Sie hat riesige schwarze Augen, Flügelchen und eine unglaublich schmale Taille

August 18, 2018 admin No comments exist

Eigentlich müsste sie ganz reizend sein. Mich reizt sie aber nur dazu, nach der Speisekarte zu greifen und sie platt zu machen.

Ich mag Bienen und Hummeln. Eine kranke Hornisse (die nichts weiter ist als eine riesenwüchsige Wespe) hab ich vor Jahren auf dem Dachboden gepflegt und mit Milch geatzt, bis sie weiterfliegen konnte. Die war jedoch weder aggressiv noch unverschämt.

Merkwürdig, diese Eigenschaften, die ich an Möwen sympathisch finde, missbillige ich bei Wespen.

Zwischen ihnen und mir besteht keine Freundschaft.

Sie pflegen sich auf den Glasrand meiner Rhabarberschorle zu setzen und nachdenklich in die Tiefe zu starren, als überlegten sie, ob sie ihren Badeanzug bei sich hätten. Sie nehmen auf meinem Pudding Platz und dann fliegen sie mir von dort aus ins Gesicht, um mich zu verjagen. 

Kürzlich kroch mir eine vom Nacken aus ins Kleid, ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Eine ihrer Schwestern stach mir ohne weiteres in die Kniekehle, als ich Wäsche aufhängte. Nicht, weil sie was gegen die Wäsche hatte. Aber die Wäscheleine hängt dicht am Wein, der neben der Terrasse wächst und der nach diesem Sommer pralle, süße rote Trauben trägt. Die Wespen sind der Ansicht, der Wein gehöre ihnen. Teilweise wohnen sie in ausgehöhlten Trauben. Ich hab darauf verzichtet, die Frage auszudiskutieren und stattdessen einen Band Asterix bei den Briten genommen, um  sie platt zu machen.

Ich bin wirklich tierlieb. Ich bemühe mich, auch Tiere zu lieben, die mehr als vier Beine haben und  kleiner sind als eine Streichholzschachtel. Doch allein die ordinäre Hektik dieser ganz speziellen Insekten geht mir gewaltig auf die Nerven. Und immer wollen sie dasselbe essen wie ich, möglichst von meinem Teller!

Als mein Sohn noch ein Krabbelbaby war, bemerkte ich eines Tages, dass er versuchte, etwas zu kauen, was in seinem Mund raschelte. Ich holte das Geraschel hervor und hielt eine stattliche Wespe in der Hand. Sie war so schockiert, dass sie weder mein Kind noch mich stach. Deshalb schlug ich sie auch nicht mit dem Apothekerjournal platt. Ich goss sie stattdessen in durchsichtige Plastik und benutzte sie jahrelang als Briefbeschwerer …

 

 

 

 

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