Heute

Posted by admin on 10. Oktober 2021

Eleanor Rigby starb am 10. Oktober 1939

im Alter von 44 Jahren.

Ah, look at all the lonely people!

Kürzlich hörte ich auf einem Kultursender eine merkwürdige, aber schöne Version von diesem Beatles-Song vom Album Revolver aus dem Jahr 1966: die bekannte Melodie, gespielt von einem Klassik-Orchester.

Die Ansagerin erklärte dazu, die besungene Person habe es nie gegeben. Paul McCartney hätte erklärt, der Vorname – Eleanor – stamme von einer befreundeten Schauspielerin, den Nachnamen – Rigby – hätte er in Bristol über einem Laden gesehen. Es sollte ein ’natürlich klingender Name‘ sein. Und so habe es eben natürlich geklungen.

Ach wirklich?

Dazu fiel mir ein, dass ich das Foto eines Grabsteins kannte, der beweist, dass es Eleanor  sehr wohl gegeben hat. Sie lebte ganz zufällig in Liverpool, im Stadtteil Woolton. 

John Lennon und Paul McCartney begegneten sich 1957 zum ersten Mal auf einem Kirchenfest der St.Peter’s Church in Woolton. Einen Katzensprung entfernt vom Grab des Küchenmädchens Eleanor Rigby, gestorben am 10. 10. 1939 (übrigens einen Tag nach und ein Jahr vor John Lennons Geburtstag). Ihr Grabstein befindet sich auf dem Friedhof der St. Peter’s Church.

John wohnte damals bei seiner Tante Mimi in der Menlove Avenue – die grenzt an die Straße, in der Eleanor Rigby lebte. Sein Onkel George war kürzlich gestorben, George Toogood Smith, dem John sehr nahe gestanden hatte. Sein mittlerer Name, zu-gut, gefiel John besonders und er nahm seine Kumpel mindestens einmal mit auf den Friedhof, um ihnen Onkel Georges Grabstein zu zeigen.

Der Text, der zu diesem ‚zufällig zusammengestückelten‘ Namen gehört, spricht von einer  Kirche und vom Grab. Eleanor sammelt hier in ihrer Einsamkeit den Reis vom Boden, der bei einer Hochzeit auf das Brautpaar gestreut wurde. Pastor McKenzie schreibt Worte zu einer Predigt, die keiner hören wird, weil niemand zum Gottesdienst kommt. Eleanor Rigby starb in der Kirche und wurde mit ihrem Namen begraben. Niemand kam zur Beerdigung. Pastor McKenzie wischt die Erde von seinen Händen, als er vom Grab kommt.

Paul McCartney hatte früher tatsächlich behauptet, sich den Namen irgendwie zusammengestückelt zu haben. Inzwischen – konfrontiert mit dem Grabstein auf dem St.Peter’s Graveyard – hat er zugegeben, dass er sich wohl doch aus dieser Quelle bedient hat. Und dass für ihn vermutlich deshalb, weil er irgendwo in seinem Unterbewusstsein gespeichert war, der Name so besonders natürlich klang.

Jetzt gehört das Grab des Küchenmädchens zu einem Ziel der Führung, die in Liverpool regelmäßig für Beatles-Fans stattfindet. 

Glücksfaktor: gründliche Recherche.

Ach, schaut euch all die einsamen Leute an. Wo kommen sie alle her? Und wo gehören sie alle hin?

Hier ist Marcels Version:

Posted by admin on 10. Oktober 2021

Am 10.10. ist Welt-Hundetag!

Es mag sich für eine Katze etwas ungewöhnlich anhören, aber ich liebe kaum etwas auf der Welt so sehr wie Hunde. Ich finde in den seltensten Fällen einen Hund hässlich oder unsympathisch. Ich mag sie nahezu alle. Ich kann an keinem Hund vorbeigehen, ohne ihn anzugrinsen oder ein Wort mit ihm zu wechseln.

Andererseits streichele ich NIEMALS einen fremden Hund oder fasse ihn sonstwie an (solange er nicht deutlich signalisiert, dass er Wert darauf legt) weil ich das für respektlos halte.

