Warum am 4. Oktober 1583 zehn Tage verschwanden

Oktober 4, 2021 admin No comments exist

Weil an diesem Tag – zumindest in den meisten katholischen Ländern – vom Julianischen auf den Gregorianischen Kalender umgeschaltet wurde. Auf Donnerstag, den 4.Oktober folgte in diesem Jahr Freitag, der 15. Oktober. Das ist ein ziemlicher Sprung (wenn wir mal überlegen, wie uns bereits unsere Sommer/Winderzeitumstellung durcheinander bringt.) Leute, die zufällig am 12. Oktober Geburtstag hatten, konnten nachfeiern oder behaupten, sie wären ein  für alle Mal ein Jahr jünger. Ihr Geburtstag hatte ja in diesem Jahr faktisch nicht stattgefunden.

Gregorianischer heißt der neue (heute noch gebräuchliche) Kalender nach Papst Gregor XIII.  Der hatte ihn ausgebrütet und mit einer Bulle verordnet. Parallel zu dieser Reform verschob sich auch der Jahresbeginn, der im Mittelalter irgendwo zwischen Weihnachten, Ostern oder Mariä Verkündigung geschwankt hatte. So lag in Russland der Jahreswechsel auf dem 1. September, in England zunächst auf dem 25. Dezember, später auf dem 25. März – und so weiter. Jetzt wurde er auf den 1. Januar festgezurrt. (Woran sich jedoch zunächst durchaus nicht alle Beteiligten hielten.)

Bis dahin richtete sich die zivilisierte Menschheit nach dem Julianischen Kalender. Den hatte Julius Cäser persönlich im Jahr 45 vor Christi Geburt im Römischen Reich eingeführt.

Dieser Julianische Kalender war ebenfalls schon ein Solarkalender und eigentlich gar nicht so übel. Auch er bestand aus zwölf Monaten, elf davon zu je 30 oder 31 Tagen, der zwölfte mit 28 Tagen. In ihm gab es bereits die Schaltjahrregelung mit den Schalttag alle vier Jahre, in dem der kürzeste Monat einen Tag mehr erhielt. Trotzdem erwies er sich – auch durch einige Missverständnisse – mit der Zeit als fehlerhaft. Er war gegenüber dem Sonnenjahr um 11 Minuten und 14 Sekunden zu lang. Das machte auf die Dauer eine ganz hübsche  Abweichung aus. Im 14. Jahrhundert lag die Differenz schon bei mehr als einer Woche. Außerdem war irgendetwas mit dem Frühlingsvollmond falsch berechnet worden – und von dem hängt immerhin der Ostertermin ab, das wichtigste christliche Fest.

Die römisch-katholischen Staaten übernahmen den neuen Kalender sofort. Die Proterstanten  behielten lieber den julianischen Kalender bei, obwohl das auf die Dauer schrecklich viel Kuddelmuddel verursachte, vor allem etwa in den konfessionell gemischten deutschen Gebieten.

Deshalb entschlossen sich die protestantischen Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches im Jahr 1700, ebenfalls den gregorianischen Kalender anzunehmen. Das ging ja nun nicht von einem Tag auf den anderen. Als ob jemand versucht, auf ein sich drehendes Karrussel aufzuspringen, musste der richtige Moment abgewartet werden. Am 18. Februar erfolgte dieser Hüpfer, indem am nächsten Tag schon 1. März war …

Die Schweizer hüpften etwas zeitversetzt vom 31. Dezember 1700 auf den 12. Januar. (Die beiden Graubündner Gemeinden Grüsch und Schiers klapperten erst im Jahr 1812 hinterher, einhundertzwölf Jahre später!)

Russland überlegte sich die Sache noch länger. Hier herrschte die orthodoxen Kirche, deshalb gefiel es der Geistlichkeit durchaus nicht, einem Papst zu gehorchen. Nach der  Oktoberrevolution, im Jahr 1918, landete das große Reich in der gregorianischen Zeit. Inzwischen hatte sich die Differenz um drei weitere Tage erhöht. Insofern behielt die Oktoberrevolution eigentlich einen falschen Namen, denn nach dem gregorianischen Kalender hatte sie im November stattgefunden.

Als letztes europäisches Land stolperte Griechenland in die neue Zeit, im Jahr 1923.

Ganz Griechenland? Nein! Eine kleine, trotzige Halbinsel hält noch heute am julianischen Kalender fest. Das ist die Mönchsrepublik auf dem Berg Athos. Die Männer dort sind höchst orthodox und ganz autonom. Beispielsweise darf auch, um des inneren Friedens Willen, kein weibliches Wesen auf den Berg  der frommen Männer. Nur männliche Haustiere, Esel, Maultiere und Pferde, sind gestattet. Eine Ausnahme bilden Katzen. Es gibt nämlich Ratten, Schlangen und Mäuse in den Klöstern. Vielleicht wäre es zu aufwendig, immer wieder Kater aus Griechenland zu importieren …

Glücksfaktor: Ab und zu eine nette kleine Reform.

 

 

 

     
   
   

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