Heute

Posted by admin on 20. Mai 2020

Hoffnung

Kürzlich hatte ich ein längeres Gespräch mit einem Freund, der viele kluge Sachen erzählte und das meiste gefiel mir ausnehmend gut.

Aber es war ein Faktor dabei, der mich unangenehm berührte – darüber komme ich nicht hinweg, es beschäftigt mich seit Tagen. Er hielt nämlich überhaupt nichts vom Begriff Hoffnung. Für ihn schien sie die Bedeutung von passivem Abwarten zu besitzen. Etwas wie eine lähmende, täuschende, indifferente Emotion, die Aktivität verhindert.

Für mein Empfinden ist das gegenteilig. Ohne Hoffnung auf einen günstigen Ausgang fehlt mir jede Lust, überhaupt zu beginnen.

Die Hoffnung ist die Schwester der Liebe und des Glaubens. Alle drei irrational, nicht anzufassen und nicht zu beweisen. Glaube vor allem ist eine überaus verpönte Sache, weil mit Religionen soviel haarsträubender Unsinn begründet wird und so viel Unrecht geschieht – woran der Glaube keine Schuld trägt. Er wird nur missbraucht für die Dummheit der Menschen und für ihre Machtgier.

Liebe ist schon populärer, obwohl man auch ihr gern nachsagt, sie verursache nur Kummer und Herzeleid.

Dass Hoffnung etwas Negatives sein soll, habe ich bisher selten gehört. Ich dachte, sie hätte immer noch einen vergleichsweise guten Ruf.

Mein Vater hat mir vor langer Zeit ein kleines Gedicht aufgesagt, das mich damals sehr beeindruckte. Er musste sich anstrengen, es aus seinem Gedächtnis zu kramen und bekam es nur nach und nach und recht verstümmelt zusammen:

Gut verloren – etwas verloren.
Du kannst neu beginnen, es wiedergewinnen.

Freunde verloren – viel verloren. Musst rasch dich besinnen und neue gewinnen.

Hoffnung verloren – alles verloren. Da wäre es besser, nicht geboren …

Viel später fand ich, dass es wohl ursprünglich ein Gedicht von Goethe himself war, etwas anders und mit dem Schluss: MUT verloren. Es meint jedoch dasselbe. Jedes Lebewesen braucht ein Ziel, eine Perspektive. Die Pflanze, die in der Finsternis keimt, wendet sich sofort in die Richtung des kleinsten Lichtstrahls.

Man sagt von der Hoffnung, sie stirbt zuletzt. Dann ist es wirklich dunkel.

Ich möchte so wenig ohne Hoffnung leben wie ich ohne Glauben oder ohne Liebe leben möchte.

Und ich bin ganz überzeugt davon, dass Hoffnung ein Glücksfaktor ist!

Posted by admin on 18. Mai 2020

Die erste Belagerung Maltas begann am 18. Mai 1565

Sie dauerte bis zum 8. September desselben Jahres. Die Gegner in diesem verlustreichen Gerangel waren Sultan Sülayman der Prächtige

und der Großmeister des Malteserordens, Jean Parisot de la Valette.

Beide Herren bereits um 70, aber erfahrene Strategen. Der Sultan hatte den Wunsch, aus seinem Osmanischen Reich ein Weltreich zu machen. Ungarn war bereits ganz türkisch, das mit Wien hatte nicht so geklappt. Und jetzt Malta. Das lag nun mal so furchtbar günstig im Mittelmeer, der geborene Stützpunkt zwischen Sizilien und Tunesien.

Die kleinen Inseln aus gelbem Sandstein, Malta und ihre Schwester Gozo, gehörten dem Johanniterorden. Kaiser Karl hatte ihnen die gelben Punkte im blauen Meer geschenkt, nachdem 42 Jahren zuvor ebendieser prächtige Sultan sie von ihrer ursprünglichen Heimatinsel Rhodos verjagte. Der Kaiser hatte den Johannitern (die sich jetzt Malteser nannten) nebenbei bemerkt damals auch Tripolis gegeben. Das eroberten allerdings 1551 die Osmanen. Es ist nicht ganz unverständlich, dass die Ordensbrüder allmählich eine gewisse Abneigung dagegen verspürten, von Sülayman dem Prächtigen ein weiteres Mal aus ihrer Heimat verjagt zu werden.