Ein Kind wollte ich ja eigentlich eher nicht, es hat mich überrumpelt, Danke, Schicksal, und das war ein Glücksfall. Hunde wollte ich immer. Mein Leben war voller Hunde, für mich gehören sie zu einem erfüllten Dasein.

Meine Eltern hatten weiß der Himmel wenig gemeinsam: den Hass auf die Nazis mitten im Dritten Reich – die bedingungslose Liebe zu mir – und Tierliebe. Beide waren gleichermaßen mit Hunden aufgewachsen. Meine Mutter mit dem Familienhund Mollie, einer nicht ganz rassereinen Dackelin –

     

mein Vater mit Athos, der ihm allein gehörte, seit er sieben war, und der so hieß nach dem wunderbarsten der drei Musketiere – weil er dieselbe Frisur trug wie ein Musketier …

Sobald mein Bewusstsein erwachte, war da außer meinen Eltern ein Kindermädchen auf vier Pfoten: Senta, eine geduldige alte Schäferhündin, die meine Eltern von einem Freund geerbt hatten.

Nachdem Senta uns verlassen hatte, bekam ich, als ich sechs Jahre alt war, einen Terrierwelpen, den mein Vater aus dem Tierheim geholt hatte: Bimbo.

Während meiner ersten Ehe kaufte ich mir sehr spontan ein Rauhaardackelbaby, meinen Napoleon, selbstbewusst und voller Charme, eine meiner beiden größten Hundelieben.

Eine ganze Weile später zog ich mit Arne (als er etwa 14 war) und einer interessanten kleinen Frau zusammen in ein Haus nördlich von Hamburg. Sie besaß zwei Kater und einen Rottweiler, Berry, einen Hund mit sardonischem Humor. Berry akzeptierte mich als Zweit-Frauchen und wir hatten eine gute Zeit miteinander bis zu seinem Tod.

Schließlich, wieder Jahre später, schafften mein zweiter Mann und ich uns einen märchenhaft schönen, psychisch völlig verstörten Berner Sennenhund an, Prosper, ich glaube, meine allergrößte Hundeliebe, eine ganz große Seele.

Jeder dieser Hunde hat eine Geschichte und jede dieser Geschichten ist es wert, erzählt zu werden. Das möchte ich in den folgenden Wochen gern tun.

Glücksfaktor allererster Ordnung: die Geräusche und Gerüche, die mit Hunden zusammenhängen, das Trappseln  ihrer Pfotennägel auf Parkett, ihr verlegenes Gähnen, wenn nett über sie gesprochen wird und der Duft von warmem Fell in der Sonne …

 

 

 

Posted by admin on 9. Oktober 2021

9. Oktober 1913 – Feuer auf der Volturno!

Achtzehn Monate vorher sank die Titanic, davon hat man gehört oder Filme drüber gesehen. Vom Unglück der Volturno ist sehr wenig bekannt. Um zur Legende zu werden, fehlte ihr die Größe und vor allem das nötige BlingBling der berühmten Erste-Klasse-Passagiere.

Für eine italienische Schifffahrtsgesellschaft 1906 in Schottland gebaut, sollte das große Dampfschiff ursprünglich nur Fracht befördern.

Später gehörte zu seinen Aufgaben auch der Passagierverkehr. 1909 ging die Volturno in den Besitz einer kanadischen Steamship Company über. 

Am 2. Oktober 1913 lief das Schiff von Rotterdamm aus, um den Atlantik Richtung New York zu überqueren. 657 Personen befanden sich an Bord, 93 Besatzungsmitglieder, 24 Erste-Klasse-Passagiere (britische, französische und deutsche Geschäftsreisende, Urlauber, drei Paare auf Hochzeitsreise) sowie 540 Dritte-Klasse-Passagiere. (Die zweite Klasse schien man ausgespart zu haben.) Die aus der dritten waren überwiegend osteuropäische Juden, die in Amerika ein neues Leben beginnen wollten. Auf der Passagierliste standen ungewöhnlich viele Kinder, vor allem natürlich von den Auswanderfamilien.

