Rudolph Valentino war ‘Der Scheich’ im gleichnamigen Stummfilm, der am 30. Oktober 1921 in Los Angeles Premiere hatte

Oktober 30, 2020 admin No comments exist

Am nächsten Tag war er berühmt. Alle Frauen der Welt – soweit sie ins Kino gingen – liebten ihn. Alle heterosexuellen Männer konnten ihn nicht ausstehen.

Der Italiener war, als sein Erfolg begann, 27 Jahre alt und seit acht Jahren in USA. Abgesehen von seinem Styling als abgeleckter Kater, (der Zeit geschuldet), war er wirklich ein hübsches Kerlchen, ungefähr 1.80 groß, mit tiefdunklen Augen, sehr schlanken, schnurgeraden Hüften und einem reizenden Lachen.

Amerika hatte es Rudy nicht leicht gemacht. Er schlug sich zunächst als Kellner und Autowäscher durch, trat als Tänzer auf und landete sogar kurz im Knast, weil er beim Klauen erwischt worden war. Doch dann verhalfen ihm sein gutes Aussehen und seine beeindruckenden Tangokünste zu zwei Stummfilm-Nebenrollen. Im dritten Film,’Die vier Reiter der Apokalypse’, spielte er zum ersten Mal eine Hauptrolle und machte bereits sehr auf sich aufmerksam. Mit ‘Der Scheich’ war es dann passiert: Valentino war der Wahnsinn, war Ekstase, war Kreisch, der erste Latin Lover, das Vorbild für alle folgenden. 

Rudolph Valentino hatte zwei ausgeprägte Schwächen. Das war einmal sein Talent, bedeutend mehr  Geld im voraus auszugeben, als er jemals zu Lebzeiten besitzen sollte und dadurch ständig von Schulden geknechtet zu sein – und zweitens eine Neigung, auf die völlig falsche Frau reinzufallen. 

Zunächst handelte es sich um Jean Acker, eine brünette Kollegin, die sich eigentlich wenig aus Männern machte und in Affairen mit mehreren anderen Schauspielerinnen verwickelt war.

Irgendwie  schaffte Rudy es zunächst, sie zu einer plötzlichen Hochzeit zu überreden. Doch bereits kurz nach der Trauung bereute sie die Tat, verschanzte sich im Schlafzimmer und ließ den begehrtesten Mann der Welt die Hochzeitsnacht vor der abgeschlossenen Tür verbringen. Die Ehe wurde nie vollzogen und Rudolf willigte frustriert in die Scheidung ein, um sich sofort in die nächste unheilbringende Brünette zu verknallen. Das war Natacha Rambova (ursprünglich hieß sie Winifred O’Shaunessy). 

Auch Natacha versäumte es schnell, lieb zu Valentino zu sein. Sie weigerte sich, mit ihm zusammen zu ziehen, sie zeigte sich wenig begeistert von seinen sehr italienischen Vorstellungen einer Ehefrau, die im Hause blieb und kochte. Kinder wollte sie schon gar nicht. Es lief auf die nächste Scheidung hinaus nach knapp zwei Jahren.

Inzwischen schwächelte Rudys Karriere ein wenig und seine Schulden nahmen ganz erstaunliche  Ausmaße an. Da beschloss die Filmproduktion, die ihn unter Vertrag hatte, eine Fortsetzung seines größten Erfolgs ‘Der Scheich’. Dieser Film hieß ‘Der Sohn des Scheichs’. Valentino spielte praktischerweise beide Scheiche, den damaligen und dessen Sprössling.

Der zweite Scheichfilm, 1926, wurde ein noch größerer Erfolg als der erste, vor allem, weil Valentino kurz vor der Premiere starb.

Seine zweite Scheidung kostete Nerven – und Geld. Er reiste auf Promotiontour durch die Sommerhitze, übrigens neu verliebt, diesmal in die brünette Pola Negri. Mitte August brach  er zusammen und wurde im Krankenhaus zunächst auf Blinddarmentzündung behandelt. Zu spät stellte man fest, dass ein geplatztes Magengeschwür seine Beschwerden verursacht hatte. Am 23. August starb Rudolph Valentino, 31 Jahre alt. Er war derart verschuldet, dass zunächst sein Haus versteigert werden musste, damit die Beerdigung bezahlt werden konnte. 

Das Begräbnis wurde eine  hysterische Veranstaltung. Pola Negri, ganz in Schwarz und verschleiert, warf sich jammernd über den Sarg, in dem eine Wachsattrappe ihres Liebsten lag, und erklärte den Reportern, sie hätten kurz vor der Heirat gestanden. Tumulte entstanden, weil alle weiblichen Beerdigunsteilnehmer sich ebenfalls über den Sarg oder gleich mit ins Grab stürzen wollten, es gab  Verletzte und Sachschaden, kaputte Schaufensterscheiben und zerkratzte Autos. Die Polizei  bemühte sich bis zum Abend, die Feierlichkeit unter Kontrolle zu bekommen.

Glücksfaktor: Der zweite Scheich-Film spielte so viel Geld ein, dass er die Schulden des verstorbenen Schauspielers beglich …

 

 

 

 

 

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