Der Sultan meinte es ziemlich ernst. Er selbst blieb zwar zu Hause, ließ jedoch 130 Galeeren und mindestens 200 Kriegs- und Transportschiffe anrauschen, um seine 40.000 Mann in Stellung zu bringen. Der berühmte und wegen seiner Grausamkeit gefürchtete Pirat Turgut Reis kam mit einem weiteren Geschwader dazu, um den Oberbefehl der Operation zu übernehmen. Turgut war fast 80 Jahre alt – und wenn man bedenkt, welch kurze Lebenserwartung die Menschen damals besaßen, könnte man meinen, das Kriegerhandwerk hätte sie lange frisch gehalten.

Der Pirat war bereits 1551 über die Inseln hergefallen, hatte Malta verwüstet und auf Gozo Tausende der Einwohner gefangen genommen und zu Sklaven gemacht. Ungefähr zehn Jahre später kämpfte Turgut Reis gegen eine christliche Streitmacht um eine Festung auf Djerba – und besiegte sie. Er ließ die überlebenden Feinde köpfen und aus ihren Schädeln eine Pyramide errichten.

Dieses Herzchen also kaute wütend an seinem Schnurrbart, während er vom Meer aus auf Malta starrte, das er diesmal restlos erobern wollte.

Die Malteser sandten Hilferufe an Spanien und Sizilien – da kam jedoch erst mal so recht niemand. Sie waren auf sich selbst angewiesen: 750 Mann des Ritterordens, 8000 Malteser und 600 spanische Söldner. Indessen verfügten sie über hervorragend befestigte Häfen. Zwischen den Landzungen Birgu und Senglea hatten sie eine Kette gespannt und Palisaden aus spitzen Holzpfählen gebaut, und wo es nur möglich war, richteten sie ihre Kanonen gegen die Bedrohung vom Meer. Die Türken mussten an anderen Stellen der Insel landen.

Mehr als einen Monat lang kämpften Invasoren und Einwohner um das Fort St. Elmo (unterhalb der heutigen Hauptstadt Valletta). Kanonenkugeln von 160 Pfund Gewicht prallten auf das trutzige Gemäuer, täglich bis zu 7000 Geschosse. Die Verteidiger wehrten sich mit ihrer Artillerie, so gut sie konnten. Zumindest schafften sie es, den Piraten umzulegen: Turgut Reis wurde von einem großen Steinsplitter, durch den Aufprall einer Kanonenkugel durch die Luft geschleudert, an der Schläfe getroffen und erlag der Verletzung eine knappe Woche später. Er hörte jedoch, sterbend, noch den Jubel der Osmanen, die St. Elmo Ende Juni erobert hatten.

Am Anfang gab es 1500 Verteidiger im Fort. Als die Osmanen nun die zugrunde geschossene Festung erstürmten, leben noch 9 Ordensritter. (Während die Angreifer über der Belagerung 8000 Mann verloren hatten!) Natürlich wurden die neun Überlebenden getötet. Man schickte ihre gekreuzigten Leichen über das Meer in Richtung Birgu und Senglea. Damit konfrontiert, ließ Jean de la Valette ingrimmig die Köpfe osmanischer Gefangener in seine Kanonen laden und auf die Feinde abfeuern.

In den ersten Augustwochen bemühten sich die Belagerer, die restlichen Festungen der Malteser zu erobern. Das wurde eine verlustreiche Angelegenheit. Beim Angriff auf die St. Michaels-Bastion, nachdem mehrere Mauern eingestürzt waren, führte der tapfere alte Vallette die Ritter persönlich an, was in gleicher Weise seine Streitkräfte ermutigte und anfeuerte, wie es die Türken beeindruckte: Die Bresche konnte wieder geschlossen werden.

