufdeckung dieser satanischen Zirkel und der tatkräftigen Mitwirkung seiner langjährigen Favoritin klar, woher seine jahrelangen Kopfschmerzen kamen. Aber diese Frau konnte er nicht einfach auf den Scheiterhaufen verfrachten – eigentlich noch nicht mal aus dem Schloss schicken. Sie war schließlich die Mutter seiner anerkannten, geadelten Kinder. Immerhin blieb der Hofstaat bei ihrem Eintritt neuerdings sitzen. Madame musste auch das 20-Zimmer-Apartment aufgeben und wurde etwas bescheidener im Erdgeschoss einquartiert. Und da sie ihm keine Tränke mehr verabreichte, verlor Ludwig zweierlei: seine Liebe zu der Marquise  – und sein Kopfweh.

Glücksfaktor: Klarheit.

 

 

 

 

 

 

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