Wenn Katzen spielen

Februar 29, 2020 admin No comments exist

ist das am liebsten improvisiert. Der Löwe und ich, wir sind ja zwei ernsthafte, kulturell hochentwickelte Persönlichkeiten. Wir quatschen beide gern – ich meine: Wir führen viele hochwertige Gespräche über die aktuelle politische Lage, die geistige Entwicklung der Menschheit, neue psychologische Trends, den Sinn des Lebens, die Frage, ob Ernst einen neuen Anorak braucht, die Entwicklung der Literatur unter Berücksichtigung aktueller Trends. das Problem, ob Löwes Haar geschnitten werden sollte (Ich sag: “Nein! Es ist Sünde, was davon abzusäbeln!” – er sagt; “Manchmal muss der Mensch auch sündigen …”), die Wandlung der Syntax und der Semantik unter Berücksichtigung der neuen Medien und all so was.

Meistens führen wir derartige Erörterungen an unserem Küchentisch. Das ist ein besonders feiner alter Tisch (und einer der Gründe, weshalb ich den Löwen geheiratet hab), mit dem sich viel anfangen lässt.

Dran essen natürlich, aber auch Essen zubereiten, Kuchen backen, Brotteig kneten, Tarotkarten legen, Sims spielen, Tagebuch schreiben, nähen, vor allem Stoff zuschneiden, Geschenke einpacken, Bilder malen, Listen anfertigen und Pläne machen … Ein unerschöpflicher Tisch.

Kürzlich haben wir noch eine Funktion für ihn entdeckt. Wir hatten eben Tee getrunken – als der Löwe plötzlich dem kleinen Schraubglas, das vor ihm stand, einen gelinden Prankenschlag versetzte, in meine Richtung. (Das Glas hatte, um es kurz zu erklären, solange ich hustete, den Saft aus Zwiebeln und Honig enthalten. War inzwischen jedoch a.D. und gesäubert.) Ich schubste das Gläschen zurück, bevor es an meinen Teller stoßen konnte. Der Löwe schleuderte es zu mir – und ich zu ihm.

Löwen sind ja im Grunde auch nichts anderes als große Miezekatzen. Wir begannen sofort in stiller Einvernehmlichkeit, den Tisch vom Teegeschirr zu befreien. Alles, was drauf blieb, waren das Glas und ein Taschentuch-Zupfkarton, der die Mittellinie markierte.

Der Löwe erfand sehr schnell die Regeln: Flog das Glas vom Tisch oder dem Gegenspieler in den Schoß, galt das als Tor. Wurde es beim Schleudern umgekippt, gab es einen Punkteverlust. Nach zehn Punkten war das Spiel verloren. Ein Tor hob aber fünf Punkte auf.

Wir haben sicherlich eine Stunde lang gespielt. Möglicherweise hat sich Lydia, unter uns, gewundert, was für ein neues Gerät wir haben mögen, denn das Glas schnurrte mit einem spezifischen Geräusch über den Holztisch.

Natürlich können wir uns derart bodenlose Albernheiten nur leisten, wenn Ernst aus dem Haus ist – in diesem Fall zu einer Geburtstagsfeier.

Glücksfaktor: spontaner Spaß!

Und übrigens hab ich drei zu zwei verloren …

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