Inzwischen hatte ein Osmane namens Mustafa Pascha die Leitung des Invasionsheers übernommen. Er wusste, dass alle kampffähigen Männer der Insel in den drei übriggebliebenen Festungen saßen – insofern musste das Hinterland mit der Hauptstadt Mdina schutzlos daliegen. Er schickte einen seiner Generäle mit 1800 Mann los, die Stadt einzunehmen. Der Kommandant von Mdina erfuhr von dem geplanten Angriff und wusste, dass er mit älteren und schwachen Bauern, einigen Kranken sowie ein paar Hände voller Frauen, mit wenig Kanonenkugeln und kaum Pulver die Stadt keinen Tag verteidigen könnte. Also dachte er sich das aus, was als ‘Der große Bluff’ in Maltas Geschichte einging: Er kleidete alle halbwegs lebendigen Menschen, die sich aufrecht halten konnten von der Taille aufwärts in Uniformen und ließ sie mit allem, was an Waffen und Geschützen zur Verfügung stand, auf den Wällen stehen. Als die Türken sich zum Angriff formierten, erblickten sie ein unerwartet großes Heer und wurden mit einem kurzen, aber höchst eindrucksvollen Abwehrfeuer empfangen. Erschrocken glaubten sie an eine Fehlinformation, was die Verteidigung der Stadt anging, und zogen schleunigst wieder ab.

Die ganze Angelegenheit wurde zunehmend aufreibend, vor allem für die Belagerer. Weitere Sturmangriffe auf die Festungen erzielten keine Ergebnisse, eins ihrer Versorgungsschiffe war abgefangen worden und das osmanische Heer befand sich in keinem erfreulichen Gesundheitszustand.

Anfang September kam Sizilien endlich in die Socken und schickte das vier Monate zuvor angeforderte Ersatzheer, leider nur 8000 Mann. Mustafa Pascha sah die Schiffe mit noch mehr Feinden kommen und befahl den Abzug von Malta. Trotzdem kam es noch einmal zu schweren Kämpfen, die vor allem den Türken große Verluste brachten. Schließlich ließen sie den überwiegenden Teil ihrer Waffen zurück und flohen ziemlich ungeordnet heimwärts.

Sülayman der Prächtige verkündete, die Sache im nächsten Jahr persönlich zu einem besseren Ergebnis zu bringen, starb jedoch erfreulicherweise, bevor er das verwirklichen konnte.

Die gescheiterte Eroberung Maltas kostete die Osmanen 24.000 Tote, 10.000 Verwundete, 1000 Gefangene und darüber hinaus den Mythos der unbezwinglichen Türken. Sie unternahmen nie wieder einen Versuch, die Insel zu erobern.

Von den rund 17.300 Mann, die den Verteidigern zur Verfügung standen, starben 10.300. 13000 wurden verwundet, Kurz vor dem Ende der Belagerung, als die Entsatztruppen aus Sizilien landeten, besaß Malta noch 600 Mann.

Die Malteser bauten nach dieser Erfahrung ihre Verteidigungsanlagen entschieden weiter aus. Ihre neue Festungsstadt wurde nach dem tapferen Großmeister Valletta genannt und löste Mdina als Hauptstadt ab.

Eine weitere Belagerung der Insel fand dann übrigens im zweiten Weltkrieg statt. Da war Malta ein Stützpunkt der Briten und wurde von italienischen und deutschen Kriegsschiffen umkreist und mit Bomben der Luftwaffe beballert, zwei Jahre lang, von 1940 – 1942.

Glücksfaktor: Gar kein Krieg …

Posted by admin on 17. Mai 2020

Vergissmeinnicht

Noch stehen sie in vielen Gärten, in meinem auch.

Die kleinen Blüten mit fünf zarten Blättern sind manchmal rosa oder weiß oder sogar gelb. Aber die allermeisten sind so blau wie die Augen von Hans Albers. Auf Englisch heißen sie Forget-me-not und auf Französisch Ne m’oubliez pas. Es gibt sogar einen entsprechenden chinesischen Namen, den kann ich bloß nicht aussprechen.