Der große Dampfer galt als besonders sicher, ausgestattet mit 19 geräumigen Rettungsbooten, 23 Rettungsbojen und 1511 Schwimmwesten. (Man hatte ja schließlich aus dem Untergang der Titanic gelernt.)

Am dritten Reisetag fand zudem eine ausführliche Übung für den Notfall statt. Die Passagiere erfuhren, wie sie sich schleunigst und diszipliniert in die Rettungsboote begaben und wie man diese, falls es das Unglück wollte und kein Besatzungsmitglied erreichbar war, auf das Wasser lösen konnte.

Erwähnt wurde auch, dass sich leicht entflammbare Güter unter Deck befanden, Öl, Torf, Stroh, Chemikalien und große Mengen Spirituosen. Weshalb darum gebeten wurde, auf keinen Fall an Deck zu rauchen. Wer mit einer Zigarette erwischt  wurde, musste 5 Dollar Strafe zahlen.

Einige Tage später, am frühen Morgen des 9. Oktober, geriet die Volturno in einen atlantischen Herbststurm erster Ordnung. Es regnete aus Eimern, die Wellen wurden immer größer und unregelmäßiger, was den Stewards, die versuchten, die Frühstückstische zu decken, einigen Verdruss bereitete. 

Ein junger Mann hielt sich an Deck an der Reling fest und versuchte, gleichzeitig frische Luft zu schöpfen und seine Lunge mit Tabakrauch zu füllen. Unglücklicherweise kam in diesem Moment ein Steward auf ihn zu. Vielleicht waren 5 Dollar für den rauchenden Mann eine große Summe. Er schnippste seine Zigarette hastig durch einen willkommenen Schlitz im Schiffsrumpf zu seinen Füßen, um nicht damit erwischt zu werden und machte ein harmloses Gesicht.

Wenige Minuten später, ziemlich genau um 6 Uhr in der Frühe, gab es einen gewaltigen Rumms, der sämtliche Passagiere, die noch nicht wach gewesen waren, buchstäblich aus der Koje warf. Die kleine Zigarette hatte getan, was sie konnte. Beim Rumms flogen bereits die Kessel in die Luft und töteten auf der Stelle vier Besatzungsmitglieder.

Die Passagiere, obwohl geschult durch ihre Notfall-Übung, rannten in einiger Panik durcheinander auf dem schwankenden, schaukelnden, schnell von schwarzem Qualm  überwaberten Schiff. Sie suchten nach den Schwimmwesten. Einige zogen sie an und sprangen anschließend über Bord.

Der junge Kapitän, Frances Inch, versuchte mithilfe der Mannschaft zunächst, im Frachtraum zu löschen. Schließlich stand jedoch fest, dass die Ladung tatsächlich fast nur aus Lieblingsfutter für ein kräftiges Feuer bestand: Es hatte keinen Zweck. Inch ließ SOS funken und befahl, die Rettungsboote zu füllen und zu fieren. Die ersten beiden Boote wurden, wie man das inzwischen verinnerlicht hatte, komplett mit Frauen und Kindern gefüllt und zu Wasser gelassen. Das erste schmetterten die Wellen gegen den Schiffsrumpf, an dem es zerbarst, das zweite geriet direkt unter das Heck des Dampfers – was wieder hochkam, waren zertrümmerte Holzteile. Von beiden Booten überlebte kein Insasse. Mehr als 120 Personen starben.

Kapitän Inch befahl entsetzt, das Ausbooten einzustellen. Seine Passagiere waren jedoch anderer Ansicht – sie wollten unbedingt das brennende Schiff verlassen und kletterten, Kinder im Arm, in ein drittes Rettungsboot, das von einem Passagier abgeseilt wurde – das hatten sie ja schließlich gelernt. Leider nicht gründlich genug. Das Boot ging nur am hinteren Ende auf das wildbewegte Wasser und blieb oben hängen – worauf seine Ladung ins Meer gekippt wurde.

The Burning of the S.S.Volturno, Gemälde von William Shackleton

Aus Angst vor den Flammen sprangen Mütter, ihre Kindern umklammernd, über Bord. Auch eins der Paare auf Hochzeitsreise warf sich, engumschlungen, in die Wellen.

