Wer möchte gern meine Facebook-Freundschaft sein?

November 19, 2022 admin No comments exist

Ich könnte natürlich auch fragen: Wer möchte gern mein (e) Facebook-Freund*In sein? Aber irgendwie gefällt mir diese charmante Art der Wortunterbrechung nicht so richtig. 

Also, was das angeht, da kommt ja so einiges auf den Nutzer zu. Andere Autoren oder einfach nette Menschen – hin und wieder ein prachtvoller Löwe – weniger nette Menschen, Freaks. 

Und dann sind da noch die amerikanischen Witwer, wahlweise auch geschieden. Wenn nicht ein oder zwei zuckersüße Kinder, dann ein zuckersüßer Hund. Diese Männer sind häufig bei der Army, gern im Orient oder so. Sie sehen gut aus, obwohl nicht so schön, dass es Angst machen könnte. Sie sind ziemlich neu auf Facebook – also viel tut sich auf ihrer Seite nicht, außer Fotos des zuckersüßen Anhangs, der Info, dass sie Single sind (wenn auch unverschuldet), vielleicht ein nettes, harmloses Bild der anfragenden Person mit nacktem Oberkörper und gestählten Brustmuskeln. Sie haben erstaunlich wenige Facebook-Freunde bis jetzt. Aber sie sind ja auch neu. Sie hegen keinerlei Ansichten, über gar nichts – außer, dass Kinder und Hunde zuckersüß sind und dass ich – du – derjenige, dessen Facebook-Freundschaft angefordert wird – wunderschön ist. 

Vor einigen Jahren waren sie noch etwas anders drauf. Sie schrieben zum Beispiel meistens zunächst auf Englisch, was man Amerikanern ja nicht verdenken kann. Andererseits war ihr Englisch für richtige Amerikaner bemerkenswert schlecht und sie wechselten gern in gebrochenes Deutsch. Erfreute man sie mit der Nachricht, man könne sehr gut Englisch korrespondieren, reagierten sie eher ablehnend und wollten lieber beim gebrochenen Deutsch bleiben.

Die einsamen Amerikaner vor einigen Jahren erzählten, wie einsam sie waren. Sie zeigten gern Fotos von ihrem Haus mit Garten, in dem die zuckersüßen Kinder tobten oder ihnen am Hals hingen und waren nach einem Vormittag Bekanntschaft ganz wild auf persönliches Kennenlernen zwecks Aufzucht ihrer Brut.

Nach allem, was ich hörte, sind sie weder Amerikaner noch Single und sie entsprechen auch nicht den Figuren auf ihren Familienfotos. Vielmehr gehören sie afrikanischen Firmen an, die ein gutgehendes Geschäft damit betreiben, dass verliebte Facebookerinnen ein bisschen Geld rüberwachsen lassen, weil’s gerade benötigt wird. Zum Beispiel, weil eins der zuckersüßen Kinder operiert werden muss – oder weil kein Fahrgeld da ist, um die Facebookerin zu besuchen.

Natürlich kann man sie einfach links liegenlassen. Man kann aber auch Spaß mit ihnen haben. Einem schrieb ich, ich würde ihn ja gern heiraten, aber er müsse vorher die Kleinen zur Adoption freigeben: Ich sei allergisch gegen Kinder.

Einen anderen fragte ich direkt – nach sehr kurzer Bekanntschaft – ob er mir monatlich etwas überweisen könnte, vielleicht über PayPal. Und als er ziemlich entsetzt fragte, wofür, erklärte ich, alle meine Freunde würden mich finanziell unterstützen, da ich freischaffende Künstlerin sei.

Inzwischen sind sie dazu übergegangen, nahezu sofort, nach den ersten Komplimenten und ohne erst groß ihre Vita abzuleiern, zu verlangen, man sollte per WhatsApp mit ihnen verkehren, was auch immer daran ihnen das Melken erleichtert. Und sie sind, wenn ich es recht sehe, inzwischen seltener Witwer und häufiger schuldlos geschieden.

So weit, so gut.

Aber heute Morgen hat mich die aktuelle Zeit erwischt. Eine Dame, die auf ihrem Profilbild noch ganz sittsam wirkte, (amerikanische Soldatin), fand das meine so bezaubernd und wollte gern mit mir befreundet sein. Ich schaute mir also ihre Facebook-Seite an und erblickte verblüfft eine ganze Reihe von PinUp-Bildern der Soldatin.

Sie ist kurvenreich wie die Nordschleife im Nürburgring – ich riet ihr sofort, sich an den Hüften und am Po unbedingt das Fett absaugen zu lassen. Sie trägt gern eine schwarze Binde vor den Augen und sie läuft viel in Unterwäsche rum.

Schwester! Bist du von Sinnen? Wirf doch mal einen Blick auf meine Seite und die Fotos, die dort gerade abgebildet sind:

by George Charles Beresford, half-plate glass negative, 1913

Wenn du dann immer noch nicht geschnallt hast, dass ich krankhaft heterosexuell bin, kann ich dir auch nicht helfen …

Glücksfaktor: Ein bisschen Information, bevor man seinen Job macht!

 

 

 

 

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