11. Dezember 1936: Skandal im englischen Königshaus!

Dezember 10, 2019 admin No comments exist

Das englische Königshaus, mit nicht gerade unbeträchtlichem Vermögen ausgestattet, verhielt sich im vergangenen Jahrhundert meistens brav. Regierungsgeschäfte hatte es nicht mehr zu erledigen, es agierte wie eine Art Ornament am Aufschlag der Jacke Britannias und hatte als solches auf ganz bestimmte Art zu glitzern. Dazu gehörte beispielsweise, eine Art noble Zufriedenheit auszustrahlen. (Oder, verkürzt ausgedrückt, in der Formel der Pinguine aus Madagaskar: Lächeln und Winken!)

Wenn der gemeine Mensch sich den Schweiß von der Stirn wischte und in einer Arbeitspause nach oben – oder in die Zeitung – schaute, durfte er sich am Glück der verwöhnten und priviligierten Windsors erfrischen. Die boten, im Gegenzug, das entsprechende Bild, nobel und perfekt, unerschüttert und ohne Erschütterung. Letztere waren ausdrücklich verboten. Sie aßen, was auf den Tisch kam (da gab es vermutlich wenig zu meckern), ließen sich nicht mit fettigen Haaren oder heruntergezogenen Mundwinkeln erwischen und heirateten normalerweise, was ihnen zugeschustert wurde, solange es sich halbwegs ertragen ließ. Und sie lächelten und winkten.

Schwierig wurde es immer dann, wenn mit einem Royal die Romantik durchging. Das geschah auf ganz unerhörte Art im Jahr 1936.

Ende Januar starb George V. und sein Sohn Edward (im Familien- und Freundeskreis von allen ‘David’ genannt) folgte ihm auf den Thron. Er war ein durchaus hübscher, nur leicht angewelkter Jungeselle von Anfang 40 und eigentlich ein netter Kronprinz gewesen, überwiegend freundlich und geduldig. Allerdings beherbergte er einige sehr liberale Ideen in seinem Busen, Sozialkram und Gerechtigkeit und so weiter, was die Konservativen in der Regierung nervös machte. Zudem litt er an dieser Neigung zu romantischer Liebe – gern mit Amerikanerinnen, sogar mit noch verheirateten oder geschiedenen Frauen – was seine Eltern nervös machte. Die Idee, ihn mit einer der Zarentöchter, Olga, zu verheiraten, ließ man wieder fallen. Das war offensichtlich so gar nicht, was sein Herz begehrte.

Vater George V. hatte einmal privat geäußert, er fürchte, sein Ältester möge trotz aller guter Gaben imstande sein: “… sich und die Krone in nur zwölf Monaten zu ruinieren …” Und zwar der Liebe zuliebe. Da sprach eine Sehergabe aus dem alten König.

In gewisser Weise bestätigte Edward die Prophezeiung nicht nur, er unterbot sie sogar noch, indem er keine elf Monate auf dem Thron aushielt, bevor er wegen einer Frau abdankte. Seine Regierungszeit reichte nicht einmal aus, um gekrönt zu werden. Die Kosten hatte man gespart und krönte insofern den Nachfolger, Edwards jüngeren Bruder. Durch all das gab es im Jahr 1936 drei Könige in England; im Januar noch George V., bis 10. Dezember Edward VIII. und für die letzten Tage des Jahres George VI.

Edward hätte nichts dagegen gehabt, König zu bleiben und die Dame seines Herzens zur Königin zu machen. Leider war das Protokoll strickt dagegen, denn die Lady, Wallis Simpson – von einigen nur diese Frau genannt – war nicht nur Amerikanerin, sondern bereits zum zweiten Mal geschieden! Shocking! Und ganz unmöglich. Der König musste verzichten, auf seine Liebe oder auf den Thron.

Am 11. Dezember erklärte Edward in einer kurzen Radioansprache seinem Volk, dass es ihm unmöglich wäre, die Last der Verantwortung eines Königs zu tragen ohne die Hilfe und Unterstützung der Frau, die er liebe.

Es gab ein Riesengetöse. Was die beiden auslösten, war in Hofkreisen überwiegend Kopfschütteln, bei einem Teil der schlichten Bevölkerung Rührung und Sympathie über so viel Romantik. Der Rest fand die Sache unmoralisch.

Das Paar heiratete 1937, erhielt den Titel ‘Herzog und Herzogin von Windsor’, lebte in einer Art selbstgewähltem Exil in Amerika und Frankreich und bereicherte den Jetset. Wer die beiden direkt kennen lernte, hielt ihn für ein Lämmchen und sie für eine Wölfin. Queen Mary, Edwards Mutter, glaubte sowieso, Wallis würde ihren Sohn durch ‘schmutzige sexuelle Praktiken’ an sich fesseln.

Aber wenn sie beide glücklich damit waren?

Sie behandelte ihn vor anderen Menschen häufig recht rüde, beispielsweise ist überliefert, dass sie nach einem Dinner scharf in die Hände klatschte und ihm befahl, seinen Kilt anzulegen und vorzutanzen. Worauf der frühere König gehorsam verschwand, im Schottenrock zurückkehrte und vor den leicht verstörten Gästen auf Zehenspitzen umhersprang, mit wirbelndem Röckchen.

Aber wenn sie beide glücklich damit waren?

Glücksfaktor: Wer weiß?

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