Nach der Katastrophe der Titanic hatte man noch 1912 die Hörwache eingeführt, eine Pflicht, auf allen Schiffen rund um die Uhr die Funkstationen zu besetzen. Das war ein großes Glück im Unglück der Volturno. Elf Schiffe trafen innerhalb von 24 Stunden nach dem ersten Notruf ein. 

Zunächst hatten auch sie Probleme damit, Rettungsboote in der aufgewühlten See  abzusetzen. Der amerikanische Tanker Narrangansett verteilte dann am Morgen des 10. Oktober rings um die Unglücksstelle Öl im Meer, was die Wellen schwerfälliger macht und beruhigte. Die russische Czar rettete 102 Passagiere, die englische Devonian 39, die französische La Touraine 40, die belgische Kroonland 90 und die beiden deutschen Schiffe Grosser Kurfürst 105 sowie die Seydlitz 46. Auch die Leute, die sich noch an Bord der Volturno befanden, wurden jetzt befreit. 136 Menschen waren ums Leben gekommen, vor allem in den Rettungsbooten, 521 wurden gerettet.

Die tatkräftige Hilfe durch Schiffe anderer Nationen war möglich, weil das Unglück vor dem ersten Weltkrieg stattfand. Ein Jahr später wäre es bedeutend schwieriger geworden. 

Ganz zum Schluss, wie es sich gehört, verließ Kapitän Frances Inch sein sterbendes Schiff, die Schiffspapiere in der Hand, seinen Hund auf dem Arm.

Glücksfaktor: Es wird heutzutage viel weniger geraucht als früher!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Posted by admin on 6. Oktober 2021

6. Oktober ist Grünkohl-Tag in USA!

Bisher hab ich Grünkohl ehrlich gesagt für ein ziemlich deutsches Gericht gehalten. Wir sind die Krauts!

Aber seit nicht ganz fünfzehn Jahren zunehmend liebt offenbar ganz Amerika ‚Kale‘, wie sie das gerüschte Grünzeug nennen.

Es hat was damit zu tun, dass die junge Generation neuerdings andere Essgewohnheiten  anstrebt. Nicht alle – viele Jugendliche kann man durchaus auch in den USA herumkugeln sehen – aber diejenigen, die sich bewusst mit Nahrung auseinandersetzen, die sich für Veganertum begeistern, haben rausgekriegt, wie gesund Grünkohl ist.

Wie bitte? Das gehaltvolle Zeugs? Dieses typische Winteressen mit fetttriefenden Würstchen und geräuchertem Schweinefleisch zu gezuckerten Kartoffeln?

Nee. So essen die jungen Amerikaner ihr Kale ganz und gar nicht. Sondern meistens, roh oder blanchiert, als Salat mit Melone, Orangenfliets oder Tomaten an der Brust. 

Oder sie fabrizieren sich, allein aus rohem Grünkohl oder in Gesellschaft anderer Zutaten, einen erzgesunden grünen Smoothie.

Ach ja, und dann machen sie auch Chips daraus, Kale-Chips, natürlich tausendmal gesünder als Kartoffelchips.

Tja. Wenn ich ganz ehrlich wäre, würde ich zugeben, dass ich im Grunde meines Magens stattdessen der ‚mit fetttriefenden Würstchen und geräuchertem Schweinefleisch zu gezuckerten Kartoffeln‘-Methode zuneige. Aber so ehrlich bin ich jetzt mal nicht.

Auf jeden Fall wird der gute alte Grünkohl als junger gesunder Kale heute in den USA so  richtig gefeiert! Er trägt auf seiner krausköpfigen Stirn ein Krönchen mit der Aufschrift Superfood. Ungeheuer basisch (was bedeutet, er neutralisiert schädliche Säuren im Körper), strotzend vor Protein und Eisen, mit einem attraktiven Aminosäureprofil: Tryptophan macht beispielsweise happy und kurbelt  die Gehirntätigkeit an.

