Die große Flut

Februar 16, 2020 admin No comments exist

kam vor 58 Jahren über Hamburg, in der Nacht vom 16. auf den 17. Februar 1962. Ich erinnere mich an den Sturm, dieses unheilvolle und böse Heulen. Er trug den hübschen Namen Vincinette.

Nachmittags war ich noch draußen gewesen und es hatte mir fast den Kopf abgerissen, unmöglich, die Augen offen zu behalten. Aber niemand warnte die Hamburger. Es schien, insofern, doch alles nicht weiter gefährlich.

Später stellte sich heraus: Die Behörden hatten überhaupt keinen Plan. Es gab Warnungen von den Küstenorten – die wurden nicht ernst genommen. Keiner fühlte sich zuständig. Die Leitstelle der Polizei war nicht informiert und im übrigen von einem einzigen Beamten besetzt, die Vernetzung erbärmlich. (In Elmshorn, Uetersen und Wedel wurde viel Schaden verhindert, weil hier die Katastropheneinsatzstäbe wussten, was sie zu tun hatten.)

Die zuständige Baubehörde in Hamburg befürchtete, sich mit einer Warnung oder sogar Evakuierung unbeliebt zu machen und hielt sich still zurück. Das Deutsche Hydrographische Institut immerhin alarmierte über Radio. Die Menschen hörten bloß nicht mehr so viel Radio wie früher, sie schauten lieber in ihre Fernseher. An diesem Freitagabend lief dort die sehr beliebte Serie ‘Familie Hesselbach’. Die hätte das Deutsche Hydrographische Institut womöglich gern unterbrochen, um kurz mittendrin zu erklären, da käme gerade eine Menge Wasser. Aber das war technisch noch nicht möglich …

Wilhelmsburg lag innerhalb kürzester Zeit unter dem Meeresspiegel. Nachdem der Deich gebrochen war, wurde ein Bahndamm unterspült und ein Zug entgleiste. Kabelschächte soffen ab, wodurch es keinen Strom mehr gab und keine Telefonverbindung.

Ab halb eins am Samstag, dem 17. Februar, war in Hamburg der Ausnahmezustand verhängt worden. Trotzdem blieb der Bausenator, der jetzt hätte loslegen müssen, zu Hause. Der erste Bürgermeister war sowieso im Urlaub.

Und dann kam er, der Held, der Retter, der Mann, der alles im Griff hatte! Innensenator Helmut Schmidt erteilte sich kurzerhand selbst die nötigen Vollmachten. Er war, weil mit Verteidigungsangelegenheiten zugange, dicke mit der Nato. Er forderte an: Streitkräfte, vor allem Pioniertruppen mit Sturmbooten, sowie 100 Hubschrauber der Bundeswehr und der Royal Air Force. Da wurde evakuiert, was das Zeug hielt.

Der anschließende Heldengesang hat die Karriere vom Barmbeker Jung Schmidt sehr positiv beeinflußt.

Wir wohnten in Niendorf, bis dorthin kam die Elbe nicht. Aber Bekannte von uns lebten in Wilhelmsburg. Eigentlich wollten sie an diesem Wochenende verreisen. Aber weil ihr jüngerer Sohn krank geworden war, sagten sie das ab. Mit dem Älteren, Jürgen, war ich befreundet. Er hatte mir ein Buch geliehen: Märchen von Wilhelm Hauff. Das konnte ich ihm nie zurückgeben …

Glücksfaktor, manchmal: in höhergelegenen Gebieten zu wohnen.

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