Nochmal: Masken

Juni 30, 2020 admin No comments exist

inzwischen sind wir ja Profis, oder?

Leute, die sie nur mit frisch gewaschenen Händen aufsetzen und abnehmen und in der Mirkowelle reinigen.

Und die, bei denen sie am Schalthebel im Auto hängt oder in der Hosentasche steckt. Wobei ich kürzlich hörte, trotz dieser eher legeren Art der Benutzung wirkt sie immer noch segensreich.

Man sieht alle möglichen Modelle – Standart, schlicht weiß, hellblau oder hellgrün, zum Weggwerfen nach Benutzung. (Bitte nicht einfach in die Gegend!)

Und es gibt die bezaubernsten Teile, passend zum Outfit, für Menschen, die grundsätzlich perfekt angezogen sind, ein neues modisches Accessoire. Marion kam kürzlich zu mir, wie immer von oben bis unten super gestylt, eine Augenweide. Gelb steht ihr hervorragend. Der Knüller, das Sahnehäubchen: die Maske! Ohne würde was fehlen.

Ich hab sechs oder sieben, von praktisch bis hübsch. Der Löwe besorgte mir, wie versprochen, eine Katzenmaske, die einfach süß ist – aber viel zu warm für den Sommer, weil sie auch den Hals bedeckt. Im Herbst (wir schauen ja alle der zweiten oder dritten Corona-Welle erwartungsvoll entgegen), wird sie buchstäblich zum Tragen kommen.

Und dann macht man völlig neue Erfahrungen, nicht wahr? Beispielsweise hat es wenig Zweck, sich die Lippen zu schminken oder das Gesicht zu pudern. Setz das Ding auf für drei Minuten, nimm es ab und alles ist weg, die Nase glänzt wie poliert. Ist sie ja auch.

Stattdessen scheint es sinnvoll, die Wimpern zu betonen. Hat mir neulich ein Kunde auf dem Markt gesagt, nach einem Blick über unsere Masken: “Die Augen kommen ja sehr zur Geltung!”

Meine hübschesten Masken sind leider durchaus nicht die bequemsten, das ist so ähnlich wie mit BHs. Es lohnt, darüber nachzudenken, wie lange man sich das eventuelle Zwicken antun möchte.

Viele Ohrringe vertragen sich nicht mit dem zusätzlichen Kleidungsstück. Sie bleiben beim Abnehmen trotzig darin hängen, dann darf man sie mühsam wieder abfummeln.

Maren war mit ohne Maske unterwegs, in öffentlichen Verkehrsmitteln und in einer Arztpraxis in Hamburg. Sie ist nicht gelyncht worden, aber nur knapp. Ich hab gesagt, sie hätte sich ihr Attest, dass sie Antikörper besitzt und aus ärztlicher Sicht keinen Mundschutz tragen sollte, einschweißen und um den Hals hängen sollen. Ich hab auch gesagt, sie kann derzeit eher mit nacktem Ärschchen S-Bahn fahren als ohne Maske. Aber sie meint, es war eine Erfahrung für’s Leben und sie wird noch im Altenheim drüber vor sich hin kichern.

Der Tarnung dienen diese Masken nicht im mindesten, das sollte man Bankräubern mal sagen. Alle Menschen, die mich kennen, grüßen mich nach wie vor. Das Stück zwischen Augen und Hals ist offenbar zur Identifizierung nicht nötig. Man erkennt die Größe, die Frisur, die Bewegungen. Wie Texte, bei denen die Hälfte fehlt oder falsch ersetzt ist und die man immer noch ohne weiteres lesen kann.

Und dann hörte ich, wie ein Herr sich beklagte, er habe seine Frau verloren. Aber, fügte er resigniert hinzu: “Sie ist leicht zu erkennen. Sie trägt eine Maske …”

Glücksfaktor: Jetzt gibt es genug davon. Jeder hat eine. Wirklich jeder.

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