Kommen wir zum Korsett

November 5, 2017 admin No comments exist

Das gab es seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts. Die spanische Hoftracht erforderte für die Damen einen kegelförmigen Oberkörper mit dünner Taille und ohne jeden Busen – er wurde vom versteiften Mieder gnadenlos flach gequetscht.

Etwas später, im Barock und dann im Rokoko, blieb die Taille so schmal wie möglich, während man nun die weiblichen Rundungen gefällig nach oben drückte.

Noch hieß ein Korsett übrigens nicht Korsett, es wurde Schnürleib gerufen.

Die Französische Revolution, die so Vieles änderte, änderte auch die Mode.

Die Taille  war eine Weile egal, weil die Kleider vom Busen an einfach lose nach unten schlabberten. Das änderte sich wieder mit dem Biedermeier: ganz schmale Taille, hochgedrückte Brüste (wenn auch nicht mehr so gewagt dekolletiert wie in Barock und Rokoko, es handelte sich um eine weniger sinnliche Mode.)

Taille war derart wichtig, dass sogar Männer eine Weile manchmal Korsetts um ihre Mitte schnürten.

Für alle diese Bändigungsleibchen brauchte man Fischbein, um den richtigen Halt zu bekommen. Große Wale tragen statt der Zahnreihen Barten, fusseliges Zeug, gleichzeitig  hart genug und elastisch genug, bevor der Mensch auf Plastik kam. Und weil schmale Taillen so modisch  waren, führte das beinah zur Ausrottung der Bartenwale.

Die Linien variierten mit der Zeit – von der Sanduhr, oben und unten wohlgerundet, in der Mitte wespenartig zur S-Form: Brust raus, Bauch rein, Po betont, in der Mitte spindeldünn.

Dann kam der erste Weltkrieg, und wieder änderte sich die Mode radikal. Frauen übernahmen die Jobs ihrer für’s jeweilige Vaterland kämpfenden und sterbenden Männer und fühlten sich durch zu straffe Unterwäsche merklich behindert. Außerdem war kaum jemand zugegen, den man mit dem Anblick reizen konnte.

Modeschöpfer wie Coco Chanel machten es sich zur Aufgabe, entzückende Kleider zu entwerfen, die wieder mal lose, ohne Taillenbetonung, herumschlabbern durften.

In unserer Zeit trägt man ein Korsett nicht mehr, um unter der Kleidung, unsichtbar, den Körper zu verändern. Es ist zu einem Stück ‘Reizwäsche’ geworden und legt großen Wert auf Sichtbarkeit…

 

 

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