Wenn wir die Würstchen und so weiter weglassen, enthält Grünkohl an sich natürlich kaum Fett. Dieses kleine Bisschen jedoch beinhaltet schockierene Mengen an Alpha-Linolensäure, das ist die pflanzliche Variante der gepriesenen und erwünschten Omega-3-Fettsäure, die entzündungshemmend wirkt und ein Balsam ist für Herz, Kreislauf, Nerven, Gehirn und Rückenmark. 

Die Ballaststoffqualität von Grünkohl trägt zu einer gesunden Darmflora bei und unterstützt  die Entgiftung. Der Grünkohl ist das calciumreichste Kulturgemüse in unseren Breiten. Mehr von dem gesunden Zeug haben nur Wildgemüse wie die Brennessel.

Der Kohl enthältantioxidativ Flavonoide, Carotinoide und krebsfeindliche Senfölglycoside  sowie einen ‚Radikalfänger‘ namens Quercetin, ein Pflanzenstoff, der Aussichten hat, bald zusammen mit Chemotherapien eingesetzt zu werden. Zum einen, weil er deren Effektivität unterstützt, zum anderen, weil er die unangenehmen Nebenwirkungen abpuffert.

Ist das alles? Aber nein! In Grünkohl tummeln sich Massen von Carotinoiden, mehr als in Möhren. Er verbirgt das nur bescheiden, indem er deren typisches Orange-Gelb mit Blattgrün (Chlorophyll) überlagert.

Zu Carotinoiden ist zu sagen, dass sie gegen Herzkreislauf-Erkrankungen und einige Krebsarten wirksam sind. Zwei davon, mit den Vornamen Lutein und Zeaxanthin, wirken unter anderem gegen altersbedingte Augenerkrankungen. 

Was das Chlorophyll angeht, so steckt in ihm nicht nur entzündungshemmender Stoff, sondern Lebenskraft an sich. Es kann Demenz vorbeugen, das Darmkrebsrisiko mindern, Muskelaufbau verbessern, Schimmelpilzgifte aus dem Körper befördern, macht, nebenbei, reine und feinporige Haut und tut der Leber wohl, indem es Gifte und Schwermetalle aus dem Blut bindet, sodass die Leber sich nicht damit herumärgern muss.

Es ist einsehbar, dass viele dieser wunderbaren Lebensstoffe etwas schlapp und strapaziert ankommen – falls überhaupt noch – wenn der Kohl zutode gekocht wird. Andererseits hab ich die Behauptung gelesen, sogar in gekochtem Grünkohl aus der Büchse oder dem Glas wären immer noch eine Menge gesundheitsfördernder Stoffe enthalten. Vielleicht ein Trost für Leute, die eigentlich zu faul zum Kochen sind. 

Glücksfaktor: Gesundes Essen, das  sich anschmeckt wie ungesundes …

Posted by admin on 25. Oktober 2021

Die Skorpion-Frau und die Liebe

Es gibt unter charakteristischen Skorpionfrauen zwei Sorten. Das ist zunächst die brünette, meist mit grünen Augen. Sie ist rätselhaft, vielleicht gefährlich und gerade deshalb schrecklich anziehend. Selten wird man alles über sie erfahren, während sie andere Menschen irgendwie sofort dazu bekommt, ihr alle möglichen intimen Geheimnisse zu verraten, die sie sonst niemandem anvertrauen.

Vivien Leigh, * 5. November

Hedy Lamarr, * 9. November

Und dann die blonde Skorpionin. Sie kann richtig unschuldig, geradezu niedlich wirken – ihre Augen sind von treuherzigem Blau und sie lächelt wie ein Kind mit gekrauster Nase. Trotzdem sollte man nicht unbedingt Streit mit ihr anfangen, falls es nicht wirklich nötig ist. Erstens besitzt sie keinerlei Harmoniebedürfnis. Eine Kollision kommt ihr jederzeit recht. Zweitens scheint ihr Skorpionstachel spiralförmig zu sein – denn sie will unbedingt alles bis auf den Grund ‚klären‘ und bohrt und bohrt und bohrt – bis ihr Gegner ihr, um zu überleben, recht gibt.