Die Blume ist einjährig, säht sich selbst jedoch zuverlässig aus. Wer ausgeblühte Vergissmeinnicht über einem Beet schüttelt, der sieht im nächsten Frühjahr wieder alles in Blau.

Bevor die Menschen sie in ihre Gärten einluden, wuchsen sie im Wald.

Vergissmeinnicht ist ein Treuesymbol. Es gibt kleine Ringe, meist aus Emaille, die eine Vergissmeinnichtblüte zeigen.

Glücksfaktor: ein eigenes Stückchen Garten …

Posted by admin on 16. Mai 2020

JETZT ist er nochmal überarbeitet und vervollständigt – der Kleine Seuchenalmanach!

Hinzugefügt ist der Beitrag über Scharlach – einer über Fleckfieber und das nicht selten damit verwechselte Nervenfieber, inzwischen als Typhus bekannt – Polio oder Kinderlähmung sowie über Rickettsien. Was das ist, wusste ich vor zwei Wochen selbst noch nicht: gewissermaßen Kusinen von Bakterien und Viren, Erreger von Infektionen.

Und nein, ein Beitrag über unsere derzeitige Pandemie ist immer noch nicht dabei. Dabei hatte ich einen sehr schönen Text drüber geschrieben, von oben bis unten voller Vermutungen. Was anderes haben wir schließlich alle miteinander noch nicht, und das hatte ich auch unumwunden zugegeben. Das nützte mir aber nichts. Amazon hat mir erklärt, eben aus diesem Grund, weil keiner was Genaues weiß, dürfe man bei ihnen nichts über Corona, COVID-19 oder SARS-CoV-2 veröffentlichen.

Deshalb fehlt sie, deren Name nicht genannt werden darf, in meinem kleinen Almanach …

Einen Glücksfaktor: Hätte ich, wenn viele nette Leute das Büchlein kaufen, lesen, entzückt sind und entzückende Rezensionen schreiben …

Posted by admin on 15. Mai 2020

Ich habe eine Freundin,

nennen wir sie Ahörnchen, die hat ‘Vorerkrankungen’ und eine kranke Mutter, für die sie sich unerschöpflich Zeit nimmt. Sie hält vorbildlich Abstand und besitzt viele verschiedene, teilweise bildhübsche Atemmasken, die sie alle korrekt trägt. Ahörnchen hat einen Hass auf alle, die zweifeln und das auch noch äußern. Sie sagt, dass sind Verantwortungslose, Gehirnlose und Aluhutträger, dusselige Verschwörungstheoretiker. Ahörnchen hat gewusst (und weiß es noch) dass alles noch viel schlimmer kommen wird mit COVID-19. Sie ist bereit, sich auf der Stelle impfen zu lassen, sobald es einen entsprechenden Wirkstoff gibt.

Und dann hab ich eine Freundin, sagen wir Behörnchen, die hat ein kleines Café, zwei Kinder und einen Hund. Das Café ist zu klein und deshalb nach wie vor geschlossen, kostet jedoch weiter Miete. Der Mann zahlt nicht mehr, weil sein Job seit drei Monaten nicht mehr stattfindet und er nichts verdient. Kinder und Hund wollen bespaßt und ausgeführt werden. Behörnchen dachte, es wäre ein guter Zeitpunkt, sich das Rauchen abzugewöhnen, solange sie sowieso eine Maske trägt – aber das war ein Irrtum. Es ist ein schlechter Zeitpunkt, sich das Rauchen abzugewöhnen, wenn man sowieso sauwütend ist und sich mit jedem streiten möchte. Sie sammelt Fakten dazu, dass viel, viel mehr Menschen täglich an anderen Ursachen sterben. Behörnchen hat einen Hass auf alle Corona-Hysteriker. Wer sie impfen will (und ihr dabei einen Chip verpasst, wie sie erwartet) der muss sich auf einen Kampf gefasst machen, bei dem es um Leben und Tod geht.

Früher ist mir nie aufgefallen, dass diese Hörnchen besonders verschieden sind.

Glücksfaktor: bisher verzeihen mir beide meine Neutralität …