Heute

Posted by admin on 17. August 2016

Heimweh

Eine Freundin begrüßte mich heute, zurück Zuhause. Ich erzählte ein wenig, und plötzlich fragte sie: „Hattest du gar kein Heimweh?“ Da fiel mir wieder ein, was ich oft vergesse: ich hab ein Heimweh-Defizit. In der Gegend fehlt mir was. Ist das charakterlos? Ist das kaltschnäuzig? Beides ist mir vorgeworfen worden. Als ich sehr klein war, konnte meine Mutter mich problemlos zu allen möglichen Leuten bringen, wenn sie etwas zu erledigen hatte. Ich weinte nie, ich klammerte mich nicht an ihr fest. Ich interessierte mich für die neuen Menschen und assimilierte mich in kürzester Zeit. Winkte meiner sich verabschiedenden Mutter kurz zu, ohne hinzugucken. Das war sehr praktisch für sie, aber sie war trotzdem beleidigt. Ist man treulos, wenn man kein Heimweh empfindet? formation-508038_1920    
Posted by admin on 16. August 2016

Fliegen

Es fällt mir schwer, ans Fliegen zu glauben.

Ich erlebe, dass es funktioniert.

Eine ganze Menge Menschen steigen in ein schweres Gehäuse aus Metall. Schweres Gepäck ist hinzugefügt. Dann heult das Gehäuse auf, rast davon und bewegt sich schräg in den Himmel, wo es bleibt und hoch über Länder und Meere schwebt.

Schließlich kommt es wieder nach unten und rollt aus. Menschen und Gepäck werden entfernt und sind tatsächlich ganz woanders.

Es scheint sich also um Wirklichkeit zu handeln.

Trotzdem. Es fällt mir schwer, daran zu glauben.

 

plane-1001287_1920

 

 

 

 

Posted by admin on 15. August 2016

Der Morgen

Im Morgen liegt der Zauber des Anfangs.

Er kommt im besten Fall frischgewaschen oder frischgeduscht an, hat vielleicht Gymnastik gemacht oder gejoggt, Frühstück gegessen und seine Zähne geputzt und ist begierig auf neue Taten.

Sonnenaufgang ist Hoffnung: eine neue Chance, wir dürfen es noch einmal versuchen, diesmal wird alles gut. Darauf fallen sogar oft Skeptiker rein.

Ein neuer Morgen suggeriert, dass wir ganz von vorn anfangen können, egal, wie schlimm wir es am Vortag vermasselt haben.

Man muss ihn packen und nutzen. Er dauert nicht ewig.

Mittags ist er schon vorbei…

morning-mist-1535967_1920

 

 

 

Posted by admin on 14. August 2016

Abschied

„Partir, c’est un peu mourir“,  sagen die Franzosen: „Abschied ist ein bisschen wie sterben.“

Wir sind mit der Zeit geschlagen, wir erleben Vergangenheit und Gegenwart und Zukunft und müssen sehen, wie wir unsere Emotionen darin sortieren.

Einen  ganzen, gesegneten Monat lang war ich auf der Insel Gozo, mitten im Sommer 2016.

Die Zeit ist weder schnell noch langsam vergangen, sie hat das gemacht wie immer, mal ein wenig hastig und mal ein bisschen mit Getrödel, je nach dem.

Ich habe bestimmte Gewohnheiten entwickelt – auf dem Balkon zum Garten frühstücken beispielsweise – ich habe mich mit einigen Lebewesen mehr angefreundet und mit anderen weniger.

Ein Mann, den ich mal kannte, pflegte zu sagen; „Flugzeuge haben keinen Rückspiegel. Ein Pilot schaut immer nur noch vorn.“

Vielleicht ist das eine gute Methode, mit Abschied fertig zu werden…

 

20160814_134015

 

Posted by admin on 13. August 2016

noch mehr Engel

Engel sind wunderbare Geschöpfe.

Sie sind hilfreich und geduldig (was bleibt ihnen übrig?) und schön: schön wie ein Engel, sagt man.

Mein persönlicher Schutzengel besorgt mir Parkplätze oder einen Sitz im Bus, er findet Dinge wieder, die ich verschlampt habe und ich kann dieselbe Frage dreißigmal an ihn stellen: er lächelt geduldig und antwortet noch einmal.

Hier auf Gozo sind ganz besonders viele Engel; sie leben in den Kirchen, wo sie beispielsweise die Schüsselchen mit Weihwasser reichen, oder sie wohnen in Vorgärten und Hausfassaden.

Ein menschlicher Engel  fährt mich morgen zur Fähre, damit ich nach Malta übersetzen kann. Getarnt hat er sich als Taxifahrer (Engel geben ungern zu, dass sie welche sind.)

Er hatte mich schon mal gefahren und ist sehr freundlich gewesen. Und nun hat er es gemanagt, mir ganz zufällig wieder zu begegnen, gerade, als ich darüber nachdachte, wie ich das Gepäck in den Bus bekomme…

 

Engel für Blog