Grace Kelly (Gracia Patricia von Monaco), * 12. November

Meg Ryan, *19. November

Foto: Georges Biard

Katja Riemann, * 1. November

Foto: Frank Richter

Die Skorpion-Frau ist treu, unter Umständen treu bis in den Tod. Deshalb gilt es, zu überlegen, ob man die Partnerschaft mit ihr wirklich derart ausschließlich und dramatisch plant – oder ob man eigentlich nur eine kleine Affäre möchte. Darauf kann sie sich zwar auch einlassen, sie wird vielleicht sagen, das passe ihr gerade wunderbar. Doch sollte der leichtfertige Liebhaber von jetzt ab schön aufpassen, ob sie sich nicht eventuell doch gekränkt fühlt und über einer finsteren Rache brütet. (Skorpione sind Rache-Experten.) Kleine Affären sind eigentlich kaum ihr Ding. Am ehesten benutzt sie so etwas, um jemand anderen zu verletzen.

Bei echten Skorpionen geht alles in die Tiefe. Ihre Leidenschaft brodelt wie ein Vulkan auf dem Meeresgrund. Wenn diese Frau liebt, dann gibt sie viel, alles, sich selber ganz und gar. Doch sie erwartet natürlich im Gegenzug ebenfalls völlige Hingabe und absolute Treue.  Wehe, das wird nicht geliefert!

Wer sich darauf einlassen will, der wird reich belohnt. Die Skorpionin ist eine hingebungsvolle Geliebte, die keine Tabus kennt. Sie kocht hervorragend. Sie ist praktisch und kann mit Geld umgehen. Sie ist ein zuverlässiger Kumpel in jeder Lebenslage, immer bereit, mit anzupacken. Wer zu seiner Skorpion-Frau nach Hause kommt und sagt, er sei gerade von seinem fiesen Chef unehrenhaft entlassen worden und es wäre eventuell besser, gleich auszuwandern, der wird kein Gejammer hören. Sie packt bereits, breitet ihr heimlich Gespartes auf dem Tisch aus, hat eine Menge patenter Pläne, fährt los, um Visa und Proviant zu besorgen und bringt vielleicht auf dem Rückweg, falls es gewünscht wird, eben schnell den besagten Chef um.

Wie erobert Mann diese Frau? Es gibt einfachere Sachen. Der Balanceakt besteht darin, auf sie einzugehen, ohne schwächlich rüberzukommen (sie hasst hilflose Würstchen) und aufrichtig zu sein, ohne gleich das gesamte Innenleben aufzuknöpfen (sie verachtet harmlose Tölpel). Ein bisschen mysteriös zu wirken ist nicht verkehrt. Ein Drei-Tage-Bart, eine undurchdringliche Miene und schwarze Klamotten könnten hilfreich sein.

Skorpione sind Nachtmenschen. Aktivitäten in gleißendem Sonnenlicht begeistern sie weniger – es sei denn, sie befinden sich am Meeresstrand oder einem Waldsee. Die meisten Skorpione, Wasserzeichen halt, schwimmen furchtbar gern.

Wer passt zu ihr?

Der Widder-Mann, Testosteron auf zwei Beinen, löst bei ihr die entsprechenden chemischen Reaktionen aus. Gerade in Beziehungen, die ‚verboten‘ anfangen – weil einer oder beide bereits gebunden ist oder weil irgendwelche anderen Gesetze dagegen stehen – kann die Leidenschaft unglaublich blubbern und das Happy-End, ob against-all-odds oder schließlich legal errungen, einer Explosion gleichen. Legende! Endlich, endlich liegen sie sich in den Armen! Kommt der Alltag auf dieses Paar nieder, stellt sich heraus, dass er nichts  dabei findet, mal mit einer anderen hübschen Frau, na ja, zumindest zu flirten. Dann sieht sie sich gezwungen, ihren Stachel zu benutzen und ihn totzustechen.

