Und noch ein geklauter Panzer

April 11, 2022 admin No comments exist

Als ich den Text über den Panzerklau für Fluchtzwecke (Freund angelt damit Freund aus dem Knast) verfasste, da dachte ich: Wie originell!  So was dürfte kaum zweimal passieren.

Inzwischen weiß ich es besser.

Meine Freundin Ewa schrieb mir nämlich gerade, sieben Jahre später hat sie einem Krankenhaus im Landkreis Marburg einen jungen Mann betreut, der später auf der Station seinen 18. Geburtstag feierte. Er war, als er eingeliefert wurde, ziemlich ramponiert und vor allem, erzählt Ewa, völlig traumatisiert, weil – unter einen Panzer gekommen. Der Patient hatte in der Nacht des Pfingstmontags in einem kleinen Toyota gesessen, den sein 20jähriger Freund steuerte. Beide fuhren durch die Innenstadt von Marburg, als ihnen ein dreiachsiger Fuchs-Panzer in ungewöhnlichem Tempo entgegentobte – leider auf der Gegenfahrbahn – und das kleine Auto samt Inhalt plattwalzte.

Der Toyota-Fahrer kam mit einigen Knochenbrüchen davon, seinen Freund traf es empfindlicher. Doch auch er wurde schließlich (siehe Geburtstagsfeier) wiederhergestellt.

Ein weiteres Mal war einer der stattlichen, wendigen Radpanzer vom Typ Fuchs aus der in der Herrenwald-Kaserne in Stadtallendorf stationierten Panzerpionierkompanie 140 entwendet worden. Vielleicht bewachen sie ja inzwischen ihre Panzer gründlicher, aber zwischen 1990 und 2000 scheint es kein besonderes Problem gewesen zu sein, sich dort bei Bedarf zu bedienen. Und offenbar war der Fuchs besonders gefragt.

In diesem Fall plante der Panzerdieb, ein 22jähriger Zeitsoldat, keinen Gefängnisausbruch. Er gab vielmehr an, dass Liebeskummer und allgemeiner Frust ihn zur Tat trieben. Seine Freundin hatte gerade mit ihm Schluss gemacht und er hoffte, sie durch die verwegene Tat und das aparte Fahrzeug zurückzugewinnen. Deshalb steuerte er das McDonalds Drive-In an, in dem er die Maid vermutete. Er verfügte allerdings nicht über die routinierten Fahrkünste seines kriminellen Vorgängers. Zum einen geriet er, wie gesagt, ungewollt hin und wieder auf die Gegendfahrbahn, zum anderen versuchte er mit Lärm und Radau und gehörigem Flurschaden, sein Riesenfahrzeug auf dem gewöhnlichen Parkplatz beim Drive-In zwischen zwei gewöhnliche Autos einzuparken. Eins davon überlebte den Versuch nicht. Nun wurde die Polizei, durch erschrockene Gäste, denen der Cheeseburger im Hals steckenblieb, auf die Sache aufmerksam gemacht und begann die Verfolgung – weshalb der Panzerfahrer in zunehmender Hast das idyllische Marburg durchquerte und die freie Natur ansteuerte.

Bald darauf wiederholte sich die Szene, die sieben Jahre zurücklag: Der Fuchs mit seinem Allradantrieb knirschte sich durch den Wald, die Polizeistreife konnte mit ihrem schlichten Streifenwagen nicht folgen und knirschte nur mit den Zähnen.

Immerhin verließ den jungen Dieb bald darauf der Mut. Die Sache schien keinen Spaß mehr zu machen und ihren Zweck hatte sie auch verfehlt. Verzagt kletterte der Hauptgefreite aus seinem geklauten Panzer und rief von einer Telefonzelle in der Nähe selbst die Polizei an.

Er hatte immerhin fast 50 Kilometer Panzerfahrt bewältigt – und wurde zu einer Freiheitsstrafe von 2 Jahren verurteilt; wegen Gefährdung des Straßenverkehrs, Verstoß gegen das Kriegswaffen-Kontrollgesetz sowie fahrlässiger Körperverletzung und Unfallflucht.

Trotzdem scheint es nicht so wahnsinnig schwierig, einen Radpanzer Typ Fuchs zu fahren. Ich nehme an, mit ein wenig Übung und eventuell sachkundiger Anleitung würde ich das auch schaffen.

Übrigens kann so ein Fuchs, falls nötig, sogar schwimmen! Man könnte ihn von Innen schlicht, aber geschmackvoll einrichten. Er ist selbstverständlich mit Funk und verschiedenen Waffen ausgerüstet.  Er würde jeden Wettkampf um einen Parkplatz, auch gegen den stabilsten SUV, gewinnen. Das ideale Gefährt für diese harten Zeiten.

Je mehr ich drüber nachdenke, desto mehr weiß ich, was ich mir zu meinem Geburtstag im Mai wünsche. Er muss deswegen übrigens nicht unbedingt aus der Kaserne bei Marburg gestohlen werden. Ich entnehme dem Internet, dass man ihn neuwertig für ungefähr sechs Millionen Euro bekommt. Gebraucht ist er sicher preiswerter.

Darüberhinaus sagt meine Freundin Maren, die es wissen muss: Im Gegensatz zu den völlig abgedrehten und überzüchteten neuen Fahrzeugen und Waffengattungen der Bundeswehr funktioniert so ein älteres Modell noch zuverlässig und wünschenswert.

Glücksfaktor: Rechtzeitige Geburtstagswünsche. Dann kann der Schenkende darauf sparen!

 

 

 

 

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