Auch mit Löwen erlebt eine Skorpionin erotisches Gebritzel. Allerdings kann sie diesen Mann nicht so zahm kriegen, wie sie ihn gern hätte. Er lässt sich nicht von ihr auf der Nase herumtanzen und besteht darauf, der Boss zu sein. Ihr fehlt von Natur aus ein wenig die schmeichelnde Weiblichkeit, die ihn kirre macht. (Wenn sie ihm in der Woche zwei Komplimente liefert, ist das schlicht zuwenig.) Trotzdem kann in diesem Fall die gewaltige erotische Anziehung beide dazu bringen, an der Sache zu arbeiten, mit sehr zufriedenstellendem Endergebnis.

Der Schütze verwirrt sie durch seine Gerechtigkeitsliebe. Er hält nicht immer bedingungslos loyal zu ihr – und das bietet sie schließlich selbst: Wrong or right, my partner! 

Mit den Luftzeichen besteht wenig Gemeinsamkeit, es sei denn, die persönlichen Horoskope weisen entspechender Aspekte auf. Mit dem Waage-Mann gibt es zumindest kaum Krieg, weil ihm das überhaupt nicht behagt und er immer eine diplomatische Lösung findet. Aber gerade dieses etwas unpersönliche Sich-zurückziehen kränkt sie mehr, als wenn er Ohrfeigen verteilen würde.

Ähnlich ist es mit Zwilling und Wassermann. Das Skorpion-Mädchen bekommt diese Kerle einfach nicht bei der Leidenschaft zu packen, weil sie zu wenig davon haben. 

Skorpion und Skorpionin funktioniert in den meisten Fällen hervorragend. Ein Wir-gegen-den-Rest-der-Welt Paar, zufrieden mit der häuslichen Gemeinsamkeit und miteinander.

Der Fische-Mann gefällt ihr gut. Ihm als einzigem Zeichen gesteht sie zu, nicht so stark zu sein wie sie selbst es ist. Sie übernimmt unauffällig und ohne viel Getue die leitende Rolle und er kann auch damit umgehen. Er ist für sie ein wunderbarer Liebhaber, sie haben sich viel zu erzählen, tauchen womöglich gemeinsam ab in mystische Gewässer, meditieren zusammen und teilen transzendente Erfahrungen. Eine gute Partnerschaft (solange er klug genug ist, eventuelle Seitensprünge vor ihr zu verbergen) …

Merkwürdigerweise fällt es der Skorpion-Frau viel schwerer, dem Krebs-Mann seine starke Sensibilität zu verzeihen. Sie neigt dazu, ihn mit sarkastischen Bemerkungen zu bepfeffern, die seine Männlichkeit in Frage stellen. Darauf kann er meistens schnell verzichten.

Mit einem Jungfrau-Mann hat die Skorpionin zunächst nicht viel gemeinsam. Er liebt Klarheit, sie bleibt gern mysteriös. Sie hat starke sexuelle Bedürfnisse, er manchmal etwas geradezu Mönchisches. Tatsächlich wird ihre erotische Ausstrahlung ihm fast Angst machen. Wenn beide behutsam vorgehen, können sie sich jedoch sehr positiv gegenseitig beeinflussen und eine prachtvolle Langzeitbeziehung miteinander haben.

Ähnlich ist es mit einem typischen Steinbock. Wahrscheinlich wird es am Anfang Machtkämpfe geben. Da beide nicht dazu neigen, schnell loszulassen, werden sie vermutlich aneinander wachsen. Hier hat sie den starken Mann, nach dem es sie eigentlich verlangt. Wenn sie ihn nicht zu tief verletzt, können sie sich gegenseitig sehr viel geben.

Ein nicht unkomplizierter Geheimtipp ist die Verbindung mit einem Stier-Mann. Die Skorpionin ist ungewöhnlich sexy, er männliche Sinnlichkeit in Person – so weit, so gut. Doch irgendwann muss man aufstehen, die Bettdecke glattziehen und sich in den Alltag begeben. Wohin jetzt mit der Leidenschaft? Sie ist ihm eigentlich zu kompliziert, sie denkt zuviel, ist vermutlich spirituell oder religiös oder mit ihrem Hexenzirkel beschäftigt, das ist ihm alles etwas unheimlich. Sie findet ihn manchmal zu materiell und stur. Wenn genug guter Wille vorhanden ist, kann es trotzdem eine ganz wunderbare Liebe bis zum Tod werden.

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